Seite
Minies iil einziges Organ für die vi
Erscheint wöchentlich zweimal und /war Mittwoch und
Sonnabend. Abonnementspreis beim Bezüge durch die
deutschen Postanstalten vierteljährlich 5 Mk., bei direk¬
tem Bezüge per Kreuzband durch die Ausgabestelle in
Duala 6.50 Mk.
Druck, Verlag und Expedition der
Kameruner Dru ck e r e i - Gesellschaft
Otto Franz & Co., Duala.
deutschen üchutzgeile Kamerun und logt.
Anzeigen: Einspaltige Petitzeile oder deren Raum 50
Pfg., Reklamen pro Zeile 1 Mk. Bei Wiederholungen
und größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Inseratenannahme für Europa:
Georg König, Halle a. S. Hohenzollernstrasse 3.
Verantwortlicher Redakteur: Ph. Waizmann.
Telegramm-Adresse: Kamerunpost.
Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.
Nr. 22
Die Entwicklang unserer Kolonien.
Ganz allgemein gesprochen, ist der Zweck
einer jeden Kolonie, das Mutterland zu er¬
gänzen. Dies kann in strategischer und wirt¬
schaftlicher Hinsicht geschehen. So haben
dem kolonialen Erwerb Englands im Mittel-
meer lediglich strategische Gesichtspunkte
zugrunde^ gelegen; es handelte sich darum,
während für den Erwerb unserer Kolonie
ausschliesslich wirtschaftliche Momente den
den Ausschlag gegeben haben.
In welcher Weise nun eine erworbene
Kolonie in ihrer Entwicklung zu fördern
ist, dafür muss der Gesichtspunkt ausschlag¬
gebend sein, wie sie am zweckmässigsten den
Bedürfnissen des Mutterlandes dienstbar
gemacht werden kann.
Die Verwertung einer Kolonie in die'sem
Sinne bedingt, dass man das Land in sach-
gemässer Weise erschliesst, d. h. dass man
die Ausnutzung und den Anbau des Landes
unterstützt und durch die Einrichtung. von
Verkehrsmitteln die Möglichkeit schafft, das,
was das Land hervorbringt, in nutzbringen¬
der Weise verwerten zu können.
Sehen wir uns von diesem Standpunkte
aus unsere Kolonien Togo, Kamerun, Süd¬
westafrika, Ostafrika, Neuguinea und Samoa
an, die Bedürfnisse des Mutterlandes in
wertvoller Weise ergänzen. Togo liefert uns
die Produkte der Oelpalme, Palmöl und
Palmkerne, Kamerun Kautschuck, Südwest¬
afrika Diamanten und Kupfer und die Süd¬
seeinseln die wertvolle Kopra.
Daneben sind in Togo und Ostafrika
Baumwollplantagen geschaffen, in Kamerun,
Ostafrika und den Südseeinseln Kakao¬
plantagen und in Ostafrika ist der Sisal,
der einen vorzüglichen Hanf liefert, angebaut
worden.
Südwestafrika fängt an, auf dem Gebiete
der Viehzucht sich hervorzutun. So wurden
dort am 1. April 1912 171 000 Stück Rind¬
vieh gegen 144 000 im Jahre 1911 gezählt,
Wollschafe 47 000 gegen 32 000, Fleisch¬
schafe 435 000 gegen 381 000, Ziegen 448 000
gegen 385 000 und Pferde 13 000 gegen 11 000.
Ein Vergleich dieser Zahlen meist darauf
hin, dass der Fortschritt, der in ihnen zum
Ausdruck kommt, nur dann ein wirklicher ist,
wenn die Verkehrseinrichtungen gestatten, ihn
auszunutzen. Da das, was hier für die Vieh¬
zucht in Südwestafrika zutrifft, ausnahmslos
auch für die Erzeugnise aller anderen Kolo¬
nien massgebend ist, so sehen wir zurzeit
das Hauptaugenmerk unserer kolonialen
Tätigkeit auf den Ausbau der Verkehrsein-
nchtungen im Lande selber und den An-
Duala, Mittwoch, 19. März
schluss seiner Häfen an die Stapelplätze
der Verbrauchsländer gerichtet.
Im Lande sind es die Eisenbahnen, die
in immer schnellerer Folge in das Innere
vordringen; in den Häfen die Landungs¬
brücken und Quais, die einen schnelleren
und sicheren und dabei preiswerteren Aus¬
tausch der Waren gestatten.
Ein Ausbau der regelmässigen Dampfer¬
linien, eine Erweiterung der vorhandenen
Kabelverbindungen und die Schaffung von
funkentelegraphischen Einrichtungen bringen
von Jahr zu Jahr die Kolonien dem Mut¬
terlande näher.
Ebenso sind in der Südsee bemerkens¬
werte Einrichtungen dergleichen Art geschaffen
worden.
Die Insel Jap von den Westkarolinen,
die bereits mit Guam, Shanghai und Mena-
do durch Kabel verbunden ist, sowie die
Insel Nauru erhält eine funkentelegraphische
Station, deren Inbetriebnahme unmittelbar
bevorsteht. Im Anschluss hieran ist die
Einrichtung von zwei weiteren Stationen
auf Samoa und im Bismarck Archipel ins
Auge gefasst.
Neben der in Aussicht genommenen Ver¬
besserung des telegraphischen Verkehrs
ist auch wieder eine Verbesserung des Post¬
verkehrs nach Samoa eingetreten. Die Dampfer
der Oceanic Steam Ship Company haben ihre
regelmässigen Fahrten zwischen San Fran¬
cisco und Sydney von neuem aufgenommen,
auf denen sie den amerikanischen Hafen
Pago auf Tutuila anlaufen. Von hier aus
vermittelt ein Regierungsdampfer die Ver¬
bindung mit Apia, so dass die Beförderungs¬
dauer zwischen Deutschland und Samoa
zurzeit 26 bis 28 Tage dauert.
Wenn auch die Entwickelung uuserer
Kolonien nicht im Sturmschritt vorangeht,
so sehen wir dennoch überall Fortschritte,
die uns beweisen, dass wir auf dem richtigen
Wege sind trotz vieler Wünsche, deren
Erfüllung einer späteren Zeit vorbehalten
bleiben muss.
Neu-Guinea, dessen Einnahmen im Jahre
1901 sich auf 138000 Mk. bezifferten, wäh¬
rend sie der Etat von 1913auf 1 755 000Mk.
angibt, zeigt uns, dass unsere Arbeit in den
hinter uns liegenden Jahren keine vergeb¬
liche gewesen ist.
Verteilung der Referate in der
Kommission für den Reichshaushalts=Etat.
Wie uns aus Berlin berichtet wird, wur¬
den d'e Referate zum Schutzgebiets-Etat für
1913
das Rechnungsjahr 1913 wie folgt verteilt:
Etat für Kamerun: Referent: Hr Abg.
Dr. Braband, Korreferent: Hr. Abg. v.
B ö h 1 en d orf f-Kö 1 p i n ; Etat für Togo:
Referent: Hr. Abg. W a 1 d s t e i n, Korrefe¬
rent : Hr. Abg. v. Böhlendorf f-K ö 1 p i n ;
Etat für das Ostafrikanische Schutzgebiet:
Referent: Hr. Abg. Dietrich, Korreferent:
Hr. Abg. Freiherr v. Richthofen; Etat für
das Südwestafrikanische Schutzgebiet: Re¬
ferent : Hr. Abg. Waldstein, Korreferent:
Hr. Abg. Hoch ; Etat für Neu Guinea ein¬
schliesslich der Inselbezirke der Südsee und
Etat für Samoa : Referent: Hr. Abg. Mumm,
Korreferent: Hr. Abg. Dr. Paasche; Etat
für Kiautschäu und &as ostasiatische Marinede-
tachement: Referent: Hr. Abg. Nacken, Kor¬
referent: Hr. Abg. Dr. Paasche. Etat für das
Reic hs-Kol on i a la m t: Referent: Hr.
Abg. Dr. Semler, Korreferent: Hr. Abg.
Waldstein.
Weisse Bevölkerung in Kamerun und Togo.
Wie wir dem kürzlich erschienenen Jahres¬
bericht des Reichskolonialamts für 1912 ent¬
nehmen, stieg in Kamerun die männliche
Bevölkerung um 62 Seelen auf 1332, die
weibliche um 20 auf 205, sodass die ge¬
samte weisse Bevölkerung 1537 beträgt.
Hievon wohnen im Bezirk Duala 427, in Dua¬
la allein 386, in Kribi 150 und in Buea 148.
Die Zahl der verheirateten Frauen ist von
109 auf 127 gestiegen. Geburten kamen 24
vor, die Gesamtzahl der Kinder unter 15 Jah¬
ren beträgt 64.
In Togo ist die Zahl der Europäer lei¬
der zurückgegangen und zwar die der er¬
wachsenen Männer um 19 auf 282, dagegen
hat sich die Zahl der Frauen um 3 auf 61
vermehrt. An weissen Kindern befinden sich
nur 2 Mädchen in der Kolonie.
Die Deutschenmörder von Covadonga.
Die Ermordung der Deutschen in Cova¬
donga hat noch immer keine Sühne gefunden,
obwohl die Mörder bereits seit geraumer
Zeit hinter Schloss und Riegel sitzen. Wie
es scheint, wird auch ihre Aburteilung noch
nicht sobald erfolgen; inzwischen finden sie
vielleicht Gelegenheit, wieder zu entwischen,
lieber den Prozess erhält die Halbmonats¬
schrift „Süd-und Mittel-Amerika" folgenden
Bericht:
Zuerst wurde halbamtlich mitgeteilt, dass die
Verhandlung spätestens im September statt¬
finden würde, dann im Oktober, dann im
November, dann im Januar. Der Verteidiger
zieht den Prozess in die Länge. Eine präch¬
tige Illustration zu den Verhältnissen ist die