triftet «sprach gefragt, „„ob sie Ihre Majestät sich unterwerfen, besten Reich beftättigen und feinen Gebotten und Befehttch Gehorsam leisten wollen nach der Lehre de- h. Apostel- Pauli, daß jedermann der Obrigkeit sich unterwerffen und gehorsam feh« sole, e- seh dem Kaiser als dem Obersten rc.", demnach die Ehurfürsten und alle Umbsteher mit lauten Dorten geantwortet: Fiat! FiaU Fiat!" — Jetzt erst wurde von dem Eonfecrator die Salbung und Krönung vorgenommen.
Gehen vir nun zu der Krönung der Königin Anna über.
Anna war die Tochter de- Erzherzog- Ferdinand, de- Oheims de- Kaiser- Matthias, und mit diesem (dem Kaiser) seit 1611 vermählt. Die Krönung der Königin Anna war auf den 25. Juni festgesetzt worden, wurde aber etngetreteuer Hindernisse halber auf den 26. Juni verschoben.
Früh am Morgen de- 26. Juni wurde mit allen Glocken geläutet, ebenso während de- Krv- nung-zuge-.
Um 8 Uhr setzte fich der Zug von dem kaiserlichen Palaste nach der St. Bartholomet-StiftS- kirche in Bewegung. An der Spitze des Zuges gingen die königlichen Beamten und Officiere und die adeligen Räthe.
Auf sie folgten ebenfalls zu Fuß die Grafen und Herren und dann zu Pferd die 20 anwesenden Fürsten. Nach ihnen ritten neben einander auf weißen Pferden 3 Ehrenholde, jeder einen langen weißen Stab in der Hand: recht- der Ehrevhold de- Königreichs Böhmen, in der Mitte der des Königreich- Ungarn und link- der der anderen Königreiche. Aus den Atlasröcken derselben waren die Insignien der betreffenden Königreiche gestickt. Nach ihnen kam, ebenfalls auf einem weißen Pferde, einen weißen Stab in der Hand, der Reichsehrenhold, der Atlasrock mit dem Reichsadler geziert. Hinter dem Reich-ehrenhold ritten in einer Reihe: der »Ehurf. Pfalzadministrator" im kurfürstlichen Habit mit dem Reichsapfel in der Hand, in der Mitte der kurbrandenburgische Abgesandte in gewöhnlicher schwarzer Kleidung und link- der kurbrandenburgische Marschall mit dem Scepter in der Hand.
Nach diesen folgten zu Fuß der ReichSerbmar- schall Maximilian v. Poppenhejm, in der linken Hand eine goldene, mit rothem Sammet überzogene leere Scheide, und der Kurfürst von Sachsen in kurfürstlichem Habit, in der rechten Hand ein bloße- vergoldeteS Schwert hoch aufrechthalteud. Unmittelbar hinter Beiden ritt der neuerwählte und gekrönte römische König und Kaiser Matthias im kaiserlichen Ornate, die Krone auf dem Haupte. Den Zug schloffen 20 schöne Kutschwägen*), in dem ersten
*) Hier wird in der Chronik turn ersten Mal von „Kutschwägen" bei KrönungsfeierUchkeiten Erwähnung gethan.
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die Königin Anna allein, in den folgenden viele fürstliche, und andere hochadelige Damen.
In der Kirche wurden die Majestäten von de» 3 geistlichen Kurfürsten und deren Suffraganbtschöfen und Assistenten, alle in festlicher Amtstracht, empfangen und zu den 2 herrlich geschmückten königlichen Stühlen geleitet. Der RetchSerzkauzler und Kurfürst von Mainz SuicarduS ließ sich die Inful auffetzen und den bischöflichen Stab in die Hand geben und stellte sich vor dem Kreuzaltare auf, da- Angesicht den Majestäten zugewendet. Auf dem Altäre lagen Krone, Scepter und Apfel.
(Schluß folgt).
Victoria-Therttkr.
*y Die Direetion de- Victoria-Theaters, welche seither mit Novitäten ziemlich geizte, tritt mit solchen jetzt um so reichhaltiger auf, und so hielten nunmehr auch „Die letzten Mohikaner", komische Operette vonGen-e, ihren Einzug. Ob die Novität den Namen Operette verdient, mag dahingestellt sein, un- kam sie mehr wie eine Pofie mit vieler, ja mit sehr vieler Musik vor, und dabei hat der talentvolle Componist des „Seekadet" durchaus keinen Melodienreichthum entwickelt, denn eine Reihe Couplets und Chöre abgerechnet, kann da- Ohr wenig behalten. Das Sujet der Operette ist ein recht heiteres und paßt gerade in die Faschingszeit hinein. Ein in dürftigen Verhältnissen unter falschem Namen lebender junger Graf wird von seinen Verwandten ausgesucht, ist aber nicht zu Hause. Ein am Hause arbeitender Spengler hat, um vor einem Gewitter Schutz zu suchen, sich in das leere Zimmer des Grafen geflüchtet; dort liegen hübsche Kleider, er möchte sich gerne einmal darin sehen und legt sie an; da kommen plötzlich die gräflichen Verwandten, betrachten den Spengler als den gesuchten jungen Grafen und nehmen ihn mit fich, um ihn in seine Rechte einzusetzen. Der falsche Graf, der sich anfänglich dagegen sträubt, sieht bald, daß ihm nur das Glück lächelt und er spiell, so gut er e- vermag, den Grafen, mgcht alle möglichen tollen Etteiche, dis er bei den. , falschen Mohikanern erwacht und wieder degradirt wird. Die Aufführung war eine gute, sämmtliche ersten Kräfte wirken mit; in erster Linie Hr. Schütz al- „Kraupe", Frl. Tellheim als „Marie" und Hr. Friese als „NauticuS." Hr. Schütz stattete die Rolle des bornirten falschen Grafen ganz prächttg au-, Frl. Tellbeim sang und spielte vortrefflich, während von Hrn. Friese sich nur letzteres sagen läßt. Hr. Adolfi als Präsident Lerchenthal war in Ma-ke und Spiel sehr gut; wir hätten ihm allerdings eine andere Rolle gewünscht. Auch Hr. Schnelle gab den Musiker Cantarelli recht brav. Als „Guntramine" sang Frl. Stolle ihren Jagdgalopp sehr nett, Frl. Fiebach hatte als „Helene" vrelen Beifall mit ihren Arien. Frau Ros6 war eine recht gute Baronin Wein-berg. DaS Publikum zeigte für die zwei ersten Acte der Operette sichtliche- Interesse, doch nahm dieses während des letzten, gar zu gedehnten Acte- sichtlich ab. Im Allgemeinen war der Eindruck jedoch ein befriedigen- der, woran das Orchester unter Hrn. Catenhusen'S kunstgeübter Leitung großen Antheil hatte.
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