G'itf 2 — Nr. 1
1. Januar 1922
Lie deutsche Osfizisrfrau
Publikum nicht erziehen kann, so muß das Publikum erzieherisch auf das Theater wirken. Das kann nur geschehen durch Zu,ammenschlutz derjenigen, die gleiche oder ähnliche Kulturideale besitzen. Liese gleich» gesinnten Theaterintercssenten bilden eine Kultur gememschoft, stellen gleichsam ein Volk mit gleichen Idealen dar. wie ehedem die alten Griechen oder die Deutschen des Mittelalters und der Renaissance.
Die deutsch und christlich gesinnten Kreise sammelt der Bühnenvolksbund in seinen Theatergemeindcn. Sie suchen dem Volk, besonder» jenem. das nicht mehr ins Theater ging, das Theater wieder nahezubringen, indem sie durch Einflutzgewinnung auf den Gpidpfcm ihren Mitgliedern eine Reihe von Vorstellungen sichern, welche ihren Kulturidealen entsprechen oder zum mindesten nicht wider» sprechen. Die gemeinsame Kulturbasis des ganzen deutschen Volkes ist nach menschlichem Ermessen vorerst nicht mehr zu schaffen. Daher Müssen sich die Elemente, die ähnlichen oder gleichen Jdca'en huldigen, zusammenfinden, um wenigstens auf diese Weise das Theater für sich zu reformieren. Für den. der fein Allerweltspotpourri weiter ge» nießen will, bleibt das Theater eine Dergnügungsanstalt, wie Zirkus und Kino oder Bariett. Die geistig führenden Kreise des deutschen Volkes haben aber ein Interesse daran, daß das Theater wieder ein Kulturfaktor werde, daß von ihm ein Strom des Guten und Schönen, der sittlichen Erneuerung des Volkes ausgehe. Die Politik allein tut es niO Mit Politisieren wurde noch kein Volk gerettet. Nötiger ist der sittliche, kulturelle Unterbau. Ein sittlich verdorbenes Volk wird für deutsche und christliche Politik nicht mehr zu haben fein. Die Jugend versumpft und erstickt im Schlamm von Schmutz und Schund. Die Dichtkunst verkörpert die Kulturstufe eines Volkes, darum muß auch den deutschen Dichtern der Weg zum Herzen des Voltes geöffnet werden, wie einst Aefchylos, Sophokles und Euripides ihrem Volk nahegebracht wurden, dem das Theater hehres, festliches Erleben ver» körverte. So muß auch dem deutschen Volk das Theater wieder eine Stätte werden, da sich Seele und Geist gehoben füllen und die den Künstler seinen Berus erfüllen läßt nach Schillers Worten:
„Der Menschheit Würde ist in eure -and gegeben;
Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.*
_ G Stezenbach.
Frauenarbeit in Stabt unb Canb
Der vaterländische yrauenverein Zeitz hat in seinem Wilhelminen» stist ein Heim für Waisenkinder eingerichtet. Es sollen vor allem Kinder der Mittelstandes und der besseren Stände, die durch die Zeiten bedrängt sind, ausgenommen werden. Für den niedrigen Preis von 8 M. täglich wird den Kindern Wohnung, Verpflegung, liebevolle Erziehung und Aufsicht sowie frei Kleidung gegeben.
Die schönen, sonnigen Räume sind vollständig neu eingerichtet worden. Es werden bis zu 20 Kindern ausgenommen, und zwar Mädchen von 2 bis 14, Knaben von 2 bis 6 Jahren. Schulen oller Art sind am Ort. Schulgeld und Lehrmittel sind nicht im Verpflegungssatz einbegriffen Die Aufnahmebedingungen sowie jede Aus» kunft erteilt der vaterländische Fraucnoerein Zeitz, Wilhelmtnenstift Zeitz, Prov. Sachsen, Schulstr. 5
„ver Reichsverband der veamttuue« und Fachlehrerinneu in Hau», Garten und Landwirtschaft* bittet darauf hinzuweisen, daß er die Aus» bildung zur Haurbeamtin in jeder Weife zu fördern sucht, ohne daß den Lernenden große Unkosten entstehen. Er veranstaltet in Berlin Fortbildungskurse für bereits berufstätige Hausbeamtinnen in Berufskunde, Haushaltslehre, Ernährung»- und Nahrungsmittellehre, Gesund- deitspflege. Die jungen Mädchen werden ln die schweren Aufgaben ihres Berufes eingeweiht, ihr Wissen soll vertieft und erweitert und manche Anregung und Belehrung über praktische und sparsame Wirt-
I chaftsführung gegeben werden. Der Lehrgang, der in den Abendrunden stattfindet, damit Berufstätige daran teilnehmen können, chließt mit einer Prüfung ab, über deren Bestehen den Teilnehme, rinnen ein Zeugnis ausgestellt wird. Nähere Auskunft erteilt der „Rcichsverband der Beamtinnen und Fachlehrerinnen in -aus, Garten und Landwirtschaft*. Berlin NW. 6, Luisenstr. 31b.
Ausbildung von Gemelnd^chwestern. Der Kreisverband der Vaterländischen Frauenvereine in Plön macht darauf aufmerksam, daß er bereit ist, Damen zu Gemeindeschwestern auszubilden. Die Ausbildung dauert ein Jahr in einem Krankenhause mit abschließendem staatlichen Examen. Darauf erfolgt noch eine Ausbildung auf dem Kreiswohlfahrtsamt in Plön in sozialer Arbeit, % Jahr. Diese Ausbildung ist ftei, doch haben die Damen für ihren Lebensunterhalt und Wohnung selbst zu sorgen. Für das erste Jahr ist der Kreis bereit, bei völlig fteier Station A der Ausbildungskosten zu übernehmen gegen die Verpflichtung, 4 Jahre cm Kreise zu arbeiten. Würde dieser Kontrakt gebrochen, müßte eine Rückzahlung erfolgen, die nach den noch fehlenden Verpflichtunasjahren berechnet wird. Sollte keine Möglichkeit bestehen, die Schwester im Kreise Plön unter- zubringen, so müßte eine Vereinbarung mit ihr getroffen werden. Vorläufig ist dies aber nicht zu befürchten, da auch hier noch viele Stellen offen sind.
Die Schwestern werden in ihrer Besoldung den Schwestern vom Noten Kreuz gleichgestellt. Da ja bei durch den Kreis ausgebildeten
Schwestern keine Abgaben an ein Mutterhaus bestehen, so ist damit eine gesicherte Existenz geboten, zurzeit wäre der Betrag 4090 M pro Jahr und freie Station.
Wie viele junge Mädchen und Frauen haben im Kriege gern und wikli; ihre Kräfte in den Dienst der Krankenpflege gestellt. Es werden sich auch jetzt noch viele bereit finden, dem kranken Volke zur Gesundung zu verhelfen, um das aufzubauen, was der Unverstand zertrümmert hat. Es gibt keinen Beruf für eine Frau, der so echt weiblich wäre, wie der einer Gemeindeschwester. — Jede Auskunft erteilt dar Kreiswohlfahrtsamt in Plön.
Kleine Mitteilungen
Will<f)ri|t ffli BenilSira^en, {Jiirtotfl, et>«i ilri Stell,-nimchwelS. Lehroön»» Heimarbeit Frmtenaruvv? beS D-O. B.. Berit» W. PoiSbamet Stras-e 22b.
Angebote für Miterziehung. 494. A —1 -4 jähriges Mädchen <UB q i { e) wünscht kinderloses Ehepaar zur unentgeltlichen dauernden Ausnahme, evtl, späteren Adoption. 500. A —4 jährige» Kind möchte alleinstehende Dame dauernd bei sich auinehmen, unentgeltlich, evtl, zur späteren Adoption. 501. Gesundes 6—9 jährige» M ä dchen. möglich st Vollwaise, evgl.. aus guter Familie, wünscht kinderloses Ehepaar dauernd aufzunehmen, evtl später zu adoptieren; kein Entgelt: es kommen auch zwei Schwestern in Betracht. 504. 4—5 jähriger evgl. Knabe findet auf einem Gut in Mecklenburg liebevolle Aufnahme zur Miterziehung mit 4jährigem Sohn. Für Kleidung sind 100—150 M. zu zahlen. 439. 2jühr. Kindchen findet unentgeltliche Aufnahme auf d. Lande i. Ostpreußen. 393. 13 jähr. Mädchen findet auf dem Lande in Ostpreußen Aufnahme z. Miterziehung gegen geringe Pension
Gesuche für Miterziehung. 222. Für 13jährigen Knaben wird dringend Aufnahme zur unentgeltlichen Miterziehung gesucht. 228. Für gesunden 7jährigen Knaben wird unentgeltliche Mitcrziehung auf dem Lande gesucht. 231». Für 15jähr. Knaben aus guter Famtli- jOstern 1922 Untersekunda) wird in Nru-Strelitz Mecklenburg) oder in der Nähe für 1 Jahr Aufnahme in gutem Hause gesucht» gegen geringe Pension. 231b. Für 13jähr. Knaben, Obertertianer, au» guter Familie, wird Mitcrziehung auf dem Lande gesucht. — Außerdem liegen vermiedene Angebote vor von Adoption von Kindern — am liebsten Vollwaisen — im Alter von 1 bi» 10 Jahren.
Musikalischen und im Notenlesen gewandten Damen bietet sich erneut Gelegenheit für Heimarbeit. Es handelt sich um ein besonderes Notendruckverfahren, welches innerhalb acht bis zehn Wochen erlernt werden kann. Der Verlag behalt es sich vor, ob er n^ch vierzehn« tägiger Probezeit die unentgeltliche Ausbildung der betreffenden Dame fortsetzt, die ihr Aussicht auf laufend« Aufträge von Heimarbeit oder auch späterer fester Anstellung gibt. Während der Lehrzeit werden verwendbare Arbeiten zur Hälfte des festgesetzten Tarifs vergütet. Mit Rücksicht auf die notwendige Ausbildungszeit können leider nur Berliner Damen in Frage kommen. Da r» sich um eine sehr feine und genau auszuführende Arbeit handelt, raten wir nur Damen mit gesunden Augen zur Bewerbung.
Offizierswitwr mit erwachsener Tochter findet eine Stellung als Heimleiterin in einem Wirtschaftsbetrieb in Westpreußen, Hilfe für grobe Arbeiten vorhanden.
Kriegswltwe oder -waise. die in der Handweberei gut ausgebildet ist und sich mit Erfolg darin betätigt hot. wird für die Leitung und den Unterricht in der von einer Krieasfürforgestelle in Mitteldeutschland eingerichteten Handweberei gesucht. Ausführliche Bewerbungen an die Berufsabteilung erbeten.
5 Gebote
für die Inanspruchnahme der Stellenvermittlung des D. O. B.
1. Zahlen ver Einschreidegebühr von 6 M von Nichimiigliedern.
2. Einlegen de» erforderiichen Portos von Mitgliedern und Nichtmitgliedern.
8. Sofortige» Abmelden, sobald eine Stellung gefunden ist. dzw sobald eine Stellung besetzt ist
4 Genaue Angabe, ob der Fall durch unsere Dermittiung oder anderweitig erledigt ist.
v. Bon un» angegebene Adresien dürfen nicht weitergegeben werden.
