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ommiiaal-Alaff und jln^igfF.

Wochenschrift für Gemeinwesen und Kemeinstnn.

Herausgegeben von Franz SNttweger.

Erscheint jeden Samstag. Der Abonnementspreis beträgt pr. Quartal Mk. 1.50, ausschließlich des Trägerlohns. Einzelne Nummern nebst Beiblatt 1b Pfg. Annoncen: die vierspattige Petttzeile 15 Pf. Die Expedition befindet fich: Buchgafle No. 3.

M. 1 «.

Samstag den 23. Juli 1881.

Erster Jahrgang.

Com'munale's.

Der Franks. Stadt-Anzeiger veröffentlicht den Vortrag, welchen Hr. Schmick jüngst in der in Frankfnrt stattgehabtrn Versammlung der Gas- und Wasser-Fachmänner gehalten hat. Bei dem Interesse, welches die Frage der Wasserbe­schaffung und des Wasserverbrauchs gegenwärtig erregt, ent­nehmen wir dem Bortrag folgende Stellen:

Unsere Gesetzgebung hat sich bis jetzt nur in sehr mangel­hafter und der Wichtigkeit des Gegenstandes nicht ensprechen- der Weise mit den städtischen Wafferleitungen besaßt. Die Anwendung des ExpropriationsrechtcS, welches in einzelnen Staaten den Wafferleitungen werliehen werden kann, ist so ziemlich alles, und selbst das neueste in Deutschland, nämlich in Baden erlaffene Gesetz über die Wafferverwendung ignorirt vollständig die städtischen Wafferleitungen und besaßt sich nur mit Dorfluth, Aufstau und Bewässerung. Aber auch bei unS wird es nicht mehr lange währen können, daß das Wasser- versorgungswesen und zwar innerhalb des Rahmens einer allgemeinen Ordnung des WasserwescnS nach Eigenthum und Verwendung in den Kreis gesetzgeberischer Thätigkeit gezogen werde, wie eS in Spanien und in Oesterreich in vortrefflicher Weise bereits geschehen ist. Wichtig wäre cs für diesen Fall, wenn die erforderliche Wassermenge so allgemein als fest­stehend angenommen werden könnte, um bei den Eoncessionrn als zukünftige Grundlage zu dienen.

Die städttschen Verwaltungen, selbst solcher Städte, welche mit neuen Wasserwerken versehen sind, kommen häufig in die Lage, bei eintretendem Wassermangel sich die Frage vor­zulegen: Aus welchen Ursachen entspringt derselbe? Ist es die ungenügende Beischaffung von Wasser oder der über das nöthige Maß gehende Verbrauch? Die Frage wird unter den heutigen Anschauungen nur schwer zu entscheiden sein, denn es fehlt der nöthige Maßstab, welcher zur Beurtheilung erforderlich ist und nach welchem die städtischen Behörden ihre Maßnahmen treffen könnten. Hat dieser Mangel doch in England zur Erfindung eines eigenen Apparates geführt, um den über das Ledürfniß hinausgehenden Wasserverbrauch zu entdecken und demnächst zu beseitigen und zur Bildung einer Actien - Gesellschaft zur Ausbeutung dieser Erfindung. Zuletzt, aber nicht am wenigsten, ist es für den ausführen­den und projectirendcn Jngenicr von der größten Wichtigkeit, die Frage des erforderlichen Wasserbedarfs außer allem Zweifel, außer aller Discussion gestellt zu wissen. Die Wasser­menge bedingt die Dimensionengebung und bildet den wesent­lichsten Faktor für die technische Gestaltung einer Anlage.

Alles dieses sind Gründe genug, und ich nehme an, sie wiegen auch schwer genug, um die große Bedeutung darzu-

thun. welche eine richttge und zutreffende Bestimmung der Waffermenge für das gesammte städtische Wafferversorgungs- wesen hat. Es werden nur die Zweifel entgegentreten, ob denn die so nothwendigen Voraussetzungen noch in dem Grade unbestimmt seien, wie ich eS annehme, da doch so viele Wafferleitungen schon erbaut sind, bei deren Einrichtung sicherlich mit der größten Sorgfalt und Gründlichkeit vorge­gangen sein wird. Aber, wie alles fortschreitet und sich ent­wickelt, wie in allen Branchen einschneidende und für die Weiterentwicklung bestimmende Erfahrungen gemacht werden und gemacht worden sind, so schreitet auch glücklicher Weise das WafferversorgungSwesen fort. Durch die gründliche Umgestaltung, welche in dem Modus der Wafferabgabe in mehreren mit großen neuen und trefflich geleiteten Waffer- werken versehenen Städten vor sich gegangen ist, sind wir in die Lage versetzt, daß wir nicht mehr daraus angewiesen sind, den Wasserverbrauch anderer Städte berücksichtigen zu müssen, sondern daß wir den viel sicheren, den viel bestimm­teren Maßstab des Wasserbedarfs ganzer Städte gewon­nen haben. Dies ist meiner Meinung nach ein sehr erheb­licher Fortschritt, der zu einer bedeutungsvollen Entwicklung des Wasserleitungswesens führen und für dasselbe von größtem Vortheil sein wird, wenn die gewonnenen Resultate richtig verwendet und verwerthet werden.

Ich unterscheide als sehr wesentlich Wafferverbrauch und Wasserbedarf, wobei ich unter letzterem Wort jedoch nicht die auf das Nothwendigste beschränkte Waffermenge verstanden haben will, sondern die Waffermenge, welche durch den nütz­lichen Verbrauch verwendet wird, so daß also der Wasserbe- darf den nützlichen Wasserverbrauch darstellt. In Magdeburg betrug im Jahre 1876 die Maximal-Förderung, nicht der Turchschnittverbrauch, nach Ausweis der vom Verein veran- laßten Tabelle noch ungefähr 170 Liter. Dieser Verbrauch steigerte sich in der Weise, daß im Januar 1880 also wahr­scheinlich zur Zeit des MinimalVerbrauchs weit über 200 Liter verwendet wurden. Die Steigernng des WafferbrauchS in Hamburg ist verhältnißmäßig eben so stark. In Düssel­dorf wächst, wie aus dem vorjährigen Bericht hervorgeht, der Wafferverbrauch bei der Privatabgabe wesentlich stärker, als die Zunahme der Abnehmer.

Auch hier in Frankfurt hält sich derselbe eben nicht in bescheidenen Grenzen. Die Wasserleitung, zur Zeit, als die Stadt 80,000 Bewohner zählte, für 100,000 angelegt, sollte für jeden Kops 138 Liter pro Tag liefern. Die Mi­nimalabgabe des Tages beträgt 13,800 Kbmtr. Nun ist allerdings die Bewohnerzahl auf 137,000 gesttegen, aber eS sind noch nicht über 100,000 der Leitung angeschloffen. ES kommen also aus jeden Konsumenten noch mehr als 138 Liter. Wenn aber der Zulauf nicht stärker ist als 13,800 Kbmtr.