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Tatsache, dass der Verteidiger Luque die
Verbrecher, welche längst geständig sind,
bei Gelegenheit des Nationalfestes am 16.
September vorigen Jahres in öffentlicher Rede
als wackere Maderisten und Freiheitshelden
gefeiert hat, die vollständig unschuldig seien,
und die nur der Ungerechtigkeit zum Opfer
fielen! Eine solche Rede konnte nur mit Er¬
laubnis des Gouverneurs gehalten werden,
und in dürren Worten bedeutet sie nichts
anderes als eine Aufforderung an die Plebs,
die Verbrecher mit Gewalt zu befreien. Der
Privatsekretär, des Präsidenten hat allerdings
erklärt, dass die Regierung die Anschauung
des Lic. Luque nicht teile, aber bei der herr¬
schenden Energielosigkeit der Bundesregierung
hat eine solche Erklärung wenig genug zu
bedeuten. Den Deutschen in Mexiko beginnt
allmählich die Geduld auszugehen, und sollten
sich tatsächlich deutsche Banken bereitfinden,
für die mexikanische Regierung eine grössere
Anleihe unterzubringen, bevor die Covadonga-
Angelegenheit durch Hinrichtung der Mörder
geregelt ist, so dürften sie sich auf eine nach¬
drückliche Opposition von Seiten der mexika¬
nischen Deutschen gefasst machen!
Koloniales.
Zur Verwertung des Viehbestandes
in unseren deutschen Kolonien macht
Schlachthofdirektor Haas in Offenburg
(Baden) der „Allgemeinen Fleischer-Zeitung"
einen bemerkenswerten Vorschlag. Der Vor¬
schlag geht dahin, dass die Reichsregierung
oder die Militärverwaltung oder eine Privat¬
gesellschaft in Deutsch-Südwestafrika einen
modernen Schlacht- und Viehhof mit Kon¬
servenfabrik errichtet. Durch die billigen
Einkaufspreise der Schlachttiere würde eine
solche Anlage sich in kurzer Zeit als sehr
rentabel erweisen. Der Militärfiskus würde
dadurch bei richtiger Ausbauung Millionen
von Mark in seinen Ausgaben ersparen. Die
Verproviantierung der Festungen und teil¬
weise Verpflegung der Soldaten auch in
Friedenszeiten mit Konservenfleisch könnte
durchgeführt werden. . Durch eine derartige
Massnahme würde in erster Linie die Kolonie
Deutsch-Südwestafrika wirtschaftlich erstar¬
ken und den von ihr erhofften Nutzen für das
Mutterland erbringen. Zum anderen würden
viele Millionen Mark, die jetzt für Fleisch
ins Ausland gehen, in deutschen Händen
bleiben. Und endlich würde durch die reich¬
liche Verwendung von Büchsenfleisch der
Fleischmarkt im Inlande entlastet. Nachdem
so viel Gut und Blut für die uns nun wirk¬
lich liebgewordene Kolonie Südwestafrika
eingesetzt worden ist, sollte man auch ernst¬
lich bestrebt sein, das von den dortigen Vor¬
räten zu holen, was wir hier sehr nötig
bedürfen, nämlich das Fleisch. Es steht
ausser jedem Zweifel, dass der Viehreichtum
in Deutsch-Südwestafrika so stark vergrös-
sert werden kann, um Deutschland das
Fehlende an Fleisch künftig hinreichend zu
liefern.
Der Kolonialkriegerdank, E. V., der
sich zur Unterstützung ehemaliger Kolonial¬
krieger der Armee, Marine, der Schutz- und
Polizeitruppe, sowie deren Hinterbliebenen
gebildet hat, konnte infolge von Zuwen¬
dungen einen Fonds von 88 000 Mark sam¬
meln. Der Kaiser hat genehmigt, das^s dieser
Fonds den Namen „Kaiser Wilhelm-Jubi¬
läums-Stiftung zur Unterstützung deutscher
Kolonialkrieger und deren Hinterbliebenen"
trage. Der Kronprinz wandte dem Fonds
13 500 Mark zu, und der Ehrenpräsident,
Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, för¬
dert die Bestrebungen in weitgehendstem
Masse. Dank der hohen Gönnerschaft und
dem Wohlwollen massgebender Persönlich¬
keiten wurde es dem Kolonialkriegerdank
möglich, durch seine Wohlfahrtseinrichtungen,
durch die Einnahmen aus der Annoncen-
Expedition und den Arbeitsnachweis, segens¬
reich zu wirken. In den vier Jahren seines
Bestehens gingen 1730 Unterstützungsgesuche
ein und 23 736,73 Mark wurden den Bedürf¬
tigen ausgezahlt. Leider konnten 987 Gesuche
wegen Mangel an Mitteln nicht berücksichtigt
werden, davon 162 im Jahre 1912. Der
Arbeitsnachweis bearbeitete den Eingang von
1840 Bewerbungen, die zu einer Unter¬
bringung von 265 Kriegern in verschiedenen
Stellungen führte. Der Kolonialkriegerdank
bittet, seine Bestrebungen unterstützen zu
wollen, damit ihm weitere Mittel zufliessen,
die Kaiser-Wilhelm-Jubiläums-Stiftung zum
Regierungsjubiläum des Kaisers auf eine
angemessene Höhe zu bringen. Der Sturm¬
wind des Krieges braust auf dem Kontinent
und rüttelt mächtiger denn je an den Vesten
des Friedens. Mit machtvoller Stimme rufen
die gegenwärtigen Ereignisse uns zu: „Si
vis pacem, para bellum." — „Wenn du den
Frieden willst, sei bereit zum Kriege." Für
uns, so heisst es in dem Aufruf, bilden diese
Worte die Mahnung, weiter zu bauen und
in unermüdlicher Arbeit unsere Aufgaben für
die Zukunft zu sichern: Linderung der Not
der Tapferen unseres Vaterlandes. Ein
Verein, der so grossen nationalen Aufgaben
gewachsen sein soll, wie sie sich der
Kolonialkriegerdank in Kriegs- und Friedens¬
zeiten gestellt hat, kann aber der Mithilfe
weitester Kreise des deutschen Volkes nicht
entbehren ! In einer möglichst grossen Zahl
von ordentlichen Mitgliedern muss er viel¬
mehr die Grundlage für die Ausbreitung
seiner segensreichen Ideen und für die
wirkungsvolle Unterstützung für den Fall
der Not und Gefahr des Vaterlandes er¬
blicken.
Unsere
Postabonnenten
bitten wir, das
Abonnement auf die
schon jetzt zu er¬
neuern, damit in
der Zustellung
keine Unterbrech¬
ung eintritt.
Ans anderen Kolonien.
Zur Ermordung des Gefreiten Müller
finden wir in den Zeitungen Südwestafrikas
noch folgende amtliche Mitteilung des Gou¬
vernements. „Nach den nun über die Er¬
mordung des Reiters Müller bei Hunirob ge¬
troffenen Feststellungen waren die Mörder
eine kleine Buschmannsbande, die nach eige¬
nen Aussagen vom Farmer Duncan auf Persip
zur Straussenjagd mit Gewehr und Munition
ausgerüstet worden ist. Diese Bande ist Ende
November und Anfang Dezember von Pa¬
trouillen der 7. Kompagnie, die zweimal von
ihr angeschossen wurden, eingefangen. Ein
Buschmann wurde bei der Gefangennahme
erschossen. Das Gewehr des Reiters Müller,
das von der Buschmannsbande auf der Flucht
fortgeworfen war, jst inzwischen gefunden
worden. Die Angelegenheit hat nach einwand¬
freier Feststellung nichts mit Simon-Koppers-
leuten zu tun. Gegen den Farmer Duncan ist
gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Das ge¬
richtliche Vorgehen ist nur zu billigen, denn
die Straussenjagd ist nichts für die Ein¬
geborenen, am wenigsten aber für die Busch¬
leute. Es ist ganz unverständlich, wie Duncan
so leichtsinnig sein konnte, gerade Busch¬
leuten Gewehr und Munition anzuvertrauen.
Deutsche Schiffahrt auf dem Kongo.
Wie wir der „Köln. Zeitung" entnehmen,
wurde infolge des Ueberganges von Neu-
Kamerun in Deutschen Besitz die Flussschiff,
fahrtsgesellschaft auf dem Kongo, die „Mes¬
sageries Fluviales du Congo", Sitz in Paris,
in ein deutsches Unternehmen umgewandelt.
Beteiligt sind daran die Woermann-Linie, die
Gesellschaft Süd-Kamerun, die Deutsche Bank
und die Firma G. Thys in Brüssel.
Walfang an der Küste von Fran*.
zösisch Aequatorial-Afrika. Im Jahre
1912 hat eine norwegische Walfanggesell¬
schaft die Erlaubnis erhalten, sich in der
Bucht von Cap Lopez niederzulassen und
dort Walfang zu betreiben. Der Walfang
wurde mit 4 Dampfern betrieben. Die Ge¬
samtbesatzung betrug 117 Mann. Die Fang¬
ergebnisse waren äusserst befriedigend; täg¬
lich wurden etwa 1 Dtz. Wale von 15-20 m
Länge gefangen. Der Dampfer Pythia ist
nach Norwegen mit einer Ladung von 1600 t
Waltran im Werte von je 400 Mark und 5 t
Walbarten im Minimalwerte von 40 000 Mark
je t, also mit einer Gesamtladung im Werte
von 900 000 Mark zurückgekehrt. Sollte,
falls diese Nachricht sich bestätigt, dies nicht
für uns ein Wink sein, ebenfalls der Frage
des Walfanges in den Kameruner Gewässern
näher zu treten ? Sowohl die Kamerunbucht,
als auch die Munibucht würden sich aus¬
gezeichnet als Stützpunkte dazu eignen.
Ans dem Schutzgebiet.
Kameruner Tabak. Die Weserzeitung
schreibt: Am Sonnabend, den 22. Februar
kamen in Bremen bei der Firma Fredk.
Möller Söhne 101 Ballen Kameruntabak in
Einschreibung. Der Tabak wird in Tabak¬
händler- und Zigarrenfabrikantenkreisen viel
Beachtung und Interesse finden. Bekanntlich
hat eine Partie von 56 Ballen Kameruntabak,
dia im Oktober 1911 hier eintraf, einen sehr
guten Markt in Bremen gefunden und infolge
ihrer hervorragenden Qualität einen hohen
Preis (zirka 4.50 M das Pfund) erzielt. Durch
diesen schönen Erfolg hat der Tabakbau in
unserer Kolonie Kamerun eine erfreuliche
Anregung erfahren. Die jetzt an den hiesigen
Markt kommende Partie ist schon grösser
und stammt, wie wir hören, von einer
anderen Pflanzerfirma als die frühere Sen¬
dung. — Unsere Leser wissen, dass der
Kameruner Tabakbau durch die ausgesetzten
Preise des Herrn E. A. Oldemeyer-Bremen
einen lebhaften Ansporn erhalten hat.
Das Schiff der Verbannten.
Von Dr. Robert Heindl.
(Schluss.)
In jener Nacht aber glaubten die Matrosen
seltsam pfeifende Geräusche zu hören. Bald
klang es wie das Tuten eines Nebelhornes,
bald wie das nächtliche Fauchen eines Tigers.
Die Nacht war klar und nebelfrei. Ein in
Seenot treibendes Schiff wäre leicht zu sichten
gewesen. Es gab keinen Zweifel mehr, dass
der Wind die Töne von der Insel her¬
übertrug. Ein Landen nächtlicherweile schien
unmöglich, wäre auch nicht ratsam gewesen,
da ein Ueberfall durch Menschen oder irgend¬
welches bisher unbekanntes Raubzeug im¬
merhin nicht ausgeschlossen war. Es hiess
also den Morgen abwarten, was in der
elfstündigen, indischen Nacht eine lange Ge¬
duldsprobe bedeutet. Beim ersten östlichen
Tagesschimmer steuerte der Dampfer die
Insel an und fand bald,, was er suchte, —
seit langem gesucht hatte!