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U e w 1 f ch e A o I o nial; e itung.
Nr. 17.
Pachtzins abliefert, und auf der anderen Seite die Arbeitsver¬
träge, bei denen der Landeigentümer, dem sämtliche Schafe ge¬
hören, den Schäfer mit einem Ertragsanteil in Geldform lohnt.
Der Unterschied der drei Verträge zeigt sich am schärssten darin,
daß beim Pachtverträge allein der Pächter, beim Arbeitsvertrage
allein der Landeigentümer, beim Gisellschastsvertrage aber beide
zusammen die Disposition über die Verwertung des Ertrages haben.
Tatsächlich übt allerdings im letzteren Falle der Estanziero, ver¬
möge seiner wirtschaftlichen Machtstellung und seiner Geschäfts¬
kenntnisse, dieses Dispositionsrecht fast ganz allein aus und be¬
spricht höchstens mit dem Schäfer hin und wieder die Chancen
eines Verkaufs von Wolle oder Tieren. Wenn nun auch, wie das
häufig der Fall ist, der Schäfer nach Ablauf des meist auf drei
Jahre geschlossenen, nicht erneuerten Vertrages verpflichtet ist, dem
Estanziero auf dessen Wunsch seine Schafe zu verkaufen, und wenn
zudem alle Lämmer auch aus der Herde des Schäfers.mit der
Marke des Estanzieros gezeichnet worden, dergestalt, daß gegen den
Willen des Estanzieros der Schäfer seinen Ertragsantcil nicht in
natura beanspruchen kann, so liegt schon ein dem reinen Arbeits-
vertrage sehr nahekommendes VertragsverhälLnis vor. Dieses, die
Arbeit um Anteilslöhnung/ scheint gegenwärtig weit häufiger als
das Gesellschaftsverhälttüs zwischen Grundbesitzer und Schäfer vor-,
zukvmrnen/was sichja aus der Steigerung des Bodenwertes/ dem
Anwachsen des Kapitals unter den Grundbesitzern und der schärferen
Herausbildung sozialer Gegensätze leicht erklären läßt»
Der Lohn des Anteillöhners besteht in einem Drittel, auf
den besser rentierenden Estanzien aber nur in einem Viertel und in
neuester Zeit infolge des immer mehr anwachsenden Geldwertes
der Erträge gar nur in einem Fünftel oder Sechstel des Ertrages
der Herden. Außer zur Leistung der den Puestcros (Hirten) zu¬
fallenden Arbeiten ist er auch verpflichtet, einen seinem Anteile ent¬
sprechenden Teil der Schur- und Kurkosten (Räudebehandlung)! und
der Kosten der Zaunrepamturen zu tragen. Für seinen Unterhalt
hat er selbst zu sorgen, und nur die Konsumschase bekommt er
seinem Anteilsrecht entsprechend umsonst, indem diese gewissermaßen
als Ertrag der Herde angesehen werden. Es wird für diese Schafe '
ein nur wenig wechselnder Preis augesetzt — auf einer von mir
besuchten Estanzia des Südens, beispielsweise für Mutterschafe
l*/ 2 —2, für Hammel 2—4 $ —. Der Auteilshaber kann sich aus
seiner Herde soviel Schafe nehmen, wie er will, muß aber von dem
Preise, wenn er Terzianero ist, ein Drittel an den Estanziero zahlen.
Trotz der Vorteile des Anteilsystems, die durch die größere
Sorgfalt des interessierten Schäfers in der Pflege der Schafe und
der Verhütung von Viehdiebstählen gegeben sind, wird es auf
modern geleiteten Estanzien doch immer mehr durch das System
des Jahreslohnes ersetzt, weil die Einteilung der Herden nach
Alter und Geschlecht und die sorgsame Rassenzüchtung sich mit jenem
Systeme und mit der dem Schäser dabei verbleibenden Selbständig¬
keit des Handelns nicht recht verträgt. Auch mögen die höheren .
Wöll- und Flerschertrage der Schafe wohl dazu beigetragen hahen,
das Anteilsystem dem Estanziero als eine zu teure Lohnart er¬
scheinen zu lassen, und er hat dann, da es ihm schwerer wurde,
Leute, die bisher an das Drittel- oder wenigstens Viertelsystem
gewohnt waren, zu veranlassen, für ein Fünfte! oder Sechstel zu
arbeiten, als sie zu einem festen Lohnsätze zu engagieren, lieber
ganz auf die Vorteile des Anteilsystems verzichtet. Daß dasselbe,
wenigstens im älteren Kullurgebiete, immer mehr abkommt, ist für
das Fortkommen von Anfängern, insbesondere von Einwanderern
sehr ungünstig; denn gerade dieses Anteilsystem ermöglichte es
Leuten, die ohne jedes Kapital h<rüberkamen, sich nach und nach
in den Besitz einer kleinen Herde zu setzen, und dabei zugleich die
Verhältnisse des Landes und den Estanziabetrieb ohne eigenes
wirtschaftliches Risiko kennen zu lernen. Diese Vorbereltungs schule-
für eine künftige Selbständigmochuug haben zahlreiche Einwanderer,
insbesondere Irländer im Norden der Provinz Buenos Aires-
spanische und französische Basken im ganzen Lande, vornehmlich
aber im Süden derselben Provinz, in geringerer Anzahl auch Schott-»-
länder, Südfränzosen namentlich die fälschlich, manchmal auch
als Basken bezeichneLen Bearnesen —, Italiener und hin und wieder /
auch Deursche- durchgemacht und dadurch den Grund süt ihre spätere- *
Wohlhabenheit gelegt. i i Y
Anträge M Krage der MoUMf- und Angsra-
riegenMcht in Deutsch-Südwestafrika.
Bon E. Herrn ann-Norntsas.
<Verz>. Rr. 7, IS. iS und 16 d. Iahrg )
V. -
Höhe der Jahresausgaben für Leitung und Betrieb.
Bei einer Schäferei von 2000 Stück kann von einem technischen
Leiter keine Rede sein, hier muß ein einfacher Schäfer genügen
Lohn und Kost.. .... 2000 Ji
5 Eingeborene mit Lohn und Kost (250 JO . . . 1250 •
Schur von 2500 Tieren ä 10 ^ . ..... 250 »
Extraausgaben für 4 Frachten Wolle bei einer durch¬
schnittlichen Entfernung von 200 km von der
Abiadeftelle . Ä00 -
Steuern, Abgaben, Zölle .......... 500 »
■. : 5000 jc
Gdcrstahsarst MoftM Qr. KchWck f»
Von vr. E. Menfe.
Der dem Deutschen Reiche durch chinesische Treulosigkeit aus-
gezwungene bewaffnete Zug nach dem fernen Osten, hat den kolonialen
Bestrebungen und der deutschen Wissenschaft ein schweres Opfer
auserlegt: Oberstabsarzt Professor vr. Kohlstock ist am 15. April
in Tientsin verstorben!
Stets bereit und seit einer Reihe von Jahren gewohnt, seine
unter fremder Sonne gesammelten ärztlichen Erfahrungen in den
Dienst des Vaterlandes zu stellen, hatte der zu früh Hinweg-
geraffte sich der Ostasiatischen Expedition angeschlossen; aber schon
bald setzte der Tod seiner erfolgreichen und vielsprechenden Lauf¬
bahn'ein jähes Ende: •
Paul Kohlstock wurde am 5. Januar 1861 zu Berlin geboren
und genoß seine medizinische Ausbildung als Zögling der Kaiser
Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen an bei
Universität Berlin. Im Jahre 1884 erhielt er die Approbation
als Arzt und promovierte mit einer Arbeit über den Typhus
bei Kindern zum voetor medicinae, um darauf als Assistenzarzt
beim Sanitätskorps einzutreten. Kaum zum Oberarzt befördert
begann er seine koloniale Thätigkeit und zog mit der von
Wissmann geführten Truppe nach Ostafrika, wo die an die Er.
Werbung des dortigen deutschen Schutzgebiets sich anknüpfender
Wirren ärztlicher Arbeit ein reiches Feld eröffneten. An bei
blutigen Niederwerfung des Araberaufstandes nahm vr. Kohlstoö
als Assistent des Stabsarztes Schmellzkopf teil und fand Gelegen,
heit, neben der Kriegschirurgie dem Studium der Tropenkrankheiter
obzuliegen, welchem fortan seine Arbeitskraft geweiht blieb.
vr. Schmellzkopf verunglückte bei einem kühnen Wagnis alt
Schwimmer, Kohlstock die schwere Aufgabe hinierlassend, nicht nw
das Sanitätskorps bei der Expedition zu führen, sondern auch du
ersten gesundheitlichen Einrichtungen in der vom Aufruhr »er.
Heerte» und von klimatischen Krankheiten schwer heimgesuchter
Kolonie zu treffen. Kranke gab es vom Strande des Indische,
Ozeans bis an die Gestade des Rynssa-, Tanganyika- und Viktoria
Sees in Hülle und Fülle, Verwundete schasste der fanatische Feind
ärztliche Fürsorge jedoch fehlte dem ganzen großen Gebiete noci
gänzlich; Kohlslock zeigte sich allen-Anforderungen, welche di
schwierige Lage an ihn stellte, als Arzt und Organisator gewachst!
und konnte, als er 1890 in die Heimat zurückkehrte/ mit Be
friedigung auf seine Leistungen zurückblicken.
: . Praktische ärztliche Arbeit in den Tropen und stets erneutet
theoretisches- Studium an den Hochschulen und Krankcnhäuseri
Europas,-müssew Hand'in Hand Men und sich gegenseitig er
ganzen, wenn Ersprießliches geleistet werden soll. Kohlstock, nun
«thr»' pnw.'StaLsürK'.'"-beMdeH! befolgte diesen Grundsatz, tra
wieder in die Kai fer - Wi l helms-Aka d ein ie ein, war als Assistent ai
i -der PredlKinischewÄlimt in der > Ehäritee längere Zeit "thärig tut.