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Verantwortlicher Redakteur: Ph. Waizmann.
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Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.
Nr. 4
Randbemerkungen mm Kolonialetat.
Gleiches gilt von
Togo.
Die eigenen Einnahmen stiegen auch dem
Voranschläge von 2 876 200 M. im jähre
1911 auf 3 384 600 M. 1913. Die Ablösung
der Steuerarbeit brachte 1909 rund 390 000
M., 1911 schon 649 554 M. Wenn in den
Etat für 1913 nur 554000 M. in Ansatz
gebracht worden sind, so beruht diese
Schätzung auf dem Durchschnittsertrage der
letzten Jahre, der bei gutem Wetter und
entsprechender Ernte überschritten werden
dürfte. Die Spirituosensteuer (Schank- und
Verkaufssteuer) ist von 3Ö00Ö auf 60 000
M. erhöht angenommen worden. Auch die
Zolleinnahmen sind ständig im Steigen be¬
griffen. An einmaligen Einnahmen sind
Ueberschüsse aus dem Rechnungsjahre 1910
in Höhe von 672 536 M. zu nennen, sodass
die Gesamteinnahmen 4 057 136-.M. betragen.
Den 27 Beamten der Zentralverwaltung
standen 1910 nur 24 gegenüber. Es wurden
zwei neue Referentenstellen, eine Rektorstelle
und eine neue Sekretärstelle geschaffen. In
der Lokalverwaltung wurde ein vierter Be¬
zirksamtmann, ein vierter Regierungsarzt,
ein Leiter der Versuchsanstalt in Nuatjä,
und ein vierter landwirtschaftlicher Gehilfe
neu angestellt. In Fortfall kommt ein Be¬
zirksleiter und ein Stationsleiter.
Zur Justizverwaltung ist zu bemerken,
dass Togo an den Kosten für den Oberrichter
von Kamerun einen Beitrag zahlt. Die 416
Köpfe starke Polizei, welche gleichzeitig die
Funktionen der Schutztruppe versieht, ist
sehr schwach. An ihrer Spitze steht der
Polizeiinspekteur, dann ein Oberleutnant und
fünf Polizeimeister. An die Stelle des gestriche¬
nen sechsten Polizeimeisters ist ein Assistent
2. Klasse getreten. Auch in Togo breitet sich
die Verwaltung ständig weiter aus, so dass
die Ausgaben für weisse und farbige Hilfs¬
kräfte ebenfalls anwachsen, und zwar von
186000 auf 221 000 M. bei Weissen und
von 176 C00 auf 194 000 M. bei Farbigen.
Die öffentliche Gesundheitspflege verlangt
nur 54 000 M. gegenüber 65 000 M. im
Jahre 1910, während das Schulbildungs-
wescn 2800 M. mehr, nämlich 43 800 M.
erfordert. Dabei ist der Posten für Ausbildung
farbiger Handwerker in Fortfall gekommen.
Diese haben die Missionen übernommen.
Die Druckerei, in welcher das Amtsblatt
hergestellt wurde, ist von der katholischen
Mission angekauft worden.
Bedeutend vermehrt werden sollen die
Ausgaben für Land-und Forstwirtschaft. An
sächlichen Ausgaben waren 1911 nur 38 500
M. in Aussicht genommen, für 1913 werden
Duala, Mittwoch, den 15. Januar
115 000 gefordert. Das hängt mit den sehr
intensiven Bestrebungen, die Pflugkultur
einzuführen und durch Aufforstung den Witte-
rungsschwankungen entgegenzuwirken, zu¬
sammen. Für Unterhaltung von Wegen,
Brücken usw. sind 23 500 M. gefordert,
15 000 M. für die Förderung der Viehzucht,
32 540 M. für die Unterhaltung der Landes¬
kulturanstalt Nuatjä, 31 000 M. werden an
das Kolonialamt abgeführt.
Der Verkehr der Eingeborenen auf den
Eisenbahnen hat ein solche Zunahme erfahren,
dass ausser den Personenwagen ständig 10
Güterwagen benutzt werden mussten. In¬
folgedessen sind Neuanschaffungen notwendig
geworden. Zu diesem Zwecke wird die Er¬
höhung des 1912 bereits um 50 000 M. ver-
O
stärkten Reservebaufonds um weitere 20 000
M. beantragt. Auch werden die Kosten für
ein neues Dienstgebäude (157 000 M. gefor¬
dert, in der Tat spotten die Zustände im
alten Gebäude jeder Beschreibung, denn es
ist nicht nur nicht ausreichend für die Unter¬
bringung der Beamten, sondern sogar der
Akten. Ebenfalls dringlich erscheint der
Bau eines Krankenhauses, da das alte nur
acht Zimm er aufweist. Die Kosten sollen
zur Hälfte vom Frauenverein vom Roten
Kreuz und von der Regierung aufgebracht
werden, insgesamt 88 000 M.
119 000 M. sollen dem Strassenbau und
der Wassererschliessung dienen. Bemerkens¬
wert ist dabei der Posten von 33 000 M.
•für den einem Lastautomobilverkehr ge¬
genügenden Ausbau der Strasse Jo—Kpan-
du. Der Posten „Bekämpfung der Schlaf¬
krankheit" zeigt zwar eine Kürzung von
100 000 auf 80 000 M., doch darf hieraus
nicht auf eine Verminderung der Seuche
geschlossen werden. Die Lagerbehandlung
hat sich nur nicht bewährt, und daher soll
eine ambulante Behandlung eintreten. Dadurch
vermindern sich die Verpflegungsgelder für
die Kranken und es kann ein Arzt in Weg-
fdl kommen. Im ganzen sollen 4 Aerzte, 4
Heilgehilfen, 6 Soldaten und 8 Arbeiter be¬
schäftigt werden. Die Pockenbekämpfung
beansprucht 2 Impfärzte, 2 Heilgehilfen und
2 Soldaten.
Kamerun rad die weisse ftu.
Die deutsche Kolonialliteratur, namentlich
die über die sogenannte koloniale Belletristik
hinausgehenden Darstellungen wirtschaftlichen
Geschehens und wissenschaftlicher Forschung,
hat in der Weltkblonialliteratur eine trotz
ihrer Jugend anerkannt gute Stellung. Ange¬
sichts dieser Tatsache und der ihr zugrunde
liegenden Fortschritte kolonialer Entwicklung
ist es auffallend, wie schief und ohne inneres
_ 1913
Verhältnis in der Mehrzahl der Fälle über
und von Kamerun gesprochen und geurteilt
wird.
Kamerun ist unstreitig eine mit natürlichen
Schätzen und wirtschaftlichen Hilfsmitteln,
wie auch mit einer kauf- und arbeitskräftigen
Eingeborenen-Bevölkerung gut ausgestattete
Kolonie. Und die Arbeit des in Kamerun wirt¬
schaftenden Europäers, dessen Einzelstreben
auf die Begründung eines bescheidenen Wohl¬
standes gerichtet ist, läuft im Effekt doch
darauf hinaus, diese Kolonie zu einem im
Rahmen der nationalen Wirtschaft nicht zu
unterschätzenden Faktor zu gestalten. Die Ar¬
beitsleistung des Einzelnen ist wahrlich keine
geringe; wirtschaftlich gewertet—zunächst un¬
ter Zurückstellung der klimatischen Hemmungen
—lässt sich beispielshalber die Tätigkeit eines
Kaufmannes in Kamerun nicht vergleichen mit
der Leistung eines heimischen Geschäftsmannes.
Berücksichtigt man, welche Werte in Kamerun
einem kaufmännischen Angestelltenan vertraut
werden, welche Anforderungen an Organi¬
sationsgabe und Dispositionsvermögen ge¬
stellt werden, so ist es unverständlich, dass
in heimischen Wirtschaftskreisen vielfach ein
so grosses Misstrauen gegen die „Kameruner"
besteht. Zur Bewertung der Arbeitsleistung
treten dann noch die besonderen Anforderungen
hinzu, die einerseits das Tropenklima, zum
anderen das Leben im Busch, besser gesagt
im Innern, fern von der Küste mit sich bringen.
Ich kann mir in keinem anderen deutschen
Schutzgebiet mit relativ gleich starker wirt¬
schaftlicher Betätigung europäischer Kräfte
ähnliche Entbehrungen und Beeinträchtigungen
des leiblichen und seelischen Wohlbefindens
denken, wie in Kamerun. Aus dieser Anschau¬
ung heraus wirkt es so schmerzlich, ja er¬
bitternd, wenn über all' diese Stille, in ihrem
Einzel verlauf nicht mess- und wägbare wirt¬
schaftliche und seelische Tätigkeit und Bean¬
spruchung in der öffentlichen Meinung der
Heimat so unrichtige Anschauungen verbreitet
sind.
Wo mögen die Gründe hierfür zu suchen
sein? Gewiss, eshatZeitengegebenin Kamerun,
in denen dieses Gebietes mit gemischtenGefühlen
gedacht wurde. So gewiss aber die Bezeichnung
der westafrikanischen Küste durch die englische
Marine als „des Seemanns Sarg" im Küsten¬
gebiet und noch mehr im Binnen-Bergland
hinfällig geworden ist, so sicher ist auch erkenn¬
bar, dass das europäische Menschenmaterial
eine wesentliche Metamorphose durchgemacht
hat. Es soll nicht beschön igt werden, was früher
von nicht immer gerade hochwertigen Ver¬
tretern der europäischen Rasse in Kamerun
an Land und Leuten gesündigt worden ist.
Sünden, an denen die Kolonie zum Teil heute
noch trägt. Solche Erscheinungen treten aber