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-ie Mahl- unb Schlachtsteuer 6ur«^ ein Gesetz definitiv abgeschafft ist (freilich nur gegen erhebliche Vermehrung der Einkommensteuer); die Stadt hätte somit, wollte sie von der vorläufig auf vier Jahre ertheilten Erloubniß, einen Th eil der Mahl- und Schlacht« steucr und die anderen Accisrn fortzucrheben, Gebrauch machen, den ganzen Apparat gegen sehr erhebliche Kosten (etwa 120.000 fl. jährlich) übernehmen u,äffen, ohne nur einmal sicher zu sein, daß die mit so unverhültmßmäß'.gen Kosten aufrecht erhaltenen Accisen auch wirklich den grhefflrn und veranschlagten Ertrag liefern werden. Denn bei der großen Nähe stark bevölkerter Ortschaften, welche mit Frankfurt in unausgesetztem regem Verkehr stehen ur-d welche jene Accisen nicht erheben, würde entweder der Schmuggel der meisten acciSpflichtigen Gegenstände sich in bedeutendem Maße eingebürgert haben, od.r cS wäre eine so peinliche Cor.trole noth- wendig gewesen, daß man vor lauter Plackereien und Chicanen an den Bahnhöfen und Thoren seines Lebens nicht froh geworden sein würde und die Stadt Frankfurt sich gar le cht dem Gelächter der Wett hätte auösetzen können, weil sie innerhalb verhältnißmäxig enger Grenzen ein veraltet,- uud nirgends in Deutschland mehr bestehendes Steuersystem bis zum letzten Augenblick — daS heißt bis zum Ablauf der von der Regierung festgesetzten vier Jahre — hätte aufrecht erhalten wollen. Unter solchen Umständen konnte wahrlich die Wahl nicht schwer sein und der Beschluß der beiden städtischen Körperschaften entspricht einfach den Berechnungen deS gesunden Menschenverstandes. Die Majorität der Commission, welche in der Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung vom vom 1.'j. Mai d. I. die Frage der Beibehaltung eines TheilS der ivdir cten Steuern noch offen laffen wollte, hatte denn auch keineswegs (waS bis j tzt nicht genügend hervorgehoben ist) die Absicht, diese Frage ohne Weiteres bejahend zu entscheiden, sondern sie wollte lediglich noch eine Peüfurg angefiellt wissen, ob cS nicht thunlich sei, einen Theil der LuxuSverbrauchS« gegenstände mit Eingargsoccisen zu belegen, und ste würde, wenn diese Prüfung stattgefunden hätte, wahrscheinlich wie Andere der Meinung geworden sein, daß der an sich gewiß wünschen-« werthrn Verwirklichung jener Absicht die erheblichsten practeschen Hindernisse im Wege stehen. Finden wir unS deshalb mit der Thatsache der Abschaffung der Accisen ohne Recriminationen ab, da in der That ja gar nichts Anderes übrig blieb. Wenn dagegen von vielen Seiten behauptet wird: „Es wird doch weder daS Fleisch, noch daS Brod, noch der Wein oder ein anderer der bisher versteuerten Gegenstände billiger werden und wir müssen nur höhere Steuern bezahlen," — so halten wir eine derartige Voraussagung nrch keineswegs für stichhaltig. Der Preis der meisten Lebensbedürfnisse bestimmt sich heute nicht mehr, was man auch sagen' mag, nach dem Belieben einzelner Corporationen und Gewerkschaften, sondern lediglich noch den Eor.junkturcn des MarktcS und nach Einflüssen, die ein sehr großes geo. graphisches Gebiet beherrschen. Der Preis deS Fleisches fpecicll wird in Frankfurt entschieden nicht durch das Belieben deS MetzgcrhandwerkS geregelt, sondern in erster Linie durch die Zufuhr, welche der Schlachtviehmarkt von Außen erhält und durch die Preise, welche dort sich bilden. In dieser Beziehung haben außer allgemeinen Ursachen, worüber wir weiter unten einen lehrreichen Aufsatz aus einem Wiener Blatte miltheileu, zwei Steuern bisher sehr nachthcilig eingcwirkt — wovon leider die vachtheiligste vorläufig auch ferner roch bestehen bleibt, wenn nicht von den deutschen Städten in dieser Beziehung energisch auf die Gesetzgebung cingewirkt wird — nämlich erstens die sog.Brenn, und Maischsteuer, und zweitens die j.tzt aufgehobene, an den Stadtthoren zur Erhebung gekommene Schlachtsteuer. Die erstere Steuer, welche eine volkswirthschaftliche Sünde ärgster Art ist, hat dir Production von Frttvieh, was man sich bei nur einigem Nachdenken so zu sagen an den Fingern hätte abzählen können, namentlich in Süddeutschland ganz außerordentlich ver« mindert (während doch der Massenverbrauch deS Fleisches immer

größeren Umfang angenommen hat!) die lrtztere Steuer dagegm verhinderte erfahrungsgemäß in sehr vielen Fällen die dirccte Befahrung d:S Marktes durch die kleineren Bichproducenten und gab somit die Regulirung der Preise vorzugsweise den Händlern in die Macht. Wir hoben sehr sachverständige Männer behaupten hören, und wir hoffen, daß ihre Ansicht sich bewähren wüd, daß rach Aufhebung der Schlachisteuer, wenn nur von ; Seiten der Stadt daS Richtige geschieht, um die | stcte Zufuhr von Fettvieh auf den hiesigen Markt j zu erleichtern, drr Preis der gangbarsten Fleischsorten in I Frankfurt billiger sein muß, als in den benachbarten kleineren ! Städten, da diese sich ja, der geographischen Lage und der Eisen« bahr.kuotlnpunkte wegen, erst auf dem Umwege über Frankfurt — also mit größeren Kosten und Zeitverlust — die hauptsächlichsten I Zufuhren an Fcrtoieh verschaffen können. Frölich muß man ' bei Beurtheiiung der hier und auswärts bestehenden Preise auch die Qualität des Fleisches in Betracht ziehen; wenaz.B.

> das Fleisch in den Frankfurter Lüden durchschmttlich besser ist. atS ' dasjenige in Darmstadt, Homburg, Han .u rc.. so wird eS bei i einer nur kleinen Preisdifferenz immer hier noch bill'ger fein,

als in jenen Orten. — WrS die Brodprcise betrifft, so sollten wir denken, daß diese noch weit leichter, als die Fleischpreise, sich ' auf daS richtige Niveau bringen lassen müssen, da in diesem Verbrauchtanikel ja bci den leichten und raschen Transportmitteln ! die Concurrenz sämrrtlicher umliegenden Städte und Ortschaften ! leicht hrrzustellen ist und die Brodproduction (einschließlich deS j DctailverkaufS), vergleichsweise weit geringere Schwierigkeiten bietet, als die Fleischprodrction. Die Brotpreise, das läßt sich jetzt schon j mit Sicherheit behaupten, werden wegen der immer größer werdenden Getreideprvduction für den Weltmarkt, in den nächsten Jahren keiner.saÜS irgendwie erhrbliche Steigerungen erfahren, wenn nur daS Publikum sich die Vortheile der Concurrenz zu , eigen macht und nicht zu sehr an der Gewohnheit d,r nächsten Bezugsquelle klebt.

Gehen wir nun von diesen Betrachtungen auf den eigertlichen

> Zweck unseres Aussatzes über, so müssen wir wiederholen, waS ! schon vor dem Beschlüsse über die Aufhebung der städtischen Accisen j im „Frankfurter Beobachter" gesagt worden ist: daß nämlich daS

neue Steuersystem sowohl auS Gründen der Gerechtigkeit wie um ! deS Interesses der Stadt selbst willen so einzurichten ist, daß ! dieärmeren und mittleren Classen der Bevölkerung l nicht höher belastet, sondern vielmehr zum guten ! Theil entlastet werden. Die Gründe für diese Forderung • sind auch hierbei nicht „theoretischer" Natur, sondern sie ! drängen sich mit zwingender Logik von selbst auf,

I will man nicht den Wohlstand und die gesunde Grundlage der socialen Verhältnisse Frankfurt'- empfindlich schädigen.

Halten wir zunächst doch ja im Auge, daß die Steuer« kraft, auS welcher in Frankfurt drr preußische Staat einerseits und die Stadt andererseits ihre Zehnten nimmt, ganz und gar ein und dieselbe ist und die Stadt im Grunde nur darauf angewiesen ist, dasselbe Steuerfeld noch einmal abzugrasen, an welchem schon vor ihr der allzeit mit großem Appetit gesegnete könig« liche FiScus sich gesättigt hat! Da,aus folgt, daß wenn noch Voranlritt deS FiScuS die Stadt kommt, um auch für ihre sprziellen Btdürfnifse zu sorgen, sie sich die weise Beschränkung auferlegen muß, diejenigen Einwohner, welche vom Staate im Berhältniß zu ihrem Einkommen schon hart genug besteuert find und welche vorzugsweise unter der enormen Bertheuerung aller LcbenSbedülfniffe seit 1871 leiden, nicht auch ihrerseits noch über die Gebühr anzuzapfen, wodurch gar manche, bis jetzt noch nicht in eigentliche Roth grrathene Familie wirklich an den Rand des Elends gebracht werden könnte, waS für die im Ganzen ja immer noch reiche Stadt Frankfurt eine ewige Schande wäre! Für dr»

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