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Orchester mit vielem Eifer etnftudirt und fand gleich Lei der ersten Aufführung großen Beifall, ja sogar eine« allgemeineren als der «Faust", was stch jedoch später, sowohl in Frankfurt al- im übrigen Deutschland, dem wahren Werth der Opern gemäß, wieder au-glich.

Im Laufe des Winter- ga- ich mit meiner Frau noch ein Eoncert, zu welchem ich eine neue Sonate für Harfe und Violine geschrieben hatte. Da stch auch, seit ich von Neuem einen festen Wohnsitz hatte, wieder Schüler eingefunden, so­wohl einheimische als fremde, so war ich während de- ganzen Winters mit Arbeiten überhäuft. Ich sehnte daher, als endlich da- Frühjahr herange- kommen war, sehr «ach einer Erholung, und e- kam mir erwünscht, daß vier meiner früheren musikalischen Freunde au- Rudolstadt, die Herren von Holleben, Müller, Sommer und Methfeffel nach Frankfurt kamen und mich zur Mitreise nach Mannheim, wo ein Musikfest stattstuden sollte, auf- forderten. Ich erwirkte mir eineu achttägigen Ur­laub und schloß mich ihnen an. Bon Darmftadt au-- wo die reizende Bergstraße beginnt, ptlgerten wir bi- Heidelberg zu Fuß und trugen unser Ge­päck im Ranzen selbst auf dem Rücken. Drei der Rudolstädter, Müller, Sommer und von Holleben, die ausgezeichnet Horn bliesen, hatten ihre Hörner auf den Ranzen geschnallt, und Methfeffel, der unsere vierstimmigen Gesäuge mit der Guitarre begleitete, trug sein Instrument, da- an einem Bande hing, über die Schultern. So hatte unsere Reise-Gesell­schaft, trotz ihres honneten Aeußeren, doch ganz das Ansehen einer reisenden Musikbande, und da wir in fröhlichem Uebermuthe durch alle Dörfer und Städtchen stets muficirend oder singend einher- zogeu, so fehlte es uns niemals an einem Schweife jubelnder Zuhörer, sowie an zahlreichen Anträgen, aufzuspielen, die natürlich, wiewohl zu großem Be­dauern der Anfragenden, abgelehnt wurden. Wir machten kleine Tagereisen und erstiegen mehrere der an unserem Wege gelegenen Burgen. Dort wurde das aus dem Wirthshause hinaufgeschaffte Mahl eingenommen und durch Hornmufik, Gesang und ftöhltchen Scherz gewürzt. Am dritten Tage kamen wir nach Heidelberg, wo wir die Schloß- rutne besuchten.

Eine Horn-Fanfare zog bald einen Zuhvrer- kreiS in unsere Nähe, der stch sehr an unseren vier­stimmigen Gesängen und Methfeffel- komischen Liedern ergötzte. Da wir unsere Namen in- Fremdenbuch eingetragen hatten, so wurde es bald in der Stadt bekannt, daß ich mit einer Gesellschaft Musiker zum Musikfeft nach Mannheim ziehe. Es erschien daher am Abend eine Deputation de- Heidelberger Gesangvereins bei uns mit der Ein­ladung, die Fahrt nach Mannheim am anderen Morgen auf dem festlich geschmückten Schiffe de-

Verein- mitzumachen. Freudig wurde -«gesagt. Diese Fahrt war der Glanzpunkt der Reise.

Am dritten Tage traten vir die Rückreise an. Da der Weg von Mannheim nach Mainz für eine Fußreise zu untvtereffant gefunden wurde, so mietheten wir uu- ein Boot mit zwei rüstige» Ruderern und machten ihn zu Waffer. Aber auch so war die Reise noch ziemlich langweilig. Wir hatten überdies die Nacht vorher auf einem Balle zugebracht und fühlten uns sehr ermüdete- war daher kein Wunder, daß wir die versäumte Nacht­ruhe nachholten und die Reise zum großen Theile schlafend zurücklegten.

Bet unserer Ankunft in Mainz erlebten wir jedoch noch ein kleine- Abenteuer, das un- für die letzten Stunden unsere- Zusammensein- die fröh­lichste Laune zurückgab. E- dämmerte bereit-, al- wir nach unserer Landung da- beste Gasthaus der Stadt aufsuchten. Al- wir e- eben, in dem be- bereitS beschriebenen Aufzuge reisender Musikanten, betteten wollten, schrie uns der Mrth, der aus dem Fenster sah, mit zorniger Stimme entgegen: «Packt Euch! Leute wie Ihr werden hier nicht ausgenommen! Diese Anrede ergötzte mich sehr, weil ich meine Gefährten schon vielfach wegen ihres Aufzuges geneckt hatte, und lachend rief ich Herrn von Hollebeu zu:Herr Obrrforstmeifter, man will uns hier nicht aufnehmen; suchen wir ein anderes Gasthaus auf!" Der Wirth aber, dem der vornehme Titel in die Glieder gefahren war, stürzte pfeilschnell auf die Straße und bat unter unzähligen Bücklingen:Meine gnädige Herren, ge­ruhen Sie näher zu treten und entschuldigen Sie huldreichst meine BStise!" Im höchsten Grade komisch war nun seine Verlegenheit, als wir ihm ins Innere des Hauses gefolgt waren und dort, im hellen Lichterschein, von ihm gemustert wurden.

Unser elegante- Aeußere schien ihn nun zu be­ruhigen, doch die unglücklichen Hörner, die auf die Tornister geschnallt waren, und die an Methfeffel- Halse hängende Guitarre erregten bet ihm immer neuen Scrupel, ob er auch seine- Hause- würdige Gäste ausgenommen habe. Als wir aber drei Zim­mer mit Wach-beleuchtung, wie ich absichtlich hin­zusetzte, fünf Betten und ein gute- Abendeffen stellten, und zwar in dem kurz befehlenden Tone vornehmer Leute, da schwand bei ihm der letzte Zweifel, und sein Wesen wurde nun kriechende Un­terwürfigkeit. Noch lange ergötzte uuS diese ge­meine WirthSnatur und erheiterte unser letzte- Zu­sammensein. Am anderen Morgen kehrte ich, da mein Urlaub abgelaufen war, nach Frankfurt zu­rück, und die Rudolstädter verfolgten weiter rhein- abwärtS ihren Reiseplan.

(Schluß folgt.)

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