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Anspruch auf einen Putzer, und zur Beförde¬
rung von und nach dem Lande auf besondere
Boote. Die nun erlassenen Bestimmungen
zeigen, dass die Marineverwaltung fortschritt¬
lich denkt, und sich nicht dem Zug der Zeit
verschliesst. Es handelt sich hier wie überall
im Grunde lediglich um Angebot und Nach¬
frage. Bei den sonst allgemein gehobenen
Lebensbedingungen durften die Deckoffiziere,
wollte man guten Ersatz haben, nicht leer
ausgehen. Im Interesse der Marine, das heisst
der Berufsfreudigkeit der jetzt dienenden
Deckoffiziere sowie der Aspiranten und der¬
jenigen, die die Laufbahn zu ergreifen be¬
absichtigen, wäre es zu wünschen, dass nun
aber nicht etwadieneuerlasssenenBestimmun¬
gen auf dem Papier stehen bleiben. Dafür
zu sorgen bleibt hauptsählich den Komman¬
danten nnd ersten Offizieren überlassen.
Vermischtes.
Ein Streich ä ia Hauptmann von Köpe=
nick, durch den ein Gefangener seine Flucht
aus dem Moabit-.;!' Untersuchungsgefängnis
bewerkstelligt hat, verursacht augenblicklich
o 7 o
den Gerichts- und Polizeibehörden einiges
Kopfzerbrechen. Die Hauptrolle in dieser
Komödie spielt der Kaufmann Wilhelm Wie¬
ner, der kürzlich nach VerÜbung zahlreicher
Schwindeleien in Hannover verhaftet worden
war. Er blieb dort längere Zeit in Unter¬
suchungshaft und sollte in der vergangenen
Woche zu dem vor der Strafkammer des
Landgerichts II anstehenden Termin nach
Berlin übergeführt werden. Offenbar war es
ihm in Hannover gelungen, sich in den Besitz
eines amilichen Formulars zu setzen, das
er mit einer aus einem andern Sc hriftstück
herausgeschnittenen Siegelmarke versah.
Dieses Formular füllte er wie folgt aus:
,,Königl. Staatsanwaltschaft Hannover. In
der Strafsache gegen den Kaufmann Wilhelm
Wiener wird der auf den 11. Oktober ange¬
setzte Termin aufgehoben, die Zeugen und
der Angeklagte sind abzubestellen. Ausser¬
dem ist der Beschuldigte auf freien Fuss zu
setzen."
Nachdem W. in das Moabiter Unter¬
suchungsgefängnis eingeliefert worden war,
verstand er es, sich an den Tisch des Ober¬
inspektors des Untersuchungsgefängnisses
heranzuschlängeln nnd dort das gefälschte
Schriftstück niederzulegen. Als der Ober¬
inspektor von dem Inhalt Kenntnis genom¬
men hatte, wurde Anweisung gegeben, Wie¬
ner sofort aus der Haft zu entlassen. Da
sich die Entlassung etwas verzögerte, wurde
W. noch grob und drohte mit Beschwerden
bis zum Justizminister hinauf, so dass die
Beamten im Eiltempo davonliefen, um das
Erforderliche zu veranlassen. Gerade in dem
Augenblick, als die Kapelle des 4. Gardere¬
giments mit klingendem Spiel vorbeimar¬
schierte, liess W. das Gefängnistor hinter
sich. Hier verschwand er sofort in der Men¬
schenmenge und — ward nicht mehr gesehn.
Als der Streich zur Entdeckung kam, spielte
sofort der Telegraph nach allen Himmels¬
richtungen, insbesondere wurden die Küsten¬
städte benachrichtigt. Alle Bemühungen, des
Ausreissers wieder habhaft zu werden, sind
bisher ohne Erfolg geblieben; wie angenom¬
men wird, hat Wiener längst das Ausland
erreicht.
Lokales.
— Folgende Passagiere veriiessen mit D.
Henny Woermann das Schutzgebiet.
Paul Wiese^ Frau Unterzahlmeister Wiise,
M. Zitzow, G. jastrau, Frau Else Dam¬
köhler, Spangenberg, P. Mehrer, L. Boeck-
mann, Frau Major v. Krogh, A. Haselbauer,
E. Schulz, H. Drosten, F. Häwert, J. Lei-
mert, A. Hartmann, A. Cordes, Hauptmann
v. Ramsay, C. Fischer, G. Prell, Sergeant
F. Eggert, A. Schümm, Polzm. Helmchen
und Frau, H. Godtknecht, Fräulein L.
Godtknecht, Polizeimeister Blume, LI Berg-
heimer, Crull, Major v. Auer, Stabsarzt Dr.
Range, M. Hopp, C. Rattsack, P. Vorbrich.
— Nach neurer telegraphischer Nachricht
ist D. ,,L u c i e Woermann" erst Montag
Morgen zwischen 7 und 8 Uhr in Duala
zu erwarten. Passagiere für Kribi, Planta¬
tion und Longji müssen sich Dienstag Nach¬
mittag zur Einschiffung bereit halten.
— Herr Pflanzungsleiter Weiss in
Tiko, welcher wegen Schwarzwasser¬
fieber ins hiesige Hospital verbracht wurde,
ist in dieser Woche der Krankheit erlegen.
Seine Leiche wurde im hiesigen Friedhof
beigesetzt. Er ruhe in Frieden.
Roman von E. Krickeberg.
13 (Fortsetzung.)
Er machte eine zustimmende Kopfbewe¬
gung und eine Weile war es still. Jeder
war mit seinen Gedanken beschäftigt, und
die waren nicht der Art, dass sie uns mit¬
teilsam gemacht hätten. Hernach stand er
auf, trat zum Fenster und versuchte verge-
ii
bens, die dicke Luft mit den Augen zu
durchdringen. Er wandle sich mir zu und
sagte nun wieder in dem leichten höflichen
Ton, den er zuerst angeschlagen hatte:
„Das sieht schlimm aus, wir werden uns
darauf einrichten müssen, die Nacht hier
zuzubringen."
„Das wäre ja schrecklich," rief ich.
„Warum?" meinte er gleichmütig. „Wir
sitzen ja warm und sicher, und vermisst
werden wir auch nicht"
„Diesen Gleichmut glaube ich Ihnen nicht.
Es ist eine ausgesuchte Bosheit des Geschicks,
Ihnen einen Menschen, dessen Gesellschaft
Sie um jeden Preis zu meiden suchten, gleich
viele Stunden lang ins Haus zu bannen,"
sagte ich. „Ich nehme es Ihnen auch wahr-
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haftig nicht übel, wenn Sie mich innerlich
zum Kuckuck wünchen; aber im Grunde
ist's Ihre eigene Schuld, dass ich diese un¬
kluge Partie nach dem Hochkegel unter¬
nommen habe. —■ Sie müssen nun zusehen,
wie Sie sich mit dem lästigen Gast abfinden.
Das Schlimmste ist aber, dass Sie mich
künftig in doppelt grossem Bogen werden
umgeben müssen, da Sie mich nach diesem
erzwungenen Beisammensein nicht gut mehr
werden ignorieren können."
Er stritt nicht dagegen, versuchte nicht
einmal eine höfliche Ausrede. Mit einem
eigentümlichen Lächeln hob er zweifelnd die
Schultern.
„Das kann wohl sein," meinte er. „Wir
wollen uns aber doch heute noch nicht von
dem, was morgen sein könnte, die Laune
verderben lassen."
Mich fröstelte. Ich hatte schon angefangen,
mich mit ihm auszusöhnen, ja sogar sein
Gesicht nicht mehr so hässlich zu finden.
Jetzt kam sein selbstgefälliger Hochmut
wieder zum Vorschein, und stiess mich von
neuem ab. Er war nun einmal ein unangenehmer
Mensch. — Um das Gespräch wieder auf
ein neutrales Gebiet zu bringen, fragte ich
nach den umherstehenden Instrumenten, und
bald waren wir mitten in astronomischen
und meteorologischen Dingen.
Während es draussen unentwegt weiter
stürmte, dass die Hütte in ihren Fugen ächzte,
und Schnee und Wassermassen wie aus
Eimern geschüttet herniederstürzten, als
befänden wir uns nicht im Hochsommer,
sondern in den rauhen Tagen des Vorfrühlings,
erschloss er meine Unwissenheit mit einer
Engelsgeduld, wie ich anerkennen muss,
eine Ahnung von den hehren Wundern des
Firmaments.
Sein Vortrag war fesselnd, sein Wissen ist
erstaunlich, — unwillkürlich muss ich an
das Cellospiel denken. Wie kann ein so
hochgebildeter Mann sich solch eine Ge¬
schmacklosigkeit zu schulden kommen las¬
sen?
Er weiss am Himmel besser Bescheid,
als mancher in seinem eigenen Hause. Ich
habe nicht gedacht, dass diese Dinge so
ausserordentlich interessant sind, und wie
herrlich muss es sein, so viel gelernt zu
haben. Während ich ihm lauschte, stieg der
Gedanke in mir auf, dass ich mich vielleicht
auch noch den Wissenschaften widmen könnte