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Wochenschrift für Heineinwesen und Hemeinstnn.
Herausgegeben von Kranz Rittweger.
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M. ZKK. Samstag den 3.
Die städtische Wasserversorgung.
Ein Bericht de« Wasseramtes, den Betrieb des Pumpwerks am Riederspieß betreffend, besagt, daß, nachdem am 9. Juli a. c. der neue Druckrohrstrang von 3065,97 Meter Länge, welcher zur Ableitung deö Wassers aus dem sog. Bolgerbrunnen angelegt worden ist, vollendet war, die Anlage ohne jeden Anstand unmittelbar danach in Betrieb gesetzt und daS Wasser an dem gleichen Tage noch nach kurzer Strangschulung dem Sainmclbchälter an der Friedbergcr Warte zugepumpt und auöhülfsweise zur Wasserversorgung der Stadt verwendet werden konnte. Die Fertigstellung des Werkes habe in Folge der Ergänzung der maschinellen Anlagen und Grunderwerbungen einer etwas längeren als der vorher bemessenen Zeit bedurft. Seit dem genannten Zeitpunkte seien aber die Pumpen ununterbrochen bei Tag und Nacht in Betrieb, um den gegenwärtigen Mehrbedarf an Wasser wenigstens einigermaßen befriedigen zu helfen, und insofern habe die Anlage bereits gute Dienste geleistet, als es biö jetzt noch nicht nothwendig gewesen sei, auch in den Bvrmittagsstunden,wieim vergangenen Jahre, Druckreductionen eintreten zu lassen. Ein Stillstehen der Maschinen geschehe nur, um das Schmieren und Reinigen derselben vornehmen zu können und um zu große Senkungen deö Wasserspiegels im Brunnen zu vermeiden.
Zur Ermittelung der Leistungsfähigkeit der maschinellen Anlagen sei in der Nacht vom 18./19. Juli a. c. in den Sammelbehältern an der Fricdberger Warte eine genaue Messung vorgenomnien worden, nach welcher die Pumpen bei 30,15 Touren per Minute eine Wassermengc von 3434 cbm. — 148,966.92 Frankfurter Cubikfuß in 24 Stunden in die Einlauskammer bei Seckbach zu heben vermöchten. Da aber der Brunnen diese Wassermenge nicht andauernd lieferte, so sei die Tourenzahl auf 22 per Minute vermindert worden, wobei die Pumpen bei unnnterbrochencm Betrieb immer noch rot. circa 2500 odin. fördern könnten, wie solches am 19./20. und 3<V31. Juli constatirt worden sei. Zum Betrieb der Pumpen seien bei dieser aus das Minimum rcducirte» Geschwindigkeit jedoch beide Kessel erforderlich, wodurch die frühere Annahme deö WafseramtS, daß die Anlage wegen der unverhältnißmäßig hohen Kosten sich zu einem dauernden Betriebe durchaus nicht eigne, bestätigt wird. Bei Inbetriebsetzung der Pumpen habe die Wassermenge, welche dem Brunnen in 24 Stunden entnommen werden konnte, über 2300 odw. oder 100,000 Cubikfuß betragen. Diese« Quantum sei nach einigen Tagen auf 88—90,000 und dann auf 70— 80,000 Cubikfuß gesunken, aber nicht mit der Ergiebigkeit des Brunnens zu verwechseln. Ais letztere könne siir einen fortlaufenden Betrieb nur diejenige Wasiermenge be
September 1881. Erster Jahrgang.
trachtet werden, welche dem Brunnen per Zeiteinheit bei gleichbleibendem Wasserstand constant zufließt, diesem also auch auf die Dauer nur entnommen werden kann. Ehe somit selbst nur zu annähernder Ermittelung der Ergiebigkeit geschritten werden könne, müsse das Pumpen zunächst noch einige Zeit fortgesetzt werden. Seit dem 2. August d. I. hätten täglich regelmäßige Beobachtungen über die Wasserentnahme bei einem Wasserstand von circa — 2 bis — 4,5 Meter unter dem Nullpunkt des Frankfurter jBriickenpegelS stattgefunden, es hätte danach die Wassermenge, welche dem Brunnen bei der angegebenen Pegelhöhe zu entnehmen war, nach und nach abgenommen und sei in den letzten Tagen auf 50—60,000 Cubikfuß pro 24 Stunden gesunken. Der Beharrungszustand sei aber noch nicht eingetrrten, weshalb zur Beurthcilung der eigentlichen Ergiebigkeit noch keine genügenden Anhaltspunkte vorlägen. Die Temperatur des Wassers betrage 10,6° Celsius. Bei der Aufstellung der Kosten hätte davon ausgegangen werden miiffen, daß in diesem Jahre und so lange die Wafservermehrung noch nicht stattgefunden hat, der Brunnen nicht nur ausnahmsweise in Nothfällen, sondern bis Ende October ununterbrochen in Betrieb genommen werde, obwohl die seiner Zeit lediglich zum Zwecke der Aichung aufgestellten Hebepumpcn und Maschinen nebst Kessel einer solchen Art der Berwendung nicht entsprächen. Die Betriebskosten für Fcuerungsmaterial seien demgemäß im Verhältniß zu der Leistung der Anlage zu hoch.
Mit Bericht des Wasseramts vom 18. Januar 1880 ward dargclegt, daß, da es sich immer nur um einen Betrieb des Pumpwerkes in einzelnen Nothfällen handeln könne, bei Herstellung einer Manometerstation in den dortigen Gebäuden der Wächter der Wasserleitung auch den Dienst des Pump-' Werkes versehen könne. So lange es sich aber um einen dauernden Maschinenbetrieb handele, und da der Dienst ein anstrengender sei, so dürfte den Bediensteten neben dem Jahrgehalte von Mk. 850 für die Tage, an welchen gepumpt wird, eine Punctionszulage ru gewähren sein. Für die Zeit, wo bei Tag und Nacht gepumpt wird, müßte der nothwen- digen Ablösung wegen noch vorübergehend Hilfspersonal eingestellt werden.
Auf Grund dcS vorstehenden Berichtes ist der Stadtverordnetenversammlung der Antrag zugegangen, sic möge zur Bestreitung der Kosten, welche durch die Inbetriebsetzung des Pumpwerkes im Riederspieß in der Zeit vom 10. Juli 1881 bis 31. Mär; 1882 zum Theil bereits entstanden sind und entstehen werden,. auf das Ordinarium des laufenden EtatS- jahreS einen Credit von Mk. 6700 bewilligen. Hiervon entfallen auf Arbeitslöhne Mk. 1470, Materialien Mk. 4723, Unterhaltung der Anlage, Instandhaltung der Maschinen und Pumpenanlagen, der Gebäude, Lagerhäuser rc. Mk. 507.
