Ü8

W Ä

sogleich zu beziehen, da- er ihm durch Brief und Siegel zur Wethe überlassen, bi- , er einst wieder- kebren würde und lehre er nicht heim, so sei'- sein eigen.

Die Reisenden ließen sich nieder, die Schiffer drückten ab und de-Flusse- Welle zog langsam da- Schifftein dahin im Strahl der S-nne, die sich zum westlichen Saume de- Horizont- neigte. Rascher griffen aber al-bald die Ruder in die Fluth und da- Schisslein flog nun dahin wie der Gedanke und bald lag Frankfurt hinter ihnen.

Drei Jahre später fuhr eine- Abend- am gülde­nen Roß ein Wagen an, der wohlbepackt war und durch seine Schönheit die Augen der Vorüber- »gehenden auf sich zog. Der Wirth kam in tieffter Devotion, seine Gäste zu empfangen. ES stiegen vier Personen aus, zwei Männer und zwei junge Frauen. Besonders fiel die blendende Schönheit der einen dieser Frauen auf, welche fich in dem Wirths- Hause befanden. Die ganze äußere Erscheinung der Fremden verrieth hohen Wohlstand.

Der Wirth meinte, er müsse den einen der Mfinuer schon oft gesehen haben, allein die hol­ländische Tracht ließ ihm nicht zu, ihn genau wieder zu erkennen. Lächelnd bemerkte die- der Fremde.

.Wie steht'S um Euer Töchterlein?" fragte er endlich den Wirth. .ES war vor drei Jahren ge­fährlich krank, als der Doctor van Berghem hier wegzog."

.Ei, Gott grüß' Euch, Herr Doctor, erkenn' ich Euch wieder?" rief der Wirth. .Ach ja, mein Kind war sehr krank: aber Euer letzte- Tränklem. da- Ihr ihm vor der Plünderung der Iudengasse verschrieben, hals ihm zur baldigen Genesung. Ach, Ihr hättet nicht von uns weichen sollen."

.Und wenn ich denn nun wiederkehrte?" fragte der Doctor.

.So gesegne e- Euch Gott," sprach froh der Wirth.

.Aber wie steht'- denn in Eurer Stadt?" fuhr her Doctor fort. .Geht'« noch zu wie damals, so zieh' ich morgen wieder hinab ins Niederland und mag den Main nicht Wiedersehen."

Gotltob, Gottlob!" rief der Wirth aus, .solches habt Ihr nicht nvthig. Sie sind alle vorüber, die Drangsale jener Tage. Wißt Ihr denn nicht, wie es kam?"

.Ich Hab'- wohl vernommen im Niederlande," entgtzgnete der Doctor, .aber doch nicht fo, wie ich'- von Euch gerne wissen möchte."

Nicht ohne besonderes Vergnügen, seine genaue Kenntniß dieser Ereignisse au-kramen zu können, nahm nun der. Wirth. bei seinem Gaste Platz und begann seip-n aufmerksamen Zuhörern zu erzählen und. als er mit seiner Geschichtserzählung geendet hatte, setzte er hinzu:

.Iy der IudenMe wohnt nun ein Tischler, dem der Sohn de- Levi da- Hau- ohne Zinö über­

lassen, bi- er wiederkehre, und wenn da- nicht sein solle, so sei'-sein eigen."

.Und wie geht e- dem Manne und den Seinen?" fragte darauf die junge schöne Frau.

herrlich!" sagte der Wirth.E- ist eine Freude, wie der Mann sich erholt hat und wie er eine schöne Zahl Gesellen nehmen müßte, und nun bereit ist, wenn der Eigentümer zürückkehrt, sich ein eigene- große- Hau- zu bauen."

Die zwei Männer und die schöne junge Frau sahen stch bedeutungsvoll an.

Es sei und bleibe sein eigen!" sprach darauf der eine, und Amen sagten jene Beiden, und die andere junge Frau sah sie freundlich au.

Wir aber wollen als Christen unter Christen auch wohnen," setzte der eine Fremde freudig hinzu.

Der geneigte Leser wird e- errathen haben, wer e- war: Simeon und die liebliche Dina, die als junge Frau wirklich noch schöner war denn als Mädchen. Beide hatten in Amsterdam, wohin ste mit dem Doctor gezogen, das Wort de- Evan­gelium- näher kennen und verehren gelernt und hatten alsdann die Taufe empfangen und nach der Taufe segnete der Domine die Ehe Adrians mit seiner Dina und Simeon führte ein wackere- Mägdlein, das er sich erkoren, zum Altar. Sie ließen sich in Frankfurt forthin nieder und sahen viele glückliche Tage. Der Doctor aber erfuhr nie, daß er selbst den erschlagen, der ihn einst meuch­lings morden wollte, sowie er nicht ahnen konnte, daß dev Officier au- dem Heere de- Grafen von Colalta, den er rm Hospital als schwer Erkrankten behandelte, jener Hohenfels sei, der ihm so viel Leids verursacht und der endlich nach vielen schweren Geschicken elendiglich im Hospital starb und in Frankfurt sein Grab fand.

Krönung

der Königin Anna, Gemahlin de-Kaiser-Matthias, zu Frankfurt a. M. im Jahre 1612.

Von

Dr. Ludwig Herrmann.

Der Kaiser Matthias ging, die Krone auf dem Haupte, das Scepter in der Rechten und denReichS- apfel in der Linken, zum Altäre hin, kniete dort nieder, bat, seine Gemahlin, die Königin Anna, .zu einer römischen Königin zu krönen", stand bald wieder auf und kehrte in seinen Stuhl zurück. Der für die Krönung bestimmte reichverzierte Betstuhl wurde vor den Altar gestellt und die Königin von den Erzbischöfen von Trier und Köln zu ihm hiu- geführt. Die Königin, die Erzbischöfe, Bischöfe und Assistenten knieten nieder und beteten, hierauf fragt? der Erzbischof von Mainz die Königin, .ob sie zu einer römischen Königin begehre gekrönt zn