Seite 55 — Nr. 28
Die deutsche Offizierfrau
1. Oktober 1921
zu den Fahnen drängte, nicht minder groß das freiwillige Frauen- hilfskorxs, Las in wenigen Lagen sich selbst organisierte und sich im Laufe der Kriegszeit im Interesse des Staates wie in der Fürsorgetätigkeit nach allen Richtungen hin ausbaute. Hat der Verfasser nie etwas gehört von dem Wirken des nationalen Frauendienstes, ist er blind vorübergegangen an der gewaltigen Organisation des Vaterländischen Frauenvereins? Wesien Verdienst war es, daß den SoDaten in Feld und Heimat Heime gesckMffen wurden, in denen sie Stunden der inneren Ruhe, der Erheiterung, der geistigen und körperlichen Pflege fanden? Und wie für die Frontkämpfer gesorgt wurde, so trat die Frau auch für ihre Mitschwester ein, so schaffte die Frau der befleren Stände in Zentralküchen, in Heimen ur^> Kinderhorten für di« berufstätige, insb^ondere für die körperlich arbeitende Frau, sie vor der Verflachung uno schlechten Einflüssen zu schützen und ihr die häuslichen Sorgen abzunehmen. Wie manche stille Liebesarbeit hat sich nie an das Licht der Öffentlichkeit gedrängt und trug doch dazu bei, Wunden zu heilen und Lebenskräfte, di« am Verlöschen waren, aufzurichten! Geradezu unentbehrlich war die Frau auf dem Gebiet der Krankenpflege. Auch durch unlautere Element« kann das Andenken der deutschen Krankenschwester nicht verunglimpft werden, die todesmutig in Heimat und Feld, wie in den Kolonien unter unsäglichen Strapazen ihrer schweren Aufgabe gerecht wurde. Die wirkliche Be- geistcrung, der Idealismus der Arbeit, die der Frau so gänzlich ab- aesprochen werden, waren die Triebfeder, nicht das Streben nach persönlichen Vortellen. Es gehört eine große Unsachlichkeit dazu, in einem Werk, das umfassend den Krieg in Feld und Heimat behandeln soll, an der Arbeit der deutschen Frau vorüberzugehen: sie aber derartig zu kenn- eichnen, wie Oberst Bauer es tut, heißt einer großen, ruhmreich ämpfenden Armee di« Ehre abschneiden!
Auch das schnelle Umstellen der Frau auf Männerarbeit ist nicht als wertlos anzusprechen. In den Berufen als Straßenbahnführer. Schaffner, Postbote und ähnlichen hat gerade die Frau aus dem Volke trotz ihrer körperlichen Ungeeignetheit Lücken gefüllt, die dem täglichen Verkehr sehr empfindlich geworden wären. Die Folgerung, daß die Notwendigkeit, Frauen in einigermaßen selbständige Stellungen zu bringen, ein Stocken im Gesinnt Organismus bewirkt habe, ist daher geradezu unlogisch. Auch die Leistungen der Landwirts- und der Geschäftsfrau dürfen nicht unerwähnt bleiben. Der Geschäftsverkehr mit Männern, die nicht selten die Unkenntnis der Frau in geschäftlichen Dingen ausbeuteten, und die Aufrechterhaitung der Betriebe neben dem Beruf als Hausfrau und Mutter mag mancher Frau bitter schwer geworden sein, aber größtenteils hat sie sich durchgesetzt und Landwirt- Aast. Handel und Industrie wertvolle Dienste geleistet. Noch viele Beispiele tießen sich anführen, die der Frau zum Lobe gere-chten. Mögen diese wenigen genügen, die Arbeit in das rechte Licht zu rücken, die keine Ruhmes- und Siegestage kennt, die aber' in ihrer selbstlosen Stetigkeit die Vorbedingung für das große Geschehen rm Felde wurde. Manche Frau mag zusammengebrochen sein, wenn der schwere Sch-ckscüsschlag kam, der den Lebensweg einsam machte und die Hoffnung, die schwere Last dereinst wieder auf die stärkeren Schultern des Mannes leeen zu können, für immer vernichtete. Schon für die heiwkehrenden Männ«r bedeutete es ein bitteres Muß, sich durch die Trümmer, die die Revolution schuf, einen neuen Weg zu bahnen. Wieviel schwerer wurde di« Frau oetroffen, die das Liebste opfert« und, der Stütze und Fürsorge ihres Mannes beraubt, sich so plötzlich vor den wirtschaftlichen Kampf gestellt sah! Es ist geradezu erstaunlich, mit welch selbstverständlicher Tapferkeit und Würde die große Mehrzahl der Frauen die schwere Last auf sich nahm und wie das eiserne Wollen das Können höher und höher entwickelte. Keine Ehrentafel, keine dickleibigen Heldengeschichten künden der Nachwelt den Ruhm der deutschen Frau. Aber ein unsichtbares Denkmal gebührt ihr im Herzen oller, für die sie litt und arbeitete, und der Dank derer, die über die Selbstgerechtigkeit hinaus jede ernst? Arbeit zu schätzen wissen. Und die ernst« Arbeit der Frau kommt nicht nur ihr selbst zugute. Wir leben in einer Zeit des krasiesten Materialismus, der unser Volk mehr und mchr dem sittlichen Verfall zuführt. Da darf es nicht heißen „die Hoffnung auf die Frau ist die Bankerotterklärung des Mannes", sondern da müssen sich alle nationalen Kräfte, Männer rot« Fronen, zusammen- schließen, um, jeder nach seiner Eigenart, dem deutschen Volke und besonders der deutschen Jugend zu einer besseren Zeit zu verhelfen; denn „dunkel ist Deutschlands Zukunft, freudlos die Gegenwart: der Rest ist Arbeit!" T. Sarin g.
kinlSrdliSdsnSnvSrsorgung
Don der Ortsgruppe Ansbach ging uns nachstehender Protest zu:
Hinterbliebenenversorgung. Unter dieser Überschrift in Nr. 27 der Deutschen Offizierfrou, Beiblatt zum Deutschen Offizier- blatt, erschien ein Artikel, gezeichnet E. H., gegen dessen Ende folgende Satze zu lesen sind: „Bei denjenigen Witwen, die noch nicht nach dem PEG. umgerechnet worden sind, wird zukünftig diese erhöhte Teuerungszulage schon bei der Berechnung berücksichtigt werden. Die anderen 5090, di« schon umgerechnet sind, müssen nun warten, bis alle 12 000 umgerechnet sein werden Dafür haben sie den Vorzug, bei der Umrechnung die ersten gewesen zu sein." Für den Fall, daß Äcser Schlußsatz nicht ironisch aufzufassen ist. müßten wir gegen eine solche Ansclionung energisch protestieren. Tenn erstens wird der erhaltene Vorschuß me-sienL für restierende Schulden und laufende Zwecke schon verwendet
worden sein, und zweitens nuisten wir uns fragen, welchen Grund eigentlich die Erhöhung des Teuerungszuschusses hat. Doch wohl den, die Anschaffung der Wintervorräte bei den unerschwinglichen Preisen zu erleichtern. Er hat also nur dann den beabsichtigten Erfolg, wenn er rechtzeitig, d. i. mit Beginn des Ankaufes der erwähnten Vorräte, ausbezahlt wird. Sonst müßten eben diejenigen, di« noch einige Wert» papiere besitzen, diese unter großem Kursverlust an den Mann bringen, oder diejenigen, welche nicht in der glücklichen Lage sind, solche zu besitzen, von der Aussicht leben, in 14 bis 1 Jahr die Erhöhung des Teuerungszvschlaqes ausbezahlt zu erhalten. Mit dieser Aussicht aber bekommt man keine Wintervorräte. Auf diese Erhöhung haben nach dem Wortlaut der Z 41 der Ausführungsbestimmungen zum P.E. G. die Pensionisten und Hinterbliebenen ohne weiteres gesetzlichen Anspruch, aber auch auf deren sofortige Auszahlung, um fo mehr, als sie den aktiven Beamten und Offizieren, die sich doch in weit besieren Verhält- nisten befinden, bereits geleistet wird, und der Teuerungszufchlaq der Pensionisten nur die Hälfte desjenigen der aktiven Beamten und Offiziere beträgt.
Es wird also Pflicht des D. O. B. fein, mit allen Mitteln dahin z» wirken, daß allen Pensionisten, Witwen und Hinterbliebenen diese Erhöhung sofort ausbezahlt wird. Man wendet vielleicht dagegen ein, daß die Berechnung dieser Erhöhung zu viele Echwieriakeiten auf Koste« derer, die überhaupt noch nicht anerkannt worden sind, machen wür4e. Dem könnten wir aber nicht beipflichten, weil d^ese Berechnung mit Leichtigkeit von den Zahlstellen, den Versorgunqsämtern vorgenommen werden könnte, wenn ihnen das vorläufig errechnte Grundgehalt, der Ortszuschlag und Kinderzuschlag mitgeteilt wird.
Kleine Mitteilungen
Anichrift filt LerusS,ragen, Fiiriorge ieöet Sltt Stellennachweis. Sefcct&cfe, Heimarbeit Fr«u«enartivve des D. O. B. Berlin Li. PatSdamer Strape 2kfr.
Nnterstützungsauträge nur durch die Ortsgruppen! Die Frauengruppe der Bundeslsitung muß Zeit- und Portoersparnis halber dringend darauf Hinweisen, daß alle Unterstützungsanträge durch die Ortsgruppen an die Bundesleitung einzüsinden sind, und zwar unter genauer Ausfüllung des Fragebogens für weibliche Mitglieder mit Stellungnahme der Ortsgruppe. Unmittelbar bei der Bundesleitunq von Mitgliedern eingesandte Anträge werden stets der zuständigen Ortsgruppe zurückxesandt. von dieser ohne Fragebogen einaehende Fälle desgleichen. Wir bitten darum im Interesse des Antragstellers, den richtigen Weg innezuhalten.
Heimarbeitrverm'ttlnug. Durchreisende und Großberliner Mitglieder, die persönlich Rückivracbe mit Frau Genera! Stadtixmen nehmen wollen, die ab 1 September die Heim- und Handarbeit». Vermittlung der Bundesgeschäftsstelle übernommen hat, werden gebeten, sich an die Sprechstunden, Montag. Dienstag und Donnerstag von 9 bis 3 Uhr halten zu wollen. Der vielen auswärtigen Besprechungen halber ist ein Antreffen an anderen Tagen unsicher.
Büroarbeit auch für Damen ohne Borkcnntniste — im Alter bi» Mitte 30 —, die Interesse für literarische und volkswirtschaftliche Fragen haben, bietet sich bei einer Gesellschaft in Süddeutschland. Bedingung für die Erlangung einer Dauerstellung ist die Übernahme jeder Art von Büroarbeit, großer Fleiß, unbedingte Zuverlässigkeit, An- pastungsfähigkeit, sowie ein hoher Grad von Intelligenz. Bei entsprechender Eignung kommt später auch selbständige Tötiakeit in Frage. Gewährt w'rd freie Wohnung im Beomtenhaus der Gesellschaft. frei« Station und ein den Leistungen entsprechendes Gehalt. Ausführlich« Bewerbungen unter Beifügung von Lebenslauf und Zeugnisabfchriflea an die Berufsabteilung erbeten.
Auslands-Üherfeestcllen für Sekretärinnen. Die Berufsabteiiun; bittet um Meldungen von Offizierstöchtern, die gut stenographieren, Maschine schreiben und über französische und englische Sprachkenntnist« verfügen und bereit wären sich für drei Jahre für das Ausland z« verpflichten. Gewährt wird freie Ausreise und freie Rückreffe, wenn der dreijährige Vertrag eingehalten wird. Gehalt den dortigen Ver» hältnisten entsprechend. Familienanschluß in deutschen Familien.
Berichtigung. Das Gel>alt für die in Nr 54 von uns bekannt- gegebene Stellung einer Erzieherin in Athen beträgt nicht 200 wie wir anqaben, sondern 800 M. in deutschem Gelde. Wir bitten um weiter« Meldungen für die uns sehr empfohlene Stellung. Berufsabteilung.
Heimleiterin, die Kenntnisse in der Landwirtschaft hat. für ei« Erholungsheim berufstätiger Damen im Harz für sofort gesucht. Eingehende Bewerbungen sind zu richten an die Berufsabteilung.
Gemeinsame Haushaltsführung für ein Mitglied, Witwe eines Obersten, wird möglichst in Berlin gesucht. Auskunft erteilt die Berufs- abteilung.
Dame, die vorzüglich schneidert und ihre Kenntnisse versteht lehrend weiterzugeben, wird vom Verband landwirtschaftlicher Hausfrauen- vsrsinc nach Pommern gesucht. Die Dame würde Lehrgänge in verschiedenen kleinen Städten abhalten, Reiscspesen ersetzt und 500 bis 600 M. monatliches Gehalt. bekommen. Die Berufsabteilung nimmt Meldungen entgegen.

