s. Sette. Ur. SIS.
amten des Staates von Polizeiagentm bis zum Minister vor ihre Schranken fordern, dieses weitgehmde Privilegium würde die auf diese Weise zusammengesetzte Kommission gewiß mißbrauchen. Bei jeder Gelegenheit würde die Kommission in Konflikt mit den Vorgesetzten der Beamten gerathen, die sie vernehmen will; sie würde dieselben dazu veranlasse«, gegen den Willen ihres Chefs Geheimnisse zu verrathen, sie würde mit einem Worte die größte Verwirrung in die Verwaltung bringen. Das „Journal des Debcits* hat vollkommen Recht; nur sind diese Mißstände unabhängig von der Zusammensetzung der Kommission. Sie würden sich einsteüen, welche Mitglieder auch immer derselben angehören würden. Daß sie jetzt, wo die äußerste Linke dem Ministerium so feindlich ist, besonders scharf sich einstcllen werden, soll natürlich nicht geleugnet werden.
* Paris, 9. Nov. Der Ertrag der indirekten Steuern während des Monats Oktober übersteigt die Vorausschätzungen des Budgets um 2,994,400 Fr. und den Ertrag des entsprechenden Monats im vorigen Jahr um 1,128,000 Fr. — Der Kriegsminister hat dem Budgetausschuß angrkündigt. daß er sich in Folge des neulich auf Antrag btä Äbg. Brice gefaßten Kammerbeschlusies, der ihn ausforderte, die Militärfuttcrliefer- ungcn nicht mehr im Großen zu vergeben, sondern den Bedarf bei den Landwirthen selbst im Kleinen einkaufen zu lassen, genöthigt sehen werde, eine Nachtragsforderung von 11,648,000 Fr. einzubringen, denn um so viel sei das von der Kammer begünstigte System theurer als das bisherige.
Herickts;ei1««g.
Prszetz L«. rel-Simoitsin.
ng. Paris, 9 Nov.*) Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung find vor Allem die Aussagen zweier Beamten des Kriegsministeriums von Jntereste Leon de Lievreville, Unterdirektor im Kriegsministerium, sagt aus: „Herr Lorentz fragte eines Tages, ob das System des Suppentopses Michel angenommen sei. Ich verneinte seine Frage. Einige Tage darauf empfing ich ein Telegramm von Frau Limousin, in dem ich um eine Unterredung gebeten wurde. Ich schlug ihre Bitte ab. Ein Brief kündigte mir an, daß General Caffarel mich besuchen würde. Der General kam und sprach mir von der Angelegenheit Michel's. Er sagte, daß er sich außerordentlich für die unglückliche Lage Michel's interesfirte. Ich antwortete dem General, daß ich nichts thun könne, da der Lieferungsauftrag in kürzester Zeit staktfinden würde. Der General fragte mich darauf, ob ich nicht der Sache allmählich zu einem glücklichen Ausgang verhelfen könne. Ich sagte nein. Darauf verlangte er von mir Auskünfte über die Preise der den Schiedsrichtern gemachten Offerten. Ich verweigerte ihm dieselben. Er begnügte sich mit meinen Antworten und sagte, daß er versuchen würd«, beim Kriegsminister etwas für Michel zu thun."
, Boni, Jntendanturrath im Kriegsministerium sagt aus: „Gegerr das Ende des August kam der General Caffarel in mein .Bureau. Er verlangte von mir verschiedene Auskünfte über die Suppentöpfe in der Armee. Einige Zeit später kam er wieder und sprach mit mir von Fcuereimern. Er sah bei dieser Gelegenheit die Papiere durch, die auf meinem Schreibtisch lagen. Dieselben enthielten die Preise für die Suppentöpfe-Brathion."
Die Aussagen dieser beiden Beamten kompromittiren von allen den General Caffarel am meisten. Aber auch aus ihnen kann man nicht entnehmen, daß er für feine Bemühungen bezahlt worden sei, ja sie beweisen, daß er wirklich glaubte, Michel durch seine Verwendung nützen zu können, in ihm also keine trügerischen Hoffnungen erweckte. In diesem Falle wäre also Caffarel am allerwenigsten des Betruges schuldig, sondern lediglich der Verleitung zur Ueberschreitung der dienstlichen Pflicht, eines Vergehens, das ihm allerdings nicht gestattet, länger in der Armee zu bleiben,"aber wegen deffen er gerichtlich nicht belangt werden kann.
In dem nun folgenden Verhöre, welches sich um die Deko- rirung eines Herrn Blanc, Liqueurfabrikanten in Berry, dreht, widersprechen die Zeugen Sonde« und Blanc in eigenthümlicher Weise den Angeklagten Natta,zzi und St. Sauveur. Die Zeugen wollen glauben machen, daß sie dem General d'Andlau nur ein Darlehen von 10,000 Frs. gegeben hätten, wahrend die Rattazzi sich selbst anklagend behauptet, daß Blanc für diese 20,000 Frs. das Kreuz der Ehrenlegion durch ihre und des Generals Vermittlung zu erlangen gehofft habe. Die Aussagen der Rattazzi find wahrscheinlicher, da fie durch genaue Beschreibung der Wohnung Blanc's beweist, daß sie denselben kennt, während er in Abrede gestellt hat, sie jemals gesehen zu. haben. Im Laufe des sehr heftigen Zwiegesprächs zwischen den Zeugen und der Frau Rattazzi fällt die letztere in Ohnmacht.
Endlich wird in der Angelegenheit der Decorirunz des Wagenfabrikanten Renault, der krank ist, der Zeuge M e u - n i e r vernommen. Derselbe erklärt, durch einen gewiffeu Buy lderselbe hat fich vor seiner Verhaftung getödtet) die Bekannt- fchaft der Frau de la Mothe du Portal (alias Rattazzi) gemacht zu haben. Derselbe habe ihm erzählt, daß diese Frau bereits dem Blanc zum Kreuze der Ehrenlegion verhalfen habe. Er selber habe keinen Werth auf den Orden gelegt, habe aber seinem Freunde Renault davon gesprochen. Dieser sei in der That durch die Rattazzi dem General d'Andlau vorgestellt worden und habe dem letzteren 10,000 Frs. für „seine Armen" gegeben. Der General habe das Geld, als er fein Versprechen nicht erfüllen konnte, nach langem Zögern wieder zurückgegeben. — Mit dieser Aussage schließt die Sitzung um 7 Uhr.
ll Frankfurt, 10. Nov. (Schwurgericht.) Rach zweistündiger Pause wird nm 3 Uhr Nachmittags das Zeugenverhör im Fall Neumann fortgesetzt. Es werden namentlich Erhebungen über den Gemüthszustand des Angeklagten vor und nach der That gemacht. Er soll u. A. die Redensart gethan haben: „Ich schneide Allen die Hälse ab", ferner, es sei doch schrecklich, daß er im 62ten Jahre noch so' etwas thun müffe. Einen Zustand nervöser Ertase wollen die Zeugen aber an ihm nicht gerade bemerkt haben, ebenso wenig einen Rausch. Mit der Verlesung des Angenscheinprotokolls über den Ort der Katastrophe endigt um 414 Uhr die Beweisaufnahme. KreisphYsikuS Dr. Wilbraudt gibt noch Auskunft, ob der Stich in der Stellung, in der fich Beide auf der Treppe befanden, möglich war, und bejaht dies. Die Fragestellung wird nach einer Kontroverse zwischen dem Vertheidiger, Staatsanwalt und Präsidenteit schließlich in folgender Weise formulirt: 1) Ist der Angeklagte schuldig, den B. getödtet zu haben? 2) Ist diese Tödtung mit Ueberlegung geschehen (Mord)? 3) Ist die Tödtung ohne Schuld des Angeklagten erfolgt oder sind andere Milderuugsgründe vorhanden? 4) Im Verneinungsfalle von 1): Liegt Körperverletzung vor? 5) Im Bejahungsfälle der Frage 4): Hat diese Verletzung einen tödt- lichen Erfolg gehabt ? 6) Im Bejahungsfall« von 5): Sind mildernde Umstände anzunehmen? Um 5 Uhr beginnt das Plaidoyer. St.-A. U h l e s glaubt, daß hier eine vorsätzliche Tödtung mit Ueberlegung vorliegt und nur auf Bejahung der zweiten Frage erkannt werden dürfe. Mit Neumann sei der Unfriede in's Haus gekommen; als er dem Betzold weichen mußte und kein Obdach fand, erging er sich in Drohungen, und hierin erblickt der Staatsanwalt einen Beweis für die Ueberlegung der That. Er begleitet den Angeklagten ans seinen planlosen Wanderungen und beobachtet ihn in der Gelnhäuser Gaffe, wo er anscheinend lauert und spionirt. Ein Streit, eine Rauferei habe nicht stattgefunden laut Zeugenaussage — also ein geplanter Angriff aus dem Versteck der Treppen».,che heraus auf den Ermordeten. Wäre der kräftige B. nicht überfallen worden, so hätte er den R. mit einem Schlag zu Boden gestreckt. Der Angeklagte hört stehend und unbeweglich wie eine Statue mit düsterem Ernst diesen Ausführungen zu. Dann setzt er fich, wischt fich den Schweiß von der Stirn und die Thränen aus den Augen. Der Vertheidiger Dr. 2 t u l z mei.J im Gegensatz zu den Ausführungen der Staatsanlvalljchast, der geplante Entschluß zur That sei durch nichts erwiesen. Er warnt Vor den Trugschlüssen, welche Dinge nach geschehener That ganz anders aufsassen, als wenn die That nicht geschehen wäre. Von einem Spioniren auf der Straße, von einem Auslauern in der Nische könne keine Rede sein. Letzteres sei unmöglich wegen Beschaffenheit der Localität, und bte Lage, in welcher man den gestochenen B. fand — mit Kopf und Schulter auf Angeklagten gelehnt — kaffe sich auch bei anderer Annahme traten. B., ein streitsüchtiger Mensch, habe den N. angegriffen. Das Motiv des Konkurrenzneides liegt bei Betzold ebenfalls vor. Dieser habe seine Schadenfteude über den Auszug des Angeklagten dadurch kundgegeben, daß er ein Fätzlein Bier zum Besten geben wollte. Richt für Nothwehr will die Vertheidigung plaidiren, aber mehr als eine vorsätzliche .Körperverletzung sei hier nicht nachzuweisen. Auf die Drohungen sei nicht viel Gewicht zu legen. Zum Schluß macht der Vertheidiger noch darauf aufmerksam, daß eine Freiheitsstrafe vom Angeklagten kaum überlebt werde und deutet auch die Möglichkeit au, daß derselbe bei Begehung der That nicht im Zustand freier Willensthätigkeü gewesen sein könnte. Jedenfalls seien mildernde Umstände an
*) Wir haben in diesem leider verspätet eingetroffenen Briefe nach, den Schluß der Sitzung vom 8. Nov. uachzntrazen. Red.
Grsteo Mor-grsstlatt der Uranstfurlt» Zeitung.
zunehmen. Nach 7 ühr endet die Kontroverse zwischen Staatsanwaltschaft und Vertheidigung. Die Berathung derGeschwcre- ntn währt über Stunde. Das Verdikt lautet auf Todtschlag unter Verneinung aller weiteren Fragen. Wegen eines Formfehler» wird die Jury nochmals ins Berathungszimmer geschickt. Der Staatsanwalt beantragt, weil hier ein Menschenleben ohne allen Grund vernichtet fei, 15 Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte bricht in die Worte aus: „Gott richtet über uns. So wahr ich hier stehe, ich weiß von nichts!" Es wird auf 12 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust erkannt.
# Rordhansen, 9. Nov. Heute verurtheilte die Strafkammer den Kreisthierarzt F r i e d e m a n n, der bekanntlich den freisinnigen Reichstags-Abgeordneten Landgerichtsrath Lerche des Meineids befchuldigt hatte, zu 100 JL Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängniß. Zu derselben Strafe war f. Z. der konservative Redakteur v. S ch l i e b e n wegen gleichen Vergehens verurtheilt worden.
R Dortmund, 9. Nov. Herrn von Born (Vergl. 314 Abendblatt.) werden sieben Fälle des Betruges vorgeworfen. Wenn jemand dem Angeschuldigten den Auftrag ertheilte, für ihn Werthpapiere zu kaufen, so übermittelte er den Auftrag als Kommissionär an ein Berliner Bankhaus, welches dann den Auftrag ausführte. Hatte der Kunde nicht ausdrücklich die Aushändigung der Stücke beantragt, so beließ Herr von Born dieselben dem Bankhaus« als Unterlage für den vou ihm beanspruchten Kredit. Als nun der Zusammenbruch des Geschäftes eintrat, nahmen die Berliner Bankhäuser zunächst Deckung aus den bei ihnen ruhenden Depots, infolge deffen die Auftraggeber ihre Wcrthpapiere nicht erhielten, vielmehr mit ihrer Forderung au die Blasse verwiesen wurden. Mehrere Personen, die die Herausgabe ihrer Werth-Papiere verlangten , sollen mit teeren Versprechungen abgewiesen worden sein. Herr von Born erklärte, daß er von der ganzen Sache nichts wisse, indem er sich um Einzelheiten nicht gekümmert. Des Ferneren wird seitens der Anklage behauptet, daß Herr von Born mehrere Werthpapiere , die als Faustpfand bei ihm hinterlegt oder in VeNvahrung gegeben waren, bei der Reichsbank lombardirt. Als die Zahlungseinstellung erfolgte und die Leute ihre Papiere zurückverlangten, konnte Herr von Bom dieselben nicht erhalten, er befriedigte deshalb die betr. Eigenthümer aus der Geschäftskasse, wodurch er sich aber der Begimstigung schuldig gemacht haben soll; in der Lombardirung siehest Anklage die Merkmale der Untreue. In mehreren Fällen hatte von Born Werthpapiere , die als Sicherheit von Geschäften für deren Verkehr hinterlegt waren, in Berlin zum Verkauf ansbieten lassen. Der Verkauf ist aber nicht zu Stande gekommen, weil der geforderte Limit nicht erreicht wurde. Die Werthpapiere wurde» aber nicht zurückgesandt, vielmehr von den Bankhäusern zur Verstärkung der Unterlage des von Born gewährten Kredits zurück behalten. Andere bei ihm hinterlegte Papiere hat Herr von Born bei der Rcichsbnuk gegen Empfang baren Geldes verpfändet. Diese Fälle werden als Unterschlagung bezeichnet. Herr von Born sagte, er wisse von diesen Geschäften nichts. Endlich ist noch der letzte Fall, der von der Anklage als Unterschlagung bezeichnet wird, zu erwähnen. Herr Eeheimrath Dr. Runge Hierselbst übergab am 15. Juli 1885 dem Angeklagten für 31,000 JL. Werthpapiere mit dem Anst rage, dieselben in Berlin zu verkaufen. Nach acht Tagen sollte das Geschäft erledigt sein. Schon ant folgenden Tage erfolgte der Verkauf und wurden Herrn von Born sofort 30,000-// durch die Reichsbank übermittelt. Die Auszahlung erfolgte aber nicht an Herrn Dr, Runge, vielmehr soll das Geld zur Befriedigung anderer Gläubiger verwandt worden sein. Den ersten Geldbetrag von 10,000 JL erhielt Herr Dr. Runge erst ant 27. Juli, 15,000-// am Tage der Zahlungseinstellung, dem 10. August. Ter Rest wurde Herrn Runge erst am 27. August ausgehändigt. Die Konkursverwaltung hat diese Zahlung mit Erfolg angefochten. Was Heim Schulte anbelangt, so behauptet derselbe, er fühle sich völlig unschuldig, da er weiter nichts gethan, als die ihm übertragenen Geschäfte ausgeführt. — Zunächst wurde dem Angeklagten vorgeworsen, daß er nicht rechtzeitig genügende Abschreibungen vorgenommeu. Nach der Zahlungseinstellung schrieb er 2,402,889 Mark ab, der Konkursverwalter sah sich aber kurz darauf veranlaßt, noch weitere 2,130,637.41 Mark abzuschreiben. Aus der Vernehmung des Herrn Konkursverwalters, Rechtsanwalt Dr. Gottschalk, ging hervor, daß eine ganze Reihe vou Abschreibungen viel früher hatten vorgenommen werden sollen. Dem Angeklagten wurde ferner vorgeworfen, daß er den Antheil am Nachlasse seiner Mutter, welches im Ganzen über । eine Million Mark und für den Angeklagten also gegen 400,000 Mark betrug, nicht in die Bilanz ausgenommen. Der Herr Konkursverwalter war im Zweifel, ob die Verpflichtung Vorgelegen, derartiges Privat-Vermögen mit aufzunehmen. Interessant WM die Aussage des Herrn Friedrich Grillo aus Essen, derselbe meinte nämlich, es sei der reine Größenwahn beim Angeklagten gewesen, wenn derselbe seine Lage nicht richtig erfaßt und sich vorgeredet habe, seine Vermögensverhültnisse seien keine ungünstigen. Diesem Wahne sei auch die von Herrn von Born seinen Gläubigern in Köln vorgelegte Bilanz zuzuschreiben, die einen Fehlbetrag von nur 600,000 Mark aufgewiesen. Herr Grillo meinte, dieser Größenwahn habe sich erst geltend gemacht mit der Berufung des Angeklagten in di« vielen Ehrenämter. Bemerkt mag noch werden, daß Herr Grillo sich beklagte über verschiedene Berliner Blätter, welche behauptet, er (Grillo) müsse wegen Geisteskrankheit eine längere Reise unternehmen.
Arankfnrter Angekegenßeite».
Frankfurt a. M„ 10. November. Bom Tage.
— Die musikalisch - deklamatorische Aufführung der Zöglinge der Frankfurter Blinden- An st alt, welche am Mittwoch Abend im Saale der Loge Karl stattfand, war nicht so gut besucht, wie angesichts ihres guten Zweckes erwartet werden durfte. Dagegen machten die blinden Sänger und Musiker auf die Zuhörer einen über Erwarten günstigen Eindruck. Die Solo-Sänger und der (gemischte) Chor ließen nicht nur sehr schöne Stimmen vernehmen, sondern gaben auch Zeugniß von einer fleißigen Schulung. Ausgezeichnet wurde Beethoven'S Ouvertüre zu „Egmout" (für Pianoforte zu acht Händen) und die Sonate von Mozart (Opus 53 für zwei Piauoforte) vorgetragen. Den Schluß bildete Schiller's Glocke mit der Klavierbegleitung von P. von Lindpaintner. Nach jedem Stücke fragte man sich verwundert, wie es nur möglich fei, den Blinden solche Fertigkeiten beizubringen, zu denen für die Sehenden großartige Hilfsmittel erforderlich sind. Dabei wurden — wie wir mit Vergnügen koiistatiren — sehr freundliche Lobsprüche den fleißigen Schülern und den wackeren Lehrern gespendet.
— Am 2. December findet im Saale der Polytechnischen Gesellschaft eine außerordentliche Versammlung der hessen- nassauischen Baugewerkberufsgenossenschaft (umfassend die Provinz Hesseu-Naffau, das Großherz ogthum Hessen, Fürstenthum Waldeck mit Ausnahme der Landschaften Pyrmont und Schaumburg) statt. Derselben wird ein Vertreter des Reichs-Versicherungsamts beiwohnen.
— Mit einem soeben ausgegebenen „Nachtrag" ist die F e st- zeituug d e s IX. deutschen Bnndes - u n d Jubiläums-Schießens in F r a n k f u r t a. M. abgeschloffen worden. (Truck und Verlag von Aug. Osterrieth in Frankfurt a. M.) Dieser Nachtrag enthält: 1) die offizielle Liste sämmtlicher Schieß-Resultate vom 3. bis 10. Juli (25 dreispaltige Seiten); 2) Schluß-Abrechnung des Wirthschafts-Ausschusses; 3) Zusammenstellung des Konsums an Getränken; 4) Schluß- Abrechnung des Finanz-Ausschusses; 5) Bilanz aller Einnahmen und Ausgabe»; 6) Postverkehr auf dem Festplatz; 7) Abbildung der geschmückten Römerhalle znm Empfange der Schützen (im Anschluß an de» Artikel in Nr. 9 der Festzeitung). Wir haben aus diesem Nachträge nur Weniges noch mitzutheilen. An dem Schießen haben 2746 Schützen theilgenommen. Im Ganze» wurden auf sämmtliche Scheibe» 384,918 Schüsse abgegeben. Heraus- gefchossen wurden: 766 Becher ä 50 JL, 145 Uhren ä 50 JL, 185 goldene Münzen a 50 JL, 5142 silberne Münzen a 5 JL Auf den übrigen Scheibe» wurden 4330 Preise ausgeschoffe». Der Gesammtwerth sämmtlicher Preise (10,568) betrug -4l 194,770. An Briefen, Postkarte» k. sind aus dem Festplatze 2265 Stück angekommen, dagegen 10,812 Stücke von demselben abgeganzeii. Ferner wurden vom Festplatze 165 Postanweisungen nn Gesammt- betrage von 9323 JL und 985 Telegramme abgesandt. Nur 77 Telegramme find daselbst angekommen.
Sertine, *--
— In der nächsten Sitzung der s-nialwissenschaftlichen Abtheilung des Freien Deutschen ochst j f t s wird Herr Dr. Schnapper-Arndt von hi:. imt die wissenschaftlichen Ergebnisse des zu Wien stattgehabten Kongreffes über Hygiene und Demographie berichten, dem derselbe als Mitglied der demographischeir Sektion beiwohnte. Die Sitzung findet Montag, 14. d. Mts., Abends 8)4 im Caft Stoltz- statt.
vermischtes. ~~ ’
A. Hera, 9. Nov. Heute wurde der flüchtige Bankerotteur Goldberg, mit einem Transporteur aus der Schweiz kommend, in das hiesige Landgerichts - Gefängniß eiitgetiefert Trotz der späten oder vielmehr frühen Morgenstunde — es war in der ersten Stunde nach Mitternacht — hatten sich viele
Hunderte von Menschen zum Empfange des Arrestanten am Bahnhöfe eingefunden.
'm.-» ........
Frankfurter Handelsblatt
Wiederabdruck der mit * bezeichneten Artikel, sowie der Privatdepeschen nur mit Quellenangabe gestattet.
* Bussische Fonds und die Reicvsbank. An der heutigen Börse erregte die Meldung, daß das Direktorium der Reichsbank die Lombard - Comptoirs angewiesen hat, russische Fonds künftig nicht mehr zu beleihen, begreifliches Aufsehen umso mehr, als man an das Bevorstehen eines solchen Schrittes, nachdem die Agitation gewisser Blätter gegen russische Werthe nun schon seit Monaten verstummt ist, auf keiner Seite gedacht hatte. Im Juli allerdings war man auf solche Maßregel vorbereitet gewesen. Damals hatte der Reichskanzler in seiner Eigenschaft als Chef der Reichsbank an das Direktorium derselben ein Reskript gerichtet, um zu veranlassen, daß die Lombard-Bedingungen für ausländische Werthe einer Revision unterzogen werden „mit Rücksicht auf die gegenwärtige Sachlage“, wie es in dem Reskript damals hieß. Ueber das Resultat dieser Revision, hat nichts verlautet und man nahm, da inzwischen auch die Hetze der offiziösen Blätter nachgelassen hatte, vielfach an, daß vielleicht die „Sachlage“ sich inzwischen geändert habe und die Revision unnöthig geworden sei. Auch hatten vorgenommene Erhebungen gezeigt, daß die von der Reichsbank beliehenen Beträge ausländischer und speziell russischer Fonds nur ganz belanglos waren, was dadurch auch sehr erklärlich erscheint, daß die Reichsbank solche Papiere nur bis zu 50 pCt. ihres Courswerthes beleiht, während dieselben bei anderen Stellen weit günstiger lombardirt werden können. Um so größer war die Ueberraschung, welche die Verfügung des Reichsbank-Direktoriums jetzt veranlaßt hat, zumal dieselbe sich nicht gegen alle lombardfähigen ausländischen Werthe, sondern einzig gegen russische Fonds kehrt. Wenn es sich, wie von Berlin aus versichert wird, hierbei um einen „prinzipiellen“ Beschluß handelt, so geht hieraus an sich noch nicht hervor, daß sich dieses Prinzip über die rassischen Fonds hinaus noch gegen andere ausländische Werthe wende. Jedenfalls wäre in letzterem Falle sonderbar, daß heute überall von russischen Fonds allein die Rede war. Zum vollen Verständniß der Bedeutung, welche hier dem Ausdruck „prinzipiell* zuzulegen ist. bleibt deshalb die für morgen in Aussicht gestellte Publikation bezüglich der Maßregel abzuwarten. Erst auf Grund dieser näheren Informationen werden auch die Beweggründe zuverlässiger beurtheilt und die Tragweite des Schrittes bemessen werden können. Ebenso dürfte sich alsdann vielleicht herausstellen, wer unter der „maßgebenden Seite“ zu verstehen ist, welche als Urheber der Verfügung genannt wird. Vorläufig hat, da in den letzten Tagen eine Ausschuß-Sitzung der Reichsbank nicht stattgefunden, die auch in unserer Berliner Privatdepesche ausgesprochene Ansicht viel Wahrscheinlichkeit, wonach dem obersten Chef des Instituts, dem Reichskanzler, die Urheberschaft zuzuschreiben wäre. Welche Gründe den Fürsten Bismarck bewogen haben mögen, ganz kurz vor dem erwarteten Besuch des Zaren in Berlin ein solches Vorgehen gegen russische Fonds seitens des unter seiner Aufsicht stehenden Reichsinstituts entweder direkt zu veranlassen oder doch zum mindesten gutzuheißen, darüber liegen heute nur Vetmuthungen vor, die eine bestimmte Gestalt vorläufig nach keiner Richtung angenommen haben.
* Vom Geldmarkt. In den letzten acht Tagen hat die Bank von England ziemlich kräftigen Goldzufluß aus dem Ausland erhalten. Im Ganzen hat sich ihr Goldvorrath um Lst. 216,000 vermehrt, wovon die Hälfte aus dem Ausland stammt. Gleichzeitig ist das Portefeuille um Lst. 522,000 erleichtert. Von dem Regierungs- Einlagen wurden Lst. 183,000 zurückgezogen, während von Privaten Lst. 228,000 eingezahlt sind. Der Notenumlauf hat sich um Lst. 213,000 reduzirt, die Totalreserve ist um Lst. 429,000 angewachsen und deckt nunmehr mit Lst. 12.26 Mill. (1886 Lst. lO.si Mill.) 47.ro pCt. der Verbindlichkeiten gegen 45.36 pCt. vor acht Tagen und 40.32 pGt. zur gleichen Zeit des Vorjahrs. In Folge des kräftigen Rückflusses, welchen dieser Status ausweist, hat in Lenden auch der Privatdiskont eine Nuance nachgelassen. Der Satz für Dreimonatswechsel wird uns von dort mit 27's pCt. gemeldet. — Auch der Ausweis der Bank von Frankreich zeigt eine namhafte Kräftigung des Status. Der Wechsel bestand ist um Frs. 79.io Mill., der Lombard um Frs. 2.22 Mill, reduzirt. Von den Privatdepositen wurden Frs. 13.io Mill., von dem Guthaben der Regierung Frs. 2.88 Mill, zurückgezogen. An Silber flössen der Bank Fr. 1.46 Mill, zu, während der Goldvorrath sich um Frs. 0.64 Mill, verringerte. Der Notenumlauf ist um Frs. 47.is Mill, zurückgegangen, und sein Verhältniß zum Baarvorrath berechnet sich auf 86.97 pCt. gegen 85.u pCt. in der Vorwoche und 89.83 pCt. in 1886.
* Böhmische Eisenbahnen. Aus Prag, 9. d. M,, berichtet unser F.-Korrespondent: „Sehr reger Kohlenverkehr nach dem In- und Auslande hat die Einnahmen der böhmischen Eisenbahnen im Oktober gesteigert. Den Absatz nach dem Auslande förderte das hohe Goldagio; auch haben die sächsischen Kohlenwerke wiederholt eine Preiserhöhung in Kraft treten lassen. Diese beiden Umstände kommen ganz besonders der Buschtehrader B-Linie zu statten, welche sr-h in geradezu überraschend günstiger Weise entwickelt. Die von der Aussig-Teplitzer Bahn an die Buschtehrader Bahn in Komotau übergehenden Kohlen-Transporte sind in steter Zunahme begriffen und übersteigen heute schon das Quantum des ganzen Jahres 1886. Die Graslitzer Linie, an deren Bau die Verwaltung der Buschtehrader Bahn s. Zt. so zögernd hergangegangen war, weil sie sich bezüglich der Rentabilität dieses Flügels von pessimistischen Anschauungen leiten ließ, nimmt einen Aufschwung, den sie am wenigsten erwartet hatte. Auch über Eger, Franzensbad und Reitzenhain ist die Kohlenausfuhr im Steigen begriffen, und so erklärt es sich, daß die Einnahmen des B-Netzes von Monat zu Monat und durchschnittlich um 20—25,000 ft. sich gehoben haben. Der Oktober brachte ein Plus von ft. 31,854 gleich 14 pCt. der vor- jährigen Einnahme. Die bisherige Gesammt - Einnahme des B-Netzes stellt sich auf fl. 2,373,850 und ist um ft. 211,409 oder rund lOpCt. höher als zur selben Zeit des Vorjahrs. Dieses ,Plus fällt um so mehr in die Wagschale, als schon für die ersten zehn Monate 1886 eine Mehreinnahme von fl. 102,055 erzielt worden war. Das A-Netz derselben Bahn hat im Oktober fl. 288,966 vereinnahmt, d. i. fl. 27,101 oder etwa 10 pCt. mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Gesammteinnahmen des A - Netzes stellen sich auf fl. 2,162,232 und sind um fl. 120,263 oder etwa 6 pGt. größer als in 1886. Beide Netze haben -in den ersten zehn Monaten 7.3 Mill. Ctr. oder 15 Procent mehr Frachten befördert als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Vermehrung der Transporte erforderte wiederholt Nachbestellungen von F;A rbetriebsmitteln. Das Zugpersonal ist in so hohem Maße in Anspruch genommen, daß dasselbe eine Uebermüdung zeigt, und mußten von der Nordwestbahn mehrere dienstfreie Lastzugs-Lokomotivführer „entliehen“ werden. Der Entwicklungsgang der Einnahmen des B-Netzes hat die im vorigen Monat an dieser Stelle ausgesprochene Ansicht, daß ein Jahresplus von fl. 240 bis 250,000 zu erwarten sei, der Verwirklichung nahe gerückt. Die noch fehlenden zwei Monate dürften das Resultat wohl kaum schmälern, da die Eignahmgn des November und December 1886 keine
11» ztov ernster 1878.
Baarvorrath in Gold........
Baarvorrath in Silber........
Wechsel ..................
Notenumlauf................
Guthaben der Privaten......
Guthaben des Schatzes......
Vorschüsse a. Werthp. u. Bull.
Zins- und Diskont-Erträgnisse Fr. 583,000.
Verhältniß des Notenumlaufs zum Baarvorrath 86.97% gegen 85.44% in der Vorwoche.
1,139,473,000 — 640.000
1.189,892,000 + 1,456.000
562,033,000 — 79,465,000
2,678,757,000 — 47.182,000
317,388,000 — 13,105,000
280,672,000 — 2,882,000
403,402.000 — 2,220,000
besonders hohen waren und der Verkehr in den ersten Tagen dieses Monates von seiner Lebhaft gkeit nichts eingebüßt hat. Dux-Bodenbach weist ein Monatsplus von fl. 16,301 aus, welche Ziffer sich jedoch auf fl. 12,834 reduzirt, wenn provisorisch “ mit provisorisch verglichen wird. Der Güterverkehr ?
stieg im October um 160,000 Z.-Ctr. Die Duxer Kohlen- '
werke der Gesellschaft förderten im October 529.000 Z.-Ctr. (mehr 23,000 Z.-Ctr.) und seit Neujahr insgesammt 3.69 Millionen Z.-Ctr. (mehr 265,000 Z.-Ctr.) Die Gesammteinnahmen für die Zeit vom 1. Januar bis Ende October beziffern sich auf fl. 2,024,499 gegen fl. 1,962,043 definitiv und fl. 1,904,212 provisorisch; es ergibt sich demnach ein Plus von fl. 62,456 bezw. von fl. 120,287 Prag-Dux ist die einzige böhmische Bahn, welche den October mit einem Ausfall abschließt. Der Kohlen- verkehr weist zwar auch hier eine Steigerung (140,000 Z.-Ctr.) auf, doch ist der allgemeine Güterverkehr um ca. 240,000 Z.-Ctr. gegen den Vorjahrsmonat zurückgeblieben. Offenbar wirkte bei der Prag-Duxer Bahn das (ca. 30 pCt. betragende) quantitative Rübendefizit. Die October-Einnahmen von Prag-Dux belaufen sich aut fl. 220,681 gegen fl. 240,922 definitiv and fl. 231,120 provisorisch ; der Ausfall beträgt demnach fl. 20,241 bezw. fl. 10,439. Das in den früheren Monaten erzielte Mehr ist dadurch bis auf fl. 2537 zusainmengeschrampft; vergleicht man indeß provisorisch mit provisorisch, so resultirt das immerhin noch bedeutende Einnahmeplu von fl. 92,759. Bei der beförderten Gütermenge stellt sich ein Plus von I.15 Mill. Z.-Ctr. heraus; an dieser Ziffer partizipirt Kohle allein mit 986,000- M.-Ctr. Sehr belebten Kohlenverkehr erzielte die Böhmische West bahn, deren Fahrpark sich als unzureichend erwiesen hatte. Wohl hat der Verwaltungsrath der M estbahn die Anschaffung von 150 Kohlenwaggons beschlossen, allein das geschah viel zu spät, und konnte diese Bestellung nicht mehr der laufenden Campagne zi‘ statten kommen. Die Klagen der westböhmischen Kohlenwerke über Waggonmangel sind allgemein und gelten dieselben noch mehr hinsichtlich der österr. Staatsbahnen als der Westbahn. Die Güterfrequenz der letzteren zeigt pro October eine Erhebung um nahezu 14 pCt. Die Einnahmen (fl. 342,512) besserten sich um fl. 18,358. Vom 1. Januar bis Ende October sind fl. 2,855,915 gleich fl. 171,581 mehr eingegangen als zur gleichen Vorjahrszeit. Aussig-Teplitz hat um er. 39,000 Waggons Kohle mehr verfrachtet als in 1886. Die Einnahmen betrugen fl. 406,034 und sind um fl. 13,026 höher, wodurch das Gcsammtphis auf fl. 51,493 sich erhöht. In den abgelaufenen zehn Monaten hat die 101 km. lange Kohlenbahn 81.1 Millionen Z.-Ctr. verfrachtet, d. i. um 2.43 Mill. Z.-Ctr. mehr als in der entsprechenden Zeit von 1886. Die October- Einnahmen der Böhm. Nordbahn (fl. 360,382) ergaben eine Erhöhung um fl. 11,841. Die Gesammteinnahmen beziffern sich mit fl. 2,819,400 (Plus fl. 168,956). Das Totalplus der hier nominirten sechs böhmischen Bahnen erreicht die Summe von fl. 936,748.“
Ostindische Th" - £• als. Der von der indischen ’taee- Association veröffenffJehte revidirte Voranschlag gibt den Ertrag der Saison auf rund 86 Mill. Pfd. an. Der Konsum von indischem Thee in Indien wird auf 1 % Mill. Pfd. veranschlagt, der Export nach Australien und anderwärts auf 2 Mill. Pfd. Somit sollten für den Export nach England ca. 82)4 Mill. Pfd. verbleiben, gegen 75% Mill. Pfd. in der vorigen Saison.
Norddeutsche Brauerei Akt -Ges., Berlin. Unseren telegr. Mittheilungen über das Resultat des abgelaufenen Jahres tragen wir ergänzend nach, daß die Produktion 54,855 hl und der Absatz 49,196 hl (1885/86 43,387 hl) betrug. An Malz wurden 25,680 Ctr. verbrämt, wovon 23.131 Ctr. in der eigenen Mälzerei hergestellt wurden. Das im zweiten Semester eingerichtete Flaschenbiergeschäft habe sich befriedigend entwickelt; der Absatz betrage bereits 12 bis 16 hl (pro Tag. Das vom Vorbesitzer am 1. Juli d. J. übernommene Restaurationslokal unter den Zelten wurde mit Mark 75.000 Nutzen verkauft, wobei sich die Gesellschaft noch auf 10 Jahre die Bierlieferung kontraktlich sicherte. Die JL 75,000 wurden in Reserve gestellt. Einschließlich derselben betragen Abschreibungen und Rückstellungen insgesammt JL.. 156,198.
* Görlitzer Aktienbrauorei. Wie uns geschrieben wird, werden für 1886/87 7 pCt. Dividende (gegen 6 Procent im Vorjahre) vorgeschlagen.
Akt.-Ges. Schönaberger Schlossbrauerei, Berti«. Tn 1886/87 wurden 46,434 T. (1885,86 38,335 T.) Bie/ verkauft. Ein beträchtlicher Theil des Mehrabsatzes entfällt auf das Flaschenbiergeschäft. Der Gewinn auf d<CB Bier konto beträgt JL 401,698 (1885/86 JL. 286,399). W Re staurations-Inventarien und Ausschank-Lokale wurdet un ter Auflösung der Spezialreserve von «X 20,000 riThd JL- 34,000 abgeschrieben. Im Ganzen betragen die Ab Schreibungen ,LL. 90,149. Es wurden eine Anzahl neuer Ausschanklokale errichtet. Die Materialienbestände sind zum Einkaufspreis, der Biervorrath zum Herstellungswerth eingestellt Ueber die Gewinnverteilung wurde bereits telegraphisch berichtet.
Altenburger Aktienbrauerei. Der Geschäftsbericht sagt, daß sich die Konkurrenz der bayrischen Schankbiere immer mehr geltend macht, Gebraut wurden 89,290 hl gegen 84,540 hl im Vorjahre, wovon 85,374 hl verkauft sind. Der Gesammterlös aus dem Bier betrug JL 1.303,752. aus den Nebenprodukten <4L. 53,429, zusammen also JL 1,357,181 (1885'86 JL 1.361,463). Der Bruttogewinn beträgt JL. 352,980 (1885/86 JL 352.904), für Abschreibungen sind JL 118,957 (1885,86 JL, 118,253) vorgeschlagen. Der Aufsichtsrath erhält JL 16,387, der Direktor JL 4116 Tantiemen und 17 pCt. (1885,86 lö’/i pCt.) gelangen als Dividende zur Vertheilung.
* Breslauer Aktienmalzfabrik. Wie uns geschrieben wird, schlägt der Aufsichtsrath pro 1886/87 10 Procent Dividende vor.
Bank von Frankreich. Ausweis vorn 10. November.
iUnaitii- iiiiö ProftMenftcrichte.
Getreide.
Stettin, 9. Nov. Walzen ioco 153—158, Nov.-Dee. 159.—, April- Mai 168.50. Itoggon loco 110—114, Nov.-Dee. 111.50, April-Mai 1Ü.. 0. Waizen matter, Koggen niedriger.
+ Bingen. 9. Aov. Waizen, Pfälzer K 17.10 17.60. Nassauer Bothwaizcn 18-50—18.75, Koggen, Pfälzer 13.40—13.50, Gerste 15. Alles per 100 Kilo. Koggenkleie per 50 Kilo M 4.80 -5, Waizenkleie ,« 4— 4.20. Bei schwachem Angetoie und lebhafter Nachfrage erhebliche Preiserhöhung in Brodfrüehten, hauptsächlich in Waizen.
Schweins»rt. 9. Nov. (Originalbericht der Franks. Zeitung.) Auf dem Getreidemarkte bei starker Zufuhr lebhaftes Gesell all. Preise ohne Aenderung. Waizen M lfr—16%, Roggen 18—ISS. Hafer M 11—11'4, Wicken M 11—12 per 100 Kilo, Braugerste M 22— 23)4 per 150 Kilo.
Hamburg, 9. Not. (H. H.-Z.) Gerste in loco ruhig. Angeboten Böhmisch u. Saal ,<t 140—190. Futtergerste ,<t 88—92 per 1000 Kilo Netto. — Hafer in loco ruhig; angebuten Buss., Meeklenb., Böhm. u. Holstein. Nieder-Elber zu ,4. 95—125, Alles per 1000 Kilo Netto. Mais in loco fest; Amcrikan. .» 106—110, Donau ,* 98-102 per 1000 Kilo. — Waizemnehl per 100 Kilo Br. inkL Sack hiesiges 20—21, fremaes 18—19. — Walzenkleie fest, hiesige gute gesunde nach Quahtät ,4. 4.10—130 per 50 Kilo Netto in Leihsäcken zu no- tiren. — Palmknchen, deutsche ,M. 95, Coconsnußkuchen do. • 4. —, Baumwollsaatkuchen .4 115, Erdnußkuchen M 112—136 je nach Qualität, Rapskuchen ,« 118, Leinkuchen .« 135, Alles per 1000 Kilo.
Brüssel, I. Nov. (H. H.-Z.) Waizen, belgischer frs. 18, amerikanischer frs. 18%, Donauer 15^—17%. — Koggen, Odessaer 10)4 —12X. — Gerste, Odessaer IO1/)—13)2. — Hafer, Kurländischer 11 —12. Der Markt schloss % fr. höher.
London, 9. Nov. Zum Verkauf wurden angeboten 3 Waizen- ladungen.
Odessa. 5. Koybr. (Wochenbericht.) Die Marktlage hat sich nicht wesentlich verändert. Preise blieben für Ghirka-Waizen. Mais und Gerste fest behauptet. Die Umsätze waren nicht so beträchtlich wie in der Vorwoche und erfolgten wie bisher in der Hauptsache zur Deckung früherer Blaneoverkäufe nach dem Auslande, tierste, Koggen und Mais sind wenig vorhanden, fast Dreiviertel des Vorraths besteht aus weichem Waizen. In Folge einer Baisse der fremden Devisen um ca. % % schließt der Markt schwach und etwas niedriger. Wuchcnumsatz 83,000 Tschw. Waizen, 2500 Tschw.

