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Als die Insel vor mir in der Abenddäm¬
merung aus den Fluten emporstieg, hielt ich
sie für völlig unzugänglich. Senkrecht, gleich
Mauern, fallen ihre Felswände ins Meer. Nur
a n einer Stelle hatte sich — wohl infolge
eines Erdrutsches vor etlichen 100 Jahren —
ein sandiger, weisser Strand gebildet, der
n ur einige Quadratmeter misst. Auf dieser
schmalen Sandbank bot sich der Besatzung
des Marinebotes ein jämmerliches Bild. Elf
der geflohenen Sträflinge hockten völlig er¬
schöpft am Ufer. Sie hatten tags vorher das
Marineboot der Insel nahen sehen, der Ver¬
folger erschien ihnen als Erlöser und sie
suchten durch Pfeifen mit Blättern und Tuten
mit Kokosnusschalen die Aufmerksamkeit
des Dampfers auf sich zu lenken. Jetzt, da
sie ihren Zweck erreicht hatten, wich die
Spannung, die ihre entkräfteten, zu Gerippen
abgemagerten und von Insekten bös zu¬
gerichteten Leiber noch aufrecht gehalten
hatte, einer völligen Erschlaffung. Apathisch
Hessen sie sich an Brod schleppen, und erst
nach langen Bemühungen erfuhr Mr. X. das
tragische Ende ihres Fluchtversuches. Nach
mehrtägigem Herumirren im offenen Meer
war ihnen der geringe Proviant, den sie
hatten zusammenstehlen können, ausge¬
gangen. Nur drei unter den 14 Ausbrechern
waren noch kräftig genug, ihre mühsam er¬
kämpfte Freiheit weiter zn verteidigen, und
versteckten sich beim Nahen des Dampfers
im Dschungel, der den oberen Teil der Insel
bedeckt.
Ihre 'Spur war unschwer zu verfolgen.
Etliche 100 Meter über der Landungsstelle
fand sich ein Kampplatz, auf dem aufgebro¬
chene, herumliegende Kokosnüsse auf eine
Mahlzeit der Flüchtlinge schliessen Hessen.
Das war das letzte Anzeichen, das das Eu¬
ropäerauge entdecken konnte. Jetzt hiess es:
Andamanneger vor.
Diese zwerghaften, schwarzen Teufel, die
so kein sind, dass sie dem Europäer oder
Inder kaum bis zur Hüfte reichen, eignen
sich vorzüglich zu Buschtrackern. Die Män¬
ner zerschneiden sich von Jugend auf die
Haut, Schnitt bei Schnitt, so dass der Körper
schliesslich eine grosse, harte Narbe bildet,
die gegen die Dornen des Urwaldes besser
schützt, als der teuerste Lederanzug.
Schweigend wie eine Meute gut dressierter
Jagdhunde verschwanden sie im Dschungel.
Nur hin und wieder knackte noch ein Zweig,
ferner und ferner, und dann ward's still. Mi¬
nuten, Stunden vergingen, die Sonne stieg
hoch und brannte erbärmlich auf den Kamp¬
platz herab, von dem die umgebenden Bäume
und Büsche den Wind abhielten; im Innern
des Dschungels vollzog sich noch immer die
lautlose Jagd. Da — gegen Mittag — knallte
in der Ferne ein Schuss, acht weitere Schüsse
folgten, Vögel flogen auf und umflatterten
mit angstvollem Geschrei die Gipfel der Pal¬
men und Felsenzacken, und dann brach ein
fürchterliches Brüllen und trillerndes Grölen
los. Die Jäger hatten ihre Beute gefasst,
und bald kamen sie lachend und kreischend
zum Platz zurück. Zwei mit Baumfasern ge¬
fesselte Burmesen führten sie in der Mitte,
den dritten zogen sie am Boden nach: er
war erschossen.
Aus Togo.
— Dem Kaiserlichen Gouverneur von
Togo, Seiner Hoheit Herzog Adolf Frie¬
drich zu Mecklenburg, ist in seiner Eigen¬
schaft als Konsul für die französische Kolonie
Dahomey und die britische Kolonie an der
Uoldküste seitens der Regierungen von Frank¬
reich und Großbritannien das Exequatur er¬
teilt worden.
— Die Telegraphenlinie Bimbila-Sansane-
Mangu ist fertiggestellt. Die Telegraphenan¬
stalt Sansane-Mangu wurde am 1. März
eröffnet.
Neues vom Büchermarkt.
— Für Auswanderer und Stellungsuchende,
vor allen Dingen aber auch für Exporteure
und Firmen, die mit den Kolonien arbeiten,
enthält das soeben im Verlag von Wilhelm
Süsserott, Berlin W 30. Neue Winterfeldstr.
3a erschienene Kolonial-Handels-Adressbuch
1913 (Preis Mk. 4.—) ausserordentlich viel
Wissenswertes. Das Adressbuch, welches
bereits im 17. Jahrgang steht, ist von dem
Kaiserlichen Hofrat im Reichskolonialamt
Johannes Tesch bearbeitet und weist vor allem
ein vorzügliches Adressenmaterial sämtlicher
kolonialen Unternehmungen, Pflanzungsgesell¬
schaften, Pflanzer, Farmer, und sonstiger
Beruftsarten etc. in allen Deutschen Kolo¬
nien auf. Ein genaues Bild über den augen¬
blicklichen Stand unserer Kolonien gibt die
Uebersicht über die Kolonial-Verwaltung
(Behörden, Institute, Vereine etc.). Die Ver¬
waltungen der einzelnen Schutzgebiete, Zei¬
tungen, Post, Telegraphie, Missionen und
Zölle werden in übersichtlicher Weise auf¬
geführt und erläutert. Neu aufgenommen sind
die Verordnungen und Bestimmungen der Gou¬
verneure der einzelnen Schutzgebiete, über
die Einwanderung, etc. Dem Adressbuch ist
eine Weltkarte und ausserdem je eine Spezial-
karte der einzelnen Kolonien beigegeben. Das
Adressbuch ist für jeden Kolonisten, Aus¬
wanderer und den an Kolonien interessierten
Kreisen ein unentbehrliches Nachschlagebuch
und Ratgeber.
Ans Duala.
— Bei dem Postamt in Duala werden
von jetzt ab Versicherungsmarken zum Ver¬
kauf bereitgehalten, und zwar Einwochen¬
marken aller Lohnklassen (zu 16, 24, 32, 40 u.
48 Pf.) sowie Zusatzmarken zu 1 M. Ver¬
sicherte, die nicht im Bezirk des Postamts
Duala wohnen, können die gewünschten
Marken durch die Postanstalt ihres Wohn¬
sitzes unter gleichzeitiger Zahlung des Wert¬
betrages bestellen, auch nehmen dieBeglei=
ter der Bahnposten Bestellungen entgegen.
— Programm zumPr omen adekonzert
am Mittwoch, den 19. März, abends zwischen
5 und 6 Uhr: 1) Husaren heran, Marsch von
A. Hermann. 2) Ouvertüre zu „Richard der
Dritte" von E Titl. 3) Der frohe Wandersmann,
Lied von Mendelssohn-Bartholdy. 4) Hupf mein
Mäderl, Walzer von Flyn. 5) Commers
Quadrille von J. Resch.
— Die Barkasse „Erna" der S. O. K-,
welche am 5. November vorigen Jahres
gesunken und Ende November wieder ge¬
hoben wurde, ist am 13. März von Herrn
Ingenieur Ebert nach beendigter Reparatur
abgenommen worden und hat am 14. März
seine erste Probefahrt nach Bonaberi an¬
getreten. Am 15. März ist sie nach Mia und
Makka abgefahren und am gleichen Tage
abends gegen 5 Uhr in gutem Zustande
wieder in Duala eingetroffen.
—Laut Bekanntmachung des „Amtsblattes
für Kamerun" werden am 22. März 1913
vormittags 8 Uhr beim Bezirksamt Kribi 50
Elfenbeinzähne im Gesamtgewicht von 455,1 kg
und am 28. März 1913 vormittags 8 Uhr
beim Hauptmagazin Duala 94 Elfenbein¬
zähne im Gesamtgewicht von 673,3 kg ver¬
steigert werden. Zähne unter 2 kg werden
nicht versteigert. Die Bedingungen sind fol¬
gende: 1) Die Versteigerung erfolgt sowohl
im Ganzen als auch in Losen mit Durch¬
schnittsgewicht. Der Zuschlag wird je nach
dem Ergebnis auf die ganze Menge oder
auf die einzelnen Lose erteilt und wird nach
Beendigung der Versteigerung bekannt ge¬
geben. Es bleibt jedoch vorbehalten, den
Zuschlag überhaupt nicht zu erteilen. 2) Min¬
derwertiges (schadhaftes oder verwittertes)
Elfenbein ist ausgeschieden worden und wird
gleichzeitig besonders versteigert. 3) Der Zu¬
schlag erfolgt gegen Barzahlung binnen 24
Stunden oder Abgabe eines mit Akzept ver¬
sehenen Wechsels oder Cheks auf die Deutsch-
Westafrikanische Bank in Duala. 4) Ver¬
langt der Ersteher nicht spätestens 24 Stun¬
den nach Bekanntgabe des Zuschlags beim
Bezirksamt Kribi bezw. beim Hauptmagazin
Duala die Ablieferung des erstandenen El¬
fenbeins gegen Zahlung des Kaufpreises,
so wird das Elfenbein anderweitig versteigert.
Der frühere Ersteher wird zu einem weiteren
Gebot nicht zugelassen. Er haftet für den
Ausfall; auf den Mehrerlös hat er keinen
Anspruch. 5) Gewähr wegen etwaiger
Mängel des versteigerten Elfenbeins wird
trotz des Ausscheidens der minderwertigen
Zähne nicht übernommen. 6) Bei der Aus¬
fuhr des versteigerten Elfenbeins ist der
vorgeschriebene Zoll zu entrichten.
— Wegebau in Bonaberi. Der
Wegebau in Bonaberi schreitet trotz der
geringen Anzahl von Arbeitern rüstig vor¬
wärts. Machen schon die bereits fertiggestell¬
ten Strassen auf den Besucher einen guten
Eindruck, da sie sauber und technisch gut
angelegt sind, so wird erst der jetzt in Ar¬
beit befindliche Weg sicher eine gute Ver¬
kehrstrasse werden. Schwierigkeiten macht
gegenwärtig das Abheben einer ziemlichen
Anhöhe, um eine grössere Steigung zu ver¬
meiden. Leider befinden sich zu beiden Sei¬
ten des Weges Regierungsreservate, in denen
sich grössere Sumpfflächen befinden. Um
diese stehenden Gewässer abführen zu können,
ist eine Brücke erforderlich. Wie wir hören,
will Herr Tiebautechniker Dorn, welcher
den Wegebau leitet und dessen wirksame
Tätigkeit beim Bau der Jaundestrasse noch
in Erinnerung ist, als alter Praktiker vor¬
läufig eine provisorische Brücke aus Holz
errichten, da eine massive Brücke zu viel
Kosten beanspruchen würde. Auch muss
man in Betracht ziehen, dass sich die neue
Strasse infolge der Sümpfe noch setzen wird,
die massive Brücke also in Gefahr stände,
allmählich in dem Schlamm zu versacken.
Die beiderseitigen Sümpfe, welche gewisser-
massen Brutstellen für die Moskitos sind,
sollen im Laufe der Zeit aufgefüllt und das
Wasser durch Kanalisation abgeleitet werden.
Im Interesse der in der Nähe der Strasse
befindlichen Europäerwohnungen wäre es
nur zu begrüssen, wenn diese Sümpfe so
bald als möglich aufgefüllt werden würden.
Im Grossen und Ganzen kann man be¬
züglich der Wegein Bonaberi nur ein gün¬
stiges Urteil fällen, sodass es in dieser
Hinsicht nicht nur Duala gleichgestellt,
sondern beinahe noch übertreffen wird.
Wird erst die ganze Anlage fertig sein, so
wird Bonaberi in hygienischer Beziehung
nichts zu wünschen übrig lassen.
— Wie wir dem „Amtsblatt für Kamerun 4 '
entnehmen, wird der bisher dem Bezirksamt
Kribi unterstellte Bezirk Muni von diesem ab¬
getrennt und dein Gouvernement unmittel¬
bar unterstellt. Der Sitz der Verwaltung des
Bezirkes ist bis auf weiteres Ekododo. Schrei¬
ben sind, bis der Sitz der Verwaltung end¬
gültig feststeht, zu adressieren: »An die
Hauptstation des Bezirkes Muni, zur Zeit
Ekododo.« Im Bezirke Muni liegt die Zoll¬
stelle Ukoko an der Mündung des Muni-
Flusses.
Fensterbrief=Kuverts
liefert rasch und billig
Kameruner Druckerei=öes8llschaft.