denn noch war cr zu klein, um von seiner Mutter fort zu können. Ein Spruch sagt:
Auch das Tier hat seinen Morgen, gönn' ihm diese kurze Frist, da es glücklich und geborgen noch ein Kind der Mutter ist.
Oer würde dahin passen. So nahm ich denn Abschied von „Hciho", und als ich ihn zum Schluß nochmals auf den Arm nahm, dachte ick schon an die vielen Freuden, die cr uns bereiten würde, wenn cr erst bei uns sein wird. — Mit der Vorfreude auf „Hciho" und langem Warten vergingen die Sommcrfericn, dann endlich war es so weit! Im Triumph wurde „Hciho" abgeholt. Freilich war ihm gar nicht froh zu Mute, aber cr gewöhnte sich schnell ein und nach ein paar Wochen gehörte er schon so zu uns, als wäre er immer da gewesen. Nun genießt er mit mir seine Jugend, ist unser unzertrennlicher Spielkamerad und freut sich seines Lebens. Das zeigt cr uns täglich von neuem!
Herta Wendelstadt, München, 13 Jahre alt.
Freundschaft mit einem Kälbchen
Im Mai 1943 fuhr ich nach Feuchtwangcn in Franken zur Erholung. Als ich dort bei Nacht ankam, hörte ich ein Kälbchen schreien. Ich nahm mir sofort vor, am nächsten Tag nachzuschcn, wie groß cs sei und wie cs aus- sähe- denn mir war erzählt worden, daß dort die Kühe, Ochsen und Kälber anders ausschen würden als bei uns. Die Leute machten mir weiß, sic hätten nicht schwarze, sondern braune Flecke. Am nächsten Morgen weckte mich ein furchtbares Gequieke auf. Ich sprang flink aus den Federn und guckte zum Fenster hinaus. Was sah ich da? Der ganze Hof stand voller Kühe, Ochsen und Kälber, alle waren sic braun gefleckt. Das Vieh wurde gerade getränkt. Es waren zuviel, um sic mit Eimern zu tränken- so wurden sic ganz einfach auf den Hof gelassen, wo sich ein Ziehbrunnen und eine Wasserrinnc befanden. Der eine Knecht mußte pumpen, während der andere die Tiere an- und abband.
Als ich etwas später in den Stall kam, um nach dem kleinen Kälbchen zu sehen, suchte ich eine ganze Zeit, bis ich es endlich in einer Ecke, an der ich vorbeigclaufen war, entdeckte. Ich versuchte nun, es zu streicheln, aber da sprang es wie wild herum und ließ sich nicht von mir angreifen. Nachdem ich ein Weilchen gewartet hatte, versuchte ich cs noch einmal, aber leider wieder umsonst. Es ließ mich wohl ganz nahe hcrankommen, aber dann ging es erst richtig los. Es trampelte mir auf meinen Füßen Kerum
und schlug mir an das Schienbein, daß ich mich bald aus dem Staube machte.
Am nächsten Tage erkundigte ich mich bei meinem Gastgeber, was das Kälbchen am liebsten fräße. Er sagte mir, daß es Haferkörner wären. Ich schlich mich danach auf den Getreideboden und holte eine Handvoll. Die fraß mir das Kälbchen aus der Hand. Seit diesem Tage waren wir gute Freunde. Ich fütterte cs nun jeden Tag. Sobald ich das Futter selbst zurechtmachcn konnte, kam jedesmal eine Handvoll Hafer mit hinein. Auch zur Tränke führte ich cs selbst hinaus. Einmal wollte ich es mit Reiten versuchen, aber da flog ich gleich in hohem Bogen wieder herunter. Seit diesem Tage, an dem ich mit dem Kälbchen Freundschaft schloß, nannten es meine Pflegccltern nach mir „Hänschen". Ich habe schon oft darüber nachgcdacht, wie es wohl dem kleinen „Hänschen" jetzt ergehen wird.
Hans Eichler, 12 Jahre alt,
Schüler im Gchulaufsichtsbczirk Pirna a. d. E.
Lebensrettung einer Kröte
Da wir große Pilzfreunde sind, gehen wir öfter auf die Suche nach diesen nützlichen Gewächsen, denn es bereitet doppelte Freude: das Suchen, aber auch das Essen! Beim Streifen durch den Wald sehen wir manchmal Rehe, Hasen und sonstige Tiere. So gingen wir eines Tages wieder auf Pilzsuchc. Es war schon Anfang des Herbstes. Einige Blätter lagen bereits auf der Erde, darüber vereinzelte dürre und morsche Zweige und Äste. Dadurch konnte man die' Pilze nicht gut sehen. Als wir so beim Euchen waren, bemerkte ich vor mir im Laub eine große, grauschwarz gefärbte Schlange, die über l Meter lang war. Diese Schlange hatte den Mund weit geöffnet und darin eine Kröte stecken. Ich rief meinen Vater, da ich ja nicht wußte, was es für eine Schlangenart sei. Aber mein Vater kannte sie auch nicht- er staunte nur über die Größe des Tieres. Nun nahm ich meinen Stock und störte die Schlange beim Mahl. Sogleich öffnete sie ihr Maul und ließ ihre Beute los. Nun hüpfte die Kröte munter fort und war erlöst von ihren Qualen. Sofort barg sie sich im Grase und Laub. Oie Schlange aber züngelte mit ihrer zweiteiligen Zunge ununterbrochen. Nachdem wir die Schlange aus der Nähe der Kröte vertrieben hatten, und das gerettete Tier in sicherer Obhut wußten, gingen wir weiter. Als wir nach einer Stunde zurück- kckrtcn, waren beide Tiere verschwunden. Ich aber freute mich, daß wir einer Kröte das Leben gerettet hatten.
Hcinz-Fochcm Kochler,
14 Jahre alt, Mittelschule Königswinker.
Verantwortlich: Ludwig Zukowsky, Frankfurt a. M., Städtischer Tiergarten.
BerjmMÄerstamd
Jugendbeilage zu „Der Deutsche Tierschutz“
Heft 3 — 8. Jahrgang — November 1943
Mitarbeit von Lehrern, Schülerinnen und Schülern ist erwünscht.
Alle Einsendungen sind zu richten an den Schriftwalter Ludwig Zukowsky, Frankfurt a. M., Stadt. Tiergarten.
"
Ein treuer Freund und Beschützer
Aufn.: Atlantic
