tat KreiS-Polizeikassen zu übertrage», welche die Vertheilung derselbe« an die Gemeinde» deS Kreises zu besorgm haben und zwar auf Grundlage der in jeder Gemeinde von jeder Versicherungsgesellschaft erzielten Prämieneinnahmen.

Ob man nun den einen oder den anderen dieser Wege für besser hält, so wird man doch sicherlich auf einem derselben zu dem beabsichtigten Ziele kommen können. Der Staat, dessen An­forderungen an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinden von Jahr zu Jahr größere Dimensionen annehmen, kann gewiß nicht wollen, daß namentlich die größeren Städte ohne jeglichen Ersatz jährlich Hunderttausende für eine Einrichtung opfern, welche nicht blos dem öffentlichen Wohle allein dient, sondern zum großen Theile auch bestimmten Erwerbsgesellschaften zu Gute kommt und deren noch so kostspielige Vervollkommnung gerade im dringendsten Interesse dieser Gesellschaften liegt. ES ist somit zu erwarten, daß etwaige Anträge der Gemeinden im Sinne der hier gegebenen Anregung nicht auf unfruchtbaren Boden bei der Staats­regierung fallen werden.

Aus den angeführten Gründen wird beantragt:

Die Stadtverordneten-Bersammlung wolle den Magistrat ersuchen, die vorliegende Frage nochmals in Erwägung zu ziehen und über seine Entschließung hiernächst der Versammlung Mittheilung zu machen.

Einsendung««.

In verschiedenen Artikeln haben Sie die so sehr wichtige Frage behandelt: Auf welche Weise sorgt man für billigste An­schaffung von Lebensmitteln?

Vieles wurde anderwärts in dieser Beziehung geleistet, und an der Hand der Erfahrung dürfte es nur eine richtige Lösung dieser Aufgabe geben, nämlich, wenn sich unabhängige, von der Wichtigkeit für das allgemeine Wohl durchdrungene, dabei fähige Leute an die Spitze der Unternehmen stellen wollten, durch welche genannter Zweck in seiner Gesammtheit erreicht werden könnte. Die ganze Sache dürfte aber nicht als ein Geschäft für die Unternehmer, sondern als ein im Interesse deS allgemeinen Wohles zu lösendes Problem behandelt werden und dafür passende Persönlichkeiten sind bei dem bekannten Frankfurter Gemein­sinn zu finden. In einem späteren Artikel will ich Ihnen eine Organisation deS Unternehmens, wie sie mir im Geiste vorschwebt, wenn ich damit Ihnen dienen kann, gerne einreichen, die Sie dann als weitere Anregung und zur möglichen Lösung dieser so wichtigen Aufgabe so freundlich sein werden, in Ihrem Communal- blatte zu verbreiten. Alles müßte durch Selbsthülfe und Thätig- keit von Privatleuten in dieser Sache erzielt werden. Vorher- gesagtes würde sich auf Lebensmittel im Allgemeinen beziehen, und dazu gehört auch vor allen Dingen Fleisch. Dieser Artikel, ein gewiß sehr wichtiger, läßt mich einige Worte über die Er­richtung des projectirten Schlachthauses beifügen, welches hoffentlich, nachdem nunmehr die Mittel dafür bereit, baldigst in Angriff genommen werden wird. Ausgehend von dem Grund­sätze, daß Zeit Geld ist, müßte eS so nahe als möglich dem Eentrum der Stadt, also dem Verkehre, erbaut werden. Man wende ja nicht ein. einerlei, wohin es kommt, ob */, Stunde näher oder weiter davon entfernt, wenn es nur fertig gestellt wird, so ist damit der Zweck erfüllt. Dies würde nach meiner Auf­fassung ein Fehler sein, weil wir bei dem neuen Schlachthause und durch dasselbe ganz neue Factoren in den Verkehr bringen müssen, die auf die Fleischp reise von ganz besonderer Bedeutung sein werden. Dahin gehört also zunächst die Gelegenheit, daß fremde Viehhändler ganz nach Belieben, gerade wie unsere hiesigen

Metzger, daß Fleisch hier geschlachtet verwerten können, dann die Möglichkeit für auswärtige Fleischer, auch ihr Fleisch hier auS- bieten zu können. Vorher ist den hier marktgängigen Normen zu genügen, indem sämmtlicheS hier zum Verkaufe kommendes Fleisch durch die Fleischbeschauer für gesund zu erkennen ist, dadurch erst kann eine Concurrenz mit unseren hiesigen Metzgern und Fleisch­verkäufern erzielt werden. Die Verkaufslocale für die besagten, für unS neu entstehenden Fleischverkäufer dürften sich doch leicht in und nahe bei dem neu zu errichtenden Schlachthause Herrichten lassen, und da findet doch wohl der Umstand Geltung, daß der weniger Bemittelte, der über geringes oder kein Dienstpersonal verfügt, nicht in die Unmöglichkeit versetzt wird, durch die zu große Entfernung der Schlachtbänken von denselben den geeigneten Nutzen ziehen zu können, weil er eben nicht halbwegs Offenbach gehen kann, um sich seinen Fleischbedarf anzuschaffen. Das allgemeine Wohl und die Gerechtigkeit erfordern, hauptsächlich bei allen Maaßnahmen, welche auf die Lcbensmittelversorguugs- frage Einfluß haben, auf die weniger Bemittelten Rücksicht zu nehmen, und darum hoffe ich, werden Sie anch durch Ihr Blatt meine Ansicht unterstützen:Das neue Schlachthaus möge aus angeführten Gründen so nahe als möglich der Stadt errichtet werden."*)

Au- dem Berichte über die letzte Generalversammlung des Berliner HauSfrauen-Bereins heben wir Folgendes hervor:

Auf die Schlächterei- und Bäckerfrage übergehend, beklagte die Vorsitzende, daß trotz des Fallens der Schlachtsteuer und trotz des starken Viehzutriebes nach Berlin fortwährend hohe Preise gehalten würden. Sie verlas einen Marktbericht vom 20. Sept., aus dem sich ergab, daß die Schlächter verhältnißmäßig weit billigere Preise im Einkäufe zahlen und daß regelmäßig ein Rest­bestand an Vieh unverkauft bleibe. Dennoch habe der Verein schon Ersprießliches gewirkt, indem die zu ihm gehörigen Fleisch­lieferanten in den meisten Fällen bemüht seien, bei mäßigen Preisen beste Qualität, gutes Gewicht und wenig Knochenbei­lage zu geben. Gerade Letzteres sei früher nicht der Fall ge­wesen, und es habe dadurch eine große Schädigung des Publi­kums stattgefunden. Außer den Lieferanten des Vereins sind die Fleischconsumvereine von den Mitgliedern fleißig benützt worden und auch ferner zu unterstützen, so lange sie das Princip ihres Vereins wahren: gute, reelle Waare bei mäßigen Preisen zu bieten. Der Lösung der Bäckerfrage sei man nähergetreten; trotz deS Festhaltens der vereinigten Bäcker, die Fünf-Pfennig- Waare einführen zu wollen, sei dieselbe doch noch nirgends in Berlin eingeführt. Dagegen hätten die Bäcker neuerdings erklärt, nur vier Stücke für zehn Pfennige backen zu wollen. Da habe eS bahnbrechend der Bäckermeister Völker auf Anregung des Werder'schen Bezirksvereins unternommen, Zwei-Pfennig- Gebäck zu backen. Es sei dies mit allgemeiner Freude be­grüßt worden, und trotz der Feindseligkeiten seitens seiner Collegen und vieler von ihm gebrachten Opfer habe Herr Völker das Zwei- Pfennig-Gebäck ebenso groß wie die früheren Drei-Psennig-Semmeln durchgeführt, befriedige seine Kunden in drei Commanditen und habe einen Nachfolger in Herrn Kloß gefunden, der zu gleichen Bedingungen backe. Beide Herren waren in der Versammlung anwesend und haben zwei Körbe ihres Gebäcks ausgestellt, um dasselbe von den Mitgliedern prüfen zu lassen.Es ist dringend zu wünschen und Pflicht des Vereins," bemerkte die Vorsitzende, Frau Morgenstern,diese Herren in jeder Weise zu unterstützen und deren Streben zu fördern, da sie ausführten, was der Verein in dieser Richtung seit zwei Jahren erstrebt hat."

*) Wir find hiermit vollkommen einverstanden und werden auf die Sache zurülüommeu. Red. des Beob.

Für die Redaction verantwortlich D. Ereegmann. Druck und Verlag von Otto Laungießer in Frankfurt a. ivt.