aus solchen Materialien gewonnener Kalk schon aus sanitären Rücksichten zu verwerfen ist.

Durch Waschen des Materials in SUsswasser könnte dieser üblen Eigenschaft wohl etwas abge­holfen werden, würde aber, namentlich bei den ungünstigen Süsswasser Verhältnissen an der Küste, den Küstenkalk wesentlich verteuern.

Leider scheint aber immer noch dieser Kalk, trotz all seiner Mängel, in Laienkreisen bevorzugt zu werden, offenbar wegen seiner vermeintlichen Billigkeit. Ich sage vermeintliche Billigkeit, denn ich werde nach weisen, dass auf allen Plantagen West - und Ostusambaras der aus dem Steinbruch bezogene Kalk bedeutend billiger ist ah der Küstenkalk.

Die Eisenbahn - Verwaltung verkauft, ihren Kalk zu 1/> Mp. pro cbm. Der Küstenkalk kostet im Durchschnitt S Mp. Durch das Brennen verliert der im Steinbruch gebrannte Kalkstein, wie ich schon früher erwähnt,

1 4S -f- 1) = 44 °/ 0 seines Gewichtes, ohne dabei sein Volumen wesentlich zu verringern. Da das spezifische Gewicht des Kalksteins 2, 3 beträgt, so ist das spez. Gewicht des im Steinbruch gebrannten Kalkes: 2 » 3 . 56 /ioo = 1*29.

Wegen der schädlichen Beimengungen und noch einen Prozentsatz an Kohlensäure ist das spez. Gewicht des Küstenkalkes etwa: 1,40.

Wir wollen nun annehmen, es würde von beiden Kalkarten ein Waggon von 7000 kg. Ladegewicht nach Korogwe verfrachtet.

Dieser Wagen kann 7000 /i 29 o = run( l 5,5 cbm Kalk aus dem Steinbruch und 1000 luoo = 5 cbm Küstenkalk aufnehmen.

Es stellen sich dann die Kosten eines Waggons von 7 t Ladegewicht in Korogwe auf:

a. bei.Kalk aus dem Steinbruch 5, 5 X 15 = 82, 5 Rp. + Fracht vom Steinbruch bis Korogwe =157 Rp., zus. 239, 5 R.

b. bei Korallenkalk . . . 5 x 5 = 25 R.

-f Fracht von Tanga nach Korogwe = 180 Rp., zusammen: 205 Rp.

oder auf die Einheit bezogen:

1 cbm Kalk unter a. auf 230 > 5 / 5 , 5 = rund 43, 5 R. 1 b. auf = 41 R.

Das ist gebrannter Kalk. Für die Vcrwen - düng kommt aber nur gelöschter Kalk in Betracht. Da nun durch den Prozess des Ablö­schens der Kalk unter a) von 1 R. T. auf 1, 8 R. T., der unter b) von 1 R. T. aber nur auf höchstens 1,2 R. T. aufblüht (gedeiht), so kosten in Korogwe, bezw. auf den Plantagen:

1, 2 cbm gelöschter Kalk von a) - 43,5 Rp., oder 1 cbm rund 24,2 Up., 1,2 cbm gelöschter Kalk von b)-41 Rp., oder 1 cbm- 34,2 Mp.

Wirsehen also um wieviel bedeutend billiger als der Korallenkalk der aus dem Steinbruch bezogene Kalk ist, wenn er bis Mnyuzi oder Korogwe verfrachtet wird.

Damit ist aber der Gedankengang für den rationellen Unternehmer und Wirtschaftstechniker noch nicht abgeschlossen; denn vermöge der grössern Bindekraft des Kalkes unter a) wird

ein schwächeres Mörtelmischungsverhältnis er­möglicht. Während bei dem Küstenkalk ein Mischungsverhältnis von 1:3 unerlässlich ist, kann bei dem Kalk unter a gut auf 1:4 herunter- gegangen werden.

Da nun 100 cbm Mauerwerk ca. 36 cbm Mörtel erfordern, sind für diese Mauerwerksmasse bei Verwendung des Steinbruchkalkos notwendig: sc/. = 7,2 cbm, bei Verwendung des Küsten - kalkes ao / 4 = 9 cbm. Die Kalkkosten für 100 cbm Mauerwerk belaufen sich also im ersten Fall auf: 24,2. 7,2 = 174,2 Rp. (Steinbruchkaik), im zweiten Fall auf: 34,2 . 9,0 = 307,8 Rp.

(Küstenkalk..)

Das ist ein vorzügliches Resultat zu Gunsten des im Steinbruch der Eisenbahn - Verwaltung gewonnenen Kalkes. Trotz des grössern Ein­kaufspreises an Ort und Stelle stellt sich der­selbe wegen der Frachtersparnis von Tanga bis Steinbruch, insbesondere aber wegen seiner guten Eigenschaften, am Verwendungsorte beinahe die Hälfte billiger als der Korallenkalk.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Stein - bruchkalkes besteht auch darin, dass derselbe ungelöscht versandt werden kann, während der Küstenkalk diese Versandtart nicht zulässt, weil bei dem mangelhaften Brennprozess schwer zu erkennen ist, ob aller Kalk genügend durchr gebrannt ist. Infolgedessen stellt sich der Trans­port des gebrannten Steinbruchkalkes von der Endstation der Bahn bis zur Verwendungsstelle bedeutend billiger als der gelöschte Korallenkalk, weil in kürzerer Zeit und mit weniger Trägern dieselbe Masse Ätzkalk, der am Verwendungsorte gelöscht wird, transportiert werden kann, als es bei dem gelöschten, und oft ungenügend gelösch­ten, Küstenkalk der Fall sein kann.

Die Güte des gelöschten Kalkes hängt natürlich auch vom Löschen ab. Durch falsches Löschen kann der beste gebrannte Kalk un­brauchbar werden, und es mag dann ein schlechter, aber richtig gelöschter Kalk, als der bessere erscheinen.

Der Löschprozess ist sehr einfach, erfordert aber immerhin eine gewisse Aufmerksamkeit.

Infolge seiner grossen Porosität saugt der Kalk gierig Wasser ein, wobei die in den Zwi­schenräumen befindliche Luft unter Geräuch ver­trieben wird. Der gut gebrannte, vollgesogene Kalk fängt nach wenigen Minuten an, sich zu erwärmen, und die Bindung des Wassers geht unter Knistern und Ausstossung von Dampf vor sich, bis eine gleichförmige, zarte, weisse Breimasse, das Kalkhydrat (gelöschter Kalk) entstanden ist. Je reiner und besser der Kalk gebrannt ist, umso grösser ist die durch den Prozess des ,, Ablöschens 11 entstehende Wärme­entwicklung.

Durch zu geringen Wasserzusatz zu der Kalkerde wird oft der beste Kalk mager; wird dagegen zuviel Wasser zugesetzt, soersäuft man den Kalk.

Zum Schlüsse will ich nicht verfehlen, auf