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welche- die Sammler Prehn und Daems der Sfadt vermacht haben viel Mittelgut, aber auch Ar­beiten ersten Rangs, wie au- dem Daem-'fchen ' Cabinet der unvergleichliche TenierS und die Por­träte aus Ban Dyck- Schule. Prachtvolle Minia­turen uud Handschriften, die älteste eine Urkunde -arl- des Dicken von 886, au- der Stadtbiblio- thek geliehen, find in den Bildersälm in Glaskästen an den Fenstern hin ausgestellt; an den Fenstern selbst hängen schöne GlaSgemälde. Der nächste Saal enthält die Erinnerungen an die Frankfurter Loealgeschichte. Den Mittelpunkt biloet da- in seiner Art einzige, von der Stadt angekaufte, Werk de- Maler- Carl Theodor Reiffenftein, welcher seit mehr als 40 Jahren jede- zum Abbruch kommende Bauwerk in seinen Detail- ausgenommen, außerdem viele Zeichnungen noch bestehender alter und merkwürdiger Gebäude ge­macht, ältere Anfichten durch Copien erhalten und diese Sammlung von Tausenden von Aquarellen, welche successtve zur Ausstellung kommen, mit kunst- historischem Text begleitet hat. Demselben patrio­tischen Künstler verdankt man die Erhaltung und Wiederherstellung de- Panorama'- der Stadt, wel­che- I. F. Morgenstern 1811 in acht Blättern vom St. Katharinen-Thurm aufnahm. Ein GlaS- schrank enthält die kostbaren Zunftbecher, ein zweiter die Unisormstücke und Waffen der Frankfurter Stadtwehr 18141848. Ringsum stehen die Hand- werksladeu, wobei durch Schenkungen folgende Zünfte vertreten find: Gold- und Silberarbeiter, Schmiede, Bäcker, Küfer, Perrückenmacher, Schneider, Tape- zirer, Posamentirer, Sattler, Feuerhandwerker, Schuhmacher, Schreiner, Gärtner, Gürtler und Seiler. An den Wänden find ausgestellt und ausgehängt die Banner und die Fahnen, welche die Gewerke beim Gu­tenbergfest 1840 und Schtllerfest 1859 geführt haben; auch Geldbeutel, welche sie bei den Krönungen erbeutet, wo der Reichsschatzmeister, nachdem er fie geleert, die Beutel selbst auSzuwersen pflegte (Goethe, »Dichtung und Wahrheit", V. Buch). Die Oel- gemälde de- Saales sind meist Arbeiten zweiten Rangs, doch alle von Frankfurter Malern des 18. und 19. Jahrhunderts; man bemerkt auch eine hier gefertigte Jugendarbeit von P. Cornelius. Im letzten Saale find alle Zeitalter vertreten: Elfen­beinschnitzereien, Lebkuchen-Formen de- 17. und 18. Jahrhundert-, Stickereien, Gefäße aus Glas und Porcellan, die prachtvollen Kachel. Formen, welche 1876 im Ulrtchstein zu Sachsenhausen aufgefunden worden find und vom Ende des 16. bis zum An­fänge des 19. Jahrhundert- reichen; die Aich- und Gewichtmaße der Stadt sind hier zusammengestellt. Auch die »Goldene Bulle" und andere kostbare Urkunden, bis zur Stiftung-Urkunde de« Großher­zogthums Frankfurt von 1810 und der Hamburger Deattafel von 1842 herab, haben hier Unterkunft gefunden.

ü Aeußerft werthvoll sind die Instrumente de- »PfeifergerichtS" (»Dichtung und Wahrheit", I Buch) und eine Collection astronomischer uud physikalischer Instrumente au- der Stadtbibliothek, sowie die kunstvollen Schloffer-Arbeiten, zum Theil aus den abgebrochenen Häusern der Judeugaffe. Die letzte Parcelle de- Saale- bildet die vorgeschichtliche und elasstsche Antike, welche besonder- für die römische Zeit au- Heddernheim reich vertreten ist. Bronze- und Thon-Gefäße, auch Bronze-Geräthe, find be­reits in reicher Auswahl vorhanden, ebenso eine Sammlung etrurischer Basen. Die Steinwaffeu und die Pfahlbau-Fünde find vornehmlich durch Schenkungen aus dem Senckenbergischen Museum (ursprünglich v. Mtuuigerode'sche und Dr. Roffel- sche Sammlung) vertreten, uud Dr. Rüppells Samm­lung aus Aegypten hat auch diese Cultur in überaus reicher Weise repräsentirt. Eine Fortsetzung ge- wiffermaßen de- Museum- bildet eine Treppe höher die Borhalle de- Archivs mit zahlreichen Porträten von Frankfurter Persönlichkeiten, unter denen ein schöne- Bildniß Speners besondere Beachtung ver­dient. Auch da- Bildniß de- Reichsverwesers Erz. Herzog Johann hat, nach manchem Platzwechsel, hier endlich Ruhe gefunden. (A. Z.)

Kleine Mittheilnngen.

(Gras Ernst Dörnberg.) Am 26. Nov. verstarb in Regensburg plötzlich in Folge eines Schlaganfalls eine auch in Frankfurt bekannte Persönlichkeit, der frühere Chef der fürstlich Taxis'schen Verwaltung Graf Emst Dörn­berg. Er war bekanntlich der Schwager des im Novem­ber 1871 verstorbenen regierenden Fürsten Maximilian von Thurn und Taxis, dessen erste Gemahlin eine Frei­frau v. Dörnberg war,' aus welcher Ehe der im Jahre 1867 mit Tod abgegangene Vater des jetzigen Fürsten stammte, dessen Großonkel sonach Graf Ernst Dürnberg war. Er wurde Ende der Sechsziger Jahre vom Kaiser von Oesterreich in den erblichen Grafenstand erhoben und war mehrere Decennien lang Chef der fürstliche« Gesammt- Verwaltung. Nach dem Ableben seines Schwagers, des Fürsten Marimilan, wurde er ganz unerwartet sofort dieser Stelle enthoben; sein Nachfolger wurde Freiherr v. Gruben, der aber gleichfalls, bereits zweimal einen Nachfolger er­halten hat. Graf Ernst Dörnberg erreichte ein Alter von über 78 Jahren: er hinterlätzt einen Sohn der, wie der Corr. v. u. f. Deutschland annimmt, der Letzte seines alten Geschlechts ist.

(Fossil eKnochen.) In Homburg wurden beim Ausgraben des neuen Canals in der Friedrichstrabe im Lehm, in einer Tiefe von 3w 54cm einige fossile Knochen gefunden. ES sind Gebeine eines groben Säuge - thieres, und zwar desUr", der noch mit demWisent" zur Zeit der ersten Bevölkerungen die Wälder Deutschlands bewohnte und noch im Nibelungenlied mit letzterem zu­sammen als Jagdwild genannt wird. Der Ur ift der Stamm unseres HauSrindeS und in dem wilden Stamm längst erloschen. Der Wisent dagegen lebt noch in einem gehegten Wald in Polen und wird gewöhnlichAuerochs" genannt, eine Verwechslung, die erst seit einigen Jahr­hunderten eingetreten ist. Die fossilen Knochen find dem städtischen Museum erhalten worden. (Rh. K.)

veraKtworlllcher Vtdacleor S. Vlttwrger. Verlag von Nadolph pfaetzler. druck « 0 « ckrrb,--ch»iU Nachfolger »ebr. lveiodrod. FraKkstrl a. M.