geschuldigten Besuch des Gottseibeiuns in «einem Hause in L^ede pellen muß!*

III.

Meister Schedel ging nun' auch zu der Abend­gesellschaft vor dem Bäckerhause. Sie hatte stch unterdessen bis auf ein Dutzend ehrsamer Bürger und Nachbarn vermehrt.

Der schöne Abend that Allen wohl, und da der alte Lapitän Adami eben, im Vorbeigehen, dem Fähnd- rtch, mit welchem zusammen er die Frankfurter Kaiserliche Reichs - Ober - Post-Amts - Zeitung hielt, das neueste Blatt gebracht hatte, las der ZeitungS- Iuhaber, die Brille auf der Nase, eben laut die merkwürdigen Nachrichten von den Unruhen in der Türket und Persten, von der Abfahrt des englischen Admiral- Keppel mit sieben Kriegsschiffen, um Algier zu bestrafen; von dem drohenden Krieg zwischen Rußland und Schweden mit seinen Alliirten; la-, wie die Polacken ihren nach Dresden abgereisten König zurückzukehren aufgefordert; wie die. Fran­zosen Madras und das Fort St. Davis wieder an die Engländer abgetreten und wie die Stadt Hali­fax in Nord-Amerika erbaut und eingerichtet worden und eine Menge Menschen aus Deutschland dahin zu ziehen sich bewogen gefunden. Zuletzt trug der Lesende noch vor: Eine ausführliche, nachträg­liche Relation über da- entsetzliche Unglück, welches ein grausames Donnerwetter am 21. Juni, durch Entzündung des Pulverthurms zwischen dem Nicolai- und Schweidnitzer-Thor, über die Stadt Gre-lau gebracht.

Die Bürger hörten aufmerksam zu da plötz­lich tönte ein lauter Schlag, wie eia Kanonen­schuß.

»WaS war das?- riesen Allen, sahen sich er­staunt an und dachten an den Pulverthurm in BreSlau.'' !

»ES war in Seiner Wohnung, Meister Schedel," sprach der Bäcker, »und da kommt auch schon Sein Lehrjung' angerannt und ist leichenblaß-

»Kreuzdonnerwetter," zürnte der Angesprochene, »da haben wir'-! Der verfluchte Goldmacher steckt wir das Haus über'« Kopfe an! Herr Nachbar, Herr Fähndrich, Herr Detter! Ich muß gleich Nachsehen, damit'- nicht am Ende Lärm gibt!"

»Et, wir gehen mit!" versicherten Alle auf­brechend.

»Aber Lärm hat'- schon gegeben," sprach Weiß- heupel, »fleht Er, wie stch die Leute vor Seiner Werkftätte sammeln und da rückt auch schon eine Patrouille au- der Eonstablerwache!"

Kommt, liebe Herrn und Freunde!" rief der alte Goldschmied und eilte voran.

Als er in den hintern Theil seiner Wohnung, wo -ki»zEsse lag. trat, fand er seine sehr erschrockene Frau, vdr ihr einen großen Mann, den Mantel «rachchlagen, den Hut in- Gesicht gedrückt. Neben

diesem stand, mit entschlossener Mene, Schedel- Geselle, eiue Eisepstange und eia Licht in den Händen.

Der Hausherr überblickte die Gruppe und fuhr den Fremden au: »Herr, was gibt- hier in meinem Eigenthum?"

Still, still, Meister!" erwiederte der Fremde, beruhige Er sich es ist nichts!"

»ES ist nichts?" zürnte Schedel, »und es thut hier einen Knall, als werde ein Zwölfpfündner ab­gefeuert nicht von der Stelle Herr! sage ich."

»Meister, ich stehe ihm für allen Schaden, e- ift aber keiner angerichtet," sprach ärgerlich der Fremde.

Et was!" setzte sich Schedel entgegen »Er will mir für allen Schaden steh'n et, wer ist Er denu?"

»Er kennt mich wohl!" versicherte leise der Fremde, ließ den Mantel etwa- nieder und blickte, nach der Seite de- Licht-, den Meister an.

Der Erstaunte nahm da- Mätzchen ab und lispelte: »Wie, Ew. fürstlichen Gnaden hier?"

»Ja freilich," seufzte der wieder Verhüllte, »es thut mir herzlich leid, daß Cr und Seine Frau so sehr erschreckt worden jetzt helfe er mir aber in mein Losament, ich bin kaum genesen und der Vor­fall mit dem dummen Marterstecken hat mich sehr alterirt."

»Monsieur Birkenholz," sprach der Meister zu seinem Gesellen, »führe Er den Herrn durch die Allmeind auf die Schäfergaffe und an den römischen Kaiser. Der Weg ist ein wenig schmal" ent­schuldigte sich Schedel gegen den Fürsten.

»Thut nichts, thut nichts!" drängte dieser, sich höchst unbehaglich fühlend. »Und ich würde gerne selbst mitgehen," fuhr Schedel fort, »aber ich fürchte, da- möchte zu sehr auffallen."

Gewiß, gewiß! Es ist beffer, Ihr bleibt hier" sprach der becomplimentirte, vornehme Herr macht nur, daß uns keine Leute folgen und ver­zeiht den Tumult, den der einfältige Scheidekünstler veranlaßt hat!"

Mit diesen Worten folgte er dem rasch voran­schreitenden Birkenholz.

Der Meister durchsuchte nun die Effe. Trüm­mer eine- großen, tiegelartigen Gefäße- lagen überall herum gestreut doch war das Feuer erloschen und nirgends etwa- Gefahrdrohendes vorhanden.

Erleichterten Herzen- sprachen nun der Gold­schmied und seine Frau gegen die sie umgebenden Nachbarn ihr herzliche- Bedauern aus, daß ihnen Allen ein solcher Schreck verursacht worden, und dankten für die bereitwillige Thetlnahme.

Die Menge verlor sich. E- war dunkel ge­worden.

Schedel stand noch einige Minuten unter der offenen HauSthür. Da tönte verzagt eine leise Stimme hinter ihm:Den rothen Löwen hat