Nr. 1
Beilage zum „Deutschen Offizierblatt
1622
Verantwortlich für vie Schriftleitung: Frau Toni Saring, Berlin. — Alle Anfragen und Beiträge für „Die deutsche Offizierfrau" sind zu richten an Frau Toni Sarina, Berlin W. 9, Po!s)c>mer Siraße 22d. Fernruf: Nollendorf 43 0.
Kopf obenauf.
Die Hauo am Knauf.
Mein deiUIches Bolk — fonn'cniff
LLsak Flalichle» (ZePPelingruU.
Ein neues Fahr!
Bon Toni Saring
„Es reden und träumen die Menschen viel Don bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!"
Schiller hat in diesen 'Worten die Grundmelodie gefunden zu dem uralten und doch ewig neuen Lebeyslied der Menschl-eit. Nicht nur alles unerfüllte Sehnen, alles Weh um nicht Erreich.es mündet aus in unentwegtes Hoffen auf künftige bessere Tage, auch die Erfolge ideeller wie materieller Art schrauben das Wünschen und Wollen nur höher, denn dieses Ningen nach Verbesserung ist das Leben der Menschheit selbst. Kein Zciteinschmtt ist so danach angetan, daß wir uns Rechenschaft geben von dem Gewollten, dem Erreichten und den Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft, wie die Jahreswende.
So klein der Ausschnitt ist. den die Übersicht über das eigene Schicksal und das eigene Wirken bietet, er gewinnt an Bedeutung im Verhältnis zur Gesamtheit, als Rädchen im Gefamtmechanismus unseres Volkes. Wo viele Kräfte wirkfcm werden sollen, da muß der einzelne sich klar sein über fein Wollen und Handeln, da darf es nicht de»n Zufall überlassen bleiben, wohin Zeit und Entwicklung führen und welche Rolle uns dabei zufällt; da genügt kein Hoffen, daß sich dereinst der „große Mann" finden werde, der alles in leinen Bann zwingt und dem ein ganze» Volk Gefolgschaft leistet, um aus aller Verworrenheit einem besseren Dasein entgegen geführt zu werden Angesicht» der völkischen Zerrissenheit, der Wollust, mit der ein großer Teil des deutschen Volkes sich selbst in sklavische Bande schlägt und nationale Ehre und Würde mit widerlichem Gelächter in den Schmutz ^iehk, mag manchem der Glaube an die Wiedcrerneurrung wanken; es rst menschlich durchaus zu begreifen, daß der Druck der entsetzlich schweren Gegenwart lähmend auf die Einzelpersönlichkeil wirken will, daß sich hier und da bange Zweifel einstellen: wie sollst du dich und die Deinen hindurchretten, wie deinen Kindern die Lebensmö lichkei'en schaffen, die ihnen die Grundlüge zu später-m Fortkommen bieten können? — All die Schande, di- das letzte Jahr un? national empfindenden Deutschen angetan, steigt wieder vor uns auf: die Leipziger Prozesse, die schwarze Schmach, die mehrfachen schamlosen Fesselungen deutscher Offizier-, — wir gedenken mit Trauer Oderschlestens und grüßen in mitfühlendem Weh unsere rheinischen und saarländischen Volksgenossen, ja, unser Wollen und Streben soll gegenwärtig ihnen vor allem gelten, vie deutsches Wesen und deutsche Treue hochzuhalten im besonderen berufen sind. Deutsche Frauen, denkt an die Schwierigkeiten, die sich euren rheinischen Schwestern in wirtschaftlicher Beziehung entgegenstellen, wenn es euch zu schwer scheint, den täglichen Kampf im häuslichen Betriebe zu bestehen, überlegt euch, welch« Sorgen in Familie und Beruf ihnen erwachsen, die euch erspart bleibenI Je deutlicher sich das Bild des letzten Jahres mit all seiner Schmach, mit seinem wirtschaftlichen Niedergang und der steigenden Versklavung vor unserem geistiaen Auge abrollt, um so klarer entwickelt sich daraus da» Bewußtsein, wie unlösbar der einzelne mit dem Ganzen verbunden ist, daß nur die nationale und sittliche Erneuerung unseres deutschen Volkes, nur das wirtschaftlich« Wieder- aufblühen unseres Vaterlandes dem Einzelindividuum den sicheren Rückhalt bieten kann, den es zur eigenen Höherentwicklung braucht, den wir ganz besonders als Fundament für die Zukunft unserer Kinder wieder schaffen müssen. So steigt vor uns die große Forderung des neuen Jahres auf: di« nationale Arbeit! Es liegt in der Natur der Frau, zunächst iljr eigenes kleines Recch zu überschauen, in dem sie Herrscherin und Hüterin sein und bleiben soll. Die schwere Gegenwart jedoch erfordert mehr Sie braucht alle Kräfte und ganz besonders die Mitarbeit der deutschen Frau' Was uns die Zukunft noch aufgespart hat an Widerwärtigkeiten und Opfern, steht unseren Augen noch verborgen im Buch der Zeit. Eine schwere Bürde nehmen wir mit hinüber ins neue Jahr: die Lüge von der deutschen Schuld! Es darf nicht der Zukunft überlassen bleiben, Licht zu bringen in das Lügengewebe unserer Feinde; wir. die wir Träger waren des Geistes der Erhebung, als sich das Netz der Habiier und des Neides um uns zusammenzog, wir besonders, die wir unseren
Stolz dqrein setzten, da« ^Vorbild der Soldatenfrau zu sein, groß Im Opfern, im Helfen und Stützen, wir vor allem sind auch jetzt berufen, unsere Kraft einzusetzen für die gerechte Sache, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Darum ßteht das neue Jahr vor uns mit dem Weckruf: „Freiwillige vor!" So wie sich deutsche Männer zufammen- fanden in der „Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung", ln haben sich auch deutsche Frauen aller Schichten und fast aller Parteien zusammengeschlossen in dkm „Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge", der alle im Reich, die der nationalen Bewegung dienen wollen mit praktischen Anweisungen und Richtlinien unterstützt. Keine große Redegewandtheit wird aus den Reihen der Frauen gefordert, nur Verständnis siir das dringendste Bedürfnis der Stunde und der Will«, etwas freie Zeit zu ermöglichen, um sich intensiv und schöpferisch mit der vaterländischen Aufklärungsarbeit zu befassen Nur eiserne Energie und nie erlahmende Schaffenskraft kann uns über die dunkle Gegenwart und die vielleicht noch schwerere Zukunft hinwegführen. leichteren, glückhafteren Zeiten entgegen!
Hinter dem kommenden Jahre steht eine endlose Zukunft, die späteren Generationen dereinst für ihr Sein und Schassen den Boden bieten soll. Schon jetzt heißt es. ihn zu bestellen und die Jugend, die nach zu schwerer Aufgabe heranwächst, zu erziehen in dem Geiste, der allein ein Volk groß und stark machen kann — Maq uns die Zukunft auch düster und schwer ansehen, das stolze Bewußtsein, ielbst die Hand legen zu dürfen an das Rad der Zeiten, wird unsere Kraft stählen und der Wille zum Aufbauen alle Schwierigkeiten siegreich überwinden! Mit ernster, verantwortungsreicher Arbeit in Familie und Staat, doch auch mit dem Glauben und der Hoffnung, daß diese Arbeit nicht vergebens ist, daß unser Volk, dem so viele wahrhaft große Männer und Frauen der Vergangenheit und Gegenwart en sprossen sind, nicht dauernd in Knechtsck^ft verharren kann, sondern' den Weg zur Einigkeit, zur Freiheit und zum Deutschtum wiederfinden muß, so grüßt uns deutsche Frauen das neue Jahr!
Theater — KulturZemeinschast — Gemeinschaftsbührre
Das Theater von heute ist nicht mehr der Faktor im Kulturleben des Volkes, den es in früheren Jahrhunderten darstellte. Damals war — zuerst im al en Griechenland — das Theater die Stätte, in der da» Volk die Geschichte seiner Götter und Helden auf der B"hne miterlebte und die durch die Darstellung ihrer Taten neue Begeiferung für da» Vaterland weckte. Später trat dazu der Humor, die Selbstspiezeiung der emenen Volksschwächen durch die Komödien Das Theater war nicht Sache des einzelnen, der je nach seinen Geldbeuteiverhältnissen sich einen mehr oder weniger guten Platz leistete, sondern Sache de» ganzen Volkes, so gur wie der Gätterdienst in den Tempeln. Denselben Charakter zeigte das Theater des Mittelalters, das aus dem Gottesdienst, der Liturgie, herausgewachsen war und daher in den sogenannten Mysterienspielen mehr religiöse Stoffe behandelte, später ergänzt durch Märchen und Fabeln.
Hans Sachs bsdeutete den Höhepunkt dieser nickst religiösen deutschen Volksspiele, die leider wie die religiösen in der Zeit nach der Reformation und dem Dreißigjährigen Kriege in Verfall gerieten und nur in wenigen Resten sich erhalten haben. Das Zeitalter des fürstlichen Absolutismus brachte mit dem 17. Jahrhundert das „Hoftheater", ursprünglich nur für die Fürsten und den Hof bestimmt, woraus sich die Rangeinteilung erklärt. Diese Theater pflegten in erster Linie die Kunstform der Oper, gaben aber dann auch Schauspiele und Lustspiele; Goethe und Schiller, Kleist u. a. begcmnen dort ihren Aufstieg. Seit dem Sturz des Absolutismus ahmten die reichen Städte diese Theater nach, bis zur Entwicklung des heutigen Bühnenbetriebes, der in buntem Wechsel englische und französische Schauspiele, deutsche Klassiker und italienische Opern, Balletts und Wiener Operetten bringt Da» Theater sank von einer Kult"rgcmeinschaftsbühne des ganzen Volkes herab zu einer Vergnügung?, und Unterhaltungsanstalt ästhetischen Charakters, um schließlich immer mehr zu einem Geschäft zu werden, in welchem allerlei Ware, gute und schlechte, schone und häßliche, au» aller Herren Länder feilgeboten wird. Man will jedem Geschmack, auch dem schlechten, etwas „bieten" und hilft dabei mit in der sittlichen und künstlerischen Verwilderung der deutschen Volksseele.
Das Theater hat aufgehört, nach Schillers Forderung eine „moralische Anstalt" zu sein: es wird vielfach das Gegenteil und versagt besonders seit dem ^ege. Wenn es seine alte Höhe zurück- gewinnen und eine Pflanzstätte des Idealismus werden soll, so muß es die Art eines literarischen Warenhauses preisneben und wieder zu einem Kulturfaktor für das Volk werden Dies läßt sich vou heute auf morgen nicht durchführen. Da das Theater das
