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feinen Feind m stürzen kn Begriff ist. In diesem Augenblick Lutzte die Klinge eine- Dolche- unter dem M-ntel de- Schreiber- hervor und fuhr nach dem Gauche seine- Gegner-. Der Italiener aber, der etwa- Aehnliche- erwartet hatte, wich dem wüthendeu Stoß geschickt au-, die Klinge traf den Tisch, vor welchem Danini gestanden, und brach krachend ab.

Ist dein Stachel auch spitz, Skorpion?" höhnte ihn Vanini, und faßte ihn beim Mantel; aber geschmeidig, wie ein Aal, entschlüpfte der Schreiber seinen Händen, da- Kleidungsstück darin lastend, und verschwand in der Thüre.

Vanini machte keine Miene, den Meuchelmörder zu verfolgen.Du sollst dem Henker nicht ent­laufen, Elender," sagte er still vor sich hin, als er Meußfenger über die Straße fliehen sah. Dann wandte er sich nach dem Kästchen um, da- noch geöffnet vor ihm stand, und melancholisch begann er:Wohl bekannt au- einer schönen Zeit, und doch geheimnißvoll blinkst du mich an, schwarzes, verhängnißvolles Kästlein. Einst und oft sah ich dich schimmern in dem geöffneten zierlichen Schrein der zierlichen Ingeborg, die ich hoch verehrte, und ahnte nicht, welch köstliche- Eingeweide dein In­nere- barg.

Jetzt liegst du vor mir, ein Buch mit Rubinen und smaragdenen Buchstaben, die mir einen Theil der Vergangenheit enträthseln. So war Ingeborg denn nicht die Wittwe eines armen Odalmannes, de? der Rache eines Mächtigen erlegen, wie der ungeschlachte Jona- Torkelson, ihr Bruder, mir lügenhaft kund gab. Diese Schätze deuten auf ein Weib hohen Range-. Und ich Verblendeter ergrimmte ob der Sprödigkeit der holden Frau; ich schwur ihr Rache und Tod, nachdem ich vergeblich nach Sitte und Brauch gefreit hatte; ich glaubte mich verhöhnt, verschmäht, verachtet, we.l sie mich ent­setzt von sich stieß, als ich mit wüthender Leiden­schaft sie zu umfangen begehrte. Was auch der Grund ihrer Verborgenheit sein mochte, sicher hatte nun Ingeborg meinen Haß nicht verdient."

Vanini hatte während diesem Selbstgespräch sämmtliche Geschmeide und Kleinodien auf dem Tisch vor sich auSgebreitet und mit prüfendem Auge gemustert.Wahrlich, diese Juwelen dürsten eine Fürstin zieren," rief er verwundert aus.Aber was ist da-?" fragte er sich selbst, als er da- leere Kästchen untersuchte und dessen Boden un- ew'öhnlich dick fand; sollte vielleicht eine heimliche ade darin enthalten sein?" Und mit MechaniSmuS wohlvertraut, suchte er nach einer versteckten Feder und fand' sie bald. Ein Druck, der Boden wich und fiel mit einigen beschriebenen Pergamentblättern auf den Tisch. Erstaunt nahm Vanini die Blätter zur Hand, und in lateinischer Schrift enthüllten sie ihm unerwartete Dinge; feine Augen leuchteten in selt­samem Glanze, und auf seinen Wangen dämmerte

ein schwaches Roth. Hastig faltete er die Perga­mente, nachdem er sie durchlesen, wieder zusammen, legte sie, sammt dem Schmuck, an ihren Platz in dem schwarzen Kästchen, und nach kurzer Weile sah man ihn schleunigst auf da- Hau- de- Stadt­schultheißen zuschreiten.

VII.

Da- breite, kupferige Gesicht Hanemann Jäckel- drückte große Behaglichkeit aus; einer seiner be- scheidenene Wünsche war in Erfüllung gegangen. Veit BuzmirSlicht, der Rathsknecht, hatte das Zeit­liche mit dem Ewigen vertauscht und war an seinem Gebreste de- Todes verblichen. Hanemann Jäckel, der Stadt treuer Kämpe, wenn's galt, trat in Berücksichtigung deffen in die Stelle des Ver­storbenen.

Zum erstenmal stattlich angethan mit der neuen Dienst Livree, stand der neue Rathsknecht im häus­lichen Kreise seiner kleinen Familie. Frau Trine strichelte und pickte mit ihren langen dürren Fin­gern auf der Livree herum, um jede- Stäubchen und Fäserchen darauf zu verbannen. Olav und Ulrike freuten sich über den stattlich geputzten Pflege­vater, und selbst die gelbgefleckte Katze glotzte ver­wundert an der Metamorphose ihres Gebieters hinauf.

Na, laß es gut sein, Trinchen," sagte ge- müthlich Hanemann, dem das Picken und Streicheln nachgerade zu lange dauerte;halte dich mit dem Imbiß fertig, der Rottmeister Klippenbach wird gleich hier sein, um mich unferen gnädigen Herren, insonderheit dem gestrengen Herrn Oberstrichter, vorzustellen."

Frau Trine besorgte den Tisch, und es dauerte auch gar nicht lange, so trat der angekündigte Nottmetster ein.

Euer demüthiger Knecht, Herr Klippenbach," empfing ihn Jäckel unterwürfig.

Bist du bereit, alter Stteitkolben?" ftagte Klippenbach leutselig, und ließ einen lüsternen Blick über das aufgestellte Frühstück hingleiten;wir wollen uns auf den Weg machen."

Laßt uns zuvor einen kurzen Imbiß halten, Rottmeister, wenn es Euch genehm ist. Nehmt vorlieb: Brod, Wurst, Käse, ein paar frische Häringe auS den Niederlanden und ein Maß Roth- weip, nicht schlecht zu trinken."

Ich habe zwar schon eine Kanne zu mir ge­nommen," meinte Klippenbach,inzwischen bis zum Obersttichter ist'- wett, und ein Trunk mit auf den Weg kann just nicht- schaden."

Der Rottmeister setzte sich mtt seinen Unter­gebenen ohne wettere Formalitäten an den Tisch, und Beide fingen au, ihre Kinnbacken wacker in Bewegung zu setzen.