Seite
Deutsche Rolonialzeiturrg.
Nr. 5
zu besichtigen und eventuell mit Hendrik Wittbooi wegen käuflichen
Erwerbes von Land Zu unterhandeln, kehrte Herr Kleudgen über
Port Elizabeth in das Schutzgebiet zurück. Am 10. Oktober traf
er in.Swakopmund. am 15. November in Marienthal (Gibeon) sin
und rsists mit der nächsten Post über Keetmannshoop nach Bethanien
und Kn bub, um die erforderlichen Erkundungen durchzuführen. Mit
der nächsten Post, welche aus Südwestafrika in. Berlin eintrifft,
erwartet die Gesellschaft Mitteilung über den endgiltigen Ankauf der
Ländereien und Bericht über ben Stand und die Entwicklung der
bereits vorhandenen Viehbestände. Die Gebäude sind an Ort und
Stelle glücklich angelangt. Die Gesellschaft scheint nunmehr einer
ruhigen» gedeihlichen Entwicklung entgegensetzen zu können.
Otam-Minrn- und Gisenbahn-Geleltschaft, Kerlm.
Der Bericht über das mit dem 31. März 1902 abgeschlossene
zweite Geschästsjahr bringt wenig neue Tatsachen. Die Feststellungen
des Ingenieurs Christopher James bezüglich der Tsumeb-Mine
gehen dahin, daß dort ca. 239 330 Tonnen hochgradigen Erzes mit
einem durchschnittlichen Gehalt von 12.61 % Kupfer und 25,29 %
Blei ausgeschlossen sind, dazu kamen noch rund 190 000 Tonnen
armen Erzes mit einem Durchschnittsgehalt von 2,91 % Kupfer und
4,37 % Blei. Nach den Berechnungen des Herrn James würde
dieser Vorrat hochgradigen Erzes nach dem ausgestellten Plan in
etwa 5 Jahren aufgearbcitet sein. Es würden jährlich etwa 7760Tonnen
Kupfer und rund 15 000 Tonnen Blei gewonnen werden, wobei, bei
Zugrundelegung eines Kupferpreises von 60 £ per Tonne und eines
Bleipreises von 12 £ per Tonne, rund 390 000 £ Gewinn pro Jahr
erzielt werden könnten. Legt man den augenblicklichen Kupferpreis
von 50 £ zu Grunde, so vermindert sich der Gewinn auf 312 000 £.
In diese Berechnung ist nun allerdings weder die Verarbeitung des
geringhaltigen Erzes berücksichtigt, noch das im Blei in nicht un¬
bedeutendem Maße enthaltene Silber in Betracht gezogen. Arbeite«
krüfte und Brennmaterial sind in der Nähe der Tsumeb-Mine in ge¬
nügendem Maße vorhanden. Das für den Grubenbetrieb nötige
Wasser müßte allerdings aus einer Entfernung von etwa 20 Kilometern
herangeschafft werden.
Zur Inangriffnahme dieses Bergwerksunternehmens ist natürlich
die Lösung der Transportsrage erste Bedingung. Am einfachsten
wäre natürlich der Anschluß nach Windhuk an die Bahn nach
Swakopmund. Die Gesellschaft hat aber für den Bau dieser Strecke
wohl Interesse, aber keine materielle Unterstützung von anderer Seite
gefunden. Es ist dieser Plan daher ausgegeben und in Erwägung
gezogen, mit Unterstützung der South West Africn Company eine
Bahn nach Port Alexander in iVm portugiesischen Angola zu bauen.
Die Bahn würde 400 Kilometer anrch deutsches Gebiet und 330 Kilo¬
meter durch portugiesisches Gebiet führen. Mit der portugiesischen
Regierung werden zur Zeit wegen Erlangung einer Eisenbahnkon¬
zession Verhandlungen gepflogen. Bei der augenblicklich allgemein
schlechten Lage des Geldmarktes wird die Aufbringung der Mittel
jedoch Schwierigkeiten bereit eil und eine günstigere Zeit abgewartet
werden müssen. Das aut ine-" Weise durchschnittene Gebiet soll
landwirtschaftlich und borg baut- d gute Aussichten bieten, was auch
absolut notwendig wäre: inmn allein auf das oben erwähnte, zu
erwartende Resultat der Timneb- di ine würde sich der Ban der Eisen¬
bahn kaum rechtfertigen lassen. Ws,
Deutsche Äamoa-Dcsciljchast, ti erlitt.
Das Büreau der Gesellschaft ist nach Potsdamerstraße 112 ver¬
legt. An Stelle des ausgeschiedenen Direktors Herrn G. Meinecke
ist der bisherige 2. Vorsitzende des Aufsichtsrats Herr Ernst
Ullmann zum Vorstand gewühlt. In den Aufsichtsrat ist dafür
Herr G. Gercke, C-harlottenburg, gewählt. Ws.
illaltombE-Shjuiiknt, Hannover.
Durch das anfangs Januar in Hannover gegründete Makombe-
Syndikat sind die Niederlassungen und Minen der Dr. Karl Peters-
Gesellschaft in Makombeland übernommen. Die Geschäftsleitung
bezw. den Vorsitz des neuen Syndikats hat Herr Sartorius Reinhold
in Firma Neinhold & Co., Hannover, übernommen; derselbe wird
die Umwandlung des Syndikats in eine den deutschen Gesetzen ent¬
sprechende Rechtsform vorbereiten. Das Kapital ist voll gezeichnet.
Herr Dr. Karl Peters wird demnächst an der Spitze einer voll¬
ständig allsgerüsteten Minenexpedition nach dem Makombeland
reisen. um die Einrichtung eines geregelten bergmännischen Betriebes
in die Wege zu leiten.
In der Nähe des Konzessivnsgebietes der bisherigen Dr. Karl
Peters - Gesellschaft . haben neuerdings verschiedene Unternehmungen
bergbauliche Konzessionen erhalten, so im Norden von Makombeland
die Oceana-Compagnie, im Süden die Rhodesia Limited. Ein anderes
Konsortium hat eine Konzession im Muiratal erworben, um dieses
Gebiet mit Baggermaschinen auf Alluvialgold Zu bearbeiten. Ws.
Gründung einer Marokkanischen Gesellschaft zu Kermi.
Die großen wirtschaftlichen und politischen Interessen, die Deutsch¬
land im äußersten Sultanat, im Maghreb el Alsa, zu vertreten hat.
haben zur Gründung einer „Marokkanischen Gesellschaft" geführt. Die
Gesellschaft ist bereits am 11. Oktober v. I., unter dem Zeichen des
ersten deutschen Kolonialkongresies ins Leben getreten. Sie verfolgt
den Zweck, die geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Marokkos
zu erforschen, die Interessen Deutschlands in Marokko zu schützen und
zn fördern und die Beziehungen beider Lander zu einander zu pflegen.
Insbesondere gedenkt die Gesellschaft, solange es erforderlich erscheint,
wissenschaftlich ausgerüstete Reiseunternehmungen in die unbekannteren
Teile des Landes zu senden. Geeignetenfalls sollen von der Gesellschaft
wirtschaftliche Unternehmungen ins Leben gerufen werden. Der Mit¬
gliedsbeitrag betrügt 25 M„
Ehrenvorsitzender der Gesellschaft ist Professor Theobald Fischer,
Marburg, der verdiente Marokkoforscher.
Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. P. Mohr, Berlin;
Graf Joachim von Pfeil, Schloß Friedersdorf, Kr. Lauban; Re»
gierungsrat von Hake. Liegnitz.
In dem wissenschaftlichen Beirat der Gesellschaft sind die Herren:
Geh. Regierungsrat Professor Dr. Wohltmann, Bonn; Professor
Dr. Paul Schnell, Mülhausen; Professor Hans Meyer, Leipzig;
Professor von Halle, Berlin; Privatdozent Dr. Kampfmeher,
Halle; Professor Dr. Link, Jena. Weitere Wahlen sollen noch erfolgen.
Beitrittserklärungen sind an den Vorstand der Marokkanischen
Gesellschaft zu Berlin NW. 28 zu richten.
Rundschau.
P e r s ö st liche j —-
Zuverlässigen Nachrichten zufolge wird der Direktor des Botanischen
Gartens in Victoria (Kamerun), Dr. Preuß. nicht nach dem Schutz¬
gebiete zurückkehren, sondern aus dem Kolonialdienst ausscheiden.
Auch Oberst Pavel wird das Kommando der Schutztruppe in
Kamerun nicht wieder übernehmen, sondern in die Armee zurücktreten.
Oberst Pavel war wenig über ein Jahr, vom Juli 1901 bis zam
August 1902, in Kamerun tätig, hat aber in dieser verhältnismäßig
kurzen Zeit viel zur Erschließung des Hinterlandes, insbesondere
durch seinen Zug in das Tschadseegebiet, eine der bemerkenswertesten
Expeditionen in unfern Kolonien, beigetragen. Er ging als Oberst¬
leutnant hinaus und wurde im Herbst 1902 nach seiner Rückkehr
zum Oberst ernannt.
K i a ursch o u., Major Al üll er und Regierungsbaumeister Straßer
sind heimgereist. Hauptmann Zeller und Landmesser Beyreiß sind
aus Deutschland in Tsingtau eingetroffen. Marine-Generaloberarzt
Dr. Koenig hat an Stelle des heimkehrenden Marine-Oberstabsarztes
Dr. Lerche die Geschäfte des Gouvernementsarztes.übernommen.
Ul (gern e ine 3.] 1
Schullehrer für die Schutzgebiete.
Die Kolorlial-Abteilung wird voraussichtlich bald wieder mehrere
Lehrerstellen zu besetzen oder neu einzurichten haben. Bewerber für
Lehrerstetten müssen das Anstellungszeugnis für eine deutsche Volks¬
schule besitzen und schon im Schuldienst unterrichtet haben. Sie müssen
ferner tropendiensttanglich fein; bevorzugt wird das Alter zwischen
24 und 30 Jahren. Die Dauer der Dienstverpflichtung ist verschieden;
sie beträgt je nach den klimatischen Verhältnissen 1YJ bis 8 Jahre.
Die Kosten der Ausreise und der späteren Heimreise werden vergütet
und ferner zur Ausrüstung ein Betrag von 500 M gewährt. In Äus--
nahmefällen werden verheiratete Bewerber zugelassen, die einen ent¬
sprechend höheren Ausrüstungszuschuß erhalten. Das Jahresgehalt
beträgt 4000 M neben freier Wohnung; wer sich nach Ablauf der
Dienstzeit zu weiterer Diensttätigkeit in den Schutzgebieten verpflichtet,
erhält 4 Monate Heimatsurlaub nebst Reisebeihilfe. Beim Aus¬
scheiden aus dem Kolonialdienst wird der Rücktritt in den heimischen
Dienst unter Anrechnung der Dienstzeit erwirkt. Bewerbungsgesuche
sind an die Kolonial- Abteilung des Auswärtigen Amtes. Berlin,
Wilhelmstraße 62, zu richten.
Togo.) Dom Baumwollbau tu Weftafrita»
Die unter dem Namen „Cotton Growing Association* bekannte
englische Vereinigung zur Pflege des Baumwollbaues hat in bleiern
Monat den dritten Sachverständigen, Mr. Neely aus den Vereinigten