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Asher,
mung, welche die locale Blutzufuhr herabsetzt, die Ernährung des Organs beschränkt. Zur Functionsäusserung derselben bedarf es der Wirkung cerebrospinaler Nerven, welche die Blutbahnen erweitern, die Circulation beschleunigen. Der Ursprung der letztgenannten Nerven scheint sich am Boden des 4. Ventrikels zu befinden, durch ihre Vermittlung würde der Zuckerstich auf die Leber wirken, ihre vorübergehende Reizung den vorübergehenden künstlichen Diabetes erzeugen. Laffont hat durch höchst ingeniöse Experimente diese Theorie Bernard’s vollauf bestätigt.
Wenden wir diese Erfahrung auf den traumatischen Diabetes an, so könnten wir uns vorstellen, dass durch eine Verletzung des Hinterkopfes eine Reizung des vasomotorischen Centrums stattfinde, und die Folge eine Glycosurie sei. Bei dem künstlichen Diabetes ist dieselbe vorübergehend, während wir gerade die dauernde Glycosurie in mehreren Fällen gesehen haben. Für diese fehlt zur Zeit eine Erklärung. Auch Verletzungen der übrigen Theile des Schädels, der Stirn, der Scheitelbeine könnten mit jenem Experiment in Einklang gebracht werden.
Nach Duret muss der bei einem Schlag oder Stoss gewaltsam und plötzlich verdrängte Liquor cerebralis mehr als anderen Hirntheile den Boden und die nächste Nachbarschaft des Ventrikels insultiren. In der That ist oft in den am Menschen beobachteten und am Tliiere erzeugten Commotionsfällen gerade die wichtige Gegend des Nodulus vitae Sitz der capillären Ilämorrhagieen und kleinen Quetschungshcrde. Meines Wissens ist allerdings noch kein Forscher für eine solche Erklärung derjenigen Fälle von Diabetes cingetreten, welche einem Stoss oder Schlag auf Stirn oder Scheitelbeine folgen.
Ob das Bernard’sche Experiment gelegentlich für solche Fälle als Grundlage der Erklärung dienen kann, wo die Verletzung auf eine von der Medulla oblongata weit entfernte Stelle gewirkt hat, muss dahingestellt bleiben. Bei dem von mir beschriebenen Falle sprach ich eine daraufzielende Vermuthung aus *), Aehnliches gilt von dem Buzzard’schen Falle * 2 ).
Hierher gehören .auch die Erfahrungen Eckhard’s 3 ). Eine Verletzung des hintersten Theiles des Wurmes durch einfaches Einstechen oder Ausschneiden eines kleinen oberflächlichen Stückchens bei dem Kaninchen, nicht beim Hunde, ruft einen mit Hydrurie verknüpften Diabetes hervor. Wenn man beim Kaninchen
in das unterste Hals-erste und zweite Brust- — Ganglion einschneidet, erhält
man stets deutlichen Diabetes, Hydrurie fehlte.
Könnten diese Vorgänge auf den Menschen übertragen werden, so würden sie wohl in erster Linie für Schläge oder Stösse auf den Hinterkopf Geltung haben. Indessen ist die Sache sehr zweifelhaft, zumal schon beim Hunde das Experiment versagt.
*) S. Band VIII, S. 227.
2 ) S. Beobachtung 2, S. 8.
3 ) Eckhard, C., Die Stellung der Nerven beim künstlichen Diabetes. Beiträge zur Anatomie und Physiologie. IV. 1. Giessen 1867. S. 1—32; und Ueber die zur Zeit feststehenden von der Experimentalphysiologie ausgemittelten That- sachen, welche sich auf die Lehre vom Diabetes und der Hydrurie beziehen. Pester med.-chir. Presse. IX. 7. 8. 9. 1873.
