gatlert hat, fliegt sie gleich damit auf den näch­sten Baum. Die Kohlmeise dagegen holt sich einen recht dicken Sonnenblumenkern und setzt sich, den Kern zwischen den Füßchen, auf den Nand des Häuschens und pickt geduldig, bis sie das Korn freßfertig hat. Dann nimmt sie es, als ob sie glaube, daß ein anderer ihr den Leckerbissen raube, und fliegt auf den Kirsch­baum. Da, jetzt läßt sich wieder mal der Grün­ling sehen. Auch Herr Fink kommt wieder. Aber der bunte und der grüne Fink vertragen sich nicht. Ein bißchen Schnabelhacken, und schon scheinen sie ihren Streit wieder vergessen zu haben. Sie fliegen nach verschiedenen Seiten weg und Meischen tritt an ihre Stelle. Lustig ist es zu sehen, wenn ein von mir vertriebener Spatz sich wieder ein Korn holen will. Er fliegt zuerst von der Dachrinne auf den Kirschbaum und bleibt dort erst mal sitzen, um zu sehen, ob ein anderer Spatz, der sich schon gleich von der Dachrinne auf mein Fenster gewagt hatte, weggejagt würde. Wenn das nicht geschieht, und die gefährliche Gardine sich nicht bewegt, holt er sich im Häuschen Futter. Jetzt mache ich mal das Fenster auf, um Zu sehen, ob die kleinen Besucher sich auch dann heranwagen. Und siehe da Meischen kommt, äugt vor­sichtig in mein Zimmer hinein und fliegt dann gleich wieder mit seinem erbeuteten Korn weg, als ob ihm etwas nicht geheuer vorkäme. So lassen sich im harten Winter all die Vögel aus der Nähe an meinem Fenster sehen, und kämp­fen und streiten immer von neuem um ein biß­chen Futter, das ihnen so nottut. Reichlich ent­schädigen sie die kleine Mühe des Futtersam­melns und -streuens durch ihr anziehendes, munteres Wesen und die Vertilgung vieler Schädlinge unserer Wirtschaft!

Christine Müller, Frankfurt a. M.-Hochst, Schülerin, 12 Jahre alt.

Gin tmilf ommettetr Gast

Es war an einem der letzten Dezembertage, kurz vor dem Jahreswechsel, da bekam ich lie­ben Besuch in meinem Keller. Ich war auf Urlaub und gerade damit beschäftigt, ein wenig Holz zu zerkleinern. Nach einiger Zeit sah ich an einem Kellerfenster ein Tier von der Größe einer Maus und glaubte, es handle sich um eine Feldmaus, die sich ein warmes Nest für den Winter sucht. Aber das war wiederum nicht möglich, denn der kleine Gast suchte durch ein Loch, das mir die Nachbar­jungen in das Kellerfenster geworfen hatten, seinen Weg zu mir. Es war ein Zaunkönig! Dieser kleine Wintersänger kümmerte sich wenig um meine lärmende Tätigkeit, ja, er stellte sich mir sogar regelrecht vor. Was wollte er wohl? Nicht die Wärme des Kellers lockte

Zaunkönig am Nest.

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Aufn.: Hermann Fischer, Braunsclweig.

ihn, sondern die vielen Mücken, die sich im Winter in rauhen Mengen in die Keller ziehen. Sie erkor sich mein kleiner Gast als leckere Mahlzeit. Der Zaunkönig ließ sich selbst beim Fortfahren meiner Arbeit nicht abhalten, den Keller von diesem Ungeziefer zu befreien und hüpfte von einem Holzscheit zum anderen, um die Mücken von der Wand zu picken.

Erst mal über den reizenden, seltenen Be­such, dann aber über die Möglichkeit, auf diese Weise dem kleinen Piepser über den Win­ter zu helfen, war meine Freude groß. Ich entschloß mich deshalb, keine neue Scheibe einzusetzen, damit der gefiederte Zwerg auch weiterhin zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, nämlich sich den Magen zu füllen, und mir den Keller von den verwünsch­ten Mücken zu befreien. Allem Anschein nach ist dieser kleine Sänger schon öfter in meinem Keller gewesen, was ich an den Ein- und Ausflügen feststellen konnte.

Mein Urlaub ist nun zu Ende, und ich habe meiner Frau ans Herz gelegt, diesen kleinen Matz über Winter auch weiter als Gast zu behalten und ausreichend zu bewirten.

Hans Kloep, Oberfeldwebel. Verantwortlich: Ludw. Zukowsky, Frankfurt a. M., HSlderlinstraße 20.