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umstellt, die Mutter Gotte- selbst mtt einem neuen Gewände au- azmblauer Seide bekleidet. Die Kirche hatte keine Orgel, ein Umstand, dem die verschiedenartigsten Blechinstrumente durch ein laute- Potpourri, zusammengesetzt au- Bruchstücken von franzvstschen und italienischen Opern, abzuhelfen suchten. Dazwischen tönte da- Geschrei der Kinder und da- laute Sprechen der Erwachsenen und nur in unregelmäßigen Zwischenräumen war e- möglich, durch diese- Chaos von Tönen und Stimmen da- Solo und den Ehor der Geistlichen zu vernehmen, welche da- heilige Amt zu verrichten hierher gekommen.
Die Gräfin Thorane nebst Isabellen hatten nicht verfehlt, sich zu der Feier de- Feste- etnzu- stellen. Sie saßen Beide Angesicht- de- Hauptaltars und warteten, da eben der Geistliche die Schlußworte gesprochen und die heilige Wandlung beendet, daß die Masse de- Volke- sich verlaufe, um gleichfalls au- dem engen Kirchlein hinaus in das Freie zu tteten.
Die frühe Morgenluft, das bunte Gewimmel de- Volkes, die verworrenen Stimme^ von Menschen und Thieren hatten angreifend aus Isabellen gewirkt. Dazu kam der Dampf der Kerzen, der Geruch de- Weihrauch- und vor Allem ihre eigene, schwermüthige Stimmung. Die Capelle war fast leer und noch immer stand die junge Gräfin auf den Arm der Mutter gelehnt, regung-lo- da. Sie schaute nach dem Marienbilde mit dem Jesuskinde auf dem Arm; ein Schwert schien durch ihre Seele zu gehen.
»Laß un- vorschreiten/ bemerkte die alte Gräfin Thorane, .du bist bleich und die frische Luft wird dir wohl thun."
Isabelle gehorchte maschinenmäßig.
Am AuSgang de- Kirchlein- hing, mit Blumen bekränzt, ein Weihkessel von glänzendem Metall, mit dem eine nach langen Leiden in Hhöre- genesene Dame dasselbe beschenkt.
Heute sollte der Inhalt de- Gefäße- die sich mit seiner Fluth Besprengenden eine- besonderen Segen- theilhaftig machen.
Ein Mann in einfacher Priesterkleidung stand an der Au-gang-pforte. Er tauchte die beiden Border- finger in da- geweihte Wasser.
.Der Herr segne Euch," sprach er leise, die Stirne der jungen Gräfin wie zum Gruße berührend, dann verbeugte er sich gegen die Mutter. E- war Magrigny.
Eine momentane Todtenblässe überzog Isabellen- Gesicht, während derselbe durchdringend feine Geruch, der an dem letzterwähnten Abend in dem Schlosse zu Graffe ihr Zimmer erfüllt, einen Augenblick zu prädominiren schien.
Die alte Gräfin schaute besorgt auf ihre Tochter.
.Ihr ist nicht wohl," flüsterte fie dem Geistlichen zu; .helft mir, ehrwürdiger Vater, fie dem
Wagen zuzugeleiten, der am Abhang de- Bergeß unserer harrt."
Magrigny ergriff Isabellen- Arm mtt unterdrückter Aengstltchkeit, die junge Gräfin so schnell als möglich nach dem Au-gang der Capelle hindrängend.
Die Mutter dantte ihm mit einem vielsagenden Blick.
.Ihr habt Wort gehalten, ehrwürdiger Vater," sprach fie beruhigt, da Isabelle unmittelbar nach ihrem Au-ttitt au- der Kirche und in der freien Luft sich schnell zu erholen schien; .werdet Ihr mir da- Vergnügen machen, un- in unsere Wohnung zu begleiten?"
Der Bischof dankte mit außerordentlicher Verbindlichkeit, für die Dauer de- Tage- AmtSgeschäste vorschützend, doch versprach er am Abend in der von der Gräfin bezeichnten Behausung fich einzufinden. Er schien sehr eilig und kaum war der erwähnte Wagen in der Ferne zu erblicken, als er, beiden Frauen aufs Freundlichste die . Hand drückend, fich empfahl und rasch in dem Gedränge de-Volke- sich verlor.
.Ein vortrefflicher Mann, bei all seiner Strenge und ein würdiger Geistlicher," sagte die Gräfin- Mutter, .aber wie ist dir, mein Kind?"
.Besser," antwortete Isabelle mtt einer Art Gleichgiltigkeit, die fast etwa- von dem Charakter einer augenblicklichen Lethargie an fich trug . .
Aber der Morgenwind wehte ftisch und belebend und fie schien in der That sich nach und nach zu erholen.
Der ganze Raum ring- um die Capelle war mtt Marktbuden und Weintischen umstellt. Dort wurde Manilla gespielt, hier gewürfelt oder mit dem Kugelspiele, da- in der Provence üblich, fich vergnügt.
Hie und da waren Tücher auf dem Boden au-gebreitet, an den Enden mit Steinen beschwert, um von dem zeitweise fich erhebenden Winde nicht entführt zu werden. Singende Mädchen und schäkernde Bursche lagerten vergnügt, wie die Beduinen, an der Erde vor dieser leicht impro- vifirten Tafel.
Eine Gesellschaft Soldaten hatte im Schatten der Oelbäume ein Zelt aufgeschlagen. Pferde, Esel und gaffende Menschen umstanden es zugleich und das verschiedenartigste Idiom von diesen und jenen vermischte sich in der Luft.
(Fortsetzung folgt)
Die Vollendung und Einweihung der Paulskirche im Jahre 1833.
Zur Reformationszeit, am 5. Juni 1529, wurde die Barsüßerkirche, welche schon im 13. Jahrhundert existirte, von den Barfüßer-Mönchen durch ihren
