abaeschnitten. Im Uebrigen wurde daS Stück gut und leicht durch- gesührt. Frln. Gündel ll. bewies bei ihrem ersten Auftreten viel Sicherheit. Tie unbedeutende, besser gesagt bedeutungslose Rolle gibt zu einer eigentlichen Beurtheilung keine Gelegenheit.

* Ferdinand Naimund'sBauer als Millionär"feiert in Frankfurt in diesem Jahre sein fünfzigjähriges Jubiläum. Die erste Allsführung in Wien, am Leopaldftädter Theater, fand am 10. November 1826 statt, ans der frankfurter Bühne kam das Stück zum ersten Male am 23. Mai 183! zur Darstellung. Hassel spielte die Hauptrolle, den Bauern Wurzel, Hallcnstein den Diener, Meck das Alter. Irl. Lassorell die Jugend. War nach den damaligen Berichten die Darstellung selbst eine nicht sehr befriedigende, so muß die Jnscenirung rc. sehr schlimm gewesen sein, denn es heißt in einer Recension:Ein Baum blieb im Zimmer, eil, Ofen im Garten stehen; aus dem Himmel hingen Zimmerwände; im Walde standen Tapetenthüren; die Nacht wollte nicht aus den Eoulissen hervor- schweben ; die fee Lacrimosa hatte Muhe sich stiegend in der Lust zu erhalten ltiib die Diener des Hauses blieben, als sie aus dem Boden citirt wurden, halb in der Erde stecken." Unsere heutige Bühne ist glücklicher daran. Sie darf dem Zaubermährchen eine reiche Ausstattung und der Dichtung würdige Jnscenirung entgegen bringen. Wir wollen unseren Lesern den Inhalt des Stückes, welches morgen (Sonntag d. 25. Dec.) zilr Aufführung kommt, vor Allgen führen: Die mächtige fee Lacrimosa hatte auf Erden, wohin sie auf einem Sonnenstrahle gefahren, den Direktor einer reisenden Schauspieler-Gesellschaft erblickt und war für ihn in heißer Liebe entbrannt. Sie vermählte sich mit ihm. Als er nach zweijähriger Ehe durch einen Sturz vom Seile sein Leben verlorel, hatte, kehrte sie mit ihrer Tochter ins Feenreich zurück und schwur die Hand der­selben nur dem Sohne der Feenkönigin selbst zu geben. Zur Buße ihres Gebahrens wird Lacrimosa von der Feenkönigin dazu ver- urtheilt in ihrem Wolkenschloße verbannt zll wohnen, so lange bis die Bescheidenheit der Tochter die Mutter mit der Königin versöhnt hat. DaS Mädchen soll den, Sohne des ärmsten Bauern auf Erden angetrarlt werden. Wird fie allen Reichthum hassen und vor ihrem achtzehnten Jahre mit denr armeil Manne, der ihre erste Liebe sein muß, sich verbinden so ist der Bann gelöst. Das Mädchen wird von Lacrimosa zu dein lllstigen treuherzigen Bauern FortunatllS Wurzel gebracht, den sie beschwur ihre Tochter gilt und fromn, zu erziehen und mit einem armen Jungen, den sie lieb gewinne zu verheirathen. Wer sie sei, mußte Lacrimosa verschweigen. Als Lottchen, so nannte der Bauer die Ziehtochter. sechSzehll Jahre alt war, erwachte in ihr die Liebe zu dem armen Fischer Karl Schilf. Da läßt der Neid, dessen Liebe zu Lacrimosa verschmäht worden lvac. den Bauern Wurzel eine'.l Schah finden, der ihn zum Millionär macht, fortu- natus Wllrzel zieht in die Stadt, lvo er sich ollen aroben Genüssen hingibt und gelobt die Ziehtochter nur einem reichen Manne z,l geben ; als Lottchen ihrem Karl treu bleibt, schwört Wurzel:Nicht eher dürfe diese Aerbindung vollzogen werden als sein kienruß schwarzes Haupt sich in eineil Gletscher verwandelt, bis er so aus- schaue, daß er ans den Aschenmartt hingehöre." Lottchen wird von denr Ziehvater ans dem HauS gestoßen mit denr Bemerken, daß sie nur eine angenommene Creatnr sei, ihr ihre ehemalige Bauernkleidung nachgeworsen. DieZufriedenheit" nimmt sich ihrer an und leitet sie. Wurzel gibt ein großes fest. Da fährt ein goldner Wagen mit Blumen geschmückt und von zwei Rappen ge­zogen vor, ihn, entsteigt ein weißgekleideter mit rosenrothem Fräck- chen geschmückter Jüngllngdie Jugend"; der begrüßt Wurzel, nennt ihn Brüderchen und Schulkameraden, er müßte ihm aber jetzt die Freundschaft kündigen und ihn nlahnen wieder solid zu sein. Wurzel, welcher den freniden nicht kennt, will davon nichts missen.Jugend" bedeutet ihm. daß wenn er von ihm gewichen, ihn die Lust ver­lassen wird. Nach dem DuettBrüderlein sein" scheidet der Jüng­ling ilnd Wurzel bat jetzt keine Lust mehr am Gelage. Da kommt ans einem Wolkenleiterwagen von Schimmeln gezogen ein alter Herr,das Alter", der ihm die Haare weiß macht. Wurzel wünscht sich in seine armselige Waldheimath zurück. Ter Wunsch wird ihm durch Zauberkraft gewährt, Wurzel ist wieder arm. Inzwischen ist der arme Fischer Earl im Zaubergarten zu großem Reichthum ge­kommen. Eilr glänzender Palast ist sein eigen geworden. TerNeid" und derHaß", die Antipoden der Liebe sinnen darin aus Verder­ben und wollen erst Lottchen, welcher von derZufriedenheit" geführt hereintritt vom Hause weisen, bieten ihr aber zuletzt Unter­kunft in dem Domestiken-Gebäude. Jetzt erscheint Wurzel als Asche­mann mit der Butte auf dem Rücken und der Krücke in der Hand klagend:Was bin ich für ein miserabler Mensch! Ein Aschen! Was war ich? Und was bin ich jetzig Ein Aschen! Er fleht die Zufriedenheit an um etwas für seinenaschengrauen Magen." Carl, welcher Lottchen wiedersieht und ihr in die Arme stürzen will, hat erst eine Probe auszuhalten, er soll den Zauberring, der ihm seinen Reichthum verschafft opfern und Lottchen in der Ärmuth erringen.

Carl bringt nach lanaem Zögern das Opfer. Als Fischer darf e Lottchen in die Arme schließen und sein nennen. Wurzel wird voi derZufriedenheit" zurQuelle der Vergessenheit des Ueblen" ge führt und Lottchen hat durch ihre Bescheidenheit die Feenkönigil mit», ihrer Mutter Lacrimosa wieder versöhnt. In dem schöne, Werke Raimund's hat die Allegorie eine ausgedehnte Verwenduni gefunden; allein man darf sie ruhig neben dem Gesunden, der hu mor- und gemüthreichen Handlung und den voetischen Gedanken ir Kauf nehmen. Die Gegensätze, welche die Allegorie zeichnet, sink packend und ergreifend gegeneinander gestellt und durch die Fabel leuchtet der wärmende Strahl eines dichterischen Genius.

ft (Opernbericht.) Zur Feier von C. M. von Weber's Geburtstag wurde am vergangenen Sonntag (18. Dec.) ..der Frei­schütz" zur Darstellung gebracht. Die Oper wurde nicht mtt der gewohnten Frische gegeben, namentlich schienen auch die Chöre nicht mit der Präcision einzugreifen, welcher sie sich immer rühmen dürfen. Hr. E. Müller leistete, was das Sangliche betrifft, als Mar sehr AnerkennungSwerthes. leider können wir dasselbe vom Spiel nicht sagen welches namentlich in der Wolfsschluchtscene vollständig ab- flel. Gerade in einer Oper wieFreischütz" dark das Spiel nicht nebensächlich behandelt werden und sollte der sonst so tüchtige Künst­ler hierauf mehr Acht nehmen, frl. Walter sang die Agathe sehr ansprechend und frl. Epstein war ein ganz vortreffliches Äennchen. Ter Caspar des Hrn. Nieriug war ganz zufriedenstellend.

s. Tie Aufführung desKäthchen von Heilbronn" am 17. December war eine sehr gute und ist es erfreulich, daß sich unsere Darsteller so rasch und vollständig in das nicht leichte neue Werk eingelebt haben, frl. Epstein gibt die Tittelrolle in jeder Hinsicht ganz vorzüglich und bringt sowohl den träumerischen und leidenden Theil ihrer Parthie wie auch die leidenschaftlicheren Momente derselben gleich vollendet zum Ausdruck. Wir können das Gleiche von Frl. R u z i ck a aussprechen, welche die freiin Thurneck in Spiel und Gesang sehr gut zeichnet und die Leidenschaftlichkeit der Parthie trefflich zur Geltung kommen läßt. Gesanastechnisch leisteten beide Damen Vorzügliches. Auch Frau Prell als die Schaffnerin Leonore gab ihre Parthie in jeder Hinsicht sehr ansprechend. Ter Graf Wetter des Hrn. Stritt war eine höchst anerkennenswerthe Leistung, und gelangen ihm einzelne Theile feiner Parthie, namentlich die ,nehr lyrischen ganz ausgezeichnet. Wir heben hier besonders das finale des II. Aktes und der Anfang des I V. Aktes, die Scene unter dem Hollunderbusch und die darauf folgende Erklärung gegen Käthchen als gesanglich und darstellerisch vollendet hervor. DaS Volkslied wurde von Hrn. E. M ü l l e r recht nett zu Gehör gebracht, doch hätten wir Manches darin etwas prägnanter gewünscht, es war nicht immer gleichmäßig verständlich. Die Melodik darin ist sehr glücklich getroffen. Hr. Feßler (Stein- und Hr. Bau m a n n (Friedeborn), sowie Chor und Orchester vervollständigten das schöne Bild in musterhafter Weise. Namentlich ist die Wieder­gabe der Soloscene im Bnrghof durch Hrn. Feßler und die Par- thie des Hrn. Baumann im Finale des II. Aktes und in dem Abschiedsduett vor dem Kloster als sehr gut gelungen hervorzuheben. Wir können bemerken, daß sümmtliche Darstellende mit der größten Lust und Liebe ihre Aufgaben lösten und dieses haben wir offenbar der im höchsten Grade ansprechenden Musik Rheinthaler's zu ver­danken. der mit richtigem und feinem Takte diejenigen Stellen aus- znwühlen wußte, in welcher das Volkslied unwillkürlich^ zun, Herzen spricht. Die Wirkung war für den Beobachter sichtlich, Nichts desto- weniger ist dasdramatische" Element in der Composition keines­wegs vernachlässigt, sondern da. wo es auch wirklich hinaehört, mit großem Glücke und vieler Umsicht angewendet. Die Abwechselung zwilchen Dramatik und Lyrik, zwischen Leidenschaft und Ruhe ist daS Wohlthuende und das Maaß. Beides wußte Rheinthaler in seiner Oper richtig zu treffen. Das Publicum erwärmte sich in der 2. Hälfte des II. Aktes, nachdem die sog. Exposition abgeschlonen und der eigentliche Inhalt der Handlung begann. Als Anfangs­punkt derselben kann man das fröhliche Terzett (Stein-Feßler Gott­schalk-Müller und Thürmer-Niering) annehmen. Von da ab schreitet die Steigerung stets und regelmäßig vorwärts und übt in gleicher Weiße immer größere Steigerung der Erwärmung des Publikums aus, ein Beweis daß Rheinthaler's Composition durch Wissenschaft und Herz entstanden, und kein Spiel gekünstelter Berechnung oder des Zufalls ist.

*. Am Mittwoch den 21. d. Mts. ging im Opernhause M a r- arethe von Gounod über die Bühne. Die Vorstellung als nsemble war im Ganzen gut. Hr. Walter als Gast gab den Faust, Frl. Walter die Margerethe. Wir enthalten uns einer näheren Besprechung dieser Rollen, da die Besetzung als eine ebenso befremdende als unangemessene erscheinen mußte. Fr. Prell als Wartha war recht gut, auch der Siebel der Frl. König lobenswerth. Hr. Niering als Mephisto, wie ihn die Franzosen nennen, leistete recht anerkennenswertheS und Hr. Beck gab den Valentin in be­währter Weife.

Redattion und Verlag: F. Rittweger. Druck: Krebs-Schmitt Nachf. Aug. Weisbrod, Frankfurt a. M.