die Gaffe gesetzt, städtische Wohnungen, und womöglich für- halbe Geld, anzuweisen; darum, Ihr wenigen charakterfesten Männer in der Stadtverordneten-Bersammlung, habt die Augen auf und überlegt bei jedem Schritte auch die unvermeidlichen Folgen Eurer Handlungsweise! Ein Feuerwehrmann.

Mittheilungen aus anderen Gemeinden.

Berlin, 14. Octbr. (Das Löschwesen in Berlin.) Der große Brand deSKaiserhof" fällt gerade in eine Zeit, wo ohnehin Feuerwehrfragen die hiesige» Behörden beschäftigen. Berlin ist bekanntlich die einzige Commune Preußens, der man die Einrichtung der Feuerwehr nicht selbstständig überlassen hat. Bezahlen muß die Stadt freilich sämmtliche Kosten, aber mitzu- reden hat sie nicht im Geringsten. DaS Derhältniß datirt aus der Gewaltzeit Hinkeldey'S. Auch Wasserleitung und Straßen­reinigung wurden damals über die Stadt weg nach Polizeidecret eingerichtet, wie denn auch die gefammte Straßenverwaltung in der innern Stadt von königlichen Behörden seither geführt wurde. Die Wasserleitung ist nun seit zwei Jahren, die Straßenreinigung seit dem 1. Oktober in städtische Verwaltung übergegangen, die Uebernahme der Straßenverwaltung steht bevor. Nur die Feuer­wehr will man der größten Commune Deutschlands nicht anver­trauen, wie eS heißt, aus Mißtrauen. Die Stadt erachtet diese Borenthaltung für ungesetzlich, sie erhebt insbesondere den Anspruch, daß der Staat für ein Institut, welches er regiere, mindestens wie bei der Polizei die Personalkostcn zu tragen habe. Aus diesem Rechtsgrunde wird auch dem quiescirten Branddirektor Skabell, wie allen Feuerwehrmannschaftrn, der Pensionsanspruch vorent» halten. Ob Herrn Skabell, wie der Magistrat beantragt, von den Stadtverordneten eine Gnadenpension bewilligt werden wird, ist noch zweifelhaft, weil Herr Skabell bis zuletzt im Sinne Hinkeldey'S den städtischen Behörden gegenüber sich verhalten hat. Er hinterläßt dazu eine Streitfrage, welche das unerquickliche Berhältniß noch auf seinen Nachfolger zu übertragen droht. Nach­dem nämlich die Straßenreinigung der Feuerwehr abgenommen ist, beansprucht die Feuerwehr gleichwohl denselben hohen Etat, welcher bis jetzt für Straßenreinigung und Feuerwehr ausreichte, angeblich, weil sich im Personal keine Verminderung herbciführen lasse.

Fürth, 14. Octbr. (Gegen die WohnungSnoth.) Der von dem hiesigen Magistrat abgelehnte Antrag deS MagistratS- rathS Löwenstein: ein Stadtanlehen bis zum Betrage von 500,000 fl. aufzunehmen, um mittlere und kleinere Wohnungen herzustellen, welche zu einem lediglich die Zinsen deckenden Micth- preise abgegeben werden sollen, ist von einem Mitgliede des Ge- meindecollegiumS wieder ausgenommen worden: Das Collegium hat die Berathung darüber bis zur nächsten Sitzung vertagt (s. u.).

Fürth, 26. Oktbr. In heutiger Sitzung des Gcmeinde- collegiumS wurde von einem Mitgliede, Herrn Hufnagel, der Antrag eingereicht, an den Magistrat das Ersuchen zu stellen, ein Stadtanlehen. im Betrage bis zu 500,000 Reichsmark auf­zunehmen, nm hierfür für Rechnung und als Eigenthum der Gemeinde kleinere und mittlere Wohnungen herzustellen, welche zu einem lediglich die Zinsen des aufgewcndeten Kapitals deckenden Miethpreise abgegeben werden sollen. In der Diskussion

bemerkte Dr. und. Kiberlin als erster Redner än Hand seiner ärztlichen Erfahrungen, daß' eS hier Wohnungen gebe, für die daS PrädikatLoch" bezeichnend wäre. Wenn er mit dem Antrag­steller auch einverstanden fei, daß die Gemeinde Abhilfe schaffen müsse, so müsse doch nicht übersehen werden, daß es nicht so leicht sei, ein derartiges Unternehmen in'S Leben zu rufen. Man müsse erst auswärts Erkundigungen einziehen, überhaupt die Sache ruhig prüfen. Er stelle daher den Antrag, daß das Gemeinde­collegium erkläre, daß es in Bezug auf ungesunde Wohnungen der weniger bemittelten Klassen eine Abhilfe Seitens der Gemeinde für nothwendig erachte und deshalb den Magistrat bei der anerkannten Nothwendigkeit dieser Abhilfe er­suche, Vorschläge zu machen. Hr. Dr. Morgenstern sprach sich gegen die Erbauung von Wohnhäusern Seitens der Gemeinde aus, da daS vorgeschlagene Mittel keineswegs der Art sei, um einer etwaigen WohnungSnoth abzuhelfen. Redner erwähnte namentlich das Borurtheil, welches sich bei vielen Personen in Bezug auf derartige Wohnungen, die gleichsam als Unterstützungen angesehen würden, geltend mache. Wenn die Gemeinde eine Verpflichtung hätte, gegen die Theuerung der Wohnungen anzukämpfen, dann wäre sie ebenso verpflichtet, gegen die Theuerung der LebcnSmittel Abhilfe zu schaffen. Dagegen sollten von Polizeiwegen solche sanitätLwidrige Wohnungen, wie sie der Vorredner geschildert habe, soweit sie nicht durch Schuld der Inwohner in derartigem Zu­stande sich befänden, aus Gesundheitsrücksichten geschlossen werden. Die Erbauung von Wohnungen müsse der Privatthätkgkeit über­lassen werden. Es dürfe aber dann die Frage sich uicht zur Parteifrage gestalten, und die Gemeinde könne ja das Unternehmen' durch Erleichterungen, wie Steuerfreiheit u. s. w., unterstützen. Dem Kiderlin'schen Anträge stimme er, soweit er vom Sanitäts­standpunkte auSgehe, zu. Herr Dr. med. Degen beantragte, zu erklären, daß daS Collegium von der Ueberzeugnng durchdrungen sei, daß es Pflicht der Gemeinde sei, einerseits gegen ungesunde Wohnungen, sowie anderseits gegen WohnungSnoth überhaupt Ab­hilfe zu schaffen, es solle daher an den Magistrat daS Ersuchen gestellt werden, den vorliegenden Plan durch eine gemeindliche Commission zu prüfen. Nachdem Herr Kaufmann Prager und Herr Dr. med. Landmann gegen den Dcgen'schen Antrag ge­sprochen hatten, erklärte Herr Hufnagel, daß er seinen Antrag zu Gunsten des Dcgen'schen Antrages zurückziehe. Herr Zick be­fürwortete den letzteren Antrag im Namen der Arbeiterbevölkerung. Bei der Abstimmung wurde der Degen'sche Antrag mit 14 gegen 11 Stimmen verworfen und sodann der Kiderlin'sche Antrag ein­stimmig angenommen.

(Der Ruf deS Pester Schlachthauses.) Die Commune Kopenhagen beabsichtigt in nächster Zukunft einen den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden Viehmarkt nebst dazu gehörigen Schlachthäusern einznrichten und herzustellen. Ein königl. dänischer Kammerherr richtete nun ein Schreiben an den hiesigen Magistrat, in welchem er sagt, daß er während seines Aufenthaltes als Kommissär bei der Wiener Weltausstellung als Theilnehmer an dem unvergeßlichen Ausfluge der Jury nach Buda­pest Gelegenheit hatte, daS hiesige Schlachthaus kennen zu lernen. Er wünscht, daß diese musterhaften Einrichtungen in Kopenhagen nachgeahmt werden, und ersucht im Namen der dänischen Haupt­stadt um die Uebersendung eines Planes und Beschreibung der Pester Schlachthaus-Einrichtungen. Der Magistrat wird diesem Wunsche entsprechen, wie dies bereits bei so vielen Städten deS In- und Auslandes der Fall war, welche alle das Pester Schlacht­haus als mustergiltig erkennen.

Für di« Nedaetion verantwortlich D. Gteegmann. Druck und Verlag von Otto Kanngießer in Frankfurt «. M.