«mfrgnt Falle der Expropriation (el Nestle'fchen Hauses in der Fahrgasse gezeigt hat); gleichwohl aber müssen sie dm Monolog de- Herrn Oberbürgermeister- ohne irgendeine Entgegnung hin- nehmen und können sich höchsten- damit trösten, daß eS sich hier, wie »ir oben sagten, nicht um einen Theil de-Stande- der Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung", sondern lediglich um eine sehr unbegründete Bemerkung de- Herrn Oberbürgermeisters handelt.

Noch auffallender al- in diesem Punkte wurde durch die oderbürgermeisterliche Rede einer Entscheidung der Stadtverordneten- Versammlung über den vom Magistrat beantragten Ankauf der sämmtlichen Immobilien derpolytechnischen Gesellschaft- zum Zwecke der Errichtung eine-Kunst- und Gewerbe-Museum- vorgegriffen. Die Angelegenheit unterliegt in diesem Augenblicke bekanntlich den Berathungen einer eigen- zur Prüfung dieser Bor- ltzge eingesetzten Specialcommission und dieselbe Rücksicht de- guten Tactel, welche eS der Stadtverordnetenversammlung verbietet, einem von ihr gefaßten Beschlüsse, über welchen der Magistrat in Berathung getreten, aber noch nicht schlüssig geworden ist, sofort einen ungeduldigen Pression-versuch nachzusenden und dem Magistrat zu erklären, eine Ablehnung de- Anträge- der Stadt­verordnetenversammlung werde gleichbedeutend mit der Vernach­lässigung der städtische» Interessen sein dieselbe Rücksicht der guten parlamentarischen Sitte, sagen wir, hätte auch dem Herrn Oberbürgermeister gebieten müssen, in seinem Berwaltung-berichte für da- Jahr 1874 über ein Project de- Jahre- 1875 zu schweigen, da- noch in absolutem Zustande der Unfertigkeit ist nnd worüber die Bürgervertretung noch keine Gelegenheit hatte, sich ablehnend oder zustimmend zu äußern. Wird diese- Beispiel auch in künftigen Jahren fortgesetzt, so können allmählich die vrrwaltung-berichte" de- Herrn Oberbürgermeister- als Pro- zectensammlung benutzt werden, in welchen zum Exempel auch dem Plane zur Umwandlung de- Frankfurter StadtwaldeS zu einer parkähnlichen Anlage- für Corfofahrten und dergleichen ein Monument errichtet wird. Was übrigen- die Errichtung eines Kunst- und Gewerbemuseums in Frankfurt betrifft, so gab der Herr Oberbürgermeister in dem bezüglichen PassuS seiner Rede zu, daß derartige Anstalten die ja nur dann einen wirklichen Nutzen haben können, wenn ihre Wirksamkeit sich über ein großes Industriegebiet erstreckt eigentlich vom Staate in'- Leben gerufen werden müßten; aber in Frankfurt, so sagte Herr v. Mumm, sei die Förderung von Kunst und Wissenschaft von jeherDomäne der Bürgerschaft- gewesen und sie werde sich da- auch ferner nicht nehmen lassen. Die Stadtverordneten­versammlung möge nur die verlangte Summe von 760,000 Gulden für den Ankauf der Gebäude der polytechnischen Gesellschaft be­willigen und die Errichtung de- Kunst- und Gewerbemuseums werde keinen Augenblick länger verzögert werden. Die ganze industriereiche Umgegend von Frankfurt, Offenbach, Hanau, Mainz, Darmstadt, und wie dieSchwesterstädte" alle heißen, warten ja bereit- auf die Eröffnung de- Frankfurter Kunstmuseums, um dadurch einen neuen Antrieb zur Verbesserung und Hebung der deutschen Kunstindustrie zu erhalten. Die Ausgaben dafür mag natürlich da- reiche Frankfurt tragen. Aber:Rindfleisch und Plumppudding sind sehr gute Dinge, wenn man sie nur hätte!", wie Onkel Bräsig sagte, als er sich in der Wasserkunst erlustirte. Die 760,000 Gulden für den Ankauf der Ge­bäude der polytechnischen Gesellschaft wären gar nichts für die Stadtkaffe, wenn dieselbe noch bi- an beu Rand mit Obligationen gefüllt wäre, die man jeden Tag an derBörS" verkaufen kann. Die Obligationen sind aber nicht nur wie die Milliarden ver­duftet, verkrümelt und alle geworden, sondern man sah auch bei Auflegung der jüngsten städtischen Anleihe von 5 Millionen Mark viele Zeichnungen, die nicht da sind. Statt ü Millionen sind nur 3 Millionen gezeichnet und darauf hat der Herr Oberbürger­meister v. Mumm wohlweislich keinen Ver- gemacht.

Aber angenommen, da- Anleihegeschäft ginge inimer prächtig I von Statten, wie in der Gründerzeit sollte« nicht al-danu I noch verschiedene andere Dinge da sein, welche dringender und |

unaufschieblicher sind, al- die Errichtung de-Kunst, und Gewerbe­museum-? Haben wir bereit- da- Geld für die Obermainbrücke? Nein. Oder für die Schnurgasseuverlängerung, einschließlich der sehredelmännischen- Bezahlung de- Nestle'schen Hause-? Wiederum nein. Oder für die Zeilverlängerung, bei der das Expropriations­geschäft bereit- fest im Zuge ist? Abermals nein. Für den Neu­bau de- Gymnasiums? Gewißlich nein. Für den Neubau de- Polizeipräsidialgebäudes, worauf die Regierung, gestützt auf den bestehenden gesetzlichen Zwang, dringt? Nein. Für Schlachthaus und Viehhof am oberen oder unteren Mainwasen? Nein. Denken wir endlich an die so nothwendige Verbreiterung der Bildeler Gasse, welche bereit- als lebensgefährlich für jede Art Fuhr- werk-paffage geschloffen werden müßte? Nein und abermals nein! Und so könnten wir da- Register der in Angriff genommenen refp. fortwährend an die Schwelle pochenden Unternehmungen, für welche nach guten wirthfchaftlichen Grundsätzen die Geldmittel noch zu beschaffen wären, ehe man an neue kostspielige Projekte denken sollte, noch um eine gute Zahl vermehren, aber wir denken, daß da- obige Re­gister, da- eine sehr erkleckliche Anzahl von Millionen erfordert, schon genügen wird, um daS fortwährende unbegreifliche Pochen auf denglänzenden Stand unserer Finanzen" zu kennzeichnen. Man verschone doch endlich einmal die Bürgerschaft mit diesen nutzlosen Großsprechereien und gebe ihr statt dessen ein getreues Bild der städtischen Vermögenslage (natürlich unter Berücksichtigung der in den nächsten Jahren zu bestreitenden ungeheuren Ausgaben) und die Bürgerschaft wird dafür dankbarer sein, als für alle großen Worte und Phrasen. Wir können aber von dem Kunst- und Gewerbemuseum, welches dieIndustrie in Deutschland- zu neuer Blüthe bringen soll, nicht Abschied nehmen, ohne die Worte anzuführen, welche am Dienstag Herr Dr. Ebner bei Begründung de- (bekanntlich genehmigten) Commissionsantrags auf Ausschließung der Bornheimer Kinder von dem Besuch der Frankfurter Schulen, insolange dieselben nach vollständiger Befriedigung des einheimischen Bedürfnisses keinen überflüssigen Platz enthalten, au-sprach:

Man werde immer sentimental, wenn die Rede auf daS Schul­wesen komme. Wenn man erst soweit gehe, daß die Stadt Frankfurt mit ihrer Steuerkraft für die ganze Umgegend Sorge tragen, Gymnasien und ander« Bildungsanstalten für Fremde bauen solle, so dürfe man sich auch nicht über Steuerdruck beklagen. Welchen Dank man mit der­artigerGroßherzigkeit", die eigentlich eine ganz andere Bezeichnung verdiene, ernte, daS habe daS Jahr 1886 gezeigt. Jedermann habe zunächst für sich selbst zu sorgen; einen Gefallen erweise mau mit solchen Liberalitäten nur dem Staate, oder, wenn die Einverleibung in den Tommunalverband Wiesbaden erfolgt sei, dem Letzteren!"

Ganz ähnlich sprach Herr Dr. Ebner, dessen überaus praktische, von jederSentimentalität" freie Verstandesrichtung wir öft'r- zu bewundern Gelegenheit hatten, vor einiger Zeit auS Anlaß des Ankaufes des Geisow'schen Hauses zu Zwecken der Englisch-Fräuleinschule. Er führte an, daß manchePen- sionS- und ErziehungSinstitute" am hiesigen Platze es in neuerer Zeit vortheilhaft gefunden hätten, die früher übliche kostspielige Anstellung von eigenen Lehrern sich zu ersparen, indem sie für ihre meist von AuSwärtS bezogenen Pfleglinge, welche ein hoher Pensionsgeld zahlten, die öffentlichen Schulen der Stadt in Contribution fetzten. Dadurch steigere sich allerdings der Ge­winn der Jnstitutsinhaber recht erheblich; aber eigentlich sei doch die Stadt nicht dazu da, öffentliche Schulen mit bedeutenden Kosten, die durch das Schulgeld lange nicht gedeckt würden, ein­zurichten und sie dann zum Bortheile eine- bestimmten Erwcrbs- zweiges auSbeuten zu lassen. Nun, wir denken, was Herr Dr. Ebner hier in Bezug auf die Benutzung der Frankfur^r Schulen durch die Bornheimer Kinder und die hiesigen Erziehung^ Institute gesagt hat, paßt noch weit mehr auf da- künftige Kunst- und Gewerbemuseum, welche-, wenn eS wirklich in zweck­entsprechender Weise zu Stande kommt, weit mehr den um­liegenden Jndustrieplätzen, als Frankfurt selbst zu . Statten kommen wird. Die hochtönende» Worte de- Herrn Ober­bürgermeister-, daß wen» auch die Errichtung eine- solchen Mu­seum- eigentlich Staat-fache sei, die Frankfutter Bürgersch-H