sr. 17». Morsrnvlatt

Ein unddreissigster Jahrgang«7

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14 Fr. 40 Gen.

, > italienischen Postämtern . » , holländischen Postämtern , » » russischen Postämtern , .

unter Kreuzband im Weltpostverein der Expedition direkt bezogen

(und mir zwei Thüren an den Stirnwänden, wie sie zahlreich namentlich in Preußen und Oesterreich im Betrieb find, mögen einige Keine Annehmlichkeiten bieten, find aber genau besehen ebenso unpraktisch als nnficher. Bei großem Zudrange des Publi- klilns an den Halteplätzen bindern die beiden engen Thüren den Verkehr, denn fie reichen nicht aus, die Passagiere mit der ge. botenen Schnelligkeit aufmnehmen, namentlich wenn dieselben Gepäck mit sich führen. Nun denke man sich aber einen Zu­sammenstoß, eine Panik, irgend eine Katastrophe, die nicht, wie in Wansee, nur einen Wagen, sondern einen gangen Zug in Mitleiden- JAöft zieht — in den engen Gängen und zwischen den beiden schmalen Thülen der sogenannten Jnterkommunikationswagen werden die Passagiere ebenso große Fährlichkeiten zu bestehen haben, als bei einer Panik die Aesnchcr in einem winkligen, lenWerha sonst ruitfen Theater. In schuldiger Rückficht auf die Sichel Helt des sahrenden Pnbllknms, wie auch im Interesse des Verkehrs, läßt daher die Verwaltung der sächsischen S t a a t s e i s e n b a h ii e n seit einiger Zeit nur Personenwagen m ihren hiesigen Hailptwerkstätten bauen, die strikte nach dem Conpestistem eingerichtet find. Jedes Coup« hat zwei Ausgangs- thuren und breite Fenster; ein Wage» mit 7 Conpös feit also 14 Aiisgangsthüren, die sämmtlich schnell geöffnet wer­den könne». Indeß werden auch in Sachsen, jedoch nur in la n g- sam fahrenden Zügen, einzelne Jnterkomninuikationswagen verwendet; diese möglichst bald, soweit die öffentliche Sicherheit gesahrdet ist, außer Betrieb zu setzen, wird sich die Verwattnng der sächsischen Stuatsbahucn zur Pflicht Mächen.

0 Darmstadt, 25. Juni. Die Grobherzoglich- Central- stelle für die Gewerbe und den Landesgewerlevereiil hat für die demnächst zu eröffnende allgemeine A u s st e l l u n g von Lehrlings-Arbeiten ans dem Großherzvgthum Hessen folgen­des Programm ausgestellt: Die Ausstellung beginnt am 9. Juli und dauert bis 24. Juli, am 11. Juli tritt die Handwerkerschul- kommission zur Prüfling und Beurtheilung der Schularbeiten zu­sammen, am 13. Juli beginnt die Prüsun, slomiujssion, welcher auch di- Prümiinlug der besten Ausstellungs-Arbesten oi liegt, mit ihrer Thätigkeit; Mittwoch den 20. Juli ist allgemeine Lehrerkonferenz sämmtlicher inländischen Handwerker- und Kunst- Gewerbeschulen, Donnerstag den 21. Juli findet festliche Ver­sa mnilnug der Mitglieder des Landcsgewerbevereins statt und find für diesen Fest-Akt vorgesehen: Rede des Präsidenten der Eroßh. Centralftelle für die Gewerbe und den LandeSgewerbe- rerein, Bericht der Handwerkerschulkonimission über die AuS- stellung, Bericht der Kommission über die Lehrliugsarbeiten rc., am Nachmittag Festessen, am Abend Gartenfest im Saalbau m.

• o Stuttgart, 23. Juni. Der gestrige allgemeine Po' LVe *9 ,u 1 ‘ <1 • $1 b t n b, zugleich das 12. Stiftungsfest dcS Allgemeinen Polytechniker-Vereins nahm den schönsten Verlaiif. Galt es doch, gleichzeitig drei Jubiläen zu feiern, drei Jubilare zu begrüßen, die Professoren H ä n e l, Zech und Kopp. Volle vierzig Jahre gehört der erstere (nebenbei be­merkt der Bruder des Reichstagsabgeordneten Hänel) dein hie- figenPolytechnikum an, fünfundzwanzig Jahre die beiden anderen Jubilare. Kultusminister Sarwey hatte sich mitseinem Adlatus S i l ch e r eiugefunden, eine stattliche Corona bildeten die Herren Professoren und sonstigen Vertreter der Wiffenschaft, auf den Ga lenen schaute ein anmuthiger Kranz von Jungiräulein auf d aS studentische Treiben hernieder, und last not least, das Ster mar gut. Weit erfreulicher aber noch als das letztere, war der Eindruck, den man vom Feste heimnahm, daß Lehrerschaft und Hörer am Polytechnikum ein fest gefügtes Ganzes find, daß Einer für den Anderen fleht, und es keiner Slnregungeii 6e»~ bari, das Studium zu erzwingen. Die Jugend, die gestern bei dem Commers so urfidel saß, die braucht leinen Zwang! Wenn fie Lehrer besitzt, wie die Jubilare, wie die Herren Dollinger, ^.eichmann /Und wie sie nun alle heißen mögen, kommt bet «animus studendi* von selbst; das hat sich auch in den Reden gespiegelt, bie geholten wurden. Der gestrige Abeud hat aezeigt, daß unsere Stuttgarter akademische Jugend keines Gängelbandes bedarf und der donnernde Salamander, der neben so viel an­dereil gerieben wurde, konnte dem Herrn Kultusminister beweisen, wie sehr ihm die akademische Jugend für sein liebenswürdiges Einspringen, als es galt, im Landtag, deren Rechte zu wahren, dankbar ist. '

dest, 24. Juni. Nach den nunmehr vollendeten amt ichen Ausnahmen über die Pakser Katastrophe wurde konsta- tirt, daß auf der verunglückten Platte 372 Personen, 2 Fiaker- Pferde und ein Zugpferd sich befanden. Es haben sich 176 Meirichen gerettet; 151 Personen wurden als Leichen aus den Wellen gezogen, 45 Personen werden vermißt, bie gewiß gleich- !ol!§ den Tod tn den Willen gefunden haben, so daß die Zahl der Opfer fich auf 196 beläuft. Die bisher vermißten Leichen dürfteii nicht so bald und nicht so leicht zum Vorschein gelangen, da sich leider verbrecherische Menschen fanden, welche die L e i ch e n erst beraubten, daun fortschwimmen ließen ober gar ver­senktem Van den umgekommenen Doroaher Marktfahrern die beträchtliche Geldsummen mit sich führten, wurde bisher 'ein einziger aufgefunden. Erst gestern gelang es der Gendarmerie, drei dteser Leichenräuber dingfest zu machen, und nach einem werten wird jetzt gefahndet. Es wurde amtlich konstatirt, daß die Platte höchstens eine Tragfähigkeit für 250 Personen besaß; 57 Familien verloren ihren Ernährer und 134 Kinder wurden ju Waisen. Dieselben wurden vorläufig durch den Stadtvorstand von Paks untergebracht. Die Stadtvertretung entsendet eine Kommission zur Veranstaltung von Sammlungen im ganzen Lande.

Hl. Antwerpen, 23. Juni. Nicht blos aus Amerika, sondern auch aus Australien wird jetzt frisches Fleisch nach Antwerpen importirt. Zu diesem Zwecke hat sich vor einigen Monaten hier eine Gesellschaft gebildet, deren Schiffe mit be-

7 Mk. 50 Pf.

8 . 25 .

Expeditionen)........

bei unseren auswärtigen Agenturen . . . bei allen Postämtern des deutsch-österreich,

Postvereins...... , ,

oei allen Postämtern der Schweiz . , , sei den belgischen Postämtern , , . ,

Gerichtsjeitttng.

* NeitRnppln, 20. Juni. Im Jahre 1882 wurden von bem Schwurgericht der Kaufmann Weber, her Tischlermeister Schröder aus Flecken Zechlin und die Gebrüder M v h n k - Äechlin lvktzkn tl)( ü r b 13, begangen an ber unver» "wuchten Tischiermeisterstochter Marie Böhm zu Dorf Zechlin, zum Tode resp, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt. In den letzten Tagen soll, wie die »Rheinsberger Zeitung" mit» theilt, eine HauptbelastungSzcugin in diesem Prozeß, bie frühere Dienstmagd A. PeterS, jetzige verehelichte Sübner Räthke zu Wallwitz, Aeußerungen gemacht haben, nach benen sie damals einen Meineid geleistet und alle ihre damaligen Angaben aus Unwahrheit beruhen. Wie das zitirte Blatt berichtet, find der Erste Staatsai.walt aus Neu-Nuppin, sowie Amtgerichtsrath Klein am Dienstag in Wallwitz gewesen und haben bie Aussagen ber gegenwärtig bettlägerig kranken Räthke zu Protokoll ge- nominell.

it» te x* n U.

von

. . 18 Mk. — Pf.

Familie in ländlicher Zurückgezogenheit lebte, dabei aber im­mer sehr fleißig arbeitete. Seine Hauptarbeiten, die im Druck erschienen sind, liegen selbstverständlich auf dem religiösen, volkswirthschaftlichen und sozialen Gebiet. Wir nennen unter Andern: Das Leben Jesu, das sogenannte apostolische Glau» bensbckenntniß; alte und neue Weltanschauung; Allgemeine Religionsgeschichte, Grundlinien ber Religionswissenschaft; das Buch von der Arbeit; Ideen zur sozialen Reform; Apollonius von Tyana. Sehr zahlreich sind seine Schriften über Vege­tarismus (naturgemäße Lebensweise) von der wiflenschaftlichen Begründung dieses Systems an bis zum Kochbuch, wie er denn überhaupt der hervorragendste wiflenschastliche Vertreter dieser Lebensweise in Deutschland war, tvodurch er sich allerdings in den dadurch in Mitleidenschaft gezogenen Jnieresienten manchen Persönlichen Widersacher zuzog und auch seinem lokalen poli­tischen Einflüsse einigen Abbruch that. Auch in Poesien hat sich Baltzer mehrfach versucht und unter Anderem neuerdings unter dem Titel „AusmeinemLeben" ein Bändchen Gedichte herausgegeben, die aber mehr ihrem Inhalte, als ihrer Form wegen besonderes Jntereffe verdienen, indem die­selben so recht eigentlich Gelegenheitsgedichte sind, und die interesseantesten LebenScreignissr des Verstorbenen zur Unter­lage haben.

Am Freitag den 24. Juni frühmorgens 2 Uhr schloß Baltzer in Durlach die Augen; eine tief trauernde Gattin, die ihm während feines ganzen vielbeivegtcn Lebens treu zur Seite stand, eine dort verheirathele Tochter, deren Gatte und Kinder umstanden das Todtenbett; der einzige Sohn war ihm vor einigen Jahren vorausgegangen, ein schwerer Schlag für den tiesgcprüftrn Vater.

Speziell in Nordhausen wird Baltzer's Tod tief betrauert. Die freie Religionsgemeinde wird sich durch eine beson­dere Deputation an dem Leichenbegängnis; in Durlach am nächsten Sonntag vertreten lasten, und in der Gemeindever­sammlung zu Nordhausen am nächsten Sonntag eine besondere Todtenseier veranstaltet. Sein Andenken aber wird allezeit rin gesegnetes bleiben.

H. W.

völkerung stieg, machte er sich bei dem damals herrschenden reaktwimr-orthodoxen Regime mißliebig, zumal er sich auch sonst mehrfach an der zu jener Zeit im Aufschwung befindlichen Iichtfrenndlichen Bewegung betheiligte. Seine im Jahre 1846 erfo.pte Bahl zum Prediger in Halle wurde in Folge besten ebenso wenig bestätigt wie die Ende destelben Jahres erfolgte höchst ehrenvolle Wahl zum Oberprediger an der St Ni- £,oI“‘ ; Kirchengemeinde zu Nordhausen. Da die Nordhauser Burger somit einen freisinnigen Prediger nicht er- halten konnten, einen orthodoxen aber nicht haben wollten, »rat fast die ganze genannte Kirchengemeinde aus der Landes­kirche aus und gründete eine freie Religionsgemeinde, al§ deren Prediger sodann Baltzer einstimmig berufen wurde. Zur damaligen Zeit war aus Anlaß der Aus- stelluiig des heiligen Rockes in Trier in der katholi­schen Kirche (zuerst unter Führung von Rouge und

Czerski) eine religiöse Neformbewegung in Gang gekommen, bie durch analoge Bewegungen auf protestantischem Gebiet eine sehr wünschensiverthe Ergänzung fand und zur Grün- düng von freireligiösen Gemeinden in ganz Deutschland den Anstoß gab. Seit jener Zeit hat nun Baltzer in Nord- hausen leine iiach allen Richtungen hin eifrige Thätigkeit im öffentlichen Leben begonnen und ein volles Menschenleben hin­durch mit Muth und Kraft, trotz aller Anfechtungen und Fähr­nissen, die sich ihm entgegenstellten, durchgeführt. »Fortiter in re, suaviter in modo', war der Wahlspruch, nach dem er lebte und wirkte. Als Kanzelredner erwarb er sich durch seine, nach Form wie Inhalt gleich ausgezeichneten Sonn­tagsvorträge weithin großen Ruf und Anerkennung, so daß auch viele nicht zum engeren Verbände ber freien Religions- genteinbe gehörige Mitbürger bieselben besuchten unb selbst aus water Ferne dazu herbeieilten. War es doch die Religion der allgemeinen Menschenliebe, der Humanität und Sittlichkeit die er lehrte und in ber er selbst ein leuchtendes Vorbild blieb. Aber nicht nur als Prediger, als Lehrer und Erzieher der Jugend entfaltete Baltzer eine fruchtbare Wirksamkeit - auch als Burger und Mensch, als Politiker und Volkswirlh ent- wickelte er eine höchst bedeutsame und fruchtbringende Thätig-

kam es denn, ihm durch das Vertrauen feiner Mitbürger bald alle kommunale Ehrenstellen übertragen wur»

einiger Personen, welche von der Pforte als ottomanische. von den Griechen. als hellenische Unterthanen angesehen iverden. Die ^okalbehörden wollten derartige Personen polizeilich ein­ziehen lasten, woraus der griechische Konsul bie offiziellen Be- I ^Hungen abbrach. — Herr von Radowitz wird Anfangs Jul, eine zweimonatliche Urlaubsreise untreren.

* , Eine offiziöse Zuschrift ber »Polit. Korr." ans Berlin krachtet den Rücktritt des türkisch en Kabinets unb besseii Ersetzung durch tm ruffenfreundliches für sehr wohl mög.

"kirnen Konflikte, meint man jedoch in Berlin, *“9lc di* egYptifche Angelegenheit schwerlich führen.

I t Anßlanb in der Sage zu kriegerischen Unternehmungen, so tote die bulgarische Frage besseren Anlaß. Was

I jVL® n n e t <9 antelange, so werde es fich sicherlich mit dem I biplomattfdjen Erfolge vorläufig beruhigen, unb eS gelte als I ausgeschlossen, daß es England auf anderem als diplomatischem Gebiete zu bekämpfen suchen werde. Em, land dürste in den Zu- gefländnissen schwerlich so weit gehen, daß Riißland unb Fraiik- reiib befriebigt würden, wahrscheinlich werde es d e Konvention m1« lln" kme abwartende Stellung eiimehmen, so daß Alles beim Alten bliebe England hätte übrigens keinen Grund, bas Schnier,i der Konvention zu bedauern. Ob Rußland unb Frankreich Gegenvorschläge machen würden, sei abznwarten. Daß eß darüber zu etwas Anderem, als zu einer diplomatischen Ans- eliiandersetzuiig mehr ober minder gereizten Charakters kommen bürste, werde nicht befürchtet. Ans Sympathien unb Unter» Mtzung,de»ticheiseits hätten französische Vorschläge kaum zu rechnen. Neber dieselbe An elegenheit spricht fich auch bas Organ des Herrn Crijpi, die „Mi formn* aus. Das italienische Blatt fragt, was Rußland 1 nd Frankreich durch ihre Bekämpfung der Konvention, welcher von Deutschland, Oesterreich unb Italien }ugtfnmmt wurde, gewinnen könnten. Die Engländer würden einfach Egypten gar nicht mehr verlassen. England habe in bet ^iyptiichen Angelegenheit viel Geschicklichkeit bewiesen unb den Grundsätzen der Billigkeit sich nicht verschlossen. Es wäre un- gerecht, dies zu verkennen, ungerecht und unzweckmäßig, denn England konnte bei fortdauernder feindseliger Haltung Frank­reichs und Rußlands sich jeder Rücksicht entbunden erachten unb nur bie eigene Würbe wahrnehmen. Es wäre fürwahr besser, eine freundschaftliche tBcrfiänbigung anzudahncu.

Deutsche« Keich.

♦ Krankfitri, 26. Juni. Mit dem heutigen Blatte er­halten unsere Leser als Extrabeilage den Wortlaut des neuen Btanntweinstenergesetze» mit den für den Verkehr zwischen der Steuergemeinschaft und den süddeutschen Staaten erforderlichen Hinweisen.

Großbritannien.

* London, 24. Juni. Im Unterhause mußte gestern em gewister Reginald Bidmead vor den Schranken des Hauses erscheinen, um wegen Fälschung von Unterschriften ber Petitionen, bie an bas Haus zu Gunsten ber Beibehaltung der Wein- unb Kohleusteuer in ber City von London gerichtet worden waren, einen Verweis vom Sprecher zu erhalten. Der Delinquent, ein junger Mann wurde vom Sergeant-at-Arms vor die Schranken geführt" worauf der Sprecher ihn wie folgt anredete:

SUginalb Bidmead! Vorigen Montag beschloß dieses Haus daß Sie Unterschriften gewisser diesem Hause überreichten Peti- I Itonen fabrizrrt hätten unb Sie sich dadurch ber Verachtung unb »erlefcung der Privilegien dieses Hauses schuldig gemacht hätten. Dar Haus faßte ferner den Beschluß, daß Sie heute erscheinen sollten, um van dem Sprecher einen Verweis zu erhalten. kEine dritte Verordnung seitens des Hauses annuBirt Über 30 Bitt- fünften, welche durch Fälschung verdorben worden und die da« Haus demnach als einen Angriff auf die Würde dieses Hauses verwarf. Der zur Untersuchung der Angelegenheit eingesetzte Ausschuß hat berichtet, daß Sie, Reginald Bidmead, der Schul­dige sind, daß Sie, wie Sie dies auch selber in einem an mich I genuteten Schreiben gestanden, 1600 ober 1700 Unterschriften verschiedener Petitionen gefälscht hätten, daß Sie dies gethan hätten mit einer chnischen und rücksichtslosen Geringschätzung der Mißachtung, in welche Sie durch Ihr Verhalten das große | «eS)t, an dar Hans ber Gemeinen zu Petitioni» ren, versetzten. Für ähnliche Vergehen, wie baä Ihrige, sind 2"°"Uer nach Newgate (ins Gefängniß) geschickt worden, nicht nur in alten Zeiten, sondern in ganz jüngsten Zeiten, in der (Erinnerung vieler Mitglieder, die jetzt Sitze in diesem Hanse mnehaben. Nachdem das Hans Ihren Fall in Erwägung ge­zogen, hat es sich in Bezug auf die zu erkennende Strafe nach- fiwtig gezeigt. Es hat Sie nicht in da s Gefängniß verwiesen I jonbern es hat mich als den Sprecher dieses Hauses beauftragt I 3bnen einen Verweis zu ertheilen, was ich hiermit thue. Sie «erden dieses Haus mit dem Tadel dieses Hauses und mit bem I Brandmal der lebhaften Mißbilligung desselben verlassen. Sie können jetzt die Schranken verlassen.

Bidmead verbeugte sich unb verließ das Haus. — Die Iubiläumssestlichkeite 11 nahmen gestern in W in b- I for ihren Fortgang. Im Home Park würben bei herrlichem Wetter über 6000 Schulkinder festlich bewirthet, unb während bc§ Festes erschien die Königin, begleitet von mehreren Mit- I L^okM-^er_königlichen Familie, um bie Kleinen zu begrüßen. *

- > Das Hanptcreigniß des Tages bildete jedoch eine große i Parade freiwilliger Feuerwehrvereine, an welcher sich nahezu 100 Feuerspriken und 1000 Pompiers be- theiligtcii. Dann folgten athletische Spiele und ein Concert im treten. Am Abend wohnten die Königin und der Hof von den Fenstern des Schlosses einem großartigen Schauspiele

I s*-’" £ P011!e Plirk war auf 5 Glänzendste iffuminirt und

die freiwilligen Fcuerwchrrercine brachten der Königin einen Fackelzng. Im großen Schloßvicrcck defilirten sie bei ihr vor- uber woraus eine große patriotische Kundgebung folgte, bie md brei bonnernten Hochs ans die Königin ihren Abschluß fanb — Da der Bürgermeister von Cork am Jubiläumstage ifn Sannen auf den städtischen Gebäuden hat auf- hiflen lasten und auf der That ergriffene Ruhestörer straffrei entlassen hat, so hat der Richter Kapitän Plnukell auf An­ordnung der Regier 1111g einstweilen die Verwaltung der Stadt übernommen und die Polizei angewiesen, keine Verhafteten aus den Befehl des Biiraermeisters hin freizulassen.

. «n. NuHlanv.

« f®1'bcr -Magd. Z." ans Petersburg unterm 21. I

Sunt berichtet wird, ist daselbst am Abend vorher an alle I Preßorgane der Residenz durch Rundschreiben von der Ober- Preßverwaltung die Weisung ergangen, sich der Angriffe gegen die dort weilenden, am russischen Hofe beglaubigten fremden Botschafter und Gesandte» zu enthalten unb überhaupt bieselben mit gebührender Achtung in ber Presse zu beganbeln. Diese Ermahnung soll durch "bie Ausfälle ber „ytomoie SB rem ja" gegen beu Fürsten Bismarck, ben sie offen aukiagie, überall in ber Welt Spione zu unterhalten, hervorgeriifen worben sein. General Schweinitz beschwerte sich hieriiber beim Ministerium be§ Innern. Daß bie „Nowoje Wremia" nicht einen Verweis erhalten hat, wiro ber bcson- beren Freundschaft bes Herrn FeoktiSstow, beS Chefs der I Oberpreßvenvaltuiig, für die „Nowoje Wreinja" und deren paiislaivistische Haltung zugeschrieben. Dieser Herr unterziehe sich sogar der Mühe, Artikel, deren Veröffentlichung dem Re­dakteur der „Now. Wr.' Bedenken machen, selbst zuerst m I der Korrektur zu lesen und dann zu sagen, ob sie gedruckt werden dürfen oder nicht. Herr Feoktisstow fei zudem selbst ein großer Dcutschcnsresser und Bisinorckhaster. — Der rufst. We Botschafter in Konstantinopel, Herr v. Nelidow, hat der Pforte erklärt, daß die von derselben der bul- garischen Regentschaft gegenüler befolgte Politik bie letz- tere, anstatt sie zur Erfüllung der gerechten Forberungeu bes Petersburger Kabinets zu vermögen, nur in ihrem Widerstande ermuthige; baß Rußlanb niemals einer Lösung ber bulgarischen Frage zustimmen werde, ohne daß die Beseitigung der gegen- । wärtigcn Machthaber in Sofia voraugegangen sei; baß bas I ntll|We Kabinet ber Pforte alle Verantwortung für bie Fol- i gen ber von ihr verfolgten Politik überlaste und seinerseits die -

loeitere Entwicklung der Dinge abwarte, um im geeigneten 1 Jum Schutze seiner Interessen erforderlichen ;

Entfchluste zu fassen. I >

Türke!.

W Kottstattkinopel, 21. Juni. Es hat dm An- IHM ob der russischen und der französischen Po­litik sowohl m der egyptischen als auch in der bulgarischen Fwge ente Niederlage bevorsteht — trotz aller Drohungen um. Intriguen. Nach Auffassung kundiger Kreise wird die Konvention über Egypten mit oder ohne die neuen Vortheile bte ber feidtan noch erlangen möchte, schließlich von Sefeterem ratisizirt werden, wenn auch noch mehrere Tage darüber ver» gehen mögen unb ber Großwessicr fallen mag, zur Versöhnung 1 Rußlands. Die Centralmächte scheinen der Abmachung gün­stig gesummt zu sein unb dies hier auch verstehen gegeben zu haben, wie sie andererseits der Pforte angerathen haben, ohne weiter auf die Einwendungen Rußlands zu achten die bulgarische Frage durch Bezeichnung eines Thronkandi- daten der endlichen Lösung entgegenznsühren. — Die Frage eines Ministerwechsels nach Beeudiming der morgen beginnenden Bairamsfeste wird schon vielfach er- örtert. Als Großwessicr find in Aussicht genommen: Kütschiik (der kleine) Sind Pascha, der Anitsvorgänger Kiainil Paschas, und MunirPascha, der gegenwärtige Minister beS Innern. ®eni Einen jawohl wie bem Andern ist dieSadrosamwürde bereits vor einigen Monaten vom Sultan angetragen, von Beiden aber abgelehnt worden. — Herr Strauß, der neue hiesige ©eianbte der Bereinigten Staaten von Nordamerika, obwohl Won sechs Wochen auf seinem Posten, hat noch immer keine Gelegenheit gesunden, sein Beglaubigungsschreiben dem Sultan zu überreichen Am vorigen Freitag sollte die schon öfters! festgesetzte Audienz endlich stattsindeu, aber wie gewöhnlich traf im letzten A ugenblick die Nachricht ein, ber Sultan sei burch bringende politische Geschäfte verhindert, den Gesandten zu empfangen. Nun soll die Audienz bald nach dem Bairam statthaben. — Der griechische Konsul in X ant he I bestnbet sich nut den Lokalbehörden int Konflikt und hat diejerhalb dem Generalgonvernenr von Salonichi Anlaß zur Klage gegeben. Es handelt sich nm die Staats-AngchLrigkeit I

ben; als Mitglied und später langjähriger Vorsteher der Stabtverorbneten-Versaminlnng zeichnete er sich durch große Energie und Geschäftsgeivandtheit aus und leistete in dieser Eigenschaft der Stadt (11. A. auch durch Förderung der Er- baunng des Wasserwerkes, durch Gründung des Real- gymnasinms ic.) ersprießliche Dienste. Der Name Balder wird jedenfalls in der Geschichte der Stadt Nordhausen stets einen angenehmen Klang haben. Daß Baltzer auch an der politischen Neformbewegung ber Jahre 1848/49 lebhaften Antheil nahm, ist selbstverständlich. Als Abgeord­neter des Vorparlaments unb ber preußischen Nationalver- sammlung für den Wahlkreis Nordhausen schloß er sich der Fraktion Waldeck an und theilte mit dieser die Leiden und Freu den der politischen Ereigniffe jener für unsere nationale Entwickelung so bedeutungsrcichen Jahre; auch in dem be­kannten Stenerverweigerungsprozeffe zierte er neben Schulze- Delitzsch unb Em. bie Anklagebank, würbe aber, wie bieje, freigesprochen. Als zur Zeit ber neuen Aera bas politische Leben in Preußen wieder neuen Aufschwung nahm, trat auch er im öffentlichen Leben wieder in ben Vordergrund und war oer natürliche Führer der liberalen, später Fortschrittspartei in Stadt und Kreis Nordhausm. Auch nach bem Jahre 1870 blieb B. ber alten Fortschrittspartei treu, wenn er auch in manchen Punkten mehr wirthschaftUcher Natur, u. A. in ber Frage ber Verstaatlichung ber Eisenbahnen, beten prinzipieller Sreunb er war, seine eigenen Wege ging. Ueberhanpt war er kein blmber Anhänger des Parteiprogramms, ber zu Allem, was die Parteileitung bestimmte, ,3a- und „Amen" sprach, sondern behielt fich überall die Freiheit des eigenen Urtheils vor. So nahm er u. A. in Wirthschastlichen Dingen eine oft eigenthümliche, idealistische, oft an Staatssozialismus grm- jenbe Stellung ein; im Besonderen schwärmte er für die Ver­staatlichung des Grund unb Bobms in ber Form von Lehns- gütern. Das Nähere darüber hat er bargelegt in seinem -Buch von ber Arbeit". Sein angegriffener Gesundheits­zustand (schon feit Jahren litt er an einer sehr schmerzhaften Nierenkrankheit) zwang ihn, Ende der siebziger Jahre seine kommnnalm Aemter nieberzulegen unb auch im Jahre 1880 feine $rebigerftene auszugeben. Er zog sich nach Grötzingen bei Durlach zurück, wo er bis vor Kurzem im Kreise seiner

Vermischtes.

* Berlin, 24. Juni. Der Staachekretär ve« Reichspost- amte«, Herr von Stephan, veröffentlicht folgende Bekannt- rnachun g : .Die an Bord des Reichr-Postdampfers .Oder" . befindlich gewestnen Poflfendungen find geborgen wor­den, mit Ausnahme eines Briefbeutels von Yokohama mit I padften ~EUt^lanb unb einer Kiste von Hongkong mit Poft-

cf Vom Rhein, 24.Juni. Der Stand derWeinberge ist bis heute ein zufriedenstellender und die Wittemng während des Tages die denkbarst günstige, dagegen bringen uns die Nächte eine abnorme Kühle: wir hatten an verschiedenen Plätzen eine Nachttemperatur von nut 5 bis 6 Grad Reaumur, was ent3 fchieten ein großer Nachtheil für die gute Entwicklung der Traubenblüthe ist. Die letztere dürfte wohl mit Ende 'dieses Monats allgemein vor fich gehen. — In A ß m a n n S h a u s e n zeigten fich am Klebroth die ersten Blüthen am 18. dS. Mts.; bte Blüthcngescheine find ziemlich zahlreich vorhanden und man hegt für den .Rothen" in quantitativer Hinsicht vorerst frohe Hoffnungen; möchten fie fich nur auch erfüllen!

y Köln, 24. Juni. Der Vorstand des Deutschen Samariter. ®.eiettnf ru Kiel hat, um die zur Belebung aus dein

-a,'J-5r ®el'it*ttr zweckdienlichen Maßregeln in mßg!id)lt Weiten Kreisen zu verbreiten, eine durch Zeichnungen erläuterte Auwei,ung ziisammenstelleu und auf Vlechtafeln über­drucken lasse,! die er unentgeltlich an die Eigenthümer und Führer von Fluß- und Biunenschissen abgibt, welche darum nach- suchen und lieg verpflichten, die Tafeln auf ihren Schiffen anzu-

S C h - mni tz, 24. Juni. Nicht nur bei Theaterbauten, sondern auch hinsichtlich der Personenwagen der Eisenbahnen sollte man berücksichtigen, daß die Sicherheit de« Pnbli- lums um so größer ist, je zahlreicher bie Aus- S .I3‘ J l'1 b" Die traurige Eisenbahukatastrophe in Maufee hat den Bahiiverwaltungen nach dieser Richtung eine eindriiu'- "che Lehre ertheilt. Das Retlungsweik wurde bei dem Unglück gauj wesentlich dadurch erschwert, raß der brennende Wagen nur an den beiden Enden je einen Ausgang, aber keine einzelnen }ipeitt)iirigeu EoupEs hatte. Diese Wagen mit einem Durchgang

14 , 50 , 14 , 50 ,

8 fl. 25 cts.

4 Rbl. 70 Kop.

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MT Der Börsenkalender pro 1887 wird den neuen Abonnenten gratis nachgeliefert.

Die Expedition der Frankfurter Zeitung.

Eduard Daltzrv.

Nordhauser», 24. Juni.

Schon wieder ist einer ber alten Achtundvierziger aus dem Leben geschieden, die für des Vaterlandes Einheit und Frei­heit gekämpft und gelitten, leider aber vergeblich auf die voll­ständige Erfüllung ihres Jugmdideals gewartet haben und deshalb mit einem Herzen voll Enttäuschung, trotz alledem aber mit der festen Zuversicht auf den endlichen^Sicg der guten Sache, von uns gegangen sind. Ein echter und rechter Paiuot, ein Politisch und religiös allezeit freisinniger und vor- urtheilsfreier Mann, begeistert von den Idealen des wahren Menschenthums und echten Christenthums, ist er von seiner Jugendzeit an, seit er politisch denken gelernt, bis an sein Lebensende geblieben; er war einer von den Wenigen die ihre Lebensaufgabe darin suchten und sanden, fern von'allen egoistischen Motiven das Gemeinwohl zu sördern und seinen Mitbürgern zu dienen, ninthig und unerschrocken als tapferer Politischer Mann, dabei gleichzeitig hunian und Weichherzig__

ein wahrhaft kindliches Gemüth in starker Mannesseele.

2f; Pct^er, 1814 zu Hohcnleie in der Provinz Sachsen als der Sohn eines protestantischen Dorfpfarrers ge- tDrtn' Eduard Baltzer schon von Jugend an Neigung iE Löslichen Beruf. Nachdem er seine Jugendbildung auf der Furstcnschule Schul-Psorta genossen, bezog er die Universitäten Leipzig und Halle, um daselbst Theologie und Philosophie zu fhibircn; auch den naturwissenschaftlichen und mathciiiatischen Diszipliueii wandte er eine für einen Theo­logen auffällige besondere Ausmerksamkeit zu, worin seine später hervorgetieteue freireligiöse Richtung zum Theil ihren Grund finden mag. Nach glänzend bestandenem Eramen fand er sck'on im Jahre 1841 (also kaum 27 Jahre alt) eine Anstellung «!S $ialonu§ und Hospitalpredigrr in Delitzsch. Hier erwarb I bald als freisinniger Kanzelreduer einen Ruf. In dem- - selben Maße, m welchem hierdurch seine Beliebtheit bei der Be-

Abonnements-Bestellungen auf das am I. Juli be­ginnende neue Quartal nehmen sämmtliche Postanstaltcn entgegen, außerdem abonnirt man in Frankfurt a. M. und Maina bei der Expedition, sowie bei unseren auswärtigen Agenturen.

Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt: in Frankfurt a. M. und Mainz (bei den

___Montag, 27. Juni Br

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