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Abendblatt Brr granti futter Jettnng.
16. Grtodrr
JeiliUeton
ttn vo« Londe,— --------
Euch mutz seinen Hut 'runterthun.' — Emer der Selben; .Aber warum denn, Herr Photograph i ’» wär doch besieg wenn wir alle Zwei d'Hüf auftaffen würden. — Photograph 1 „Nixl Wie soll mau dem, nachher euch Bett»« vo« einandak
Frognoee für Frankfurt, desgl. kür Mittel* ui Sttd- deatschland für den 17. October.
(Nachdruck verboten.)
Das Maximum des Luftdrucks liegt noch immer über unseren Gegenden, das Minimum am Eingang des finnischen Meerbusens. Demnach haben wir auch für morgen auf keine wesentliche Aenderung der Witterung zu rechnen, höchstens dass die Bewölkung etwas abnimmt Tem- peratur über normal Wind westlich bei massiger Stärke.
Wetterberichte der Frankfurter Zeitung;
Mittheilungen der meteorologischen Station des Physika* tischen Vereins n Frankfurt a. B.
vom 15. Oct. Mittags 12 Uhr bis 16. Oct Mittags 12 Uhr.
AuS Kunst und Lebetü
Frankfurt, 16. Oktober 1884.
= lvpernhau». j Mit der gestrigen ersten Aufführung her Oper .Tristan und Isolde' hat di» Frankfurter Bühne nun, mit Aurnahme des Parrival, sämmtliche Opern Richard Wagner'» dem Publikum vorgeführt — welch« Thatsache sich zur Zeit noch bei nur wenigen Bühnen vollzogen. Conjekiuren, ob auch diese Oper sich dauernd aus dem Repertoire erhalten wird, find schon aus dem Grunde aus» geschloffen, da ein« Aufführung derselben nur mit Hinzuziehung fremder Kräfte möglich wurde. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß die Theaterleitung weder Mühen noch Risiko scheute, um das Frankfurter Publikum in die Lage zu versetzen, sämmtliche Bühnenwerke desjenigen Tondichters kennen zu lernen, welcher die Welt in zwei Lager theilte und ebensoviel abgöttische Verehrung wie absolute Verurtheilung fand. Dem hiesigen Publikum kommt «S sicher zu gute, datz «S vor .Tristan und Isolde" die Tetralogie genau kennen zu lernen im Stande war. Dadurch wurde e» mit dem Stile der letzten Wagner'schen Opem vertrauter. Diesen Stil aber kennen zu lernen, bietet die Tetralogie, und aus dieser .Die Walküre', unseres Erachtens, bei Weitem günstigere Ge* legenheit, als.Tristan und Isolde', indem die musikalischen Molrve vorgenannter Opern diejenigen in „Tristan und Isolde an Prägnanz und Ausdruck um Vieles überbieten. Bemerkt doch selbst ein strenger und treuer Wagnerverehrer, wie Richard Pohl, datz in .Tristan und Isolde' der Begriff einer selbstständigen Tonalität völlig aufgelöst erscheint, datz mehr a l 8 gewöhnliches Verständnitz dazu gehört, um der Meisters Gedankenflug zu folgen, und, datz Wagner mit Bezug auf sein Operuideal .Tristan' vor Ablauf von mindestens einem Menschenalter auf ein allgemeines, vollständiges Verständniß nicht rechnen könnte. Womit eigentlich alle diejenigen Absolution erhalten, welche ^Tristan und Isolde' weder voll» ständig noch im Allgemeinen verstanden haben. Von einer .Kritik' der gestern gebotenen .Novität' sehe» wir aus den» seldenEründen ab, welch« wir nach demHinsch«id«n Wagner» an- zusührenG«leg«nheit hatten. Der Schöpfer ist tobt, dirWerk« leben. Der Zeit und der Nachwelt bleibt bi« Entscheidung. UeberdieS Jat in einer Sache, welche ihrem Wesen nach eingehend« A b- Handlung«« und Bücher jederSchattirung hervorgerufen, die flüchtige, durch den Raum beschrünkt« Tageskritik unseres Dafürhalten» kaum viel mehr zu sagen. Denjenigen, welche für oder gegen .Tristan und Isolde' etwa» lesen wollen, steht -ine Bibliothek über diese Oper geschriebener Werke zur Verfügnug. — Was die Aufführung dieser Oper belangt, so
wird eine Bewegung Organist rt, um liberale Meetings mit Wirdervergettungsmaßregeln Heimzusuchen. — Ein Korrespondent der „N. sr. Pr.' in London hatte eine Unterredung mit Stanley über die K o n g o s r a g e. Stanley erklärte, er habe bisher keine Einladung zur Konferenz in Berlin erhalten, die gegenthciligen Meldungen sind daher unrichtig. Wenn die Konferenz Centralafrika dem Welthandel erschließen wolle, müssen zwei Punkte festgehalten werden: erstens dürsten die beteiligten Machte nicht unter einander streiten oder irgend welchen einseitigen Nutzen unmittelbar aus der Sache ziehen wollen, und zweitens müßte jeder Gedanke an eine Einhebnng von Zöllen nud Steuern von den i ->rt sich an« siedelnden Kolonisten ausgegeben werden. Nnr die Furcht vor etwaigen Streitigkeiteil unter den Mächten und die Be» sorgniß, daß eine derselben einseitige Vortheile daraus ziehen oder gar die projektirte Kongo-Bahn selbst an sich reißen würde, habe die internationale Gesellschaft abgehalten, den Bau der Eisenbahn von Vivi nach Stanley- Pool anzufangen. Für eine Strecke von 235 Meilen, welche zwei Millionen Pfund kosten würde, habe die Gesellschaft das Kapital bereit. Weder England, noch Portugal, noch Frankreich hätten jemals etwas für jenen Theil Afrikas gethan, keine fußlange Straße oder Eisenbahn gebaut oder irgend eine Verbindung mit ben eingeborenen Händlern an« geknüpft. Nur durch das Zusammengehen aller Mächte unter den obigen zwei Bedingungen könne aus dem Kongo-Becken das gemacht werden, was seinerzeit Smith und Penn aus Pennsylvanien gemacht. Das Klima fei zwar für die Euro« Däer ein mörderisches, aber die Assanirungsversuche der internationalen Gesellschaft werden dem vollständig abhelfen und da? Territorium ebenso gesund gestalten, wie die Vereinigten Staaten. Gesundheitsgefährlich wäre nur der Fußmarsch durch da» Innere. Dieser wäre aber durch Dampfschiffe und Eisenbahnen unnütz.
AmkViUn»
* Der .New-York World" wird aus Quebec gemeldet, daß sich dort der Verdacht steigert, einige Beamte des Bauunternehmers seien die Urheber der jüngsten Ex- plosionen in dem neuen Parlamentsgebäude, und zwar aus Rache für die ihnen zu Theil gewordene Behandlung. — Ein Telegramm ans Montreal meldet, der dortige Sherif habe Vorsichtsmaßregel zum Schutze der öffentlichen Gebäude getroffen, da die Regierung von einem beabsichtigten Angriff Kenntniß erhalten habe. — Ueber die unlängst von einer Londoner Morgenzettung gebrachte Meldung, daß die kanadische Regierung sich erboten habe, der Kap-Regierung im Hinblick auf deren gegenwärtige Verlegenheiten Mannschaften oder Geld zu senden, ist in Toronto nichts bekannt. ___________
Telegraphische Dampiernachrichten der Frankfurter Zeitung.
[Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.
^ueenetown, 15. Oct. Angekommen von Philadelphia Dampfer
„Lord Clive*, von Newyork Dampfer „America.*
Baltimore, 15. Octbr. Angekommen von Bremen der Norddeutsche Lloyddampfer „Nürnberg.-
Lieeabon, 15. Oct. Angekommen von Südamerika der Ham
burger Dampfer „Bo e ar io.-
Philadelphia, 15. Oct. Angekommen von Antwerpen Dampfte „Ze eland“ der Red Star Line.
Plymouth, 15. Oct. Angekommen von Cape Town Dampfer
5) Bewölk—„ _ halb bedeckt, bei _
dann bei wenig wechselnder Bewölkung vorwiegend bedeckt und ist am 16. Octbr. Mittags 12 Uhr fast bedeckt. Morgens gegen 8 Uhr feiner Kegen.
reiht« sich dieselbe denjenigen Opernvorstellungen, welche bei un» als mustergiltig bekannt find, in würdigster Weife an. Dar Orchester leistete Bewundernswürdige» in feinfinnigster Ausführung der Intentionen des Komponisten. Vorzüglich ein» stndirt verlief die Aufführung außerordentlich glatt und abgerundet. Es gebührt somit unserem vortrefflichen Kapellmeister Des soff die aufrichtigste und wärmste Anerkennung. Wa» da» Ehepaar Vogl betrifft , so zeigte jeder Ton, lebe Geberd«, jeder Schritt, daß die berühmten Künstler in Wagner'S Schöpfung, so zu sagen, vollständig hineingewachsen find. Mit der seltensten Beherrschung de» Stoffe», mit unvergleichlichem Ausdruck« in Gesang und Darstellung, lösten Herr und Frau Bogl ihre Aufgaben und bestätigten somit den wohlerworbenen Ruf als die berufensten Vertreter de» „Tristan' und der „Isolde'. Er ist bekannt, daß die Ausführung dieser zwei Partien in stimmlicher Beziehung beinahe dar Uebermenschlich«, um nicht zu sagen, Unmenschliche, fordert. Herr und Frau Vogl hielten auch nach dieser Richtung bi» zur letzte Note glänzend Stand, wobei allerdings im Allgemeinen bemerkt werden mutz, datz das Organ der Frau Bogl sowohl, wie zum Theile auch das ihres Gatten, nicht den ganzen Schmelz und Glanz der Jugend aufzuweisen hatte. Vo» unseren einheimischen Kräften machte fich um das schöne Gelin- gen der Ganzen vor Allem Frau Luger alr BrangSne verdient. Die aurgezeichnete Vortragr- und Darstellung-weise im Vereine mit der wundervollen, erwärmenden Stimme, stellten Frau Luger den gefeierten Gästen vollkommen gleich. Herr Grir- nauer war als Kurwenal sehr matzvoll. Damit sprechen wir die Meinung au», daß er sehr gut war, denn nur da» Außer-Acht-Lassen de» Matzes schädigt mitunter die Leistungen diese» sonst so überlegenden, künstlerisch angelegten und mit prächtigen Stimmmitteln begabten Sänger». Volle» Lob verdienen ferner der „König Marke' de» Herrn Baumann und die klein« Leistung de» Herrn Matthia». Da» trotz „erhöhter hoher Preise' Lutzerst zahlreich erschienen« Publikum z«igte nicht dieselb« Begeisterung, wie anläßlich der ersten Aufführung der Tetralogie, namentlich der .Walküre'. Indessen war der Beifall nach den Aktschlüssen doch ein derartiger, daß die Gäste und die einheimischen Künstler vier, fünf und sechs Mal vortreten mutzten. Der Ruf nach dem Leiter de» Ganzen, Kapellmeister Deffoff, steigerte sich von Akt zu Akt, und währt« schließlich so lange, bi» der viel Gerufene endlich vor die Rampe trat und ben wohlverdienten Dank der Zu- Hörerschaft entgegennahm. Zu bemerken haben wir noch, daß durch mehrfache Striche die ungewöhnliche Länge der Oper zum Frommen de» Ganzen gekürzt war. ®. E.
= [SDlit Herrn und Frau Voglj hat di« Inten- danz unsere» Stadttheaters nunmehr die Vereinbarung getroffen, daß dieselben Sonntag den 19. October nochmal» tm Opernhaus aüftreten und zwar in Wagner'» .Lohenarin'. Frau
-°- jP«rsonalirn.j Profeffor Huxlsy in Loudo« Präsident der kgl. G«s«llschaft der Wissenschaften Mn »rotz, Britannien, ist in Folg« starkerU-berarbeituna sehr lechendnuk muß sich auf Anordnung seine, Arzte» zur völlig«» ErhollUls na» dem Süden Europa» beatben.
den wichtigen Verkehrszweig in der Hand behalte. Er war t» auch, der im Savoyenhandel zu einer energischen, uud wenn nicht ander«, bewaffneten Wahrung Savoyens al» Theil der schweizerischen Neutralität drängte. Sein« kühn« rnergisch« Politik fand leider nicht bie Unterstützung seiner Zeitgenossen, die Geschichte aber gab ihm Recht und heute beklagt man «ch datz sowohl die Eisenbahn- als auch Eavohen-Frage nicht diejenige radikal« Lösung gefunden haben, die er klarblickend erstrebte. — Da» Denkmal ist dem Wesen Slämpfli'» entsprechend, einfach. Auf hohem Gramtsockel ruht die vom Schweizer Bildhauer Lanz in Paris modellirte und wohlgelungene Bronzebüste d«S gefeierten Staatsmannes. Die Uebergabe de» Denkmal« an den Staat erfolgte durch den Jurabahndirektor Marth, die Festrede hielt Bunde»rath Schenk; Beide Gefinimng»- und ArbeitSgenoffen Stämpfli'S.
— jP h ot ogra p h en - Li st.j Ueber Mrne. Rosa Eyting, die bekannte Newyorker Schauspielerin, erzählt der „Figaro' folgende Anekdote: Dir Künstlerin war von ihren Verehrern schon ost aufgefordert worden, fich Photographiren zu lassen, doch konsequent hatte sie alle diese Bitten abgeschlagen. S» erklärte, sich nie dazu hergeben zu wollen, in allen Schauläden den Blicken müssiger Gaffer ausgesetzt zu werden. Doch e» kam ander». Diesen Sommer befand fich Mad. Eyting in einem Seebad bei San Francisco, um dort Bäder zu nehmen. Ein«« Tage» folgte ihr ein verschlossener Wagen, in dem fich ungesehen ein photographischer Apparat verbarg, nach dem Strande, so nahe al» e» eben möglich war. Am folgenden Tage erhielt die Diva ein verschlossene» Couvert, indem fich ihre wohl ge- troffen» Photographie vorfand, welch« fie gerad« in dem Moment darstellte, wo fie im leichten Badekostüm au» den Wellen steigt. Außerdem lag ein Billet bei, worin stand, wenn fich Mme. Eyting nicht sofort entschlöffe, fich in vollster Garderobe photo» graphiren zu lasten, würden von beifolgendem Bilde 10,000 Abzüge gemacht, und fi« könnte versichert sein, datz dieselben hei de« interessanten Kostüm reitz«nd«n Absatz fänden. Wa» wolle die überlistete Künstlerin machen I -- Heute sieht man in allen Newyorker Buchhandlunden ihre wvhlgrluugene Photographie, und der spekulative Yankee macht brillant« Geschäfte.
— lBolkSfest.Photograph) ($u itoti jungen Leuten vom Lande, b« fich aufnkhmen lasten wollen): „Emer von
Uermtschtes.
♦ (Personalien). Dem Kaufmann HermannGün- ther in Stettin ist das Exequator al» Grobherzoglich badischer Konsul daselbst ertheilt worden.
♦ Berlin. Bei Gelegenheit der Ausweisungen russischer Staatsangehöriger au» Berlin wurden verschiedene Angaben über die Zahl der in Berlin resp, in Preußen Deutschland befindlichen Ruffen veröffentlicht, welche aber unter fich so weit auseindergingen, datz kS schwierig war, zu bestimmen, wie grotz die Zahl in Wahrheit ist. Jetzt nun veröffentlicht da« k a i s e r l i ch e st a t i st l s ch e A m t in den Monatsheften sür qie Statistik de» Deutschen Reiche» eine offizielle Zusammenstellung der Angehörigen fremder Skaaten, welche fich im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880 (dem Loge der letzten Volkszählung) zum dauernden Aufenthalt befunden haben, und e» geht daraus hervor, wie sehr die früheren Angaben übertrieben waren. Ei haben sich nämlich in Berlin nicht mehr wie 1365 Russen befunden, in ganz Preussen nur 10814 und in ganz Deutschland nur 15097 Personen aus Rußland. Auch in der Provinz Posen befinden sich nach dieser amtlichen Veröffentlichung viel weniger Ruffen, al« gewöhnlich angenommen wird, nämlich nicht mehr al» 1719 Personen; die größte Zahl befindet fich in Ostpreutzen, nämlich 3185. Sehr stark ist auch da? Königreich Sachsen von Russen besucht; die Zählung hat daselbst 1255 nachgewiesen. Im Ganzen waren in Deutschland 276,057 Fremde, darunter 262,381 aus Europa, 12,587 aus Amerika, 496 au» Asien, 305 au» Afrika und 288 au» Australien. Sa» stärkste Kontingent zu den Angehörigen fremder Staaten, welche fich dauernd in Deutschland aufhalten, liefert Oesterreich, nämlich 117,897 Personen,zvon denen mehr als 25pCt.. nämlich 30,505, im Königreich Sachsen und 13 pCt., nämlich 15,052, in Schlesien leben. Ans die Oesterreicher folgen die Schweizer in Stärke von 28,241 Personen, dann die Dänen mit 25,047 Personen, bann bi« Niederländer mit 17,598 Personen, darauf die Fra n • zosen mit 17,273 Personen und erst an sechster Stelle die Russen mit 15,097 Personen. Man sieht also, datz von einer Ueberschwemmung mit Russen weder in Preußen noch in Deutschland die Rede ist, und von jenen 20,000 Russen, welche sich in Berlin befinden sollen und deren Berminderung durch Ausweisung im Interesse der Staatserhaltung nothwendig zu sein schien, lebten etwa 93 pCt. nur in der Phantasie de» Berichterstatter».
g. Dortmund, 15. Oct. Die Herstellung einer Fern- sprechleitung für den gejammten niederrhei- nisch-westfälischen I n d ustrie bezirk ist das neueste Projekt, welche» hier aufgetaucht ist und von den Handelskammern in Dortmund, Bochum, Duisburg, Effen, Mülheim a. d. Ruhr und Ruhort gefördert wird. Die Anlagetosten einer solchen den ganzen Bezirk durchziehenden Lelephonanlag« werden auf X 100,000 bis u#L 110,000 veranschlagt. Die Kosten find von den Industriellen aufzubringen. Die Bedingungen, unter denen die kaiserliche Post die Anlage gestatten würde, find bereits festgestellt. Daß eine solche Einrichtung für die Industriellen des ganzen Reviers von großem Vortheil fein wird, unterliegt wohl keinem Zweifel.
Fr. Kassel, 15. Oft. Auf Anregung des Herrn Literaten Hahndorf dahrer hat der Stadtrath den Beschluß gefaßt, am 23. Oktober d. I., an welchem Tage d» kurhessische Gemeindeordnung ihr 50. Lebensjahr vollendet, eine entsprechende Festlichkeit im Stadtbaufaale zu veranstalten. Mit den Vorbereitungen zu dieser Feier betraut, hat Herr Oberbürgermeister Weise ein Comitt gebildet, welchem außer ihm selbst der Vorsitzende des Bürger-Ausschüsse», Herr Kaufmann Emil Herzog, die Mitglieder des Stadtrath», Posthalter Nebelthau und Oekoiiomierafh V o g e l e y, der Direktor der LandeSkreditkaffe Dr. Har vier und Literat Hahndors angehören.
Telegraphische Depeschen.
Privat-De-eschrn der Frankfurter Zeitung.
X Pari-, 16. Octbr., 11 Uhr 12Min. Die „Justier" schreibt: „Wir wollen nicht nur keine Intimität mit Deutschland, sondern nicht einmal den Austausch guter Dienste." — Aus der Haltung der „Republiqne ftangaife" und der „Siecle"
11 Das Bar um eter (auf 0- und den Meeresspiegel reducirtf Stand am 15. Octbr. Mittags 12 Uhr auf 769,52 Mm., stieg bis Abends noch um Weniges, fiel dann stetig bis Vormittags, fiel gegen Mittag wieder und steht am 16. Oct Mittags 12 Uhr auf 767,30 Mm.
* Das Thermometer (Celsius) stand am 15. Octbr. Mittags 12 Uhr auf +11/!’, stieg bis 2M Uhr auf +13,0«, fiel dann und erreichte Morgens 5 Uhr -einen niedrigsten Stand mit +7,9-, stieg wieder und steht am 16. Oct. Mittags 12Uhr auf +13,2«.
8) Windrichtung: 15. Oct. Mittags 12 Uhr WNW (schwach), bekam nach Mittag W- und wechselnd SW-Richtung. blieb so, Windstärke bis nach Mitternacht schwach wurde dann mässig, blieb so und ist am 16. Oct. Mittags 12 Uhr W (mässig).
4) Relativ e Feuchtigkeit: 15. Octbr. Mittags 2 Uhr 62»Io, Abends 10 Uhr 91 %, 16. Oct. Morgens 6 Uhr 87 %.
5) Bewölkung u. Niederschlag: 15. Oct Mittags 12 Uhr halb bedeckt, bezog sich Nachmittags gross t ent heiln, blieb dann bei wenig wechselnder Bewölkung vorwiegend bedeckt
• Wie der „Han- Ztg." von Orb und Gelnhausen gleichlautend mitgetheilt wird, hat da» Centrum al» Zählkandidaten für ben W ihlkreiS Hanau - Seinhaufe« - Orb Herrn Landtagsabgeordnete« Amtrgerichtsrath Rübs«« in Hanau aufgestellt.
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X Darmstadt, 15. Oct. Heute Abend hielt di« deutsch« freisinnig« Part«i in Brsfungen im groß«« Saal« „Zum Tl,ausse«hau«' ein« allgemeine Wähler- versammlung ab, die von ta. 350 Wählern, hauptsächlich Darmstädtern, besucht war. Da» Gro» der Theilnehmer stellten die Sozialdemokraten. Den Vorsitz in der Versammlung, dir um 9 Uhr eröffnet wurde, — die späte Stunde gehört hier mit zu den „berechtigten Eigenthümlichkeiten' de» gewählten Lokal» —, führte Hr. Medicinalrath Dr. Krau« (Beffungen), der nach wenigen einleitenden Bemerkungen alsbald dem deutsch- freisinnigen Kandidaten, Hrn. Architekt Rückert, da» Wort ertheilte. Wenn die Ankündigung einfach gesagt hatte, daß Hr. Rückert „sein Programm entwickeln" würde, so hatte sie offenbar zu wenig gesagt, denn bie einstündige Rede de» Kandidaten that sich nach ihrem gediegenen Inhalt sowohl wie nach ihrer schwungvollen Form als ein politischer Vortrag größeren Stile» dar, der selbst auf die Gegner seinen günstigen Eindruck nicht verfehlte. An der Dirkussion beteiligten sich namentlich Sozialdemokraten, in erster Reih« Hr. Bildhauer Möller, der dreimal recht wirksam sprach, sowie von deutsch-freisinniger Seite außer dem Kandidaten noch die Herren Rechtsanwälte Schödler und Gallus. Anerkennenrwerth war auf beiden Seiten die würdige äußere Haltung. Zum Schluß brachte der Vorsitzende ein Hoch auf die Liebe zum Vaterlande au», worauf bie Anhänger Müller'» mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie antworteten.
D AuS »em Wahlkreise Alzey-Dingen, 15. Octbr. Bekanntlich hatte gelegentlich des ersten Auftreten« be» Herrn v. Schantz in Alzey der damalig« Vorsitzende der Versammlung, Herr Semiuardirektor Dr. E i s e n h u t, in seiner Eröffnungsrede ausdrücklich zugefichert, daß dem seitherigen Abgeordneten Dr. Bamberger in nationalliberalen Parteiversammlungen innerhalb des Wahlkreise» jederzeit da» Wort bereitwilligst ertheilt werben solle. Dieser Fall könnte nun, falls die Herren Vor» standrmitglieber der nationalliberalen Partei Wort halten, demnächst eintreten. Seiten? der Vertrauensmänner der deutsch- fteisinnigen Partei wurde nämlich al» nächster Versammlungsort für kommenden Sonntag den 26. d. M. Wörrstadt in Aussicht genommen. Inzwischen hat jedoch auch die nationalliberale spartet eine Versammlung in genanntem Orte anberaumt, worin Herr v. Schauß sein Programm entwickeln sollte. Herr Dr. Bamberger hat nun, nachdem er hiervon Kenntniß erhielt, dem nationalliberalen Wahlcomiti die MUtheilung zugehen lassen, daß er beabfichtige, mit ben Anhängern bet deutschsreifinnigen Partei in dieser Versammlung zu erscheinen, um nach der Wahlrede seine» Gegenkandidaten auch fein Programm den anwesenden Wählern zu unterbreiten. Ob fich bie Herren Nationalliberalen dazu verstehen werden, diesen Vorschlag zn accep- tiren, bleibt allerdings abzuwarten. Bejahenden Falls darf man dem Verlauf dieser Versammlung mit Spannung ent- gegenfehen. , *
* AuS Württemberg, 14. Oct. Rechtsanwalt Oesterle» hat die ihm von der Volkspartei für den 5. Wahlkreis (Eßlingen) angetragene Kandidatur, wie er im „Schw. M.' mittheilt, abgelehnt. — Jin .Beobachter' lesen wir: „Sehr amüsant ist ein Blick in die .Ulmer Schnellpost" vom Jahre 1882. Am 1. Juli 1882 schrieb sie von einer Versammlung in Ulm zu Gunsten der Kandidatnr M a giru»: .Alle waren von froher Zuverficht belebt, eine Zuversicht, welche durch die klare, in fiietzender Rede dargelegte AiiSeinandersehnng einer kurzen Programms von Seiten btt Kandidaten gehoben wurde. Herr Magiru», ein guter Württemberger rc. Man darf begierig fein, was bie Demokratie gegen diesen Mann, der fich im ganzen Lande der größten Sympathie erfreut, vorzubringen vermag.' Drei Monate später war Magirus von Hähnle mit 2200 Stimmen Majorität geschlagen, wettere 14 Tage später rechtfertigte die deutsche Partei ihre Niederlage damit, datz fie Herrn Magirus in der .Kölnischen Zeitung' einen ganz ungeeigneten Kandidaten nannte, und jetzt nach weiteren zwei Jahren prä- sentirt dieselbe Partei dem Wahlkreis al» Kandidaten einen — Bayern!' ,
* AnSbach, 13. Oct. Herr A. Kröber aus München hat auf wiederholtes Drängen seiner Gesinnungsgenossen sich entschlossen, auch diesmal wieder fich im Wahlkreis Ansbachs Schwabach al» Kandidat der brutschen Vollspartei aufstellen zu taffen.
*
♦ Kreuznach, 15. Oct. Die Centrum Spartet beschloß gestern Abend einstimmig im ersten Wahlgang für ben deutschfreifinnigen Kandidaten, Munkel, zu stimmen. Munkel spricht heute Abend hier, morgen Abend in Sabernheim.
@ Metz, 15. Octbr. Wie bereit» telegraphisch gemeldet, kandidirt der Ehefredakteur de» .Lorrain', Abbt E. Iarque», gegen Antoine. Nach dem .Lorrain" hat sich eine Gruppe der bedeutendsten Eigenthümer und Ackerbauer der Wahlkreises gestern hier ein Stelldichein gegeben und in einem Briefe an Slbbt Jacques diesen um Annahme der Kandidatur ersucht. In dem Brief- ist au»gesührt, daß man Herrn Antoine nicht mehr wolle, weil er be.8 Vertrauen der Wähler verloren habe; er habe die Interessen der Landwirthschaft vernachlässigt, da»Land beunruhigt und aufgeregt durch feine unnöthigen Provokationen und es scheine feine Wahl eher gefährlich, al» nutzbringend. Dann wirb Herr Jacqne» al» bei richtige Kandidat hingestellt und um bie Annahme gebeten. Herr Jacques glaubt in A»- ' betracht dessen nicht ablehnen zn können und stellt seine Kandidatur nunmehr auf. An der Wiederwahl Antoine'» dürste trotzdem nicht zu zweifeln fein.
xrankfurler Angelegenheiten.
Rtrautfurt, 16. October, vam Tage.
— Heute Morgen wurde die Leiche de» Landgrafen Friedrich von Hessen nach SchloßRumpenheimgebracht.
WMserstands-Hachrichten.
Frankfurt, 16. Oct. Mittags. Mainhöhe m gest. M6. Mains. 16. Oct., Morgens 8 Uhr. Rheinhohe 0.64, gef. O.OL Cöln, 15. Oct, Form. Bheinhöhs 162., gest. 0.02.
Mannheim, 15. Oct., Mittags. Bheinhohe 3.63, gefi 0.03.
Caub, 15. Oct., Morgens. Bheinhohe 142, gest. O.«fc Kohlens, 15. Oct., Morgens. Bheinhohe 1.86, gest. 0.03. Trier, 15. Oct, Mittags. Moselhöhe 0.57, gest. 010 Buhrort. 15. Oct, Morgens. Bheinhohe 0.84, gest. 0.04 Arnheim, 14. Oct., Bheinhohe 0.07, gef. 0.01.
Nymegen, 14 Oct., Waalhöhe 7.33. gest. <103.
Deventer, 14. Oct., Yaselhöhe 2.10, gef. 0.00.
Vreeswyk, 14. Oct., 1.65 üb. a. P., 487 ant. n. P., gef. 0.04.
scheint hecvorzugehen, daß die Regierung trotz des Eintritts Rouvier'S Schutzzölle sür dir Landwirthschaft entführen will.
-M- London, 16. Oct., 7 Uhr 30 Min. Die englische Regienlng hat dem Gouverneur der Kapkolonie, Sir Hermles Robinson, den Auftrag ertheilt, die nothwendigen Schrttte zu thun, um die britische Autorität in dem (von Transvaal anneftirten, aber wieder auf gegebenen) Gebiete Montsioa's herzustellen. Sir Hercules wird wahrscheinlich eine lokale Truppenmacht dorthin senden. — Nach einer Meldung des „Standard" aus Hongkong hat dir dortige Regierung den Handel mit Feuerwaffe« zwischen Europäern und Chinesen verboten. Die Polizei schritt bei einer Ruhestörung ein, gab Feuer und verwundete verschiedene Chinesen.
Wolff's telegraphisches Eorrespondenz-Bitreau.
Brarrirschweig, 16. Oft. Die letzten Nachrichten übv das Befinden des Herzogs lauten wieder weniger günstig. Die offiziellen „Braunschweiger Anzeigen" melden von gestern: Eine wesentliche Hebung der Kräfte des Herzogs hat nicht tattgefunben. Die Aerzte konstatiren einen Magenkatarrh. Der Herzog hatte eine unruhige Nacht. Der Puls ist tda« tiv gut.
Osnabrück, 16. Oct. 500 Bergleute d«S städtischen Kohlenbergwerks P iesberg stellten die Arbeit wegen Aenderung der Arbettszeit rin.
Neapel, 16. Octbr. Don Dienstag Nachmittag? vier dis gestern Nachmittags vier Ahr find 76 Erkrankungen und 36 Todesfälle au der Cholera vorgekommen.
Peter-Vttkg, 16. Oct. Das Ministerium für Volks- auftlärung macht bekannt, daß die vom „KijewSlamn" mtt- gethettte theilweise Zulafiung Kiew'scher Studenten an andern Universitäten durch die jüngst vom „RegierungS- boten" veröffentlichte Verfügung betreffend die Kiew'sche Undrersität als annulirt anznjeheu sei.,'
Vogl fingt die Elsa, Herr Vogl den Lvhengrin, Frau Luger die Ortrud. Die Vorstellung findet außer Abonnement statt, bei normalen (großen) Preisen.
— (Dem Fräulein Anna Haaster »j, Schülerin de» Dr. Hoch'schen Konservatorium» (Klasse de» Herrn I. Kwast) ist in Folge eines Pcobespiels in Berlin von Seiten btr fffeiig- Mendelssohn • Bertholdh - Stiftung ein Stipendium zuerkannt worden.
— sJn der Grande Chartreuses, oberhalb Grenoble, wurde dieser Tage der 800. Jahrestag bet Gründung be» Ordens durch den heil. Bruno unter großem Zudrange bet umwohn-nben Gebirgsbevölkerung gefeiert. Heute, wie vor 800 Jahren, wohnt jeder Mönch in feiner eigenen Hütte, wo er von feinen Brüdern abgeschlossen lebt, allein betet, arbeitet, fich ergeht und feine Mahlzeiten einnimmt- Zweimal im Laufe der Tages und einmal in der Nacht vereinigt er fich mit ben übrigen Mönchen, um die Litaneien zu fingen, und nur an hohen Festtagen findet eine gemeinschaftliche, aber still« Mahlzeit statt. Besonder» stolz ist bet Orden darauf, daß er in ben acht Jahrhunderten feines Bestehen» fich zu keinen Milderungen feiner eisernen Regel Herbeigelaffen, keine Reform, und wenn fie ihm von dem Papste selbst angeboten wurde, angenommen hat. So wollte Rom einst dem Karthäuser- General Bischofsstab und Mühe aufbrängen, aber vergeblich, und ebensowenig fand e» Gehör, al« es ben Kranken und Gebrechlichen der Karthanse Fleischspeisen gestattete; seitdem da» Kloster besteht, hat keiner feiner Bewohner andere als Pflanzen- Epeife genoffen, und um dem Papste zu beweisen, daß man damit alt werden kann, wurde bie Deputation, bie damals nach der heiligen Stadt zog, nur au» achtzigjährigen Greisen zns immengefetzt. Eigenthümlicher Weife wird ben Karthäuferu heute noch beim Abendmahl außer der Hostie Wein — aber ungeweihter — gereicht; sie empfangen e» liegend, wie der heil. Bruno e» feinen Jüngern vorgeschrieben. Bei Tisch trinken sie »ach alter Sitte aus Thongefäßen .mit zwei Henkeln und eine noch härtere Kasteiung, al» die härene Kutte und Fasten soll e» für fie fein, daß sie sich auch im strengsten Winter zweimal be» Monats ben Kopf rafften lasten.— Die berühmte Ehartreufe wird nicht im Kloster selbst, sondern in einiger (Entfernung davon durch Laienbrüder destillirt; jeder bet Mönche erhält jährlich eine Flasche, aber bie meisten berfelben machen e» fich zur Pflicht, sie unberührt zu lasten.
, sDa» S tämpfli-D enkmallj Auf bet großen Schanze in Bern ist dem schweizerischen Patrioten Jakob Slämpfli am 1L Oktober ein einfache» Denkmal enthüllt wordm. Slämpfli, der radikalen Sache bi» zuletzt treu ergeben, gilt al» einer btr hervorragendsten schweizerischen Patrioten, (Er war e», der bei Einführung der schweizerischen Eisenbahnen warnend feine Stimme vor ben Folgen de» Privatbaue» und Betrieb«» btr E isenbahnen «hob und eneraifL dafür eintrat daß der Staat
Yokohama, 15. Oct. Angekommen von Marseille Dampfer „Baghalien.“
Newyork, K. Oct. An gekommen von Glasgow Dampfst „State of Nebraska“ und „Bo 11 via.“
Ltaard, 15. Octbr. Der Hamburger Dampfer „Bavaria", von Westindien kommend, passirte.
Seilly lelande, 15. Oct. Dampfer .Mora via* der Hamburg- Amer. Paoketfahrt-Ges. von Newyork nach Hamburg passirte.
Antwerpen, 16. Oct. Angekommen von Philadelphia Dampfer „Noordland“ der Bed Star Line.
— Eine friedfertige Familie. Zwischen einem alten Gärtner und dessen Kindern erster Ehe schweben gegenwärtig bei ben Gerichten wegen Darlehens-, Zins- unb Wechsel- forberungen nicht weniger al» 15 Proteste.
— Gestern wurde von einem Gendarmen ein Deserteur be» 87. Äeiu stationirt in Mainz, bei Oberrad verhaftet. Auf dem Lianrport nach Fra cksuit entsprang der Soldat und stürzt« fich unweit de» Wasterhof» iu ben Main. Derselbe war bereit« unter dem Wasser eine ziemliche Strecke fortgetrieben, al» e8 mit Hilfe Dritter gelang, den schon bewußtlos gewordenen Menschen heran» zu ziehen. Er lebte noch und wurde vorerst nach Bockenheim in» Lazareth gebracht.
•m« Die städtische Verwaltung der Berliner Gasanstalten beabfichtigt auf den größeren Plätzen Berlins die Siemens- fchen Regenerativ-Gartampen aufzustellen unb hatte zu diesem Zwecke zunächst eine Konkurrenz für architektonisch auSgebildeie Ständer zu den Slemen-'schen Kandelabern ausgeschrieben. Wie wir erfahren, ist in dieser Konkurrenz ein Preis dem hiefigeu Architekten A. Stegmüller zugesallen. .
Vereine.
• Wir erhalten folgende» Schreiben: „Gegenüber der von Herrn Sabor veröffentlichten Erklärung, er habe nicht gesagt, die Natwnalliberalen litten an bet hohen Bildung, seh« ich mich zur würllichen Wied«rgabe beseitigen Passus in meinem Stenogramme verafilaßt, auf den es hier ankommt. Derselbe lautet: „Wenn ich das zufammenfassen soll, an wa» bie Nationalliberalen leiden, so ist e« die hohe Bildung, die Viele unter ihnen haben, wenn auch verbunden mit der Schwäche; andererseits erkenne ich gerne an, datz Biele unter ihnen bemüht find, zu einer besseren Gestaltung der sozialen Verhältnisse mitzuwirken. Der Berichterstatter.' — Wir bemerken dazu, daß ein der Stenographie kundige» Mitglied unserer Redaktion auf Grund des Mutterstenogranun» den obenstehenden Wortlaut der Uebertragung al» richtig anerkannt hat. _______________
Die Mahlbewegung
Z. Bramtfchweig, 15. Oct. Die Wahlbewegung kommt hier jetzt immer mehr in Fluß. Der Kandidat der Deutschsreisinnigen, Reichstagabg. S ch r a d er, hat vor einigen Tagen an 6 verschiedenen Orten im Harze unter großem Beifall gesprochen, unb kommt am Freitag nach hier, um die Angriffe be» Kandidaten der Konservativen unb Nationalliberalen, Amtsrichter ßuleutann, zurückzuweisen. Aus des Letzteren, bereit» erwähnter Wahlrede dürfte folgende charakteristische Stelle weitere Kreise intereffiren: „Verdient denn nun aber wirklich unsere Regierung da» ihr von jener Partei entgegengebrachte Mißtrauen 7 Ich meine, da» ist bie schnödeste Undankbarkeit, bie jemals ein Volk gegen seine großen Männer geübt hat. Wenn Männer, um die un» alle andern Nationen beneiden, von denen künftige Generationen nicht begreifen werden, daß fi« nicht auf den Händen getragen, nicht abgöttisch verehrt find, wenn solche Männer, sage ich, mit Spott unb Hohn behandelt werden, wenn während ihrer Rede „Pfui' gerufen wird, so muß ich sagen, daß ich es nicht über mich gewinnen würde, einer solchen Partei anzugehören. Hat etwa Bismarck keine Fehler? Ja, bann wäre er kein Mensch. Gewiß hat er fie und er macht e» den Leuten, die mit ihm persönlich zu verkehren haben, oft recht schwer; er ist eigenwillig und häufig nicht sehr geneigt, Ansichten Anderer neben der seinigen Platz zu gönnen. Aber das ist psychologisch gar nicht anders möglich. Ein Eharkter von so außergewöhnlicher, so einzig bastehender Thatkraft ist feiner Natur nach nicht sehr »dazu angelegt, Wiberfpruch zu vertragen, er empfindet das Hemmende der Rücksicht au, andere Meinungen al» ein Bleigewicht, welche» er nutzem erträgt. Aber hätte er beim da» Ungeheuere leisten können, wen« er ein anderer war, ein milder, freundlicher Mann, der jeden Gegensatz durch Entgegenkommen auszugleichen sucht, statt ihn mit dem Schwerte zu zerhauen 3 M. H ! Eisen ist härter al» Gummi und wer gegen Eisen anrennt, ter thut fich weh. Aber wir hatten einen eisernen Mann nöthig, und da müssen wir auf dir Vortheile des Gummi verzichten'. Hätten wir auf solche Erfolge zurückzublicken, wie unser Reichskanzler, ich möchte wohl denjenigen von un» sehen, der nicht dem gleichen Fehler verfiele. Wessen wir nicht Riesen mit dem Maßstabe der Zwerge, unb banken wir Gott, baß er nnS einen solchen Riesen gegeben hat; bann wirb e» un» schon gelingen, auch feine Rauhheiten zu ertragen." * ,
♦ In einer Versammlung nationalliberaler Wähler be» Soraiter Kreises wurde eine Erklärung beschlossen, in welcher es nach dem Hinweis auf bie fortschrittliche Richtung be» beutschfteisinnigen Kandidaten, de» bisherigen Abgeordneten Herrn Witt, heißt: „Wir nehmen für diesmal Abstand von der Aufstellung eine» nationalliberalen Kandidaten, müssen ei aber für unsere patriotische Pflicht erlernten, unter ausdrücklicher Aufrechterhaltung unserer nationalliberalen Grundsätze, in bet bevorstehenden Reichstag-wahl unsere Stimme für ben Kandidaten der vereinigten konservativen Parteien, Herrn Amtsrichter John inSorau, abzugeben. Alle nationalliberalen Wähler in Stadt unb Laub fordern wir auf, ein Gleicher zn thun.'

