dem Titel Professor der Magister Ludwig Selzer am 10. Januar 1624 berufen. Zum Adjuncteu erhielt Hirzwig auf seine Bitten den Georg Espe- rtu-. Im Jahre 1626 bestand da- Lehrerpersonal au- Folgenden: Magister Ioh.Melander (Seconda), , Valentin Benkert (Tertia), M. Laureattu- Erhard (Qoarta) zugleich Cantor ordinaris, Joh. Nopca- riu- (Quinta) und M. Joh. Phil. Abele (Sexta).
Die evang. Prediger legte« Hirzwig allerhand Hindernisse in den Weg. So warfen ste ihm u. A. vor, Bücher ohne Eensur eigenmächtig eingeführt zu haben, wie sie auch sein energische- Auftreten »eine absolute Anmaßung, Bacchanterey oder vielmehr Spvtterey" nannten.
Eine wichtige Verbesserung welche Hirzwig einführte, war die Ausweisung der Münze und de- Schmelzwerks aus dem Gymnasium. Die Münze und da- Schmelzwerk befanden sich seit 1530 im Gymnasium in der Nähe der Classen Quinta und Sexta. Nicht allein störte da- Hämmern und Pochen den Unterricht, auch der Gesundheitszustand der Zöglinge mußte unter dem Qualm, den schädlichen Dünsten de- Scheid- und Schmelzwerks leiden. Hirzwig bat die Scholarchen oft um Abstellung, die denn auch endlich am 7. Juni 1625 vom Senate becretirt wurde; im August 1625 war indeß noch keine Aenderung erfolgt und mußten erst die Präceptoren I. Nopcarius und Mag. Joh. Phil. Abele im Aufträge des Rectors wiederholt einkommen, bis am 17. August die Entscheidung: Eist willfahrt" kam.
Am 23. December 1626 richtete der Landgraf Philipp von Hessen aus seiner Residenz Butzbach ein Schreiben an den Rath der Stadt Frankfurt, worin er bat, ihm Hirtzwigium zu seinem Hofprediger und Jnspector über Kirchen und Schulen zu überlassen, „diesen gelehrten und qualificir- ten Mann, welcher der reinen, unverfälschten Augsburger Confesflon von Herzen zugethan und ohne einige SuSpicton oder Verdacht de- schädlichen und verderblichen CalviniSmi, schwärmerischen Rosenkreuzer, neueren Wegelischen Seeten oder andern bergt, verdammlichen Lehren sey." Lrst auf wiederholte Bitte des Landgrafen am 31. December und nachdem auch Hirzwig um seine Entlassung gebeten, ertheilte der Rath ihm dieselbe, obgleich ungern. Die erbetene Beibehaltung des Bürgerrechts wurde ihm auf Jahr und Tag genehmigt. Am 3. März 1627 reiste Hirz- wig, der Meßzeit wegen Frau und Kinder noch in Frankfurt lassend, nach Butzbach.
Im Jahr 1630 verlor Hirzwig seine Frau Katharina (eine Tochter des Retchskawmer-Gerichts- Procurators Eberhard Esper von Worms). In Butzbach schritt er zur -weiten Ehe und am 13. Dec. 1632 wurde ihm . ein Sohn (Philipp, später Superintendent in Wetlburg) geboren. Auf einer Reise, welche er im Jahr 1635 mit dem Land
grafen nach Münster machte, erkrankte er 1a letzterer Stadt an der Pest und uach Butzbach gebracht, war er wenige Tage später, am 18. Aug., eine Leiche.
(Wir unterbrechen für heute diesen Artikel, werde» aber in wenigen Tagen die Fortsetzung dieser Skizze über unser Gymnasium wieder aufnehmen. D. R.)
Frankfurter Itadttheater.
Oper.
d. Wie außerordentlich thätig die Oper des hiesigen Stadttheater- und wie beflissen die einsichtsvolle Leitung derselben ist, die nöthige Abwechslung im Repertoire herbeizuführen, bewiesen die letzten vierzehn Tage. Kaum hatten sich „Des Teufels Äntheil" und „Die Afrikanerin" (beide neu einstudirt) so recht fest in der Gunst des Publikums gesetzt, als vor Kurzem schon wieder mit der Einverleibung der lange nicht mehr gehörten Meyerbeer'schen Oper „R obert der Teufel" an selbe appellirt wurde. Die Vorführung diese- so schwierigen Werkes, mit welchem der Componist vor 48 Jahren feine eigentliche Welt- Laufbahn begann, war ein um so größeres Wagestück, als alle Tenoristen, die wir seit einer langen Reihe von Jahren die unseren nannten, die Titelrolle nicht völlig zu bewältigen vermochten. Immer machte irgend ein Mangel sich bemerkbar, da der an Kraft, dort der an Umfang der Stimme; dem einen fehlte das richtige Verständniß, dem anderen die Fähigkeit, eS zu verwirklichen. Die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit verringerten sich dem zu Folge, je zahlreicher die Täuschungen wurden. Um so überraschender und angenehmer wirkte die verhültnißmüßig sehr gute Leistung des neuesten Vertreters derselben: Hrn. König. Nicht als ob er alle die erwähnten Anforderungm ' in vollstem Maße zu erfüllen vermocht hätte, aber er vereinte immerhin eine genügende Zahl derselben, um auf die freundliche, ja stellenweise sehr warme Anerkennung des Publikums verdienten Anspruch machen zu können. Seine Stimme erklang in allen Lagen angenehm und frisch, eine einzige Stelle abgerechnet auch ausdauernd. In seiner Durchführung war ritterliche Haltung, sowie der Ausdruck des Mißgeschickes in Leben und Liebe vorherrschend ; jugendlicher Leichtsinn und Uebermuth traten ziemlich in den Hintergrund. Vom Teufel war, die Maske ausgenommen, an Hrn. Niering als „Bertram" kaum Etwas wahrzunehmen. Die Gutmüthigkeit die seinem, wie dem der meisten Bassisten Wesen ausgeprägt ist, kam zu oft zum Durchbruch. Ein nicht häufiger Vorzug, die volle stimmliche Bewältigung der riesigen Aufgabe ohne irgend ein Ermatten, ist seiner Leistung jedoch nachzurühmen. Eine dritte Neubesetzung war die der Rolle des „Raimbaud" durch Hrn. Matthias, der feine episodische Stellung besonders in dem Duette mit de« unmittelbar vorher genannten Sänger wacker ausfüllte. Die Damen Naumann-Gungl u. Ruzickasind als hervorragende Vertreterinnen der beiden Rollen „Alice" und „Jsabella" aus früheren Tagen so sattsam bekannt, daß es keines erneuerten Beweises bedarf. Sie alle, wie die Gesammtleistung, zu welcher auch das Ballet entsprechende Beisteuern lieferte, fanden vielfältigen Beifall. DaS Orchester that unter Leitung des Hrn. Capell- meisterS Z u m p e feine volle Schuld,gkeit, weniger der Chor. Die Ausstattung erhöhte die Wirkung des Ganzen.
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