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Jugend, Gelehrte und Künstler auf der einen, Militär, Adel und selbst fürstliche Personen auf der anderen Seile haben sich hier am häufigsten verewigt. England, da- alte, kräftige Albion, jener Zwillingsbruder der eichenbekränzten Germania und die nordamerikanischen Freistaaten haben unter Deutschen und Franzosen, Rüsten, Polen, Schwe­den, Italienern und Anderen die meisten Blätter dieses Gedentbuche- beschrieben.

George's Auge aber haftete auf einer einzigen Handschrift. Er reichte das Buch Margaret hin und deutete auf eine kurze Zeile.

Margaret laS:

»Oörarrl de Nerval, lun des traducteurs de Faust. *)

Hundert Jahre waren vorüber und Faust lebte nicht allein für Deutschland, sondern für alle ge bildeten Nationen und mit ihm und durch ihn Goethe'S Grethen-, als erste und gefeierte Liebe des Dichters. Das ist der Kranz der Unsterblich­keit, den sie mit Wolfgang getheilt.

Von dem Geiste des Sängerheros umweht, ver­ließen die Drei das schlichte Gemach, von der Straße aus noch einmal nach der Marmortafel hinauf schauend, um die noch, dem gestrigen Feste zu Ehren, ein siisch erhaltener Blumenkranz sich schlang. Auch war über dieser Marmortafel noch daS große, am Vorabend hell erleuchtete Trans­parent sichtbar, auf dem das nachmals von der Familie Goethe angenommene Wappen im Bilde dargestellt war. Ueber den drei, nunmehr als Symbol des Sängerthums in ebenso viele Lehern verwandelten Hufeisen, stand, gleichsam als Schutz- und Schirmvogt de- Hauses, eine männliche Figur, das gezückte Schwert in der Hand.

Die drei Abkömmlinge des Georg Frosch Logen sofort um die Ecke des großen Hirschgrabens, wo sie sogleich ein altertümliches HauS mit einem so­genannten Ueberhang bemerkten. Rach dem grünen Kranze zu urtheilen, der an eisernem Arme in die Straße hinaus schaute, war es ein BierhauS. Unter mehreren, an diesem Bierhanse angebrachten Transparenten, welches kein anderes, als das noch in der Weißadlergaffe zu Frankfurt stehende Puppen- schenkcheu war, zog besonders eines die Blicke der Beschauenden auf sich. ES stellte zwei jugendliche, von einem Rosenkranz umschlossene Figuren dar, 'in denen eS nicht schwer wurde, Wolfgang und Grethchen zu erkennen. Eine sinnige und ergreifende Inschrift, war in den Worten beigefügt:

0, wer bringt die schönen Tage,

Jene Lage der ersten Liede,

0, wer bringt nur eine Stunde Jener holden Zeit zurück!"

' *)Gerhard von Nerval, einer der Faust;" . . ein Autograph, das fich Album befindet. -

Uebersetzer des faktisch in dem

DaS ehemalige HauS des Ben David in der Zudengaffe war bereits feit mehreren Jahren,*) wenn auch nicht Goethe zu Ehren, gleichfalls mit einer Marmortafel und Inschrift versehen worden. Hier hatte nachmals »Ludwig Börne" das Licht der Welt erblickt.

Die beiden Bilder, Goethe als Kind, auf dem Adler des Zeus und Goethe als Greis, auf dem Pegasus, sind nunmehr, als deren schönste Zierde, in der»' Vorhalle der Stadtbibliothek angebracht. Dort befindet sich auch, in wrißem Marmor auö- geführt, eine zweite, mehr als Naturgröße, sitzende Figur des Dichters. Hundert Jahre sind vorüber, da- deutsche Kaiserthum ist zu Grabe gegangen, aber der Fürst in dem Bereiche deS Geistes, wie der alte Schultheiß Textor in prophetischem Geist ihn genannt, ist unter unö geblieben mit der Krone des Dichterthums und dem Sceptcr des Worts. Sein Geist lebt in der Welt, aus der Er mit den Worten schied:

M ehr L ich t!

Zur Geschichte des Gymnafiums in Frankfurt a. M.

(Fortsetzung). .

5) Bei dem lateinischen Sprachstudium sind folgende drei Abstufungen zu beobachten:

a. Der Anfang wird mit strengem gramatischeu Unterrichte in besonders dazu ausgesetzten Stunden gemacht, mit welchem, sobald es sich thun läßt, daö Lesen passender kleiner Sätze, und späterhin leich­tere Schriftsteller nebst schriftlichen Uebersetzungs- Urbungen aus der Muttersprache verbunden wird. Dabei ist besonders Rücksicht darauf zu nehmen, daß immer Gelegenheit zur Anwendung der kurz vorher erklärten grammatischen Regeln gegeben werde, und da eine, genaue Kenntniß dieser Regeln beim anfänglichen Unterrichte größten- theils Sache des Gedächtnisses ist, so muß dahingearbeitet werden, daß die Scholaren für jeden einzelnen Fall den allgemeinen und besonder» Abschnitt des eingeführten Lehrbuches auswendig anzugeben wissen, unter welchem die fragliche Regel vorkommt. Um zugleich das Ver­ständnis; der Regel und die glückliche Anwendung derselben zu erleichtern, muß bei ihrem Vortrage bald der synthetische, bald der analytische Weg von der Regel zum einzelnen Falle und von die­sem zu jener eingehalten, und so der Unterricht in der Grammatik zur Uebung deS Verstandes und der UrtheilSkraft benutzt werden. Bei den Ueber- setzungen aus dem Lateinischen wird Alles gram-

*) 1844. Bei Gelegenheit der Errichtung des Goethe­monuments.