Seite 2 Nr. 1

Die deutsche Offizierfrau

1. Januar 1921

die Unterbringung müssen natürlich vollkommen übereinstimmende sein, beim L. V. ebenso wie bei den Ortsgruppen. Der L. V. hat sich dem Verfahren der Bundesleitung angeschlossen, eine Einschreibgebühr von 3 M. und die täglichen Kosten von 1 M. für jedes unentgeltlich unter­gebrachte Kind von den Eltern zu erbitten. Die Anmeldeformulare sind vom L. V. an die Ortsgruppen verteilt worden, so daß auch hierin voll­kommene Übereinstimmung herrscht.

Die Erfahrungen des L. V. vom vorigen Sommer waren im allge- meinen äußerst günstig. Die einzige Frage, die immer von neuem Schwierig- leiten bietet, ist die Frage der Bedürftigkeit. Besonders aus dem Ausland hörten wir verschiedentlich Klagen, daß die Kinder nach ihrem Aussehen und ihren Erzählungen nach gar nicht so bedürftig gewesen seien, als man erwartet habe. Und da» hat leider oft zur Folge gehabt, daß die be­treffenden Familien keine Kinder wieder zu sich einlaoen wollen. Meines Erachtens liegt hier die Schuld auf beiden Seiten. Im Ausland ist man sich gar nicht voll bewußt, daß nicht nur die bessere Verpflegung unseren Kindern fehlt» sondern, daß sehr wesentlich das seelische Moment mit­spricht. Wie tief empfinden unsere größeren Kinder, die unter dem schweren Druck, der auf uns allen lastet, herangewachsen sind, die Wohltat, einige Wochen sorglos unter freien glücklichen Menschen ver- bringen zu dürfen! Andererseits nehmen auch viele unserer Mitglieder nicht genügend Rücksicht auf Bedürftigere in dem Wunsch, ihre Kinder zu den Auslandsreisen anzumelden, weil sie die günstige Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollen, ihnen neue Eindrücke durch das Kennen­lernen fremder Länder zu verschaffen, die sich ihnen im späteren Leben kaum wieder bieten würde. Und dann schicken sie die Kinder hinaus in die Fremde, sehr gut ausgestattet, und im Ausland staunt man und kommt zu dem Schluß, daß die Not der deutschen Kinder doch zum niindesten stark übertrieben werde. Der L. B. möchte daher in diesem Sommer die Frage der Bedürftigkeit in den Vorder­grund stellen, und es ist infolgedessen nötig, daß die außerhalb Dresdens wohnenden Kinder durch ihre Ortsgruppe dem L. D. gemeldet werden und nicht die Familien der eine Erholungsfürsorge Suchenden sich direkt an diesen wenden. Der Ortsgruppe liegt es dann ob,' die näheren Verhältnisse in feinfühlender Weise zu prüfen.

Da die Güter in Sachsen meist besonders in den Ferienzeiten von Verwandten und Freunden stark besetzt sind, erscheint mir der Gedanke von Frau Volk, Stettin, äußerst glücklich, sich mit landwirtschaft­lichen Vereinen beizeiten in Verbindung zu setzen. Auch die mündliche Werbearbeit ist entschieden vorzuziehen, soweit sich dies ermöglichen läßt. Wir haben von unseren schriftlichen Werbeaufrufen trotz bei­gefügtem frankierten Briefumschlag ein Drittel überhaupt nicht zurück­bekommen.

Dem Vorschlag von der Ortsgruppe Küstrin, betreffend des auszufüllenden Verpflichtungsscheins und der Zahlung einer Entschädi­gungssumme, kann sich der L. V. Sachsen nicht anschließen. Wir haben auch im vorigen Jahre keine derartigen Erfahrungen gemacht, die eine solche Maßnahme rechtfertigen. Der L. B. Sachsen teilt die Meinung der Frau Gräfin Boudissin, bereits im Winter mit den Vorbereitungen für die Erholungsfürsorge zu beginnen, im vollsten Maße. Wir stehen bereits mitten in der segensreichen Vorarbeit, die hoffentlich recht vielen unserer Kinder im Sommer Freude und Ge­sundheit bringen soll. Fanny Fellmer, Dresden.

Eine Weihnachtsbefcherung für die noch in den Lazaretten von Berlin und Umgegend liegenden fchwerkranken Offiziere konnte dank der Opferwilligkeit von Mitgliedern und Freunden des D.v. B. die Frauenabteilung des Landesverbandes Groß- Berlin in großzügiger Weise veranstalten. Es kamen 43 schwer­verletzte, z. T. völlig alleinstehende Kameraden in Betracht, die mit Wäsche, Büchern aller Art, Wurstwaren, Kuchen, Süßigkeiten reich be­dacht werden konnten. In einigen Fällen, wo es besonders ange­bracht war, konnten auch zur Erfüllung besonderer Weihnachtswünsche Barmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Leiterinnen der Orts­gruppen überbrachten selbst die Pakete und hatten die Freude, auf- bauen zu können und ihre eigene Freude sich in den Augen der unter so vervielfacht traurigen Umständen da» Weihnachtsfest Begehenden widerspiegeln zu sehen.

Die Deutsche Kinderbllfe, Dolkssammlung für das notleidende Kind, ist in vollem Gange. Am 31. Januar wird die Sammlung ihren Ab­schluß finden. Die Richtlinien für die Verteilung der zusammen­gekommenen Gelder sind in Bearbeitung. Die Rot der Kinder in Kreisen des Offizier-Bundes ist groß, das wissen wir, die wir in der Kinderfürsorge der Frauengruppe arbeiten, nur zu gut. Äst es doch oft erschütternd, welche Unterernährung, welche Dürftigkeit an Klei­dung uns bekannt wird durch die Erholungsfürsorge des Deutschen Offizier-Bundes. Ein kurzer Landaufenthalt ist nur ein Lichtblick in dem kargen, knappen Alltagsleben: Stärkungsmittel, warme Winter- tleidung, Stiefel müssen beschafft werden, und woher? Die Kinder- hilf e, die ihre Zentralstelle in Berlin hat, hat auch Orts- und Kreis- ausschüsse gebildet. An diese sollten unsere Ortsgruppen bzw. Landes- verbände nicht versäumen, schon jetzt heranzutreten mit dem Antrag, bei der Verteilung der Gelder Berücksichtigung zu finden. Sind auch eigene Kinderfürsorgeeinrichtungen, wie Kinderheime, Erholungsheime, Horte usw. erst in geringer Zahl vorhanden, so wird doch durch die Einzelfürsorge unseres Bundes die Allgemeinheit erheblich entlastet. Der Versuch muß daher unbedingt gemacht werden, unserer Organi­sation, die für die Kinder dos geblldet-n Mittelstandes zu sorgen be­

strebt ist, aus den Sammelgvldern der Kinderhilfe einen Zuschuß zuzu­führen. Die Anschriften der Orts- oder Kreisausschüsse der Kinderhilfe sind gegebenenfalls durch die Wohlfahrtsämter zu erfragen.

Unsere Bestrebungen, für die Erzeugnisse ihrer Handfertigkeit unseren auf Erwerb angewiesenen Mitgliedern Absatzgebiete zu schaffen, zeitigten in der Zusammenarbeit mit der Deutschamerikanisthen Frouenhilfe (tzuarter Oolleotion) trotz der infolge Einfuhrschwierig­keiten nach Amerika bedingten Unterbrechung dieser Hilfsaktion, die uns leider zwang, letzthin vielen Einsendern absagen zu müssen, bis­her eine Einnahme von etwa

S4 000 M..

wovon 34 000 M. für Puppen, die übrige Summe für Handarbeiten gezahlt wurde. Obgleich auch die Auszahlung von Amerika sich ver­zögerte, hat die Frauengruppe allen Einsendern ihre Einnahme zu­geführt.

Bon den Restbeständen der durch Amerika nicht abgenommenen Sachen wurden beim Weihnachtsoerkauf der Bundesleitung für 26 500 M. abgesetzt. Was übrigblieb, geht den Damen erst dieser Tage zu, da die Sachen nicht dem Weihnachtsverkehr preisgegeoen werden sollten.

Neue Pläne werden verfolgt, wie weitergeholfen werden kann, künstlerische und praktische Handarbeiten zu verwerten; wir hoffen, daß sie im Interesse unserer Mitglieder erfolgreich sein mögen.

Die Ortsgruppen, welche Nähstuben oder Nähnachmltiage ein­gerichtet haben, bittet die Frauengruppe der Bundesleitung, Berichte über die Art und den Erfolg dieser Tätigkeit einsenden zu wol en, besonders sind auch Angaben erbeten über die Handhabung des Ein­kaufes der notwendigen Nähzutaten, wie Garn usw., aucy, ob Be­ziehungen zu besonders guten Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, oder ob ein Einkauf im großen durch die Frauengruppe der Bundes­leitung erwünscht erscheint.

Rtetne Mitteilungen

Anschrist für DerusSfrageu. Fürsorge ieder An. Stellennachweis. Lehrgänge Heimarbeit: Frauengrupve deS D. v. B., Äerlin W Potsdamer Strafte 22b.

Dortragskurse des Deutschen Offizier-Bundes. Auch an dieser Stelle sei auf die Vortragsreihen hingewiesen, die vom 7. Januar bis 16. Fe­bruar 1921 nachmittags der D. O. B. für feine gesamten Mitglieder veranstaltet. Für die Offiziersfrau und die Hinterbliebenen der ge­fallenen Kameraden seien besonders hervorgehoben die Reihen des Hof- und Dompredigers Liz. v. Döhring: Die Frau, ihre soziale Stellung in Familie und Beruf; Frl. Professor vr. Engel- Reimers abwechselnd mit Herrn Regierungsrat v. Blume: D i e W o h l - fahrtspflege, mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge: Or. Wenzel: Heimstätten und Siedlungsfragen; I)r. Dennert: Geld, Bank und Börse; l)r. Lautenbach: Steuer­sragen. Diese und alle weiteren Vortragsreihen vermitteln i^n Offiziersfrauen und deren Angehörigen die notwendigsten Kenntnisse von Staat und Verwaltung, ohne die auch die Frau sich in der heutigen Zeit nicht zurechtzufinden vermag. Jede Vortragsreihe umfaßt sechs Bortragsstunden, von denen jede wöchentlich einmal zu den bestimmten Zeiten abgehalten wird. Die Vortragenden werden bemüht fein, der Eigenart ihrer Hörer Rechnung zu tragen, um einem jeden, der an den Kursen teilnimmt, das zu geben, dessen er bedarf. Die the-ertischen

E ragen werden an praktischen Beispielen erörtert und dadurch das erständnis an Gesetzen und Verordnungen erzielt.

Hörergebühr für den Gesamtkursus (66 Stunden) 60 M.. für die Vortragsreihe <6 Stunden) 8 M. Lehrstätte Falk - Realgymnasium, Lützowstr. 84, Hof. Anmeldung und Auskunft im Sekretariat am Karls­bad 8 und in der Bundesgeschäftsstelle, Potsdamer Str. 22b.

Ein Wohltätigkeitsfest zum Besten der hilfsbedürftigen Witwen und Kinder des D. O. B. veranstaltet die Frauen­gruppe des Landssverbandes Groß-Berlin am 8. Januar, abends 7 Uhr, in den Räumen des Künstlerhauses, Berlin W . Bekleouestr. 3, in Form eines Gesellschaftsabends mit Tanz. Die Leiterinnen der verschiedenen Frauengruppen Groß-Berlins haben durch ein Büfett und Derkaufeftände für Kuchen und Rauchwerk die Verpflegung gegen mäßige Preise übernommen. Ein reger Besuch, auch von eingeführten Gästen, ist im Hinblick auf den guten Zweck sehr erwünscht. Der Vor­verkauf der Eintrittskarten (10 M. Mitglieder, 15 M. Gäste) findet vom 3. Januar an in der Geschäftsstelle des Landesverbandes Groß-Berlin, Berlin W., Genthiner Str. 13, Seiienfl., von 93 Uhr statt, ebenso sind in den Ortsgruppen und an der Abendkasse Karten zu haben.

Für Mitglieder des D. O. B. wird zu ermäßigten Preisen Vlolia- unterricht (Methode Moser-Joachim) von einem Mitglied der Orts­gruppe Charlottenburg erteitt. Anmeldungen an die Ortsgruppe Charlottenburg erbeten.

Damen, die Zeicheatalent haben, können dies beim Skizzieren von Landschaften für eine Berliner Filmgesellschaft verwerten. Näheres durch die Berufsabteilung.

Für eine Haushaltungsschule im Waldeckschen wird zur Erteilung von Handarbeitsunterricht eine Dame, die auch gewandt im Ausbessern und Flicken ist, gesucht. Die Berufsabteilung gibt über diese viel­leicht für manche Offizierswitwe sehr geeignete Stellung Auskunft.