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Den Ls cf) e Rolonialzeitu n g»
1903
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könne den Antrag in der vorliegenden Fassung nicht annehmen,
wohl aber würde sie Anlaß daraus nehmen, um mit den
anderen Mächten in einen Meinungsaustausch zu treten. Ob
der Kongostaat seine Pflicht in der Unterdrückung von Aus¬
schreitungen getan habe, entziehe sich der amtlichen Kenntnis.
Daß Ausschreitungen vorgekommen seien, könne nicht geleugnet
werden. Zunr Schluß führte der Redner ein Zeugnis eines
Missionars an, wonach die Behörden nicht verhindern können,
daß undisziplinierte Soldaten den Eingeborenen Hände, Ohren
und sogar die Köpfe abschneiden. Das hielt den Redner nicht
ab, dem Kongostaat wiederum den Vorteil des Zweifels zu
bemilligerr. Kurz, der Karren schien ziemlich verfahren, und
Lord E. Fihmaurice voll der radikalen Seite benutzte
schon die. Gelegenheit, um der Regierung scharf zuzusetzeu.
Der Fall stelle sich so dar, daß der Korlgostaat nicht in der
Lage sei, seine Verpflichtungen aus der Berliner Generalakte
zu erfüllen. Er sei so schlecht organisiert, so schwach, und habe
über -ein so großes Gebiet hin ein so verwickeltes System von
Gesetzen anzuwenden, daß er seine Vertreter irr entlegenen
Gegenden nicht zu beaufsichtigen vermöge. Deshalb seien
Greueltaten vorgekommen, die das Blut zum Stocken brächten
und die Zivilisation, vor Scham erröten ließen. Großbritannien
sei vollkommen berechtigt, sich mit den übrigen beteiligten
Mächten zu benehmen und ihre Aufmerksamkeit aus die be¬
stehenden Zustände im Kongostaat zu richten, die eine
Schmach für die Zivilisation bildeten. Im Kongostaat be¬
stehe nichts anderes als ein. organisierter Sklaven hau best
Jetzt hielt der Ministerpräsident I. A. Balsour es für
angezeigt, zu erklären, daß die Regierung die ihr aus der
Berliner Generalakte erwachsende Verantwortung voll und
ganz anerkenne. Sie sei also mit dem Hanptkeit des An¬
trages, an die übrigen. Vertragsmächte heranzutreten, voll¬
kommen einverstanden. Daneben gebe es aber noch eine andere
Frage. Die internationale Höflichkeit verlange, daß man nicht
vorp vornherein einer frembeu Regierung Pflichtverletzung vor¬
werfe. Airs die in einer Verhandlung des Hauses erhobenem
Anschuldigungen hin könne man eine' befreundete Regierung
nicht sofort verurteilen. Die Kabinetsmitglieder vermöchten
nicht gegen den Antrag zu stimmen, weil er eine Politik
vorzeichne, welche die Regierung zu befolgen ge¬
neigt sei.. Aber er hoffe, daß der Antragsteller den einen
Daß: „Diese beiden Bürgschaften find verletzt worden" zu
streichen bereit sei. Das war im Grunde nur eine Formfrage
uiib Herr Samuel ließ den Satz gerne fallen, worauf der
veränderte All trag nach dreistündiger Verhandlung einstimmig
angenommen wurde.
Die leitenden Blätter besprachen am andern Morgen das
Ergebnis der Verhandlungen. Der Kongostaat fand keine
Gnade und, weil sein System der Ableugnungen und der Ver¬
drehung von Tatsachen bekannt genug ist, erging die Warnung,
den Kongostaat nicht über sich selbst'zu Gericht Ditzen zu lassen.
Wie wir aus Privatbriefen ersehen, hatte man in den Kreisen,
welche die parlamentarische Aktion ins Werk gesetzt haben,
eine solche Eimnütigkeit und einen solchen Erfolg stricht er¬
wartet. Trotz mancher persönlicher Bemühungen König
Leopolds erhob sich im ganzen Hause kein Mitglied zur Ver¬
teidigung des Kongostaates. Die Regierung sieht ein, daß sie
sich der eingegangenen. Verpflichtung nicht entziehen kann
und mit den Mächten verhandeln must
llnb Deutschland? Im vorigen Jahre glaubten die eng¬
lischen Kolonialfreunde, etwas entmutigt über die ausweichende
Haltung ihrer Regierung, die deutsche Reichsregierung müßte
die Angelegenheit in die Hand nehmen. Gewiß, sie hätte es
unternehmen können. Dann aber hätte die deutschfeindliche
Presse in England das „gerneinsaine Vorgehen" sofort nieder¬
geschrieen. Jetzt aber handelt es sich nicht mehr, wie damals
angeregt wurde, um Deutschland und England allein, son¬
dern um vertragsrechtliche Schritte aller beteiligten Mächte,
die notwendig zu einer Revision der Kongoakte führen
werden, und wenn die öffentliche Meinung sich jetzt auch in
Deutschland über das ihr oft genug eindringlich geschilderte
schmachvolle Treiben, des Kongostaates erregt, wird man tu
England fernen Argwohn mehr daraus schöpfen, und in Brüssel
braucht man nicht mem: auf die Entfremdung zwischen
Deutschland und England zu bauen, wie es tatsächsächlich ge¬
schehen ttsi. Die Deutsche Kolomalgesellschaft wird nicht er¬
mangeln, die Herstell urig der Handelsfreiheit im Kougobecken
und die Abstellung der tut Kongo staute herrschenden Uebe'tstünde,
die jeden Deutschen empören müßten, wie bisher nachdrücklich
weiter zu betreiben, und sie hofft, daß man sich an maßgebender
Stelle dadurch nicht beeinflussen läßt, daß das unentbehrliche
Vorgehen zufällig einem König unangenehm sein kann. * * *
Der Wauynmd in Deutsch-Sü-westafrika.
Von Professor Dr. Scheibe, Berlin.
Bei Gibeon kourmt an ein paar Stellen ein Gestein vor,
das als hkie ground angesprochen, worden ist, weil es dem
Muttergesteille derDiamanten im eitg'Cif dien Südafrika (Kimberley-
Distrikt u. a. Ost gleiche.
In der Königlichen Geologischen Landesanstalt und Berg¬
akademie zu Berlirr find größere Proben- dieses Gesteins unter¬
sucht worden. Dabei hat sich ergeben, daß es in seinen wesent¬
lichen Eigenschaften mit dem bwe ground der südafrikanischen
Diamantlagerstätten übereinstimmt und mineralogisch zweifellos
als solcher zu bezeichnen ist; nur Diamant ist bis jetzt in ihm
nicht gefunden worden.
Der blue ground im Kimberley-Gebiet ist ein breccienhaftes
Gestein, daß in einer dunklen, grünlich- bis bläulichschwarzen,
serperrtinisierten Grurtdmasse'Körner von serpentinisiertem Olivin,
rotem Granat (Pyrop, Kaprübin), grünem Augit (Diopsid),
Enstatit oder Bronzit, Biotitglimmer. Titaneisenerz. Magrret-
eisenerz, Chromeisenerz, gelblichen Zirkorr und einige selten,
vorkommende Mineralien, darunter auch den Diamanten führt.
In größerer Tiefe wird der Serpentin... der aus Olivin ent¬
standen ist, allmählich durch letzteren ersetzt. Der blue ground
ist also eine Felsart aus der Gruppe der Olivingesteine: er ist
auch Kimberlit genannt worden. In wechselnder Menge schließt
dieser blue ground kleine und größere Indootlen eckige, nusisi
aber abgerundete Trümmer fbouldets* von Gesteinen ein. da
ihm zum größten Teile völlig fremo grgemrborftehen. Rur
eine Art stein ni i b 07 »r ei ne na io m.?
vorwiegenü schrvärzliche Schtesertone Diochase und Ouarni:,
welche die blue gro-mci-Säulen als Ncdeugdrem begrr.utzen:
letztere Art umfaßi lloaldem, o-c aus Brau sit oder El-slaüi,
grünem Diopsid und Granat, z. T. auch Owos Olivin uub
Biotit bestehen. In Knollen solchen Dionsio-Grauat->Gestetns
(Eklogit) aus der Newlands-Kopic sind Diamaut-Kryitalle ein¬
gewachsen beobachtet worden. Mit Reckt weroen diese inter¬
essanten boulders als in der Tiefe gebildete, trübe Ausl che ivnngen
des Kimberlit-Magmas angesehen.
Das Gestein von Gibeon zeigt ganz entsprechende Be¬
schaffenheit. In dunkler, grünlichgrauer Grundmasse, die aus
einem Aggregat von serpentinisierten Partikeln, besteht, beobachtet
man ein gestreut Biotitglimmer, roten Granat (Pyrop), grünen
Augit (Diopsid), zersetzten Olivin, schwarzes Titaneisen und
Magneteisen. In den Waschrückständeu zertrümmerter Massen
wurde auch Bronzit u. a. gefunden. In beträchtlicher Zahl,
birgt das Gestein Trümmer abweichender. Gesteine, unter denen
graue und schwarze Schiefertone stark vorherrschen; nächstdem
ist Diabas häufig; auch Gabbro u. a. wurde beobachtet. Dabei
fehlen aber auch die rundlichen Knollen eklogitartigerr Gesteins
nicht, das aus gelblichem Enstatit, grasgrünem Airgit und rotem.
Granat besteht. Man sieht hieraus, daß das Gestein- von
Gibeon mit Recht als blue ground oder Kimberlit bezeichnet wird,.
Manche Partien an ihm sind bröckelig, durch Verwitterung
gelb gefärbt und gleichen dem yellow ground von Kimberley.
Äber nicht nur auf die petrographische Natur im ganzen
beschränkt sich die Uebereinstimmung beider Vorkommtn'sse, sie
geht troch viel weiter ins Einzelne bis zur chemischen Ratllr
gewisser Mineralien. Der Granat (Pyrop) und Diopsid des
blue ground von Kimberley sind chromhaltig; das in. ihm vor-
lommende Titaneisen hat einen absonderlich hohen Magnesia¬
gehalt. Ganz das Gleiche gilt für den Granat und Diopsid,
sowie für das Titaneisen im blue ground von Gibeon. Die
beigefügten Analysen lassen dies ersehen.
Granat
Kimberley (Cap)
41.34 8102
22.75 0810
16,20 MgO
5,17 CaO
12,12 FeO
0.36 MnO
=- 2 56
100,30
Mischer)
Gibeon
4 0,20 81O-
20 07 äMÜ
3,7'. j.v 5 -Qa
20,.3 7 :4m
i-,60 CaO
7,08 FeO
0.43 ,70)0
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