Mgnt feie Wer» ihre- Verstände- beraubt und ihm» Schicksale unterliegen -u wollen.

Am Morgen wurde Johanna sowohl, als ihre edle Führert» über die ganze Sachlage de- ver- vicheaen Tage- von dem gute« Manne der Hütte ' unterrichtet, welcher die Trümmer jener .Burg besucht und Kunde von all dem Schrecklichen, da- fich zugetrageu, eingezogen hatte. Don Alvarez, Manuel und Donna Juanna hatten ihren Tod gefunden, beide Ersteren von Feinde- Hand, Letztere die Strafe de- Himmel- fich zugezogen.

Zwei Tage waren für Johanna in ihrer gänz­lich zerstörten Gemüth-ruhe dahingeeilt, als plötzlich ein fester Entschluß in ihr auftauchte. Beiden Wohlthäteru Lebewohl sagend, war fle bald au- ihren «u-en für immer verschwunden.

Einige Stunden von den Trümmern der Beste Alvarez entfernt, erhob fich ein alte- Kloster, das der strengen Observanz de- heiligen Fran-i-kaner- ordenS angehvrte. Die Mönche, welche solches ge­giftet, hatten es längst verlaffen, es wurde aber jetzt von einem strengen Nonnenorden bewohnt. Jene Frauen lebten streng der Erfüllung ihrer drei Gelübden: Keuschheit, Gehorsam und Armuth, uud ihre Kleider waren von grobem braunen Tuch, wie da- der strengen Observanz der heiligen Franzis­kaner, und trugen nur Sandalen, der Gürtel be­stand au- einem Strick und ihr Schleier wurde durch eine Dornenkrone auf dem Kopfe fest- gehÄten.

Diesem Kloster nahte eine- Morgen- ein Mäd­chen, da- Auge trübe uud die bleichen Dangen von Thränen genetzt.

Al- fie solche- erreicht und nur noch wenige Schritte von der Pforte entfernt war, blieb fie gedankenvoll stehen, richtete den feuchten Blick nach der Gegend jener Stätte hin, wo Alvarez' Beste

« egen und ei» ttefer Seufzer entschlüpfte ihrem unde.

»Lebe wohl, Alle-, wa- die Erde Schöne- und Liebliche- zu bieten vermag," sprach fie leise vor fich hin, »lebe wohl, Alle-, wa- ein jugendliche- Herz erfreuen und begeistern, beglücken und be­seligen kann! Lebe wohl, schöne Natur mit deinen Kuo-pen uud Blüthen, deiner Wonne und Lust, deinem Glanze und deinem Himmel-strahle! Ach, welche»Reiz haben fle für Den, der in Hoffnung md Liebe in dir verweilen, an deinem Busen liebetrunken die Tage verbringen kann! O, auch du hattest mir einst da- Herz in süßer Lust ge­schwellt, dir gab ich mich hin mit ganzer Seele. Aber ach, wo find die Freuden dieser Welt, die meine Phantasie begeistert und gehoben, die mich mit süßen Hoffnungen erfüllt- Wo die schönen Gebilde, die einst mein Geist so kühn erschuf? Ach, wie schnell find fie zu Nichte geworden, wie

bald hat mich da- Schicksal au- dem süßen Traume aufgeschrecktl Allein stehe ich da, ohne Trost Md ohne Stütze. Bo« der Heimath, Vater und Be­kannten für immer geschieden, hat den Jüngling, den so heiß ich liebte, dem ich allein mich anver­traut, der heiße Kampf geraubt, der Tod auf ewig mir entzogen! Ja, lebe wohl, Welt mit deinen Freuden, deinen Wonnen! Für mich gibt'- keine Loffnung, keine Blüthen reinen Glücke- mehr! Darum lebe wohl, Alle-, wa- in dir ich einst ge­liebt, ich rufe Allem meinen letzten Scheidegruß entgegen!"-

Die- waren ihre letzten Worte, Thränen benetzten abermals ihre Wange« Md bald war fie hinter den Mauern jene- Klosters verschwunden.

E- war Johanna Reichenau.

IV.

Vorüber find die Wolken nun gezogen,

Die Unheil kündend da- Geschick gebracht! Dahin ist jetzt de- Sturme- finst're- Wogen; ES tagt der Morgen bald in holder Pracht. SS sind die Herzen liebreich nun vereinet. Die ach, der Zwietracht Hader einst entzweit, ES grünt die Zukunft wieder und erscheinet DeS reinen, wahren Glücke- schönste Zeit.

Ein Jahr war seit dem Verschwinden Johanna'- au- dem väterlichen Hause dahingeeilt, ohne daß jedoch eine sichere Kunde von ihrem Geschicke er­mittelt werden konnte. Nur so viel hatte man in Erfahrung gebracht, daß ein spanischer Ritter, der sich längere Zeit in der Umgegend Frankfurt- auf­gehalten, einst einen Brief ihr zugefteüt habe mtd an demselben Tage gleich ihr verschwMden sei. Wa- aber aus ihr geworden, ob fie Jenem in die Heimath gefolgt, glücklich als Gemahlin lebe, oder dem Unglücke, ja dem Tode anheimgefallen wäre, wußte man nicht.

Die- bereitete dem Vater viel Kummer und Schmerz, er wurde mit jedem Tage leidender und in den Räumen seine- Sommerhause-, in denen sonst Jubel und Freude geherrscht, waren jetzt nur Trauer und öde Sttlle eingezogen.

Doch wa- Hillardstein anbelangte, so hatte er gar bald Johanna vergessen und mtt einer anderen Schönen sein Glück zu gründest gesucht.

Dieser Zustand der Dinge wirkte aber nur um so günstiger und heilbringender für Alfred und Maria, jene, in stiller Einsamkeit zurückgezogenen Liebenden.

Al- mehrere Monate in ttefer Trauer für Reichenau verstrichen, da erwachte da- Gefühl der Liebe für seinen Sohn mächttger denn je in seinem Herzen und er suchte nun bald ihn wieder für sich zu gewinnen und seinen Wünschen in Hinsicht seiner Vermählung mit Maria bereitwillig Folge zu leisten. Er ließ ihn deshalb zu fich bescheiden uud bot ihm fortan Alle- an, was zu seinem Wohle und seinem Glücke führen konnte. Auch Maria