Reichtum so wohlgeborgen im Hause wußte. Zu­frieden pfiff er sich ins Fäustchen, kicherte und gluckste sich in jedes seiner Ohren und freute sich seines Sieges über die frechen Nager.

Gut und wunderbar schlief der Mann wäh­rend der nächsten Nächte, da der Wind das leere Geäst des Nußriesen rüttelte und schüttelte und die Eichhörnchen suchend von Ast zu Ast huschten ohne mehr als leere Schalen am Boden zu finden oder hie und da eine taube Nuß.

Am frühen Morgen, wenn Warnte seinen Kopf zum Fenster herausstreckte, sah er die roten Büsche davonflitzen und mit ärgerlichem Kchchchch . . ." im Gelaub untertauchen. Dann schickte er ihnen sein schallendes Gelächter nach und hieb vor Vergnügen die Fäuste in­einander.Tölpel, ihr, laßt sie euch nur gut schmecken, die leeren Schalen!"

Und eines Tages stampfte er wieder zu sei­nen Nüssen hinauf. Wie sie ihm schon von der Bodentreppe her entgegendufteten. Sein Wanst füllte sich mit Genugtuung, als er ihrer ansich­tig wurde. Da blieb er auf eins wie angewur­zelt stehen. Ei Kuckuck! Waren sie nicht ein bißchen arg Zusammengetrocknet? Mit seinen grapsigen Fingern griff er bebend in den Wal­nußhaufen, aber nichts weiter als leere Scha­len rannen ihm durch die Finger, so tief er auch mit seinen Händen und Ellenbogen in den Haufen hineinfuhr und sich bis zum Grunde hindurchwühlte.

Wild gloste in ihm die Wut auf, da er sich aufrichtete, um nach dem Halunken Ausschau zu halten, der ihn derart bestohlen hatte. Da entdeckte er an Balken und Fensterholz die Kratzspuren der Eichhörnchen. Und von drau­ßen herein gellte ihm das siegreiche Gekeif der brandroten Gesellen entgegen. Siegreich stieg ihre Standarte im Gelaub des Walnußbaumes auf und kündete triumphierend den Sieg über den alten Geizhals.

Vom Schiffer Hansen

Am Genfer See lebte einmal ein Schiffer mit seiner Frau. Sie waren sehr arm und konnten ihre beiden Kinder nur mit Not und Mühe nähren und kleiden. Der Schiffer arbeitete vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Er war früher Seemann gewesen, aber da er im Kriege einen Arm verloren hatte, nahm man ihn nicht mehr auf den großen Schiffen als Steuermann an. Er zog mit seiner Frau dann hinunter an den Genfer See, weil man ihm gesagt hatte, daß es dort besser Zu leben sei. Anfangs ging auch alles ganz gut, der Schiffer mietete sich ein Boot und brachte damit die Fremden, die den See befahren wollten, von einer Seite zur anderen. Dann bekamen die

Schifferleute zwei niedliche Kinder, für die es doppelt zu arbeiten galt. Im Sommer ging es auch immer ganz gut, da konnte der Hansen Fischreusen stellen, die Fremden über den See fahren in seinem Motorboot oder den Besitzern der großen Dampfschiffe helfen, wenn etwas an den Kesseln nicht in Ordnung war.

Aber Wintertags war es sehr schlecht. Wenn die Schiffe nur selten benutzt wurden und die Fische tief auf dem Grund blieben, hatte die arme Fischerfamilie oft große Not, dann mußte die Mutter noch arbeiten, sie ging zu fremden Leuten und hals ihnen bei der Wäsche, um Geld zu verdienen, damit die Kinder Brot hatten.

Eines Tages war es bitter kalt geworden. Als der Fischer sich des Morgens erhob und durch das Fenster auf den See schaute, sah er statt des grünen, klaren Wassers eine dicke Eis­kruste über dem See. Die Schiffe waren fest­gefroren, Eis und Schnee starrte von ihren Masten und Segeln. Geschwind Zog sich Hansen an und ries seine Frau und seine Kinder.Seht, welch ein schönes Bild, und doch ist es so traurig, weil nun auf lange Zeit die Schiffe festliegen.

Aber was sehe ich dort, die armen Schwäne und Möwen, die nachts auf dem Wasser des Sees schlafen, sind ja eingefroren im Eis! Da muß etwas getan werden für die armen Tiere! Sie sind doch auch des Herrgotts Geschöpfe und dürfen nicht so Zugrunde gehen."

Als der Schiffer eilig aus der Haustür trat, kam ihm ein anderer Schiffer entgegen.Höre", sagte Hansen,du mußt mir helfen, sieh, die Möwen und die Schwäne sind im Eis ein­gefroren, wir wollen versuchen, sie mit einem starken Motorboot zu befreien." Der andere lachte laut:Das könnte mir eben passen! Ich habe Besseres Zu tun, als dumme Tiere aus dem Eis Zu suchen!" Und er ging pfeifend vorbei. Als er schon an der Straßenbiegung angekom­men war, rief er Hansen noch nach:Du hättest auch was Gescheiteres vor, kümmere dich um deine Kinder, daß sie nicht verhungern!" Hansen schritt zum Strand hinab, er dachte daran, daß seine Familie Not litt, aber der liebe Herrgott würde schon helfen, wenn man immer nur seine Pflicht erfüllte, und heute war's gewiß die erste Pflicht, die armen Tiere von dem eisigen Tod zu retten.

Hansen ging auf sein Motorboot. Er stellte den Motor an, trotzdem ihm von mancher Seite höhnisches Gelächter entgegenscholl. Und richtig riß sich das Boot mit einem gewaltigen Krach von dem Eis los und bahnte sich ganz langsam einen Weg durch das Eis. Schon war Hansen bei den ersten der eingefrorenen Vögel ange­kommen, stieg vorsichtig aus dem Boot und streute rotes, schnell das Eis schmelzendes Salz um die armen, schon kraftlos gewordenen Tiere herum.

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