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Drittes Morgenblati We Frankfurter Zeitung.
Literarisches.
Gründung deS deutschen Reiches 1859—1 8 71. Von Wilhelm Maurenbrecher. XVI und 262 S. Leipzig, G. E. M. Pfeffer.
$ o m alten deutschen Reich z u in neuen. Die deutschen Einheitsbestrebungen im 19. Jahrhundert, volks- thümlich geschildert von Heinrich S o lg e r. VIII und 342 S. München, Karl Mehrlich.
Der Versuch der Reichsgründung durch die Paulskirche in den Jahren 18 4 8 und 1849. Akademische Rede von Dr. Karl Binding, ord. Profeffor der Rechte zu Leipzig. VI und 64 S. Leipzig, Dnncker u. Hnmblot.
Wenn Lessing jagt, „daß der Name eines wahren Geschicht- zchreibers nur demjenigen zukommt, der die Geschichte seiner Zeit Und seines Landes beschreibt', jo brauchen die, welche die Geschichte Unserer Zeit und nnsereS Landes geschrieben haben, auf diesen Anspruch nicht allzu stolz zu sein; denn es kommt selbstverständlich aus das Wie ihrer Geschichtschreibung an. Wenn die Dichter in Masse anrücken, so wird es uns immer bange um die Poesie, und wenn, wie in den beiden lebten Deccnnien, die Geschichtschreiber -unserer Zeit und unseres Landes" in Hellen Hausen auf de» Plan stürmen, so braucht die historische Forschung darum noch nicht zu prosperiren. Es ist eben Mode geworden, die Geschichte des neuen Reicher und der ihr vorausgehenden Jahrzehnte zu schreiben. Selten ist eine Epoche der vaterländischen Geschichte in so ausgiebiger Weise von Zeitgenossen zum Gegenstand der „Forschung" gemacht worden wie die unserige. Man sagt, daß die Sucht, Memoiren oder eine Selbstbiographie zu schreiben, meist ein Symptom des beginnenden Alters sei. Wenn da? zutrifft, jo wäre dieser Hang zur Bearbeitung her Zeitgeschichte ein Anzeichen, daß das „neue Reich" alt zu werden änfängt. Diese Betrachtungen überkamen uns auch bei der Lektüre der oben genannten Geschichtsbücher, die übrigens unter den Eintags- werien unserer historischen Literatur noch nicht den letzten Ranz einnehmen. Neues bieten sie im Grunde fast nichts, das besondere Erwählmng verdiente. Das Buch von M a u r e n b r e ch e r, das den Leser durch eine präcise und lebhafte Darstellung anzieht, behandelt die Periode vom Beginn der neuen Aera bis zur Gründung des neuen Reiches. Der Verfasser berühmte sich seiner Objektivität d. h. des Strebens nach Objektivität; denn wir sind ganz seiner Ansicht, daß es schier unmöglich ist, „den subjektiven Standpunkt der persönlichen Meinung völlig und gründlich zu verlassen." Man kann eben nicht aus seiner Natur heraus, der Historiker überhaupt Nicht, und der Darsteller der Zeitgeschichte am allerwenigsten. Das ist denn auch Hrn. M. nicht gelungen, wenn wir ihm, dem eingeschworenen Bewunderer Bismarcks, es auch nachrühmen wollen, daß er feinen emphatischen Wallungen wenigstens einen Zügel anzulegen wußte — freilich nicht immer, wie sein Ausfall gegen „jenen Dr. Johann Jacoby in Königsberg" auf S. 249 beweist. Als Vorläufer dieses Werks kann in gewissem Sinne die Arbeit von S o l g e r angesehen werden, welche die erste» sieben Decennien unseres Jahrhunderts behandelt, von der Auslösung des alten bis zur Gründung des neuen Reiches. Der emeritirte Pädagoge, der seine Ruhetage iter Beärbeiluilg dieses Abschnitts deutscher Geschichte gewidmet hat, verleugnet seine pädagogische Natur nicht: er will zum Patriotismus erziehen, in einem auf »'eitere Kreise berechneten Geschichtsbuche Propaganda machen, um in Deutschland, wo „ganze Parteien vorhanden sind, die sich von internationalen Gesichtspunkten bestimmen hassen", „die Kraft des nationalen Gedankens zu fördern." Der Verfasser hat die Gruppirnng seines Stoffes nach Art einer dramatischen Dichtung arrangirt: die Geschichte der sieben Jahrzente spielt sich als ein „großes Schauspiel, reich an tragischen Seenen", ab. — DaS Schristchen von Binding trägt e'nen occasionellen Charakter »ls akademische Festrede, wie das Buch von Maurenkrecher aus ' einem Cyclus von populären Vorträgen hervorgegangen ist.. Man lpvrde fehl gehen, wenn man aus der Feder des schroffen Partei- Wannes eine absällige Kritik des Frankfurter Parlaments erwarten Wollte. Im Gegentheil, er anerkennt „das unsterbliche Verdienst der Paulskirche von 1848 und 1849“ und den Berus deS Parlaments „zur rettenden wie gar schaffenden That". Er sieht in der Reichsverfassuiig von 1849 den Unterbau der heutigen, die nach Inhalt und Form hinter jener zurückstehe, und bedauert, daß heule noch das politische • Urtheil über jene Schöpfung durch Hochmuth und Unterschätzung getrübt sei. Er, der Gegner des Geschworenengerichts, der Fürsprech der Todesstrafe, der Anhänger des absoluten Vetos, läßt sich sogar die Grundrechte gefallen, worin erden „ganz natürlichen nationalen Aufschrei gegen die Reaktiv» in Deutschland von 1815—48" sieht. Die „Notabel» - Versammlung" in der Paulskirche — „das Vorbild einer parlamentarischen Versammlung großen Stils" — er« ' hält am Schluffe der Rede den Nachruf: „Ehre ihrem Andenken Md dem Denkmal, das sie dem deutschen Volke in der Reichsverfassung errichtet hat! In Einem hat sie geirrt. Sie hat geglaubt an die Macht der großen Ideen, sich selbst die großen Männer des Vollzugs zu schaffen. Mer hebt den Stein gegen solch adligen Irrthum ?" Diese Auffassung des Redners wird begreiflich, wenn wan sich erinnert, daß es nicht die Schöpfer der Grundrechte sind, die er auf den Schild erhebt als Vorläufer der Bismarckischen Schöpfung, jondern die Vertreter des Einheitsgedankens und ber Kaiseridee (bie Eagern, Dahlmann, Pfitzer, Rümelin, Simson «.), die auf dem bekannten Kompromißwege die Grundrechte, die für uns da! welthistorische Piedeslal für das Frankfurter Parlament bilden, in der Reichsverfaffung mit in de» Kauf nahmen.
v. H.
(Je. Debe «' neuer Handatlas über alle Theile der Erde in 59 Haupt- und weit über 100 Nebenkarten mit alphabetischen Namenverzeichnissen. Ausgeführt in der geographischen Anstalt der Verlagshandluug. Leipzig, H. Wagner und E. Tebes.
Dieser neue Handatlas soll ganz und gar dem praktischen Bedürfnisse dienen. Er soll vor allem das uns Nächstliegende und (war möglichst ausführlich und erschöpfend bringen. Die Maß« tobe werden in dem Verhältniß generalisirt, wie die in Betracht iommenden Länder sich räumlich von uns entfernen. Daher werde» n den größten Maßstäben und in der weitesten Ausführlichkeit das deutsche Reich und dessen »ns am meisten interessirenden Grenzgebiete (Mittel Europa) zur Darstellung gebracht. Elf volle Blätter im Maßstabe von 1 : 1,000,000 sind hiesür in Aussicht ge- kiommeu. Die ersten vier Lieferungen enthalten die Blätter:
Elsaß-Lothringen und Nordost-Frankreich, Nordost-Deutschland (die Provinzen Ost- und Westpreußen), West- und Mittel-Deutschland und die Alpenlünder westlicher Theil. Die Karte von Elsaß - Lothringen ist so umgrenzt, daß sie beinahe beit ganze» Kriegsschauplatz von 1870 veranschaulicht; von Ort zu Ort kamt man de» damalige» Ereignissen, den Operationen und Bewegungen der Heere folgen. Wie reichhaltig diese Karten sind, beweist beispielweise da« Blatt mit Westund Mittel-Deutschland; hier sind nahezu 5000 Namen verzeichnet. Aus der ausführlichen topographischen Ilnlerlage sind vollständig die Eisenbahnen, die Hauptstraßcnzüge, die Grenzen der Verwalt- nnzsbezirke bis auf die der Kreise, die Sitze der Behörden, der Generalkommandos und der Bischöfe, die Forste u. m. a. eingetragen. Auf einer äußerst genauen Verkehrskarte ist auch da» Gebiet der mitteleuropäischen Einheitszeit farbig hervorgehobcn. Jedes Blatt bringt ein geographisch gut abgerundetes Länderbild. Die Karten benachbarter Gebiete greifen meist weit übereinander, jo daß die Greuzgegendeit zur Erleichterung des Vergleichs, des Abmessens von Entfernungen tc. sich auf den in Betracht kommenden Blättern wiederholen. Die Karten von West-Rußland und Italien haben den Maßstab 1: 2,750,000; Griechenland erscheint im Verhältniß von 1:1,500,000. Die Karten der außereuropäischen Gebiete werden im Maßstabe von 1:10,000,000ausgeführt. DieBodenformationen kommen überall deutlich zurAnschauung. DieGestaltung der Meerestiefe» (Karte von Griechenland und Italien) tritt bis zur 200-Meterlinie in abgetöntem Blau hervor ; auch viele Tiefenquoten sind eingetragen. Streng durchgeführt ist die Greenwicher Meridianzählimg und das metrische Maßsystem bei den Längen-, Höhen-, Tiefen- und Flächenangaben. Durch weitgehende Anwendung der fortgeschrittenen Farbeudrucktechnik und durch höchst saubere Zeichnung find überaus durchsichtige und leicht lesbare Kartenbilder erreicht worden. Den einzelnen Karlen sind vollständige, alphabetisch geordnete Namen - Register beigegeben; der vollendete Atlas erhält ein Generalregister.
Als eine willkommene Ergänzung der Atlanten ist zu begrüßen die Weltkarte zur Uebersicht der Meerestiesen mit Angabe ber unterseeischen Telegraphen-Kabel und Ueberland-Telcgraphen, sowie der Kohleu-Stationen und Docks. Hernusgegebeu vom Reichs-Marine- A in t, nautische Abtheilung. Berlin, Geograph. Ver- lagShaudlung Dietrich Reimer, Inhaber: Hoefer u. Vohsen.
Die Meertie'en sind nicht in Zahlen angegeben, wie eS bisher üblich war, sondern in 5facher blauer Färbung dargestellt. Die Karten veranschaulichen sehr gut die Gestaltung ber Meeresbecken und die physikalische Begründung der Entstehung des WeltverkehrS- Linien. Sie zeigen alle diejenigen Häfen der Erde, bie für bie Schifffahrt und besonders den Dampferverkehr zur Einnahme von Kohlen und zur Ausbesserung von Schäden wichtig sind. Sie geben ferner eine genaue Uebersicht der unterseeischen und der hauptsächlichsten Ueberland-Telegraphen. Mit einem Blicke lassen sie u. A. erkennen, daß England an der Spitze des internationalen Telegraphenverkehrs steht. Die Hauptausgangspunkte für de» elektrische» Verkehr zwischen Europa und Nordamerika sind Valentia Cork aus Irland, Kap Landsend und Brest. Durch die Wiederholung von Europa und Afrika ist der atlantische und große Ozean in geschlossener Weise zur Darstellung gebracht worden. Mit diesen Blätter» hat das ReichS-Marine-Amt die Reihe der amtliche» „deutschenAdmiralitüts-Karten" um eine oft verlangte, nicht nur für Schulzwecke verwendbare, sondern auch für das große Publikum höchst interessante Karte bereichert. $_
I u r i st i s ch e H a n d b i b l i o kh e k. 1) Lehrbuch des Han- delsrechts mit Einschluß des See-, Wechsel- und Ber- sicherungsrechts von Konrad Co sack, Professor der Rechte au der Universität Freiburg. XXVIII und 744 S. 2) Lehrbuch des internationalen Privat - nnd S t r a f r e ch t s von Dr. L. v. Bar, Professor an der Universität Göttingen, Mitglied des Instituts für internationales Recht. Ylli und 360 S. Stuttgart, Ferdinand Enke.
Bon den vielen juristischen Sammelwerken, welche in neuerer Zeit herausgegeben worden sind, hat unzweifelhaft die von Ferdinand Enke in Stuttgart verlegte juristische Handbibliothek bie größte Verbreitung erlangt. Dies ist namentlich bem Umftanbe zuzuschreiben, baß die Verfasser ber einzelnen Lehrbücher es burchauS verstehen, bie Bedürfnisse ber Praxis mit den Anforderungen ber Wissenschaft in glücklicher Weise zu vereinigen. Auch bie eben genannten Schriften liefern basür einen augenscheinlichen Beleg. DaS Cosa ck'sche Lehrbuch des Handelsrechts, dessen erste Auslage seiner Zeit eingehend hier besprochen worden ist, erscheint in vollständig umgearbeiteter Gestalt. Nicht, nur ist der Stoff vermehrt, indem das W e ch s e l r e ch k und das V e r i i ch e r u N g s- recht zur Aufnahme gelangte, sondern auch einzelne Kapitel, namentlich das F r a ch t r e ch t und das G e s e l l s ch a s t s r e ch t (letzteres auch mit Bezug auf die Gesellschaft mit beschränkter Haftung) sind vollständig umgeformt worden. Davon abgesehen hat aber auch bie Einzelbarstellung eine wesentliche Veränderung erfahren. Insbesondere hat der Verfasser überall die durchaus empfehlenswerthe Neuerung getroffen, daß er irn Text den streitigen Theil deS Handelsrechts und die noch in Fluß befindliche wissenschaftliche Lehre und seine persönliche Ansicht in durch Kleindruck unterschiedenen Ausführungen darstellt. Diese Zweitheilung ist hauptsächlich in Rücksicht aus die akademischen Zwecke des Buches erfolgt. Aber auch dem Praktiker ist eS durchaus angenehm, hierdurch einen Fingerzeig zu haben, was er als herrschende Meinung unbedingt annehmen kann und was er mit Rücksicht aus die Zweifelhaftigkeit ber Geltung noch weiter zu untersuchen hat. Es ist nicht zu bezweifeln, daß dieses Buch, das schon bei seinem ersten Erscheine» so rasche und weite Verbreitung gesunden hak, in seiner neuen Gestalt noch beliebter werde» wird. Seine kurze, klare und leicht verständliche geradezu mustergültige Sprache wird dazu das meiste beitragen. Hat doch gerade dieser Vorzug dem Buch auch schon Eingang in kaufmännische Kreise verschafft. — Das Lehrbuch d e s internationalen Privat- und Strafrechts hatte insofern eine schwierigere Ausgabe, im Vergleich zu der an erster Stelle genannten Arbeit, als es in Deutschland bis jetzt eine akademische Schuldiszipliu dieser Materie noch nicht giebt. Dadurch war die Eiutheilung des Stoffes und die Systematik, bie sich bei anderen Lehrbüchern von selbst ergibt, erschwert, um so mehr, als es sich nicht darum handelte, ein gründliches, wissenschaftliches Handbuch zu schreiben, sondern ein Buch, das gleichzeitig auch
praktischen Zwecken dienen soll. Die dadurch ber Sache au'erkegte Beschränkung war vielleicht die schwierigste Seile ber Arbeit, uub es ist hoch anzuerkennen, baß dies so gut gelungen ist. lleberall wird, wo dies möglich, an die positiven deutschen Rechtsvorschriften angetnüpft. Wo dies, wie bei der Dürftigkeit des internationalen Gesetzesrechts begreiflich, nicht angängig war, hat der Verfasser von ber herrscheiiben Meinung auszugehen versucht. Daß daS Buch den Bedürfnissen ber Theorie wie ber Praxis entgegenkommt, und deshalb eine freundliche Ausnahme finden wird, dürfte nicht zu bezweifeln sein. Z.
Jüdische Familienpapiere von W. Herzberg. Dritte unveränderte Auflage. Vlll. und 317 S. Zürich, Caesar Schmidt.
Das vorliegende Buch wird demKritiker, ber gern nach Schablonen eiiizutheile» liebt, gewiß Kopfzerbrechen machen. Gäbe es eine Gattung Romane, innen man das Beiwort „jüdisch" geben könnte in dem Sinne etwa, wie man bei Bolanden's Werken von „katholischen" Romane» spricht, so sonnte man das Buch unter diese jüdischen Romane rechne»: trenn ein oberflächlicher Urtheilen es aber eine philosophische Apologie de» Judeuthums nennen wollte, so hätte auch er in gewissem Maße Recht. Eine kurze Jnhaltsslizze möge dies beweisen. Eine arme jüdische Familie, Vater, Mutter und Sohn, wird, auf ber Auswanderung nach Amerika begriffen, nach England verschlagen. Die Eltern gehen i» Elend zu Grund«, der fünfjährige Sohn aber wird von einem reichen, edlen Herrn adop- tirt. Der Pflegevater erzieht den Findling in ber christlichen Religion, unb als er herangewachseu. glaubt der Abkömmling ber Juden sich berufen unb verpflichtet, für bie Bekehrung ber Juden zu arbeiten. Auf Wunsch seines Pflegevaters geht er als gereifter, welterfahrener Mann in das Haus feines Onkels, der Rabbi in einer deutschen Mittelstadt ist, um dort fern Bekehruugswerk zu beginnen. Aber ber Bekehrer wird selbst bekehrt, er tritt nach schweren Geisteskümpfeir toieber zum Judenthum zurück und ver- heirathet sich mit feiner Base Rebekka. Das Ganze mit noch rer- schiebenen spannenden Episoden ist in Form von Briefen erzählt, bie ber Pflegesohn an seinen Adoptivvater richtender auch »ach dem Scheitern seines Lieblingsplanes den Abgefakleiteu als Sohn betrachtet. Diese Briefe sind nicht nur in gutem Deutsch geschrieben, sondern auch mit großer dichterischer Gluth. und an de» Stellen, wo sich bie Gespräche zwischen dem christlichen Neffe» unb bei» Onkel Rabbi zu phitosophischen Dialogen auswachsen, sind auch viele Worte ber Weisheit zu finden. Zum Verständniß des Ganzen sei bemerkt, baß bas Buch vor 1868 geschrieben würbe, baß damals aber der Antisemitismus noch nicht erfunden war. Wegen des AiltisemitismuS wurden auch von den Freunden des Verfassers Schwierigkeiten gegen den unveränderten Abdruck erhoben, weshalb der Verfasser in der freien Schweiz einen Verleger suchte. Das Buch ist nicht warm genug zu empfehlen, besonders den Christen, weil sie manche Vorurtheile, die sie in Folge ihrer Erziehung haben, hier verlieren unb nach ber Lektüre bas wahre fromme Judenthum mit anderen Augen ansehen dürften. Ob skeptisch angelegte Leute gerade überzeugt sein werden, daß der abgefalleiie christliche Apostel blos durch zwingende Seweife zum Judenthum zurückgeführt worden, wollen wir dahin gestellt sein lasse». Hyp.
Algerie et Tun i sie. Recits de voyages et etudes.
Par Alfred Baraudon. XVI et 328 p. Paris, Librairie Pion.
Ei» nicht blos lehrreiches, sondern auch unterhaltendes Buch. In der anregenden Form ber Reisebeschreibung erfährt der Leser viel Interessantes über Algier und Tunis, über bereit Beherrscher unb eingeborene Bevölkerung, Geschichte und Gegenwart, Religio» und Sitte». Die kulturhistorische Seite seines Themas wird vom Verfasser eingehend behandelt, unb so widmet er auch z. B. der Lage der Frauen eine große Aufmerksamkeit. Diese Lage ist bekanntlich keine beneidenswerthe, da nach ntuselmännischen Gesetzen der Mann alles, die Frau fast gar kein Recht hat. Jtn Fall bet Untreue ist die Gewalt des Mannes unbeschränkt: er kann die Frau bis aus's Blut peitschen unb kann sie tobten. Dieses Strafrecht gehört nicht blos bem Ehemann, sondern jedem Verwandten einer schuldigen Frau. Vor einigen Jahren ließ ein Marabu von Kabylien seine Tochter, bie sich mit einem Neger vergangen hatte, am Helle» Sage in ein offenes Grab steigen, erwürgte sie dort eigenhändig unb begrub sie. Trotz ber furchtbaren Strafe», bie ihrer warten, betrügen bie arabische» Weiber ihre Männer mit großer Kühnheit und Geschicklichkeit. Der Harem, schreibt ber Verfasser, ist bie Schule aller Laster, um so mehr, da bie Abgeschlossenheit bie Intelligenz ber Fra» schärft und sie zu tausend Listen reizt. Wie sollte auch die Frau treu fein ? Sich selbst überlasse», ohne moralische Grundsätze. ohne geistige Beschäftigung, ohne Lebensinteressen, unter Verschluß gehalten durch den Gatten, der nur Nachts zu ihr kommt, strebt sie nach Allem, was reizt und glänzt, nach dem Unbekannten, das von fern wie Morgenroth strahlt, nach Sonne und Liebe. Die oft mißhandelte Gattin impotenter unb lüsterner Greise, wirb sie bie Beute des ersten Galans, ber bie Schwelle ihre? Gefängnisses überschreitet, namentlich wenn er hübsch, jung und reich ist, wenn er Wohlgernche und Geschenke spendet. Im Anschluß an diese Charakteristik erzählt bann ber Verfasser bie an- muthige arabische Legende von der Liebe Orwah's uub Afra s. Wie gesagt, ein lehrreiches und unterhaltendes Buch. H.
Reue Bücher.
Eingegangen vom 1. bis 7. April.
Adler, Dr. Georg, Ueber bie Aufgaben bes Staates angesichts ber A r b e i t § I o f i g t e i t. Akademische Antrittsrebe. 54 S. Tübingen, H. Laupp'sche Bnchhanblung.
Arnold, Fr., Eine neue Messiabe. VIII unb 358 S. Berlin, Bibliographisches Bureau.
Bornemann, Sic. theol., Professor, Protestantische Grundsätze über Gottesdienst-Ordnungen. Zwei Predigten. Ein Warnungsruf in der Agendensache. 26 S. Magdeburg. Creutz'sche Verlags-Buchhandlung.
B u j a r d, Dr. AtsvnS, unb Baier, Dr. Ebuarb, Hilfsbuch für Nahrungsmittel-Chemiker auf Grundlage der Vorschriften, betreffend die Prüfung ber Nahrungsmittel-Chemiker. Mit in ben Text gedruckten Abbildungen. XVI, 320 und 166 S. Gebunden. Berlin, Julius Springer.
Bulthaupt, Heinrich, Dramaturgiedes Schauspiels. Shakespeare. Fünfte Au l. LVI unb 448 ©. Oldenburg, Schulze'sche Hof-Buchhandlung. (8t. Schwartz).
Der Pastor sprach »och einige Worte, die fast nur an die pfftziere gerichtet schienen. Tann das Gebet.
Die beiden Generäle warfen Erde in die Grube. Nach ihnen Wetter Richard. Dann trat van Tenius mit dem Knaben heran. Es war ihm nnheiinlich, wie hohl es klang, als die Schollen aus seiner Hand auf den Sargdeckel uiederfielen.
„Er ist ja eigentlich leer," hörte er hinter sich einen Hanpt- Nkann sagen.
Wölfi krampfte sich zitternd in seine Hand ein.
' „Nicht tvcrfen!" wimmerte er. „Nicht wieder auf Papa werfen. Komm zu Mama!"
Van Tenius sprach dem Knaben freundlich zu, vermitt lte ein baar Abschiedsworte mit den höchsten Offizieren und brachte ihn vann im Wagen nach Haufe.
Marianne sei wieder zu Veit.
Van Lenins trat in's Haus und ließ den Sanitätsrath zu sich bitten.
Es sei durchaus keine Gefahr. Ein ganz begreiflicher Bankerott aller Nerven. Fran von Ossendorfs werde sich schon wieder erholen. Bei ihrer gesunden Anlage vielleicht sehr rasch. Für's Erste allerdings verlange ihr Zustand unbedingte Ruhe.
Van Lenins widerstand nur schwer dem Wunsch, die Geliebte |U sehen. Er beruhigte sich aber, als der Sanitätsrath versicherte, absolut Niemand, auch kein Familienmitglied außer der Tante würde vorgelassen werden.
Er hatte nock) eine lange Unterredung mit Franz. Der Diener sollte dem Rechtsanwalt jeden Morgen telegraphircn, wie Fran von Ossendorff die Nacht verbracht habe. Nachmittags werde van Tenius immer selbst anfragen.
Acht Tage lang erfuhr van Lenins immer dasselbe. Frau von Ossendorff befinde sich wohl, habe aber immer noch nicht den Wunsch oder die Kraft, aufzusteheu. Zwei Mal fchickte sie, als pe erst die Besuchsstunde des Freundes kannte, Wölfi zu ihm hinunter. Der Knabe hatte Sorge um Mama und sprach sich darüber mit dem Oukel Rechtsanwalt freundschaftlich aus.
Wieder acht Tage später erfuhr vau Tenius durch das MorgeiitLegramm des Dieners, die Frau Baronin fei heule um echs Uhr ausgestanden und habe mit dem jungen Herrn Baron , >aS Grab ausgesucht. Als van Tenius früher als sonst heraus dm, wurde er von der Stiftstaute empfangen. Sie überreichte , hm einen Brief von Marianne.
. „Eine merkwürdige Natur, unsere Anna Maria. Elastisch, grellen; hat bei der Beerdigung gesagt, er begreife Ossendorff picht. Eine so schöne Frau zu verlassen. Und denken Sie nur, Herr Rechtsanwalt, ich reise mit! Wissen Sie, bei solchen Aamilienereiguissrn muß man seine Bequemlichkeit daran sehen.
Wir reisen morgen früh: Nach der Schweiz natürlich. Denken Sie nur, ich habe die Schweiz noch nicht gesehen. Alle Welt fährt ja hin. Es ist gut für Anna Maria, daß ick) mitfahre; sie weiß ja gar nicht Bescheid. Aber sie ist auch fügsam! Sie läßt mich ganz allein die Reiseroute machen."
Wahrend die Taute dummes Zeug schwatzte, schien sie den Rechtsanwalt mit ihren klugen Augen durchdringen zu wollen.
Bau Tenius empfahl sich, um in Ruhe seinen Brief lesen zu können. Marianne schrieb:
„Mein geliebter Freund ! Als ich heute erwachte, konnte ich ansstehen, denken und schreiben. Ich habe an Dich gedacht, und ich schreibe Dir.
„Wir müssen uns ans einander verlassen können. Ich glaube nicht, daß ich etwas thun oder unterlassen sann, was Du nicht verstehst.
„Ich kann hier nicht bleiben. Der gute Sanitätsrath schickt mich weg. Aber so klug bin ich von selbst. Ich hoffe, ich werde bald genesen, wenn ich erst fort bin.
„Ich kann Dich nicht fehen. Jetzt nicht! Nicht wahr. Du verstehst mich, mein geliebtes Herz? Wir wollen kein Unrecht begehen. Der Leute wegen, das ist ja Unsinn. Aber auch der Leute wegen. Sein Andenken ist heilig. Ich könnte Dich jetzt nicht fehen. So drücke ich Dir denn die Hand und sage Dir Lebetvohl und auf Wiedersehen.
„Werde nicht ungeduldig, wenn ich nicht gleich schreiben sollte. Ich kann das nicht vorher sagen. Wenn ich nach einem Brief von Dir verlange, werde ich Dir meine Adresse angeben.
„Und wenn ich genesen bin, so komme ich zu Dir zurück, oder rufe Tick) zu mit. In der ersten Stunde da ich genesen bin.
„Sei gut und behalte mich lieb!
„Ueber das, tvas in mir vorgeht, heute kein Wort. Du mußt ja Alles verstehen.
„Wölfi ist entzückend gut und rücksichtsvoll. Ich verdanke ihm viel, er scheint mir weit über sein Alter hinaus. Und dabei so vornehm und — wahrhaftig galant gegen mich. Er spricht ost von Dir.
„Lebewohl. Auf Wiedersehen!
„Daß ich Dein bin, weißt Du ja!
Deine
Marianne."
Van Tenius besorgte einen dichten Strauß von Veilchen und etwas Konfekt. Er fchickte das Packet an Frau von Ossendorff und schrieb dazu:
„Mein geliebtes Herz! Schone Dich, genese und bleibe mir gut! Was immer Tu beschlossen hast, sei sicher, mein Denken ist eins mit Deinem Denken.
„Und noch dies, damit Du um mich keine Sorge hast. Ich werde während Deiner Reise zu arbeiten haben. Um der Arbeit selbst willen, um Deinetwillen, aber auch weil ich wie Du etwas Schweres zu vergessen habe. Befreie Dich in den Alpen! Ich bin ein Mann und werde es hier fertig bringen. Grüße Wölfi und übergteb ihm von mir die Süßigkeiten. Ich möchte mir seine Freundschaft erhalten. Die Veilchen sind für Dich. Und wenn Du wieder fröhlich bist, so grüße die Tante.
„Nimm au, daß ich unaufhörlich auf Nachricht von Dir warte. Doch schreibe darum nicht früher, als bis Du Dich frei fühlst. Ich werde nicht ungeduldig sein. Lebewohl! Auf Wiedersehen, mein Weib!
„Und daß ich Tein bin, weißt Du!"
Damit hatte van TeniuS von Marianne Abschied genommen, machte keinen Versuch mehr, sie vor der Abreise noch zu sehen, und dachte an sie nur noch als an die ferne Geliebte. OhneUeber- stürzung, aber mit festem Willen ging er wieder an seine Thätigkeit, die in den letzten Monaten doch nur ruckweise vorwärtsgegangen war und die seit vierzehn Tagen völlig geruht hatte.
Ueber's Jahr, wenn der Jasiuin tvieder blüht, wird Marianne seine Fran werden.
Im Spätherbst etwa wird sie von der Reise ziirückkommen, etwas melancholisch noch und blaß, vielleicht auch leidend, aber endlich sein geworden, und dann wird die heimliche Brautzeit beginnen. Dann wird er anders als bisher, ernsthafter, herrischer, seine Zukunftsplüne, seine kleinen Erfolge und feine großen Studien vor ihr ausbreiten, und bis dahin möchte er wenigstens seine wissenschaftliche Arbeit vollenden.
Ein seltsames Brautgeschenk! Aber sie hat ihn lieb genug, um ihn zu verstehen. Er wird das Buch über das große Jnvaliden- heer der Arbeit nicht dem Andenken Offendorffs widmen, aber es wird ihn und sie an den Todten erinnern, und so die andern Erinnerungen tragen helfen. Und sollte es, wie doch möglich, ein hübscher wissenschaftlicher Erfolg werden, so wäre das gut. Zum ersten Mal regte sich im Rechtsanwalt die Eitelkeit, der Baronin von Ossendorff einen Namen zu schenken, der nicht geringer wäre als der ihre. Wenn es auch nur der Leute wegen geschähe; er hatte ihr doch auch die überflüssigen Blumen gesandt.
Und dann wollte er, bevor sie zurückkehrte, mit der anderen Sache fertig werden, mit dem Gespenst, dessen kalten Hauch er nicht mehr spüre» wollte, wenn Marianne sein war.
Sechzehntes Kapitel.
Anfang Juli kam ein Brief au? Zürich. Von fremder Hand. Die Stiftstante!
Die Reisenden seien der kühlen Witterung wegen in derEbene
_________________________8. April 1884.
Büchner, Dr. Ludwig, Prof., Kraft und Stofs oder: Grundzüge der natürlichen Weltordnnng. Nebst einer daraus gebauten Sittenlehre. In allgemein verständlicher Darstellung. Billige, vollständig neugearbeitete Volksausgabe. Mit Bildniß und Biographie des Verfassers. XVI nnd 305 S. Leipzig, Thevd. Thomas.
Frey, Karl. Die Schulaufsicht, ihre Ausgaben und ihre Gestaltung. 304 S. Köln, Kölner Verlags - Anstalt A -G.
Frommer, Paul, Romanze. Op. 28. Ausgabe für Pianoforte solo. 5 S. Leipzig, I. Schuberth u. Co.
Gotthelf. Jeremias, Elfi, Die seltsame Magd. Erzählung. 30 S. (Bibliothek für alle. Nr. 1). Bafel, Kochler'fche Buchhandlung.
Graffenried. Dr. C.Wilhelm von. Die schweizerische Staatsbank. Eine volkswirthjchaftliche Stizze. 66 S. Bern, Schmid, Francke u. Co.
Grieb, Christoph Fr., Englisch-Deutsches und Deutsch-Englisches Wörterbuch. Zehnte Auflage mit befondererRücksicht auf Aussprache unb Etymologie neubearbeitet unb vermehrt von Dr. Arnold S ch r ö e r, ao. Professor der englische» Philologie an ber Universität Freiburg i.'B. 1. Lief. (Vollstänbig in 42 Lieferungen). Stuttgart, Paul Neff.
Haupt, Ottomar, Arb itrages et Parites. Traite des opärations de Banque contenant les usages commerciaux, la theorie des changes et monnaies les dekles publiques la statistigue monetaire de tous les pays du globe. H u i_t i e in e edition, compläment, refondue et augmentie. XXII et 922 p. Gebunden. Paris, Boulevard des Italiens, 26, Librairie Truchy, Ch. Leroy, Successeur.
Lucchetti, P., Pape Satan Alepe. Saggio di una interpretazione scientitica della Commedia die Dante Alighieri. 32 p. Milano, Via Visconti N. 14, Tipografia industriale di G. Pizzi.
Mistaro, Antonio, Da« P y r o g e n e i o, seine Entstehung, Entwicklung unb seine gegenwärtige Vollendung. Mit einem Stiel» bild und 5 Tafeln. 32 S, Wie», VII., Mariahiljerfir. 88a.
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Rosenthal,Eduarb,Professor,Internationales Eisenbahn- Frachtrecht. Auf Grund des internationalen Ue6ereüitommeii8 über ben Eisenbahn - Frachlverkehr vom 14. October 1890 und ter Koiiknrrenzbeschlüfje vom Juni inib September 1893 da gestellt. XXII und 398 S. Jena. Gustav Fischer.
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Schwär tz, Rubols, E st her im deutschen unb neulateinischen Drama des NeformationszeitalterS. E ne litterarhistorische Untersuchung. VIII und 278 S. Oldenburg, Schulze'sche Hof- Buchhandlung.
V ilmorin's Blnmengär t nerei. Beschreibung, Kicktm und Verwendung des gesäumten Pflanzenmaterials für deutsche Garten. Dritte, neubearbeitete Auslage mit 1000 Holzschnitten im Text und 400 bunten Blumenbildern auf 100 Farbendruck- tafeln. Unter Mitwirkung von A. Siebert. (Direttor bet Palmengartens zu Frankfurt a. M.) herausgegeben von A. Voß (früher Instituts-Gartner in Göttingen). 1. Sief. (Erscheint in 50 Lieferungen). Berlin SW, Paul Parey.
Wahle, Dr. phil. Herrn., Die naturwissenschaftliche Maske der Sozialdemokratie. Ein Appell an das Gewisse» ihrer Führer. IV und 23 S. Magdeburg, Creutz'sche Verlagsbuchhandlung.
Wrangel, Gras C. ©., Ungarns Pferdezucht in Wort und Bild. 111. Band: Die ungarische Landespserdezucht. Die Privaigestüte. Mit 42 Vollbildern. VIII unb 336©. Stuttgart. Schickhardt u. Ebner, (Konr. Wittwer).
50jährigeS Jubiläum der Firma W. Benger Söhne in Stuttgart. Mit Abbildungen. 36 S. Gebunden. Stuttgart.
»^Handels- und Schifffahrts-Vertrag zwischen Deutschland und Rußland nebst Zolltarifen und Uebereinkunft wegen Wieder-Uebernahme der auf dem Gebiete des anderen Theiles lebenden Angehörigen. 45 S. Berlin, 91. v. Deckers Verlag. G. Schenck.
*** Offizieller Bericht über die internationale Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a./M. 1891. Herausgegeben vom Vorstand der A u § ft e 11 u n g. II. Band: Bericht Über die Arbeiten der Prüfungs-Kommission. In deren Auftrag heransgegeben durch R e d a k t i o n s - Komm! ss i ou. Mit 155 Text - Illustrationen und 1 Tafel in Farbendruck. XXXII und 456 S. gr. Q. Gebunden. Frankfurt a. M^ I. D. SauerländerS Verlag.
*** Gutachten über das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren („Schächten"). XVI unb 122 S. Fol. Berlin, Markgrafenstr. 60, Emil Apolant.
Kataloge. Lagerverzeichniß No. 89 der Buchhandlung E » stat Fock in Leipzig. Ehemie nnd Pharmazie, chemische Techno logte, Hygieine, Bakteriologie, Mikroskopie enthaltend u. A. bi Bibliotheken ber verstorbenen Professoren C. Schortemmer uns E. Lellmamt. 96 S„ 2921 Nummern. Ferner: A » t i a u a r i» scher Anzeiger No. 1 unb 2, je 16S.; 428und450Nummern.
Zeitschriften
Gizhcki, Dr. Georg v., Ethische Kultur. Heft 3. Berlin, Ferd. Dümmler's Berlag-buchhandlung. — Großmann Dr. I., Zeitschrift für Hypnotismus. Suggestionstherapie. Sugge stionstehre und verwandte psychologische Forschungen. Bis Hest 6 Berlin, Serin. Brieger. — S t a n g e' s illnstrirte Reise- mit B e r t eb r s - Z e it uu g. Bis No. 7. Berlin. — Burschen sch östliche Blätter. V11L Jahrg. S.-S. 1894, No. 1 Berlin, Wilh. Baensch. — Die Kunst unserer 3eit. Lief. V München, Franz Hansstaengl, Knnstverlag. — M o d e r n e K n n st 16. Hest. Berlin, Rich. Bong. — Atitt Heilungen des 21 e re in? zur Wahrung ber gemeinsamen wirthschajtticheu Interessen in Rheinland und W estfalen. HeranSg. von dem Vereins- Vorstände. Redigirt von Dr. W. B e u m e r. No. 1. Düsseldorf. — Re tone d e i R ebne s. No. 7. Avril. Paris.
geblieben, die eigentliche Gebirgsfahrt habe man für besseres Wetter aufgefchoben. Frau von Ossendorff fei munter nnd widme sich ganz bem süßen Wölfi, dessen Erziehung unter dem Hotel- leben nicht leiden dürfe. Sie, die Slistslante, fei eigentlich immer dagegen gewesen, Kinder in's Hotel zu nehmen, schon wegen der vielen Gänge bei Tisch, obgleich das berühmte Hotel Bauer wirklich, das müsse sie sagen, sehr viel leiste. Besonders dir Früchte zum Nachtisch feien zu loben. Anna Maria lasse übrigens auf dem Zimmer servilen und sehr einfach, fast unter ihren Verhältnissen. Nun, der Herr Rechtsanwalt wisse die Adresse und sei höflichst gebeten, die unb die Noten und die und die Zeichenhefte für Wölfi gegen gelegentliche Erstattung der Baarauslagen zu feude». Ann.l Maria beschäftige das Kind in wirklich lobens- werther Weife.
„Sie werden sich sagen, lieber Herr Rechtsanwalt, daß mein Neffe Richard der Nächste dazu wäre, fo kleine Aufträge zu besorgen. Und ich meinte das auch. Anna Maria bestand aber darauf, ick) sollte mich an Sie werden. Die Acrmste mag wohl recht haben. Die Lieutenants sind eben ein anderer Menschenschlag, und Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist in so kleinen Geschäften nicht von ihnen zu verlangen. Schrecklich sind di' Offiziere in der Schweiz. Sie reden wahrhaftig platt! Denken Sie nur, lieber Herr Rechtsanwalt, Dialekt reden sie, unb_ noch dazu den schweizer! Ich verstehe gar nicht, wie die Leute sich in dieser Sprache etwas befehlen lassen können.
Aber ich schwatze und schwatze und habe doch nur einen Auftrag auszuführen gehabt.
Zu Gegendiensten gerne bereit Ihre
Mathflde Freiin von Ossendorff."'
Van Lenins besorgte Noten und Hefte und schickte sie mit ein paar freundlichen Worten an Wölfi's Adresse ab. Wenige Tage darauf kam ein Tankbrief des Knaben mit Grüßen von der lieben, lieben Mama.
Tann vergingen Wochen ohne jede Nachricht., Van Tenius hielt sich selbst im Zaum und ließ feine Gedanken feiten nach der Schweiz himiberschweifcn. Nur des Abends ertappte er sich wohl darauf, daß er sich vorznstellen suchte, was Marianne in diesem Augenblicke trieb oder sprach ober wie sie blickte. Auch las er in seiner Zeitung immer die kurzen Berichte unb Telegramme aus der Schweiz, und in der Witterung-tafel verfolgte er die Temperatur der schweizerischen Stationen. Die politischen Ausregnügen der Schlveizer interessirten ihn freilich nicht. Wenn aber ein Eisenbahnunglück stattfand oder eine Lawine niedcrgegaugen war, so machte gar er ein ernsthaftes Gesicht.
^Fortsetzung folgt.)

