28. Irüt 1886.
Msrgrnblatt -er Fraukfurtir
■
begeben.
Das hiesige Gewerbe klagt bitter über die
■
■;
■
' •£<
■ ■
: eint
■
■
wi' 4
an der Seite
V.
s*
I
r'i
E
So mtb
am
Nack Les auß fiat
f
Mi
3
H
®:e Kommiffäre reisten am Freitag nach Glasgow ab und die Polizei kehrte nach ihren Stationen zurück. Gegenwärtig jubi- liren die CrosterS, daß sie die Eindringlinge zurückgeschlagen haben. Wie man sagt, versehen sie sich in Erwartung eines ernsteren Angriffs mit solchen Waffen, wie sie ihnen die Insel liefert. Das Truppenschiff .Asfistance" ist mit 125 Mann nach Tiree abgesegelt. Jeder Soldat ist mit 100 Patronen ausgerüstet, und die ganze Kolonne ist mit Zelten u. s. w. versehen, um im Freien kampiren zu können.
E-. der I der l dar f. Da | pn!
uni mit t eün !■' rin
frankfurter Angelegenhetten.
Frankfurt, 27. Juli. Vom Tage.
* Der Ausschuß des deutschen Ruderverbandes, welcher seinen Sitz in Hamburg hat, lehnte es ab, die Frankfurter R n d e r g e s e l l f dj a ft „Rother Stern' in den Verband aufzunehmen, weil derselbe noch zu kurze Zeit bestehe. Der „Rothe Stern" kann deshalb — schreibt die „Kl. Pr." — nicht an der Germania-Regatta theilnehmen, weil nur Verbandsver» eine an Regatten, welche von Verbandsvereinen abgehalten wer« den, theilnehmen können, — DaS WettfahrcomitL der G e r m a« nia-Regatta hat beschlossen, keine Vorrennen abzuhalten, da der Wasserstand ein sehr günstiger ist. Es werden also im Senior-Skiffrennen alle sechs Boote gleichzeitig starten.
* Der Verwaltuugsrath des P a l m e n g ar t e n s bittet die Aktionäre und Abonnenten, sich beim Besuche des Gartens durch Vorzeigen der Karten auszuweisen. Die Portiers find andernfalls angewiesen, den Besuch ohne genügenden Ausweis zu wehren, — Vor Kurzem wurden durch das hiesige französisch« Konsulat detaillirte Erkundigungen über die hiesige Fortbildungsschule von der 8 o c i ä t ä philomatique de Bordeaux eingezogen. Nunmehr hat diese Gesellschaft, welche sich u. A. die Förderung des technischen, kommerziellen und indu- strielleii Unterrichts angelegen sein läßt, den Dirigenten der Fortbildungsschule in schmeichelhaftester Weis« zu dem internationalen Kongreffe «ingeladen, welcher am 20. Sept. b. Js. in Bordeaux abgehalten und wo die technische Unt«rrichtsftage nach einem bestimmten Programm behandelt werden soll. Der hiesige Verein für Verbreitung von Volksbildung wird dem Wunsche der philomatischen Gesellschaft nicht entsprechen können, da ihm dazu keine Mittel zur Verfügung stehen.
. Ro s seid £ nai B Nc, E.' bon ? Lok I Sä | Te zuu l- mit sink fc Sri fe toui | Di ff. Sa dies
- He L in | der I' der X geri I vor
„A M vor I teil E crc
"Doi nutz 8m
,nor gew ist, Mit
■
Verfügung der französischen Regierung, wonach Waaren, die den Stempel, die Marke oder die einfache Bezeichnung einer französischen Firma tragen, nicht nach Frankreich cingesührt werden dürfen. Es wurden an der Grenze massenhaft Cartonnage?, Parfiimeriewaaren, Strohhüte, Ma- schinentheile, Nähmaschinen, Fayence, Drucksachen re. zurückgewiesen, die im Auftrage von französischen Häusern auf deutschem Gebiete hergestelit worden waren. Und doch liegt in einem solchen Falle kein Verstoß gegen irgend welches sittliche Gesetz vor: dem französischen Fabrikanten soll frei stehen, seine Waare da sabriziren und mit seinem Zeichen versehen zu lassen, wo er es für gut oder Vortheilhast hält. Solche Fälle sind absolut nicht identisch mit dem unbefugten Gebrauche oder Nachahmen einer Marke, eines Firmenzeichens rc. Die ftanzösische Verfügung ist ein grober Verstoß gegen die Gewerbefreiheit, und wird hier, wie gesagt, lebhaft empfunden. Auch in Nancy und anderen Grenzstädten, die mit Elsaß-Lothringen in lebhaftem Verkehr stehen, hört man viel klagen. — Die „C o l- marer Zeitung'" weist aus eine neue französische Grrnzplackerci hin. Von jedem Reisenden, der per Wagen ou§ dem Elsaß nach Frankreich fährt, wird an der Grenze ein Weggeld von 2 Fr. erhoben; diese unerklärliche Bestimmung trifft in gegenwärtiger Jahreszeit namentlich die Touristen, die aus dem Münsterthal über die „Schlucht" nach Gerardiner und den französischen Seen fahren.
Delslen.
* Brüssel, 26. Juli. In La Louviere Saint- Vaast, einem der wichtigsten Fabrikbezirke des Landes, veranstalteten gestern 32 Arbeitervereine eine großartige Demonstration vor dem Stadthause, wo die industrielle Enquetekommission tagte. 8000 Arbeiter nahmen an dem Zuge theil und am Abend fanden Versammlungen statt, in denen die Forderung wegen Verleihung des allgemeinen Wahlrechts ausgestellt wurde. Vor der Kommission Verlangten die Arbeiter eiumüthig obligatorischen Unterricht, Vermehrung dcr Volksschulen, Gesetze zur Regelung der Arbeit und gegen die Trunksucht, sowie Haushaltungs- und Lehrlingsschu'en.
Grotzbritnnnieir.
* London, 26. Juli. Die Unruhen unter den Klein- baitern (crofters) auf der schottische nJnselTiree scheinen bedenkliche Ausdehnung anzunehmen. Ter Versuch, den Streit zwischen den Grundherren und den Crofters auf gütliche Weise beizulegen, ist mißglückt und man ist daher zu Gewaltmaßregeln geschritten. Die dorthin gesandten Polizei - Constabler und die Kommisiäre verbrachten die Nacht zum Donnerstag in dem Searinisher Gasthause, welches während der ganzen Zeit von einer Abtheilung Crofters überwacht wurde, damit nicht in der Dunkelheit Pachtkündigungen oder gerichtliche Vorladungen abgegeben werden könnten. Am Donnerstag hielten die Crofters ein von etwa 1200 Personen besuchtes Massenmeeting in der Nähe von Scarinish, in dem eine Resolution zur Annahme gelangte, welche die Polizei ersuchte, sich io schnell als möglich von der Insel zu entfernen, wenn sie unliebsame Folgen zu vermeiden wünsche. Am Schluffe des Meetings marschirten 800 Mann unter Führung von zwei Pfeifern nach dem Gasthause, um die Resolution abzuliefern. Sie umringten das Haus, schwangen ihre Knüttel, und erfüllten die Lust mit ihrem Geschrei. Sie forderten die Polizei zum Kampfe heraus, aber diese wurde vorsichtig im Hause gehalten. Der Pöbel lärmte vor den Thüren etwa eine Stunde lang. Einer der Grosser rief aus, daß, wenn sie erst ein eigenes Parlament hätten, es keiner Polizei ober einem Rechtsgelehrten gestattet sein würde, seinen Fuß auf die Insel zu setzen. Am Donnerstag Nachmittag kehrte der Dampfer „Nigel" von Tobermory zurück, und als sich der Sturm etwas gelegt hatte, wurden die Konstabler und die Kommisiäre eingeschifft.
■ |
Gerichts-ettung.
§ Würzburg, 26. Juli. Die schwebenden Preßpro« zesse kommen in dieser Schwurgerichtssitzung nicht mehr zur Verhandlung. Aus einer heute gethan en Aeußerung des Präsidenten, OberlandeSgerichtsrath Braun, geht hervor, daß die Session bereits am Mittwoch ihren Abschluß findet, eine Verweisung von Preßsündern bis zu diesem Termin ist jedoch nicht erfolgt. Ein in der Praxis bet Geschworenen-Gerichte selten dagewesener Wahrspruch macht hier viel von sich reden. Das Schwurgericht verhandelte dieser Tage gegen den Armenkasse-Kassier Adam Bieber von B r Ü n n bei Münnerstadt, der nach der Anklage JC 66.04 unterschlagen haben sollte. Die Geschworenen bejahten bei ihrer ersten Berathung die Schuld- frdfle (der Verwendung der Geldep für sich) mit dem die Bejahung unzweifelhaft verneinenden Zusätze: „jedoch nicht in der Absicht, die Gelder zu unterschlagen." Der Vertheidiger, Herr Hoftath Dr. Full, stellte hierauf den Antrag, das Gericht möge auf Grund dieses Wahrspruches das Urtheil fällen — letzteres hätte bann freisprechend lauten müssen. Der Gerichtshof beschloß jedoch nochmalige Berathung der Geschworenen, die bann zu dem rein bejahenden Verdikt tarnen, das eine Vernrtheilung des Angeklagten zur Folge haben mußte und auch hatte. Der Verurtheilte wird nun die RevifionSbeschwerde zum Reichsgericht ergreifen.
* Paris, 26. Juli. Vor dem Zuchtpolizeigerichte zu D i e p p e hatte sich gestern der Abbt Suard, Geistlicher der Diözese von Amiens und als Hauslehrer bei Hrn. de Valiconrt daselbst angestellt, wegen auf der Kanzel begangener B e l e i b i fti ung ber Behörden zu verantworten. Er hatte am Pfingstsonntag in der Kirche zu Treport eine Predigt Über den christlichen Muth gehalten und bei diesem Anlaß da« von der Kammer gegen die Prinzen erlassene Verbannungsgesetz lebhaft getadelt. Der Angeklagte räumte einen Theil der ihm durch biß Zeugenaussagen zur Last gelegten Aeußerungen ein und suchte sich durch die Erklärung zu rechtfertigen, .er habe nicht die nöthigt Erfahrung im Predigen und habe daher, vom Pfarrer von Treport zu einem Kanzelvortrag aufgefördert, eine ältere Predigt Über den christlichen Muth auswendig gelernt, sei dann aber steckengeblieben und habe mm, um Stoff zum Weiterreden zu haben, einige Sätze aus Zeitungsartikeln der letzten Tage Über die Prinzenfrage aus der Erinnerung hergesagt, ohne sich viel dabei zu denken. Das Gericht verurtheilte den Abbe in Berücksichtigung seines harmlosen Charakters zu 300 Fr. Geldbuße. ____
Vermischtes.
* Berlin, 26. Juli. Der erste VerbandStaa deutscher Korbmacher-Innungen nahm heute seinen Anfang. ES wurde für Bewerbung um Korporationsrechte für den Verband plaidirt und Resolutionen gegen Hausirhandel und Gefängniß- arbeit gefaßt. — Der wegen LandesverrathS verhaftete Lieutenant a. D. v. Hartung hat, wie die Geneealinspektion
Der Freiberger Sosialrsten-Prozeß.
(Nachmittagsverhandlung des ersten Tages.)
0 Freiberg, 26. Juli.
Nach einer Mittagspause stellte Oberstaatsanwalt Schwabe den Antrag, der Vollständigkeit wegen das Protokoll des Kopenhagener Kongresses zu verlesen, wogegen Gerichtshof und Vertheidiger nichts einzuwenden hatten. Nach der Verlesung bemerkt Bebel, daß das Protokoll eine Reihe entlastender Punkte enthalte, wenn man daffelbe rein sachlich und nicht tendenziös betrachte; er hält für wichtig, darauf aufmerksam zu machen, daß der Staatsanwaltschaft sämmtliches Anklagematerial erst durch die Veröffentlichungen der sozialdemokratischenPartei zugänglich gemacht sei; ohne diese Veröffentlichungen würde die Anklagebehörde überhaupt kein Anklagematerial besitzen. Gerichtsprä sideut:Wie kam es, Herr Bebel, daß der Vertreter des „Sozialdemokrat", ohne Delegirter zu sein, Zutritt zum Kongreß hatte 3 — Bebel: Das war ein Akt der Gerechtigkeit. Der „Sozialdemokrat" ist Organ bet Partei; da es sich der Kongreß nicht nehmen ließ, über die Haltung des „Sozialdemokrat" sich event, ouszulaffen, mußte man einem Vertreter desselben, welcher ja ganz selbstverständlich Parteigenosse war, Zutritt zu den Verhandlungen gewähren. Auf Gefragen erklärt Bebel ferner, man habe aus leicht begreiflichen Gründen aus dem Kopenhagener Kongreß- Protokoll die Namen der Redner fortgelaffen, auch sei der Inhalt gedrängt und deshalb stellenweise etwas unklar, im Uebri- gen gebe das Protokoll jedoch dem Sinne nach wahrheitsgemäß ein Bild der Verhandlungen.
In einer alten Nummer des „Sozialdemokrat" spricht sich ein kurzer Artikel für Schaffung eine: Organisation au5; Bebel bemerkt, der Artikel sei kein offizieller, sondern gehe augenscheinlich von einem Parteigenossen aus, dessen Privatmeinung er ausspreche. Von anderer Seite habe man im „Sozialdemokrat" für das gerade Gegentheil plaidirt.
Im selben Artikel ist von einem .Losungswortausgeben" die Rede. Bebel weiß Ächt, was der Schreiber sich unter diesem Ausdruck vorgestellt. Ein „Losungswort", zum Losschlagen etwa, könne wohl im Hirn eines Most, aber nicht in dem eines Sozialdemokraten entstehen. Bebel hält für nothwendig, den Wunsch auszusprechen, daß Artikel aus dem „Sozialdemokrat" im Zusammenhänge vorgelesen würden. Die Ver- fafier der einzelnen Artikel könne er wohl vermuthen, aber nicht mit Bestimmtheit bezeichnen. Der Artikel wird in größerer Vollständigkeit nach den Angaben Bebel's vorgelesen.
Es heißt darin, daß das Sozialistengesetz eine Aenderung der Organisation nothwendig gemacht habean einem Orte sei dieselbe lose, an einem andern je nach Nothwendigkeit und Möglichkeit, straffer. Das wiffe die Polizei und könne es wiffen, beim dieser Organisation könne die Polizei nichts anhaben. Die Organisation sei eine vollständig gesetzmäßige, doch es könne mit der Zeit anders kommen. An er hebt hervor, daß der an- gezogene Artikel sich ausschließlich auf Leipziger Verhältnisse beziehe und durch einen Artikel der amtlichen „Leipziger Ztg." veranlaßt sei.
Es soll hierauf der Auszug einer Rede, die der Angeklagte v. VoIlmar im Reichstage gehalten hat, zur Verlesung gelangen. Dem widerspricht Rechtsanwalt Frehtag, da nach der Verfassung Reichstagsreden nicht zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden könnten und also auch hier nicht zu Belastungsmaterial gestempelt werden dürften. Der Gerichtspräsident macht darauf aufmerksam, daß nach reichsgerichtlichem Urtheil der Verlesung der Rede nichts entgegenstehe. Da Oberstaatsanwalt Schwabe, welcher den Antrag der Verlesung stellte, bei diesem bleibt, zieht sich der Gerichtshof zur Berathung zurück und beschließt, die Rede zur Verlesung zu bringen, von Vollmar bemerkt, bei ihm stehe die Rechtsanschauung fest; daß er über das, was er im Reichstage gesagt, Niemand Rechenschaft schuldig sei, doch müsse er unter dem Druck der Verhältnisse von dieser Anschauung hier absehen. Ans dem Whdener Kvngreßprotokoll wirb dann als belastend die Stelle angeführt, welche erwähnt, daß die vom Sozialistengesetz zerrissenen Fäden toiAer angeknüpst seien. Bebel 'führt aus, daß sich diese Bemerkung auf die Reichstagswahlagitation bezogen habe.
Im Lause bet Verhandlungen werden noch eine Reihe Artikel- sätze namentlich aus dem „Sozialdemokrat" vorgelesen, in denen das Wort „ Organisation" vorkommt. In diesen Artikeln wird eine Organisation von Mund zu Mund , von Geist zu Geist empfohlen, das Bestehen eines festen Vereinsbundes geht anscheinend nicht daraus hervor. In mehrfachen Ausführungen erläutert Bebel diese Tendenz der Artikel und betont namentlich, daß diese Organisation sich nur auf Betreibung der Reichstagswahl beziehe und eine andere als solche „Organisation" habe man den Sozialdemokraten noch nie nachweisen können. Auer bemerkt im Wesentlichen, in Uebereinstimmung hiermit, daß man eine Verbindung ja absolut nicht läugne, aber diese in rein persönlichem Verkehr verstehe; ein Verband, wie die Anklage behaupte, bestehe nicht.
Interessant ist die Mittheilung, welche Bebel im ferneren Verlauf machte, daß nämlich die Berliner Polizei jetzt den Ausge- wieseneu keine Legitimation, aus der die Ausweisung hervorgehe, mehr ausstelle, nachdem sie erfahren, daß auf Grund dieser Legitimation der AuSgewiesene von Genoffen an anderen Orten event. Unterstützung erhalte. Man wolle eben durch die Ausweisung die Existenz der Person ruiniten. Seit dieses ermittelt, werde den Ausgewiesenen eine von sozialdemokratischen Abgeordneten unterschriebene Karte ausgehändigt, auf Grund welcher er von den Genossen event, unterstützt werde.
Der Gerichtspräsident wünscht Aufschluß darüber, wie H a s s e 1 m a u n aus einer Partei ausgeschlossen werden konnte, die angeblich nur in derGesinnungsverwanbt- schask bestehe. Auer und Bebel weisen daraus hin, die
sperrigen Güter zu streichen. Die Motivimng, daß die Lindenberger Strohhutindufirie bei diesen hohen Frachtsätzen gegenüber der norddeutschen Konkurrenz einen sehr schweren Stand habe, kann ebenfalls nicht als zutteffend erachtet werden, weil die in Norddeutschland zum Versandt kommenden Strohhüte in gleicher Weise dem Sperrigkeitszuschlag unterliegen und die gleiche hohe Fracht zu zahlen haben, wie die Lindenberger Sendungen; e8 möchte somit die Schwierigkeit der Konkurrenz in anderen Ursachen zu suchen sein. Die nämlichen Gründe sprechen auch gegen den weiter vorgebrachten Wunsch, daß die Eilguttaxen für Strohhüte ermäßigt werden sollen. Das Bedürfniß hierzu liegt in keiner Weife vor, und es vermag deshalb nicht in Aussicht genommen werden, für den genannten Artikel eine ermäßigte Eil- gutklaffe zu schaffen."
Straßburg, 26. Juli. Der erste altdeutsche Bürgermeister im Reichslande ist ernannt, und zwar in Straßburg selbst. Chronologisch ist es genau so zngegangen wie in der letzten hierseitigen Korrespondenz vorhergesagt; zuerst wurde Bezirkspräsident Back als Landesbeamter zur Disposition gestellt und dann durch kaiserl. Erlaß zum Bürgermeister der Stadt Straßburg ernannt. Das Gesetz bestimmt, daß der Bürgermeister ans der Zahl der Mitglieder des Gemeinderaths zu ernennen ist. Diese Voraussetzung trifft bei t. Back zu und wenn er auch in den Augen eines großen heiles der einheimischen Bevölkerung nur als der Erwählte der deuffchen Sektion betrachtet wird, so ist ihr ein solcher Bürgermeister doch viel lieber als ein Bürgermeistereiverwalter, den die Regierung kommiffarisch anstellt, zudem H. Back wegen {einer Leutseligkeit, seiner Energie und seiner administrativen Geschicklichkeit persönlich in hohem Ansehen steht. Der neue Gemeinderath tritt am nächsten Donnerstag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Kurz daraus werden die Beigeordneten ernannt werden ebenfalls durch kaiserlichen Erlaß. — Gestern und vorgestern weilte in unserer Stadt, wo er im Hotel zur Stadt Paris Absteigequartier genommen hatte, der ungarische Kultttsminister von T res ort. — Ein anderer Minister, H. Depretis, paffirie gestern Altmünsterot und Mülhausen, um sich nach dem französischen Vogesenbad Contrexeville zu
„Heidelberg ist ja selbst eine prächtige Romantik; da umschlingt der Frühling Haus und Hof und alles Gewöhnliche mit Leben und Blumen, und erzählen Blumen und Wälder ein wunderbares Märchen der Vorzeit, als gäbe es nichts Gemeines auf der Welt." Und von Ludwig Tieck eine Stelle aus dem „Phantasus" r „Es fehlt unserer Zeit, so sehr sie die Natur sucht, eben der Sinn für Natur, denn nicht allein diese regelmäßigen Gärten, die dem jetzigen Geschmack zuwider sind, bekehrt man zum Romanftschen, fonbent auch wahrhaft romantische Wildniffe werden verfolgt und zur Regel und Verfassung der neuen Gartenkunst erzogen. So mar ehemals um die große wundervolle Heidelberger Schloßruine eine so grüne, frische, poetische und wilde Einsamkeit, die so schön mit den verfallenen Thürmen, dm großen Höfen und der herrlichm Natur umher in Harmonie stand, daß sie auf das Gemüth ebenso wie ein vollendetes Gedicht aus dem Mittelalter wirkte; ich war so mtzückt über diesm einzigen Fleck unserer deutschm Erde, daß das grünende Bild seit Jahren meiner Phantafie vorschwebte, aber vor einiger Zeit fand ich auch hier eine Art von Park wieder, der zwar den Wandelnden manchen fchönen Platz und manche Aussicht gönnt, der auf bequemen Pfaden zu Stellen führt, die man vormals nur mit Gefahr erklettern konnte, der felbst erlaubt, Erfrifchungen an anmuthigm Räumen ruhig und sicher zu genießm; doch wiegm alle diese Vortheile nicht die großartige und einzige Schönheit auf, die hier aus der bestm Absicht ist zerstört worden." Aus jener Stimmungswelt heraus, welche die Worte „Waldeinsamkeit" und „Märchenpracht" entstehen ließ, welche in der Natur verkörperte Märchen und Träume, in der Kunst rin schrankenloses Walten der Phantasie suchte, ist auch dir an sich schöne und farbenprächtige Schilderung Heidelbergs ersproffm, welche Eichendorfs'S episches Gedicht „Robert und GuiScard" enthält. Man lese folgende zwei Etrophm:
„Der Wald indeß rauscht von uralten Sagen, Und von de» Schlosser Zinnen überim Fluß, Die wie anS andrer Zeit herüberragm, Spricht abendlich der Burggeist feinen Gruß, Die Stadt gesegnend seit viel hundert Jahre« Und Schiff und Schiffer, die vorübrrfahren.
In dieser Märchen- Bann verzaubert stehe» Die Wandrer still. — Zieh weiter, wer be teiwl So hatten stete in Träumen wohl gesehen, Und Jeden blickttr wir seine Heimath an, Und Keinem hat der Zauber noch gelogen, Dm» Heidelberg toarte, wo sie ringezogm."
Und noch manch ein Poet ist in unserem Jahrhundert hier eingezogen und hat das Eichendoifssche „Zieh' weiter, wer da kann!" an sich erfahren. Der „Zauber" hielt sie fest, wenigstens so senge, bis sie ihn durch ein Preislied gelöst. Auch weiter, nachdem dir Phantasiewelt Oer Romantiker selber als Traum sich erwiesen, und derpoettscheRealismus Goethe'S als Prinzip von Dauer über ihre Doktrinen obgestegt hatte. Der Altmeister selbst kam erst in späten Jahren hierher, _aber doch um im Garten des Heidelberger Schlosses seiner Suleika — Marianne von Willemer —
sozialdemokratische Fraktion habe erklärt: „Haffekmannte Voä gehen ist eine Lossagung von der Fraktion und der Partei, diese Lossagung acvptirt die Fraktion mit Vergnügen." Ein solches Recht müsse jede Partei für sich in Anspruch nehme«; eS brauche nur an die Ausschließung Kremer's vorn Centrum erinnert zu werden. Die Partei werde für das Vorgehen eines Mannes, welcher den höchsten Vertrauensposten in derselben, den eines Reichstagsabgeordneten, mit einnehme, verantwortlich gemacht: handele er gegen die Interessen der Partei, so müsse sie natur» gemäß ein Recht haben, sich von ihm loszusagen.
Hervorzuheben ist, daß A u e r im Laufe der Verhandlungen betonte, die Angeklagten seien bereit, für Alles, was im „Sozialdemokrat" mit ihren Namen unterzeichnet fei, die volle Verantwortung zu übernehmen, daß dieselben aber für alles Andere, was in genanntem Blatte stehe, nicht betont« wörtlich gemacht werden könnten, da ihnen ja der Inhalt des „Sozialdemokrat" ebenso wenig wie jedem Fremden vorher bekannt fei. Aus dem Protokoll des Wydner Kongreffes wird zur Belastung eine Stelle herangezogen, die sich dahin ausspricht: eS möchten organisatorische Maßregeln rc. getroffen unb damit die „autorifirten Personen" betraut werden. Bebel entgegnet, daß die „autorifirten Personen" die Reichs- tagsabgeordneten seien und die organisatorischen Maßregeln sich auf Reichstagswahlen bezögen.
Die Verhandlungen wurden für heute nach 7 Uhr geschloffen. Voraussichtlich werden dieselben bis Donnerstag dauern. DaS Urtheil dürste vertagt werden.
..........S „noch einmal Frühlingshauch und Sonnenbrand" der Liebe zu fühlen. Auch „M a r i a n n e" ist durch ein einfach-schönes Gedicht vertreten. Uhland's und Jmmermann's Gedichte aus Heidelberg zeigen diese später zu kraftvollem Realismus erstarkten Talente noch im Banne romantischer Stimmungspoesie. Eins dcr schönsten Gedichte stammt von Hölderlin, eine Ode, gleich sormvollendet wie gedankenschön, dabei frei von jener unbestimmten Sehnsucht nach unklar geahntem Glück, die so manches Gedicht des früh verdüsterten Sängers unserem völligen Verstehen entrückt. Plastisch wie die alkäischen Strophen gebaut sind, wirft auch die anschauliche Schildemng. Von realistischer Schärft der Zeichnung und originell in Erfindung und Sprache ist das tieftmpsundene Gedicht „Schwalbenzug" von Theodor Creizenach. Von einer ftankhafien Schwer- muth gesättigt, in düsterer Stimmungsmaterei mit Matthison's Elegie wetteifernd, ist das ergreifende Gedicht Lenau's, tu welchem der Poet des Weltschmerzes die Heidelberger Schloßruine als das „steinern stille Hohngelächter" der Zett bezeichnet, fic, die voll Bitterkeit auf den Frohen, der genießt, wie auf den Trüben, der da weint, wie auf „der Thaten kühnen Fechter" herniederschaut. Aufathmend begrüßt die Seele nach solch düsterer Lektüre ben Humor, der mit heiterem Farbenspiel die Gedichte Schefsel'S, Simrock'S, deS„päher" Dialeftdichters Nadler verklärt. Schefsel'S Lied „Altheidel- berg, du feine", daS Mays mit Recht „das beliebteste Lied auf Heidelberg" nennt, ist auch in einer englischm Ueber- fttzung (von Mrs. Francis Brünnow), einer französischen (von H. Frid. Amiei) und einer lateinischen (von Franz Wrin- kauff) wiedergegeben, in welch letzterer der erste Vers fich folgendermaßen auSnimmt:
Den Perkco hatte noch vor Scheffel Karl S i m r o ck zum Helden eines humoristischen Gedichts gemacht, das seine fast» rische Spitze gegen die Weinfälscher richtet, sehr lustig, aber etwas zu lang gerathen ist. Auch Scheffek's Jubiläumslied findet sich in der Sammlung. Einen heiteren Einfall bringt „Das Lied vom Zechstein" von A. Eisen loht zu einfachem wirksamen Ausdruck: Heidelberg ist nämlich znm Theil auf Zechstein gebaut; da sei es kein Problem mehr, woher der große Durst in dieser gesegneten Gegend stamme.
So spiegelt, einem Kaleidoskope gleich, dies Buch die verschiedensten Richtungen der Literatur und des Geschmackes wieder. In einem Brennpunkt aber münden alle die GeisteS- strahlen, das ist Heidelberg und seine Schönhett. Heidelberg, von welchem Kotzebue, der Gegner der Romantiker und der deutschen Pattioten wie Goethe'S, nicht minder wie dieft begeistert, die rühmendste Aeußerung gethan, die fich überhaupt denken läßt: „Wenn ein Unglücklicher mich fragt, wo er leben müßte, um dem lauernden Kummer bann unb wann eint Stunde zu entrücken, so nenne ich ihm Heidelberg; und wenn ein Glücklicher mich fragt, welchen Ort er wählen solle, um jede Freude des Lebens frisch zu kränzen, so nenne ich ihm abermals Heidelberg."
Dieser kurze Bericht hat natürlich keineswegs all« bei Dichter und Schriftsteller Erwähnung gethan, welche in dieses Anthologie vertreten find; ab« die Proben dürften genügen»' um ben Reichthum des Inhalts wie ben fleißigen Sammeleifer des Herausgebers darzulegen. In der That läßt da einfache schlichte Ton des Textes und der- kurzgefaßten Anmerkungen toenig ahnen, welche Mühen Albert Mays zu überwinden hatte, bis « biefen Borrath zusammenbrachte. Dm Anspruch auf gänzliche Vollständigkeit kaun naturgemäß ein erster Versuch auf dem Gebiete dies« Art von Sammelwerken nicht erheben und auch Mays «hebt ihn nicht; er bittet vielmehr für eine nächste Auflage um weitere Beiträge.' Hier mögen einige folgen. Da d« Herausgeber fich nicht blos auf Lyrisches beschränkt, sondern auch Prosastellen, felbst aus Brieftn und Memoirenwerken mitgetheilt hat, so ist a® eine entschiedene Lücke seines W«ks zu bezeichnen, daß keiner der Schriftsteller und Dichter, welche zur Gruppe M „jungen Deutschland" gehören, in demselben vertreten ist. Sowohl von Börne wie von Gutzkow, die Beide in Heidelberg fiubirt haben, lassen fich sehr charakteristische Aussprüche an- führen; von letzterem, der auch im Alter eine Zeitlang dort lebte, baut noch die ftPne elegische Frage Uriel Hofta’l mch
mit Recht eine Stelle in seinem Buche eingeräumt hat. In noch ausgeprägterer Weise, als die früherm Bewegungen, kommt fcer patriotische Aufschwung bet Deutschen in Lobge- bichten auf Heidelberg znm Ausdruck. Hatte doch gerate diejenige Gruppe der romantischen Dicht«, deren Schwärmerei von patriotischem Geiste «füllt war, eine Zeit lang hi« ihrm Sitz, und ihr Organ, die „T röste in famkeit. Zeitung für Einsiedler" von Brentano und Arnim, gelangte hi« zur Ausgabe. Das von den Franzosen dMntlich zerstörte Heidelberger Schloß gab jenem Feuer bWidere Nahrung, besten Glut später die Franzosen verspüren sollten. Das epheu- umrantte Schloß ist von mehreren der Mitglieder des „Heidelberg« Kreifts" der deutschen Romantik verherrlicht worden; am entschiedensten aber kommt in des Pattioten Max von Schenkendorf Lied die patriotische Begeisterung zum AnÄruck, welche der Stimmung d« dmtschm Befreiungskriege gegen Napoleon entspricht. Während dies« der Klage
„Ach, es ist in Staub versunken All' d« Stolz, die Herrlichkeit —"
bas Triumphwort mtgegcnfttzt, daß inzwischen der Tag b« Rache gekommen sei und Gottes Simm geweht habe, kennt Math iss on's berühmte „Elegie, in den Ruinen eines alten Bergschlosses geschrieben", welche 1785 in Heidelberg entstand, diesen Trost noch nicht; eine wehmüthige Resignation, die fich b« Allgewalt der Vergänglichkeit beugt, fmbet in dem Gesang «greifenden Ausdruck; Trauer um den Hingang einer heldenhaften Zeit:
„O b« Wandlung! Grau'» und Nacht umdüstern Nun dm Schauplatz jener Herrlichkeit! SchwerrnuthSvoll« Abendwinde flüstern, Wo die Swrken fich des Mahls gefreut I
Disteln wanken einsam aus der Stätte, Wo um Schild und Sperr der Knabe flehte, Wann der Kriegkdrommete Ruf erklang Und aufs Kampfroß fich der Vater schwang I"
Das Verhalten bet Romantiker dem Heidelberg« Schloß gegenüber bildet einen interessanten Beitrag zu einem der an» Stehendsten Kapitel der neueren Literaturgeschichtsforschuug, der mtwickelung des romantischen Naturgesühls. Es ist typisch für ben großen Antheil, welchen gerade dieft Dichter an dieser Entwickelung haben. Mays theilt außer den betreffende« Gedichten auch einige Stellm in Prosa mit, welche diese Veränderung des Geschmacks bet Natur gegenüber in fthr charakteristischer Weift veranschanlichm. So von GoerreS einen Ausspruch, ben besten Biograph Sepp zuerst veröffentlicht hat:
Deutsches Keich.
H Berlin, 27. Juli, 9 Uhr Abends. (Telegramm.) Da Kaiser war in ben letzten Tagen in Gastein von einem leichten Unwohlsein befallen. Hierher gelangten Privatuach- tlchten zufolge ist dasselbe aber bereits wieder vollständig gehoben. — Die Enquete-Kommission zurRevision des Patentgesetzes wird bereits in den nächsten Tagen ihre Thätigkeit beginnen. — Der 17. August, an welchem Tage vor 100 Iahten Friedrich bet Große gestorben ist, wird, tote jetzt verlautet, ohne offizickle Veranstaltimg vorübergehen. Auch in den Schulen tottben nicht, wie es bisher hieß, aus diesem Anlaß Feittlichkeitm stattfinden. — In d« heutigen Prozeßverhandlung gegen den Redakteur der „Fr. Ztg." (vgl. Wolffis Tel. R.) spielte der als Zeuge anwesende sozialdemokratische Abg. Heine, besten Reichstagsrede üb« seine Behandlung im Gefängniß das Blatt mit einigen Bemerkungen abgedruckt hatte, eine ziemlich traurige Rolle. Denn es ging aus seinen heutigen Aussagen hervor, daß er in sein« Reichstagsrede die Vorgänge stark übertrieben geschildert haben muß. In ben Erkenntnißgründen wird gesagt, der Artikel enthalte zwar in seinem Haupttheile die wahrheitsgetreue Wiedergabe einer Reichstagsrede, ihre Publikation sei aber nur zu dem Zwecke erfolgt, um Bemerkungen daran zu knüpfen und nicht, um dem Les« ein wahrheitsgetreues Bild der Sitzung umgeben. Deshalb könne her Schutz bef § 12 des Preßgesetzes nicht gewährt werdm. Ebmsowenig stehe dem Angeklagten die Berufung auf die Wahrnehmung berechttgter Jnter- essen zur Seite. Die Zusätze, mit welchen die „Freisinnige Zeitung" den Abdruck der Rede begleitet hatte, bestanden in bet Ueberschrist: „Eine schwere Anschuldigung gegen die preußische Jnstizpflege", unb in dem Schlußsätze : „Die preußische Justiz darf nicht dulden, daß Gefangenen Geständniffe «preßt »«ben. Sollten bic Heinrischen Angaben sich als richtig er» weisen, bann muß gegen den Staatsanwalt das Sttafverfahren eingelettet werden." — Von dem Aftikareismden Dr. G. A. F i sch er ist an einm hiesigen Verwandten nachstehendes Schreiben eingettoffen: Wanga. Nördlich von Pangani, 14. Juni 1886. Nach gefahrvoller Reise bin ich gestern wieder glücklich hier an der Ostküste eingettoffen. Von Kagehi aus marschirte ich bis ungefähr 2 Gr. nördl. Breite am Viktoria-See entlang, mußte dann aber der herrschenden Hungersnoth wegen und auch, weil meine für das Uganda-Gebiet mitgenommenen Waaren für obige Gegend nicht paßten, zuriickkehren. Durch's Massai- Land und Kikuja nahm ich meinen Weg zur Ostküste zurück. Während 32 Tagen hatten wir stark durch den Hunger zu leiden und hätte nicht viel an dem Untergänge der Karawane gefehlt. In 10 Tagen hofft ich in Sansibar zu fein und freue mich sehr, endlich wieder in zivilisirte Verhältnisse zu kommen und bessere Nahrungsweise zu finden. Ich hatte im Ganzen an verschiedenen Plätzen drei Fieberattacken. Von meinen 230 Leuten sind nur 183 zurückgekehrt. Durch Krankheit, Hunger und im Kampfe habe ich die Fehlenden verloren. Durch die Kikuja-Berge haben wir uns 4 Tage lang sozusagen durchschießen müssen. Das Jagdglück war mir günstig. Es gelang mir, 13 Rhinozeros, 15 Hippopotamus und einen Büffel zu erlegen, deren Fleisch meinen Leuten eine willkommene Nahrung bot. Auch ich habe mehrere Tage von Rhinozerosfleisch gelebt. Botanisch habe ich viel gesammelt unb auch manches ornithologisch neue gefunden".
* München, 26. Juli. Das Staatsministerium des Innern (Abtheilung für Laiidwirthschaft, Gewerbe unb Handel) hat auf ben Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammet von Schwaben unb Neuburg für das Jahr 1885 folgenden Bescheid erlassen: „Dem Wunsche, daß Strohhüte nicht als Sperrgut auf ben Bahnen behandelt werben möchten, kann nach einer Mittheilung des k. Staatsministeriums des königlichen Hauses und des Aeußeren eine Folg« nicht gegeben werden, da gerade dieser Artikel feiner Natur und Beschaffenheit nach die Eigenschaften eines sperrigen Gutes in hohem Grade besitzt und deshalb keine Veranlassung besteht, denselben auS der Reih« der
,0 Heidelberg», plena Honorem Teterum, Rheni Nicriqu’ nmoena Region utbiam —•
r. Srw .Nr. 209____________
Wortung, welche im nationalen und politischen Sinn auf ihn fällt, bewußt gewesen und hat nicht in freventlichem Sonderintercsft, sondern in der Gewißheit besserer, dem deuffchen Wesen heilsameres an Stelle des alten zu setzen, gehandelt. Daß in erst« Linie sich ein Herr von Waldheim, eine in gewerblichen Fragen völlig bedeutungslose Persönlichkeit als Vorsitzender des Wien« Kunstgewttbevereines an der Intrigue beteiligt hat, wat aus ben Tagesblöttem zu «kennen. Wer ab« auch diese Marionette leiten mag, muß sich sagen, daß nun der Tag für ihn gekommen sei, in unermüdlicher Arbeit einzuholen, was m dem Stteit nicht etwa die vergängliche Persönlichkeit Dum- reichttS, sondem die deuffche Kultur verloren hat. Wir werden abzuwarien haben, tote sich dieser neue Geist in Wien äußern wird. Der scheidendeSettionsrathselbstscheintfteilichderZukunft mit trübem Blicke entgegen zu sehen. In seiner inhaltsreichen Klagenfurter Kandidatenrede vom 1. Juni wies er darauf hin, daß schon feit einigen Jahren die aussichtslosen flavischen Ackerbauschulen den deuffchen Industrieschulen im Budget Abbruch thun. Dieses Mißverhältniß, sagt er weiter, wird sich in nächster Zeit voraussichtlich bedeutend steigern, nachdem die Tendenz ein« Decentralisation in der Leitung der Gewerbe- schul-Organisatton immer mehr die Oberhand gewinnt. Die Landeskommissionen, welche auch in die industrielle Bildungsfrage ben Sprachenstreit mengen, müßen in wenigen Jahren dahin führen, baß auch diese Seite unseres Kulturlebens — bisher eine der wenigen, von der allgemeinen Verheenmg v«- schonten — der Zerrüttung verfalle. Auch hier werden zu Gunsten von Kirchthurmhorizonten die gesunden Prinzipien preisgegeben, lediglich nm einigen Parlamentsfraktionen für den Augenblick gefällig zu sein!"

