Altersgenossen, dem er stch mit voller Wärme hiugab. Ehe «och dieser Freund, dem Hölderlin hier eine Hau-lehrerstelle verschafft hatte, in Frank­furt eiugetroffeu war, wurde die Familie Goutard durch da- Krieg-geschrei der einbrechenden Franzosen

« jreckt und veranlaßt, fich nach Kassel zu . Die Gemäldegallerie und da- Museum, sowie der Umgang mit einigen Künstlern machten ihm dort glückliche Tage. »Auch Herr Heinse," schreibt er seinem Bruder, »lebt mit un- hier. Er ist wirklich ein durch und durch trefflicher Mensch. ES ist nicht- SchvuereS, als so ein heitere- Atter, wie dieser Mann hat." Bon Kaffel au- reifte die Familie «ach Döyberg, einem kleinen westphälischen Bade­ort, wo man fich einige Wochen aushielt, bi- bessere Nachrichten vom Kriegsschauplätze kamen. Durch den Gebrauch de- Mineralwasser- gestärkt und von einem nervösen Kopfschmerz befreit ^ kehrte der Dichter im Spätherbst de- Jahre- an den Main zurück. Im Anfang de- folgende» Jahre- erschien Hegel in Frankfurt. »Ein ruhiger Berftand-mensch", wie Hölderlin ihn gelegentlich nennt, war er für den Dichter ein sehr wohlthueuder Umgang, zumal da er auch eine warme Vorliebe für die Philosophie besaß. Da beide nicht allzusehr durch ihre Gerufs- geschäfte in Anspruch genommen waren, so blieb Zeit genug für die Stunden freundlichen Umgangs und wiffenfchaftlichen Gesprächs. Im Frühling erhielt Hölderlin Besuch von seinem Bruder Fritz, und er beeilte stch, ihn zu Hegel zu führen; aber dort wurde er, wie der Bruder fich beklagt, bald vergessen unter einer lebhaften philosophischen !L)iscussion. Auch durch einen Besuch seines liebsten Freundes, Lud­wig Neuffer, wurde Hölderlin in demselben Sommer erfreut, der wohl der glücklichste seine- Lebens war. Von schweren Schicksal-schlägen getroffen, war dieser nach Frankfurt gekommen, um von den Trostesworten des verehrten Freundes sein Haupt wieder aufrichten zu lassen. Er wurde auch der Frau de- Hauses vorgestellt und bewunderte ihre hohe Schönheit. Hölderlin sandte der sorglich hin und her Wandelnden das höchste Lob nach, da- sein Mund ertheileu konnte, indem er dem Freunde zuflüfterte: »Nicht wahr, eine Griechin?" (Schwab- Biographie H. S. 290). Damals hatte fich im täglichen Umgang seine Neigung zu der schönen Frau bereit- zur Leidenschaft gesteigert. Schon im Juni de- vorhergehenden Jahres hatte er an deu- selbeu Freund geschrieben: »Ich konnte wohl sonst glauben, ich wtffe, was gut und schön sei, aber seit ich'- sehe, möchte ich lachen über all mein Wissen Lieblichkeit und Hoheit und Ruh' und Leben, uud Geist und Ge- müth und Gestalt ist Ein seliges Eins in diesem Wesen." Und im Februar des Jahres 1797 hatte er demselben geschrieben: »Ich habe eine Welt von Freude umschifft, seit wir uns nicht Mehr schrieben. Ich hätte Dir gerne indeß von

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mir erzählt, wenn ich jemals Me gestanden wtirö und zurückgesehen hätte. Die Woge trug mich fort, mein ganze- Wesen war immer zu sehr im Leben, um über stch nachzudenken. Und noch ist e- so! Noch bin ich immer glücklich, wie im ersten Mo­ment. ES ist eine ewige, fröhliche, heilige Freund­schaft, mit einem Wesen, da- fich recht in die- arme geist- und ordnungslose Jahrhundert verirrt hat! Mein Schönheitssinn ist nun vor Störung sicher. Er orientirt fich ewig an diesem Madonnenkopf. Mein Verstand geht in die Schule bei ihr und mein uneinig Gemüth besänftigt, erheitert fich täglich in

Ihrem genügsamen Frieden.-Ich lege dir

ein Gedicht an fie bei, das ich zu Ende de- vorigen Winter- machte."

Da- Gedicht, da- er hier erwähnt, ist da­bekannte : »An Diotima," da- zu seinen schönsten gehört. (Schluß folgt)

Kleine Mittheilnngen.

(Zur Frankfurter Kunstgeschichte.) Bon Dr. Anton Mayer, Secretär des Verein- für Landeskunde von Nieder-Oesterreich ist vor Kurzem eine Monographie erschienen, welche den Maler Martin Jobann Schmidt, genanntKremser Schmidt", behandelt. Dieser Meister, in dessen Werken sich ein ausgiebiges, gesundes, eigen­artige- Künstlernaturell offenbart, war am 25. September 1718 im niederösterreichischen Markt Grafenwörth am kleinen Kamp geboren. Bon näherem Interesse, für. uns ist, daß sein Vater Johann Schmidt dorthin aus Frank­furt a. M. eingewandert ist und dort alsInwohner" gelebt Hst; nach Ängadr Dr- Mayers, «alte oder mriß-lt- er Gedächtniß- und Martersäulen, Heiligenstatuen und Kreuze, schnitzte auch Chorstühle und^ Tabernakel u. s. w Dr. Gwinner erwähnt in seinem tresstichen WerkeKunst und Künstler in Frankfurt am Main" dieses Frankfurter Künstlers nicht. Der in der Ehe mit einer fürstlich Trautson'schen Hofgärtners-Tochter Namens Katharina Baumgartner erzeugte Sohn Martin Johann erhielt nach Fueßli und Nagel fünf Jahre Unterweisung in der Kunst bei Gottlieb Starmayr, einem Schüler Peter Strudels. 1741 schmückte er mit Maler Gottlieb wohl (Starmayr) den Retzer Rathssaal aus. Vier Jahre später ließ er sich in Stein nieder. 1768 wurde er Mitglied der Wiener Akademie. Als 70jähriger Greis malte er die schönen Fresken in der Pfarrkirche zu Krems, mit 80 Jahren eines der größten Altarbilder in derselben Kirche,die Enthauptung Johanni's", mit 82 Jahren die Seitenaltar­bilder zu Hafnerbach; sein letztes Werk wat die Kreuz­abnahme in Gresten. Am 28. Juni 1801 starb er. Bon seinen Fresken abgerechnet, ist die Zahl seiner Bilder ge­wiß über tausend; Pillwein spricht sogar von viertausend. In seinem Nachlaße befanden sich zweihundertsiedenzig Stück. Die Orte, wo sich seine Hauptwerke befinde«, find daS Stift Seitenstetten und die Abtei St. Peter in Salz­burg. Ja Wien findet man den Meister, abgesehen von den zwei Akademie-Bildernda- Urtheil des MidaS" und VenuS in der Schmiede BulcanS", vertreten in der Capelle des Melkerhofes, in der Kirche bei St. Anna, in der Franciseaner- und Leopolvstädter Carmeliterkirche, in der Kirche zu Gumpendorf und in der Liechtenstein-Galerie.

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