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Deutsche Rolontalzeitunm
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die Gesellschaft gmrze vier Farmen. Wamlm wohl? Weil (nach
der eigenen Angabe des Herrn B o hsen, Denkschrift S. 10) die
Gesellschaft 1 M' big 2,30 M für den ba forderte/die Regierrmg
nur 25 Pf. bt§ IM. Wir btaudjtnt dem nichts hinznzufügem
Man könnte mm einwenden, die Landgesellschaften Hütten
doch immerhin, trotz der hohen Landpreise, umfangreiche
Ländereien besiedelt, ihre Ablösung durch die Regierung sei afto
kein so dringendes Erfordernis für den Fortgang der Be¬
siedlung. Da möge man aber bedenken, daß die Ansiedler,
die in ihrer llnerfahrenheit den Gesellschaften ihre überhohen
Preise (z. B. das Zehnfache des wirklichen Nutzungswertes)
bezahlt haben, dadurch ruiniert werden. Wir werden das auf
der Hauptversammlung an Beispielen beweisen.
Besonders erstaunlich ist die Leichtigkeit, mit welcher der
Herr Referent der Angabe der Abteilung Meiningen, daß die
Gesellschaftein insbesondere die „Deutsche Colonial-Gefellschaft",
sich geweigert hätten, Land p. verkaufen, „mit entschiedenem
Widerspruch begegnet" und „das Gegenteil nachgewiesen"
glaubt. Wir werden auf der Hauptversammlung die einzelnen
Fälle Nachweisen, und zwar an der Hand der Briefe der Herren
v. Hofmann und Rhode mit Datum und Jonrnalnummer;
und wir wollen, gleich bemerken, daß es sich nicht um Kubub
handelt. —
So weit die Angriffe des Herrn Referenten gegen
unser Tatsachenmaterial. Meine Ausführungen gegen seine
iuristlschen Bedenken bezüglich der Konzessionsverwirkung be¬
halte ich mir vor; man ersieht aus ihnen, daß man über
die Sache zweierlei Meinung sein kann. Gerade deswegen
fordert ja der Antrag Meiningen die Regierung p einer Unter-
s u chung dieser Hochwichtigerl Frage auch Dagegen läßt sich
doch wirklich nichts einwendem — Der Herr Referent legt so-
danu Wert auf den Einwand, die Regierung könne mit den
vorgeschlagenen Maßregeln die Loulb Wcstaf'rica Go. gar nicht
treffen; denn verwirkt sei höchstens die Bergbau-, keinesfalls
die Landkonzession; und gegen die Grundspekulationssteuer sei
die Konlpagnie durch ihre Konzession geschützt. Auch das ist
rrnrichtig. Zunächst ist doch auch die Verwirkung der Bergbau¬
rechte ein sehr empfindliches Druckmittel; vor allein aber ist
zu bedenken, daß • • von den der Company gehörigen Land¬
gebieten zwar die 13 000 qkm um Otavi steuerfrei bleiben,
nicht aber die 63 000 qkm irr Kaoko-Veldt, und auch nicht die
12 800 qkm der S.-A. Territories! Hiermit fällt der Einwand
des Herrn Referenten, daß die Bodenspekulationssteuer un¬
gerecht sei, weil sie nur drei Gesellschaften treffe, dagegen „vier
Gesellschaften .mit dem größeren (?) und wertvolleren (?) Grund¬
besitz frei ausgehen lasse".
Während wir mm bisher geglaubt hatten, das herrschende
System der Landspekulation und Ansiedler-Ausbeutung sei ein
„rulsittliches Raubsystem", belehrt uns der Herr Referent,
gerade von der Beseitigung desselben durch den Staat sei
das zu sagen. Hierüber wird mau sich mündlich auseiuander-
zusetzen haben.
Zuletzt werden - in sechs Punkten die Gründe allgeführt,
weshalb man nach der vorjährigen Anregung nicht schon
wieder an die Regierung mit einer Eingabe herantreten dürfe.
Merkwürdigerweise wird in diesen sechs Punkten zwar von
Allsiedlungsbestrebungen der Regierung, nicht aber von solchen
der Gesellschafter!, erzählt, Und da sollte ein Vorgehen gegen
die Landspekulanten unnötig sein? Das Enteignungsgesetz
bringt doch gewiß keine Abhülfe der Mißstände. Denn wie
könnte der Staat vor dem deutschen Steuerzahler eine solche
Politik rechtfertigen, daß er den Landspekulanten erst un-
geheilre Landgebiete schenkt und sie ihnen dann teuer wieder
ab kan ft?
Ich glaube, daß nicht wir die „Schwierigkeiten der
Situation verkennen", sondern daß der Herr Referent über¬
haupt die ganze Situation verkennt: die Regierung braucht
dringend Land, das hat sie in der erwähnten Denkschrift
deutlich g'mng erklärt. Sie unterhandelt deswegen mit den
Landgesellschaften.. Dabei wünscht sie sich einen moralischen
Rückhalt durch einen starken Druck der öffentlichen Meimrng
allf die Gesell sch asten.
Was ahn tut der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesell-
jrf)ajt ? e x sü 11 i der Otegieru 11 g t u den Rü ck e n , inde nt er
das beantragte Borgehen, gegen die Gesellschaften in schroffster
Fornt ablehnt! Wenn man glaubt, daß dies unentwegte Fest¬
balten an den Lalldgesellschasten ohne trachteilige Folgen" für
die „Deutsche Kololrialgesellschast" bleiben werde, so giebt man
sich einem schweren Jrrtttm über die Stimmung sowohl iu den
Mitgliederkreisen, als rn gewissen Kreisen außerhalb unserer
Gesellschaft hin. Auch dafür werden wir in Karlsruhe Belege
bringen. M. R. Gerstenhauer.
Das Sani tat? wesen von Nentsch-Ostafrika.
Die Deutsche Medizinische Wochenschrift bringt in ihren letzten
Dhtmment recht lesenswerte Mitteilungen des Oberstabsarztes Dr.
Steuber über das Sanitätswesen in Deutsch-Ostafrika. Danach ver¬
fügt das , Gouvernement über 26 Sanitätsoffiziere, 34 Snnitäts-
unteroffiziere, 1 Apotheker und 1 Lazarettinspektor. Hierzu fomiuen
6 Pflegeschwestern vom deutschen Frauenverein für Krankenpflege in
den Kolonien und ein gut vorgebildetes farbiges Pflegepersonal.
Europäerkrankenhäuser befinden sich in Dar-es-Salaam und Tanga, ein
Genesungsheim auf der Insel Ulenge, ein Hospital für Farbige in
Dar-es-Salacan, 25 Europäerkrankenstuben und kleinere Spitäler für
Farbige auf den übrigen Stationen. Chemisch-bakteriologische Labora¬
torien befinden sich irr Dar-es-Salaam und Tanga. Seit Juli 1901
ist auch noch die Malaria-Expedition in Dar-es-Salaam tätig. — Die
Mitteilungen zeigen weiter, daß in Dar-es-Salacan viel für den öffent¬
lichen Gesundheitsdienst getan wird. Der ostasrikanische Küstenneger
ist den Wohlsahrtsbestrebllngen der deutschen Behörden viel zugäng¬
licher, als mall bei im§ an nimmt, und in feinen häuslichen Lebens¬
gewohnheiten viel reinlicher als der Inder. Energie der ausführenden
behördlichen Organe, gepaart mit der notwendigen Respektierung der
besonderen indischen Anschalrungen, hat aber bereits dahin geführt,
daß das Wohnhaus des indischen Kleinkaufmanns den Besuchen der
Gesundheitskommission ebenso willfährig geöffnet wird, wie. die Maskuti-
hütte des Negers.
Auch in der Pockenbekämpfung sind gute Erfolge erzielt. An den
Impfungen beteiligen sich neben dem Sanitätspersonal in dankens¬
werter Weise Kaufleute, Offiziere, Beamte und Missionare. Auf diese
Weise ist es gelungen, die Schrecken umfangreicher Pockenepidemien
nahezu für das ganze weite Schutzgebiet so gut wie ganz zu beseitigen.
Für die Einführung des Jnrpfzlvanges sind die Verhältnisse der Kolonie
noch nicht reif. Mit Gewaltmaßregeln ist dabei nichts anzufangen.
lieber die Aufgaben, die das Sanitätswesen noch zu lösen hat,
äußert sich Dr. Steuber am Schlüsse seiner Mitteilungen wie folgt:
„Die Kolonie blickt erst aus eine kurze Zeit seit ihrer Gründung
zurück, und viele Pläne, deren Verwirklichung im gesundheitlichen
Interesse bereits seit langen! als notwendig erkannt worden sind,
mußten meist aus Gründen rein materieller Art einstweilen zurück-
gestellt werden und einer weiteren Entwicklung der Verhältnisse Vor¬
behalten bleiben. Hierhin gehört beispielsweise der Bau eines Asyls
für Sieche und eine Anstalt für gemeingefährliche Geistes-
f taufe der Ging eborenenbev ölkerung; besonders letztere
Forderung wird bei bent verhältnismäßig häufigen Vorkommen von
Geisteskranken von Jahr zu Jahr dringender. Zur Vordergründe
aber steht die Frage eines Höhensanatoriums für die er¬
hol u n gs b ed ü rf tige n E u rop äer der Kolonie. Ueber die Frage
der Notwendigkeit einer solchen Wohlfahrtseinrichtung für eine
tropische Kolonie sind die Akten längst geschlossen; das Beispiel
Britisch- und Niederländisch-Jndiens zeigt, wie die Kosten solcher An¬
lagen durch die gesteigerte Dauer der Tropendienstfühigkeit und
Leistungsfähigkeit der Kolonisten 'überhaupt doppelt und dreifach
wieder eingebracht werden. In Deutsch-Ostafrika ist das Gouvernement
nunmehr auch an die Lösung dieser Frage praktisch heran gegangen.
Mehrfache Reisen, welche der Gouverneur Graf v. Götzen und der
Leiter des Sanitätswesens zu diesem -Zweck in das gebirgige Hinter¬
land von Ufambara und Uluguru gemacht haben, ließen ohne
Schwierigkeiterr einen nach jeder Richtung hin geeigneten Platz finden.
Bei der Ausarbeitung des Projektes konnten die praktischen Be¬
obachtungen, welche der Verfasser auf diesem Gebiet in Britisch-
Indien gelegentlich einer dorthin ansgesührten Studienreise machen
konnte, nach Möglichkeit verwertet werden, besonders wurde bei Aus¬
wahl des Platzes auch daraus Rücksicht genommen, daß dem Gou¬
vernement seiner Zeit die Möglichkeit gewährleistet bleibt, analog den
„Hill Stackons" der Engländer in Indien, für die heißen Monate
mit dern gesamten zentralen Verwaltungsapparat aus
der verzehrenden Hitze der Küste (Dar-es-Salaam) in das
kühle, gesunde Gebirge überzusiedeln. Noch stehen nicht ge¬
nügende Mittel zur Verfügung, um das geplante Unternehmen im
vollen Umfange zur Ausführung zu bringen. Immerhin wird es sich
aber schon voraussichtlich für die nächste heiße Jahreszeit ermöglichen
lassen, daß wenigstens eine beschränkte Zahl Erholungsbedürftiger
dort oben im gesunden Höhenklima West-Usambaras in ausreichender
Weise Unterkunft fiubcn wird.