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Redaktionelle Korrespondenz.
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„Natal", damals ihr neuestes und bestes Dampf¬
boot, nach Australien schickte. Die nachfolgenden
Schiffe waren gleichfalls sämtlich neuerbaut und
wurden, sobald sie in Dienst gestellt waren, der
australischen Linie überwiesen. Die weniger schnellen
Schiffe wurden von Australien zurückgezogen und
nach Ostasien geschickt; an ihre Stelle treten stets
die neuesten Dampfer der Gesellschaft. Der „Ocea-
nien" ist heute das schönste und schnellste Schiff der
französischen Gesellschast: er fährt und fuhr von
Anfang an nach Australien. Dies sollte man in
Deutschland bedenken, denn das Geheimnis des be¬
deutenden Erfolgs, den die Messageries hier aufzu¬
weisen haben, liegt gerade darin, daß dieselben für
Australien nur die neuesten und besten Schiffe be¬
stimmten. Noch eines. Sowohl die beiden engli¬
schen Postdampferlinien, die Orient- und P. & O.-
Gesellschaften, als auch die „Messageries Maritimes"
haben hier am Orte ihre eigenen Büreaus mit ihren
eigenen Generalagenten, der Lloyd hat sich damit
begnügt, seine Vertretung so nebenbei einem Hause
Zn übertragen, welches, wie man mir sagte, das
größte Quantum Wolle nach Deutschland exportiert.
Das ist abermals ein großer Fehler und wird ganz
einfach die Gesellschaft in den Augen der Australier
zu einer Dampferlinie H. Ranges heruntersetzen.
Besteht aber einmal erst gegen unsere Schiffe ein
Vorurteil irgend welcher Art, so dürfte das nur
schwer zu besiegen sein. Politische Motive haben
ohne Zweifel bei der Dampfervorlage eine Rolle ge¬
spielt, dabei will man aber doch gewiß den finan¬
ziellen Standpunkt ebenfalls gewahrt wiffen. Die
deutschen Dampfer haben alle Aussicht, sich die
Gunst Australiens zu gewinnen und auch zu er¬
halten. wenn man jedoch in Deutschland dem Grund¬
satz, daß alles für Australien gut genug ist, huldi¬
gen syllte, so wird man sich aufs bitterste ent¬
täuscht sehen. v. Koenneritz.
Ln eigener Sache.
Das „Hamburger Fremdenblatt" bringt in
Nr. 168 aus der „Deutschen Zeitung" in Porto
Alegre, Herrn ter Brüggen gehörig, von Herrn
v. Frankenberg herausgegeben und, wie bekannt,
dem Provinzialdeputierten von Rio Grande do Sul,
dem Besitzer der anderen Deutschen Zeitung in
Porto Alegre, Herrn Karl v. Koseritz mit un¬
versöhnlichem Hasse gegenüberstehend, einen Artikel,
der den vom „Herman, Gesellschaft für deutsche
Ansiedelung in Südamerika" geplanten Erwerb
der Provinzialkolonie S. Feliciano in Rio Grande
do Sul in verletzender Sprache abfällig beurteilt
und die Gesellschaft verdächtigt, Herrn v. Koseritz,
der in seiner Zeitung und mit den anderen
deutschen Deputierten im Provinziallandtage von
Rio Grande do Sul warm für die Überlassung
von S. Feliciano an „Herman" eingetreten ist, für
sich erkauft zu haben durch „klingende Münze".
Diese Angriffe veranlassen uns, zur Richtigstellung
Folgendes zu erwidern:
Das Gründungskomitee der Gesellschaft „Herman"
bat S. Feliciano von Männern, die von aller
Welt, außer vielleicht von der Deutschen Zeitung
selbst, als zweifellos ehrenhaft anerkannt werden
und mit den dortigen Verhältnissen wohl vertraut
sind, von Herrn Dr. von Jhering und seinen sachver¬
ständigen Mitarbeitern, genau untersuchen und, um
keine Vorsichtsmaßregeln zu versäumen, diese Unter¬
suchung durch einen von hier aus nach S. Feliciano
geschickten durchaus zuverlässigen und ehrenhaften
Sachverständigen, Herrn H. Soyaux, in ein¬
gehender und gewissenhaftester Weise wiederholen
und kontrolieren lassen; es darf daher mit vollster
Berechtigung auf die Aussagen und Urteile dieser
Vertrauensmänner, die alles Erforderliche selbst
gesehen und geprüft haben, sich mehr verlassen
als auf die gegenteiligen Aussagen und Urteile
der „Deutschen Zeitung", solange diese wie bis¬
her nur in der Form gänzlich unerwiesener Be¬
hauptungen erscheinen und durch ihren Gegensatz
zu gut bezeugten Thatsachen verraten, daß sie gegen
den Erwerb von S. Feliciano nur deshalb
agitieren, weil Herr v. Koseritz sich für denselben
ausgesprochen hat!
Wir können uns bei unserem Vorgehen doch un¬
möglich durch zarte Rücksicht auf die Gefühle der
„Deutschen Zeitung" gegen Herrn v. Koseritz bestim¬
men lassen, da wir anderenfalls auf jedes Streben in
Rio Grande do Sul verzichten müßten, dieweil wir
weder Grund noch Macht haben, Herrn v. Koseritz
zu zwingen, nicht für unsere Unternehmung einzu¬
treten. Wir müssen daher das Urteil der „Deutschen
Zeitung" leider unbeachtet lassen, solange es diesem
Blatte nicht beliebt, bei der Kritik unseres Wirkens
zu beachten, daß unser Unternehmen eine Sache für
sich ist und mit der Stellung des Herrn v. Koseritz
nichts zu Lhun hat.
Die Verdächtigung, daß wir Herrn
v. Koseritz für uns ' erkauft hatten, ist
eine ehrabschneiderische Verleumdung, da
Herr v. Koseritz von uns weder „klingende Münze"
noch irgend einen anderen Lohn gezahlt oder ver¬
sprochen erhalten, irgend einen Lohn auch nur be¬
gehrt hat, vielmehr gerade im Gegenteil, wie wir
ihm der Wahrheit gemäß bezeugen müssen und mit
Vergnügen bekunden, in der uneigennützigsten
Weise für uns eingetreten ist und sich frei¬
willig zur Vertretung unserer Interessen und der¬
jenigen des Deutschen Kolonialvereins ohne irgend
welches Entgelt erboten hat.
Selbst die „Deutsche Zeitung" wird diese Aussage
nicht bezweifeln dürfen, da wir sie in der Beleidi-
ungsklage des Herrn v. Koseritz gegen das Ham-
urger Fremdenblatt eidlich erhärten werden.
Kurella,
Mitglied des Gründungskomitees
des „Herman, Gesellschaft für deutsche
Ansiedelung in Südamerika."
* #
Sjs
Der Generalsekretär der Deutsch-Ostafrika¬
nischen Gesellschaft hat an den Vorstand des
Deutschen Kolonialvereins folgendes Schreiben (vom
6. August) gerichtet, welches unseren Lesern von
Interesse sein dürfte; Herrn l)r. Engelhardt stellen
wir unser Organ zu einer Gegenäußerung gern zur
Verfügung, ^Die Redaktion.
„Bezugnehmend auf eine Besprechung derEngel-
hardt'schen Karte von Zentralostafrika in der letzten
Nummer der Kolonialzeitung beehre ich mich, Ihnen
mitzuteilen, daß Herr Or. Engelhardt keineswegs
autorisiert war, sich auf das Material der Deutsch-
Ostafrikanischen Gesellschast, als seine authentische
Quelle, zu berufen.
Herrn Engelhardt ist weder vom Präsidenten
der Gesellschaft, Herrn 1)r. Peters, noch von mir