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er damit einverstanden, dass dieselben von
der Tagesordnung wieder gestrichen würden.
Geh. Reg.-Rat Füll legt Verwahrung
dagegen ein, dass die Entwürfe Abschriften
bereits geltender Verordnungen anderer Kolo¬
nien seien.
Rechtsanwalt Prange bestreitet, dass
zwischen ihm und Herrn van de Loo eine
Misstimmung bestehe. Er betont, dass er
lediglich zum Ausdruck bringe, dass er der
Bemessung der Frist wegen anderer Mei¬
nung sei. Seiner Meinung nach sei eine
Frist von mindestens zwei Monaten für die
Vorbereitung nötig gewesen. Er habe gehört,
dass die Herren vom Pflanzerverband von
dem Antrage zurücktreten wollten, er gebe
für die Herren in Duala die Erklärung ab,
dass für den Fall, dass der Antrag abge¬
lehnt werde, sie sich nicht mehr an den
Verhandlungen über diesen Punkt beteiligen
würden. Die Zeit, die ihm zur Besprechung
des zur Verhandlung stehenden Punktes ge¬
geben worden sei, sei zu kurz gewesen, um
irgendwelche entscheidende Besprechungen
und Beschlussfassungen zuzulassen. Er hoffe
aber, dass die Regierung den Privaten die
Möglichkeit geben werde, zusammenzutreten,
um vielleicht bis zum Januar imstande zu
sein, das Resultat der Beratungen in ge¬
eigneten Vorschlägen zu unterbreiten. Sollte
der Oouvernementsrat trotzdem aber in¬
zwischen in Verhandlungen über den frag¬
lichen Punkt der Tagesordnung eintreten,
so würden sie daran nicht teilnehmen.
van de Loo erklärt im Namen des
Pflanzerverbandes, dass die Durchbringung
der Vorlage zu Hause auf grosse Schwierig¬
keiten stossen werde, wenn der Gouverne¬
mentsrat seine Zustimmung nicht gebe. Der
Pflanzerverband trete deshalb in die Beratung
der Vorlage ein, allerdings unter dem Vor¬
behalt, dass Gelegenheit zu einer genügen¬
den Beratung der Vorlage gegeben werde.
Im übrigen würde die genannte Vereinigung
an dem Antrage des Herrn Rechtsanwalt
Prange, soweit er die Waldschutzverordnung
sowie die Verfügung über die Bildung eines
Eisenbahnrates betreffe, festhalten.
Geh. Reg.-Rat Füll erklärt, er sei bereit,
die Verhandlungen über die betreffenden
Punkte bis zum nächsten Tage auszusetzen.
Er bemerke, dass das im Laufe der Verhand¬
lungen erwähnte Telegramm des Reichskolo¬
nialamts sich nicht gegen die Entscheidung
des Gouvernementsrates als solche richte,
sondern nur besage, dass der Gouverneur
die definitive Entscheidung treffen werde.
Sollten die Vertreter der Kaufmannschaft
sich nicht an der Beratung beteiligen, so
sehe er sich genötigt, den fraglichen Punkt
von der Tagesordnung abzusetzen. Er bemerke
ferner, dass die Arbeiteranwerbung bereits
bestehe, nur noch nicht legalisiert sei.
Letzteres habe sich jedoch als nötig erwiesen.
Jedenfalls halte er es für nötig, dass die
Vertreter der Kaufmannschaft an den Ver¬
handlungen teilnähmen. Er bittet sodann,
diese Frage als erledigt zu betrachten.
Missionsvorst. Lutz findet es begreiflich,
wenn die erwähnte Verordnung von der
Tagesordnung abgesetzt wird. Die Seuchen¬
verordnung sowie die Arbeiterverordnung
hält er jedoch für äusserst wichtig und bittet,
in die Beratung dieser Verordnungen ein¬
zutreten. Er schliesst sich dem Antrag Van
de Loo vollkommen an.
Oberförster Red er nimmt dagegen Stellung'
dass die Waldschutzverordnung gegen die
Kaufleute gerichtet sei; dies sei nicht der
Fall. Bis vor kurzem sei lediglich Raubbau
in der Waldwirtschaft getrieben worden,
dann sei man dazu übergegangen, die klei¬
nen Farbigenbetriebe auf dem Verordnungs¬
wege zu beseitigen. Die Waldschutzverord¬
nung sei nur teilweise ein Abklatsch. Sie
gehe auf die Kameruner Verhältnisse ein,
soweit dies nötig sei. Waldschutz sei nötig
und auch von den Herrn nicht bestritten.
Er glaube, dass die Kaufmannschaft selbst
daran interessiert sei, dass die Verhältnisse
endgültig geregelt würden. Die Paragraphen
seien so gehalten, dass die Kaufmannschaft
keine Bedenken zu haben brauche, sie an¬
zunehmen. Erörterungen könne höchstens der
Strafpa»agraph veranlassen. Er sei aber in
dieser Fassung nötig geworden, um eine Basis
zu schaffen, auf der der Betrieb mit dem
Ebenholz und mit dem Mahagoniholz gere¬
gelt werden könne. Er bitte deshalb, die
Verordnung nicht abzusetzen.
Stabsarzt Dr. Jäger möchte den Herren
vom Süden in der Frage der Arbeiterverord-
nting vorha! ten. dass es S'crj darum handle,
die Eingeborenen nutzbringend anzusetzen.
Dies sei namentlich für den Südbezirk, wo
infolge der wirtschaftlichen Krisis beutende
Kräfte brach lägen, von Wichtigkeit. Werde
diese Verordnung jetzt nicht beraten, so
werde die Lösung dieser Frage hinausgescho¬
ben und wirtschaftliche Verluste seien die Folge.
Es kom nt zur Xostim nuag über folgenden
Punkt:
Der Gouveraementsrat wolle beschlossen:
Die Verordnungen über Arbeiteranwerbung
und die Waldschutzverordnung von der Ta¬
gesordnung abzusetzen :
Geh. Reg.-Rat Füll gibt eine entspre¬
chende Erklärung.
van de Loo bittet den Antragsteller, den
Antrag so abzuändern, dass über die ein¬
zelnen Verordnungen besonders abgestimmt
werden könne.
Der s t e 11 v e r t r. G o u v e r n e u r bittet
daraufhin, zunächst über den Antrag abzu¬
stimmen, der dahin geht, dass die Verord¬
nung über die amtliche Arbeiteranwerbung
von der Tagesordnung abgesetzt wird.
Es sind für den Antrag 8 Herren. Der
Antrag wird somit abgelehnt.
Es kommt zur Abstimmung der Teil des
Antrags, der die Absetzung der Waldschutz¬
ordnung zum Gegenstand hat.
Der stell v e r t r. Gouverneur weist
nochmals unterstützend und befürwortend
auf die Ausführungen des Herrn Oberförsters
Reder hin.
Kaufmann B r eck w o 1 d t betont dage¬
gen, dass die hiesige Handelskammer sich
bereits vor längerer Zeit an Herrn Forst¬
assessor Wiech gewandt habe, um in Ver¬
handlungen über diese Präge einzutreten. Sie
wäre bereit gewesen, ihm durch persönliche
Inaugenscheinnahme des gehandelten Holzes
zu ermöglichen, seine Ansichten über die Qua¬
litäten dieser Hölzer zu ändern. Der
genannte Herr sei aber hierauf nicht im
geringsten eingegangen, nicht einmal eine
Antwort habe die Handelskammer erhalten.
Sie seien deshalb jetzt auch nicht in der
Lage, über diese Verordnung zu verhandeln.
Es wird abgestimmt. Es sind für den
Antrag ( Absetzung der genannten Verordnung
von der Tagesordnung) anscheinend 14
Herren, d. h. die Minderzahl. Der Antrag
wäre somit abgelehnt.
Rechtsanwalt Prange bestreitet jedoch
die Richtigkeit des Abstimmungsresultates,
worauf nochmals über den Antrag abgestimmt
wird.
Es sind numehr 16 Stimmen dafür.
Die Waldschutzverordnung wird infol¬
gedessen von der Tagesordnung abgesetzt.
Ebenso wird der Antrag Verfügung betr.
Schaffung eines Eisenbahnrates von der
Tagesordnung abgesetzt
Es wird nunmehr in die Tagesordnung
eingetreten.
Punkt 1. Entwurf einer Verord¬
nung über die Beurkundung der
Eheschliessung nichtchrist¬
licher Eingeborener.
Assessor Wienecke gibt zunächst eine
allgemeine Begründung zu dem vorliegenden
Entwurf. Dieser verfolgt einen dreifachen
Zweck 1. sollen durch diese Verordnung
die andauernden Weiberstreitigkeiten einge¬
dämmt werden, 2. soll damit das Familienleben
der Farbigen auf eine höhere Stufe gebracht
werden, 3. sollen damit den Eingeborenen
unsere modernen Eheanschauungen näher
gebracht werden. Die Praxis wird zeigen
müssen, wieweit sich dies durchführen lässt.
Es wird Sache der Lokal Verwaltungen sein,
dass die Bestimmung, sich vordem Bezirks¬
amt trauen zu lassen, durchgeführt wird.
Rechtsanwalt Prange bemerkt nach
seiner Ansicht wäre es besser gewesen,
anstatt sofort mit der Besprechung der
einzelnen Paragraphen zu beginnen, zuvor
die allgemeine Lage zu besprechen, d. h.
sich mit dem Begriffe des Rechts der Ein¬
geborenen zu befassen, und zu wissen, was
man ändert gegenüber dem Recht, nach dem
die Eingeborenen bis jetzt leben. Er schlägt
vor, dass eines der sich für diese Frage
interessierenden Mitglieder des Gouver¬
nementsrats eine Denkschrift z< diesem
Entwurf ausarbeiten und sie den Mitgliedern
des Gouveruementsrates vorlegen möge, um
sie so in den Stand zu setzen, die Ver¬
ordnung nach obige m Gesichtspunkt zu
beurteilen. Seiner Meinung nach müsse die
eherechtliche Anschauung geklärt werden,
ehe man in die Beratung des Entwurfs selbst
eintritt.
[Fortsetzung folgt.]
Die endlich gehobene Stellung der
Beckoffiziere.
Seit langen Jahren waren Bemühungen im
Gange, die wirtschaftliche und soziale Stel¬
lung der Deckoffiziere unserer Marine zu
heben. Deckoffizire stehen im Rang zwischen
den Offizieren und Feldwebeln, tragen eine
der Seeoffiziersuniform sehr ähnliche Beklei¬
dung und nehmen an Bord die veranwort-
lichen Posten als Feuerwerker, Steuermann,
Bootsmann, Maschinist, Materialienverwalter
usw. ein. Die Marineverwaltung sträubte
sich anfangs, den Wünschen der Deckoffiziere
nachzugeben. Verabschiedete traten in. selbst¬
loser Aufopferung für ihre aktiven Kamera¬
den ein. Die noch im Dienst befindlichen
Deckoffiziere wieder scheuten sich nicht,
ihre Anliegen mutvoll vorzubringen. Kurz, es
wurde ein ziemlich erbitterter Kampf geführt,
den zu beendigen man sich besser schon
O
früher hätte bemühen sollen. Die Wünsche
der Deckoffiziere erstreckten sich vornehm¬
lich auf höheres Gehalt und Hebung ihrer
militärischen Stellung. Im Reichstag wurde
verschiedentlich zur Sprache gebracht, dass
der sich immer spärlicher einstellende Ersatz
darauf hinweise, die recht verbesserungsbe¬
dürftige Lage der Deckoffiziere einer wohl¬
wollenden Berücksichtigung zu unterziehen.
Endlich sind jetzt die Bemühungen von
Erfolg gekrönt worden. Die Gehaltssätze
wurden nicht unbeträchtlich gesteigert, und
die Charge der Deckoffiziere gilt nun gegen¬
über den Unteroffizieren als „im Dienstrang
höher" — Deckoffiziere müssen also zum
Beispiel von allen Unteroffizieren gegrüsst
werden —, gelinder und verschärfter Kam¬
merarrest fallen fort, die Untersuchungshaft
wird nach den für Offiziere gültigen Bestim¬
mungen verbüsst, die Strafbücher werden
nicht mehr offen behandelt, sondern müssen
gesondert von den anderen durch einen
Offizier geführt werden; Deckoffizirere haben
an Bord zur Reinigung ihrer Kammer usw.