Frankfurter L)ausblätter.

Aus Vergangenheit und Gegenwart.

Beilage zum Neuen Frankfurter Lommunal - Blatt und Anzeiger.

Herausgegeben von Franz Rittweger.

Jtö. 13 . Samstag de» 2. Juli 1881. * Der neuen Folge I. Shell.

Der alle Schwede in Sachsenhsnsen.

Geschichtliche Erzählung aus den Zeiten des dreißigsährigen Kriege» von G. W. Pfeiffer.

(Schluß.)

Da traten der kaiserliche Obrist Kehrauß und der Schöffe von Stalbrrg in die Stube; Bitzthum bemerkte sie jedoch nicht und starrte fortwährend, wie im Trübsinne, auf den Raum vor seinen Füßen.

Euerm Verlangen gemäß," begann jetzt Kehrauß,haben wir das Ende der Verhandlungen gestern Abend ausgesetzt und kommen jetzt, am Morgen, Euern Beschluß zu ver­nehmen."

Vitzthum erhob sich und reichte dem Redenden die Hand.

Nicht Eure Carthaunen, nicht Eure Tapferkeit und Muth treiben mich aus Sachsenhausen"

O Gott, so wolltet Ihr" fiel der erschrockene Schöffe ein.

Handeln, wie ich handeln muß," versetzte Vitzthum.Be­ruhigt Euch, Herr Schöffe. Muß, sage ich, gezwungen, nicht durch Euch, wohl aber doch dieß mag den kaiserlichen Feldherrn wenig kümmern. Habt Ihr die schriftliche Aus­fertigung des Vertrage« mitgebracht?"

In zwei gleichlautenden Exemplaren," entgegnete Kehrauß, und bereit« von dem kaiserlichen Generalwachtmeister von Lamboy unterzeichnet."

Gebt mir die Feder!"

Bilaw that, wie ihm geheißen, und Vitzthum schritt zum Tisch, las aufmerksam den Uebergabev.ertrag durch, dann Un­terzeichnete er mit fester Hand.

Freien Abzug mit Wehr und Waffen, allem Gepäck, vier Feldstücken, und sicheres Geleit bis Gustavsburg. Ich darf es wohl verantworten. Obristlieutenant Bilaw, verkündet e« meinen Leuten, und Ihr, Herren, kehret baldigst nach Frankfurt zurück, denn die Bürger werden Eure frieden­bringende Heimkehr mit Sehnsucht erwarten."

Nach einigen Worten der aufrichtigsten Anerkennung von Seiten des Obristen Kehrauß und des innigsten Dankes des gerührten Schöffen, entfernten sich Beide, um den unter­schriebenen Vertrag schleunigst nach Frankfurt zu bringen und der Obristlieutenant Bilaw richtete seine'Schritte nach dem Hofe.

Der Alte warf sich jetzt in einen Seffel und versank in tiefes Nachsinnen. Aber nur kurze Zeit sollte ihm hierfür ge­laffen werden, denn Bilaw stürmte bald heftig erregt wieder in die Stube.

General, das Maß der schändlichsten Verrätherei ist voll. Im Pulvermagazin ist Feuer. Es fliegt in die Lust und wir Alle sind verloren!"

Vitzthum fuhr betreten zurück, allein auf wunderbare Weise schnell gefaßt, entgegnete er in Ruhe und mit Kälte:

Hier muß ich mich überzeugen. Die Schlüffe! des

wohlverwahrten Gewölbes sind in meiner Hand, darum kann ich es nicht glauben. Gebt mir die Schlüffel aus dem Schranke dort."

Die Schlüffel?" fragte Bilaw, indem er vergebens in dem bezeichneten Schranke suchte.Ich finde keine."

Das wäre entsetzlich!" preßte Vitzthum heraus.Und doch, ich kann das Schändliche nicht glauben. Folgt mir, Obristlieutenant, wir steigen hinab zu den Gewölben!'

Mit raschen Schritten eilte der General nach dem Hofe und Bilaw folgte ihm mit klopfendem Herzen. In dem Hofe stürmten ihnen die erschrockenen Soldaten in dichten Maffen entgegen und drängten sich in wildem Getümmel durch da« Hofthor, um die Straße zu gewinnen.

Feuer, Feuer im Pulvermagazin!" riefen sie mit wild verzerrten Mienen und'stürzten übereinander, jeden Nieder- gefallenen unbarmherzig unter die Füße tretend.

Achtung, in Ordnung und Angetreten!" donnerte der alte General mit Löwenstimme, und so groß war die solda­tische Zucht und das Ansehen des Befehlenden, daß die Flie­henden, wie durch Zauberei, ihre Schritte mäßigten und bald in schnell geordneten Reihen und Gliedern zagend, aber den- noch ruhig standen.

Ihr seht ja mich noch hier," rief jetzt der Alte mit heiterem Gesichte und gleichsam spottendem Tone.Bor dem Pulver sind meine schwedischen Männer nie gewichen und auch jetzt werden sie keine schimpfliche Flucht ergreifen I Ruhig gestanden hier, ich und der Obristlieutenant steigen hinab zur Tiefe."

Mit diesen Worten richtete Vitzthum seine Schritte nach dem zu den Gewölben führenden Gange und Bilaw folgte jetzt beherzt dem Vorgesetzten.

Leiser Pulverdampf und der Geruch einer brennenden Lunte wehte ihnen aus der Tiefe entgegen und von dem un­tersten Gewölbe schallte Rumor und Gepolter.

Oeffnet die Zuglöcher!" ließ Vitzthum seine Stimme herauf erklingen und die Soldaten vollzogen den Befehl.

Der Gang war jetzt nothdürfttg erhellt und der umher­blickende Alte bemerkte bald auf dem Fußboden eine Lunte, die, was an der Asche erkennbar sich zeigte, eine Weile ge­brannt, dann auf dem feuchten Gestein erloschen war.

Hier eine Lunte," ries er dem Obristlieutenant zu,und hier eine abgeschossene Muskete," erwiederte dieser, indem er eine solche, die er vom Boden ausgehoben, dem Generale zeigte.

Staunend betrachteten Beide die gefundenen Gegenstände, als das Gepolter in der Tiefe wieder lauter und tobender ward und dumpfer Hülferuf dazwischen sich vernehmen ließ.

Mit wenigen Schritten waren Beide vor der Thüre:

Wer ruft hier um Hülfe!"

Aufgemacht!" erklang es von Innen heraus.Abscheu­liche Verrätherei ist im Spiele. Meldet rS schnell dem Gene­ralmajor!"