Js*. sss. Erstes Morgenblatt

Zweiunddreissigster Jahrgang?

Do««erstag, 1. Derrmbrr 1887

nicht auf die parlamentarische Zustimmung zur Politik

Feuilleton

begeisterten Rusftnschwärmem in Böhmen. Einmal ist die Sehnsucht der Serben, Rumänen und Bulgaren nach einem Handinhandgehen mit Rußland durchaus nicht so groß; sie Alle^ wissen aus Erfahrung, daß es um ihre Freiheit und Selbstständigkeit geschehen wäre, wenn Ruß­land auf der Balkanhalbinsel herrschte. Oesterreich aber hat selbstverständlich keine Ursache, das Vordringen Rußlands zu befördern. So fällt das Interesse Oesterreich-Ungarns thatsächlich mit demjenigen der kleinen Balkanstaaten zu­sammen ; die Machtstellung des ersteren und die Selbst­ständigkeit der letzteren ist in gleicher Weise gefährdet, wenn Rußland sich dauernd südlich der Donau festsetzt.

Daraus ergibt sich denn auch, daß in Wahrheit keine slavische Solidarität besteht und Diejenigen, welche vor­schützen, in ihrem Jntereffe zu arbeiten, sind nichts als unbewußte oder auch bewußte Geschöpfe des Moskowiter-

Rückhalt, wenn auch mehr geistiger und moralischer als politischer Natur gewährt. Und unter Umständen könnte allerdings dieser Rückhalt auch einmal in anderer Weise sich geltend machen, als heute.

Es ist ein ebenso keckes Unterfangen, Oesterreich auch heute noch als von Deutschland bedroht hinzustellen, Ruß­land dagegen als wahren und selbstlosen Freund Oester-

. . v- einen Beschluß in

diesem Sinne gefaßt habe, indem sic zum Abdruck der Mitthei- ! hing desGanlois" hinzufügt:Wir begehen keine Geheim- nißvcrlctzung, indem wir wiederholen, was nunmehr bekannt ist." Trotzdem würde Ferry auch ohne die Stimmen der Rech­ten noch auf eine verhälknißmäßige Mehrheit rechnen können, wenn, wie seine Freunde hoffen, 200 Republikaner des Senats und 150 der Kammer für ihn stimmen. DerNation"-

I zufolge näherte sich gestern in der Kammer der Abgeordnete und friihcre (Freycinet'schc) Handelsministcr L o ck r o y Herrn I. Fcrry und gab ihm seine Beunruhigung über die jetzige Spaltung zu erkennen: Fcrry, meinte er, würde ein patrio-' tischcs Werk thun, wenn er seine Kandidatur zurückzöge. Fcrry habe geantwortet:Aber ich bcstndc mich ja in keiner anderen' Lage als die übrigen politischen Persönlichkeiten ! Ich verspreche ? Ihnen, daß ich ein ganz vortrefflicher Präsident s.in werde." Lockroy habe sich von ihm entfernt, ohne ein Wort hinzuzu­fügen.

weichlich ansühlten, später jedoch iviedcr härter wurden. Zwei der geimpften Bersuchsthiere wurden getödtet und die erzeugten Geschwülste erwiesen sich als echte carcinomatöse Formen; die anderen vier leben iwch. Ein Versuchsthier war zur Stelle und man konnte an der Hinteren Bauchpartie desselben eine Geschwulst fühlen, die auf einigen Druck schmerzhaft sein muß. Soviel über die allerdings Aufsehen erregenden Versuche und Befunde S ch e u e r l e n §.

Mit einer von wissenschaftlicher Begeisterung durchzogenen Wärme vertrat in der auf diese Mittheilungen folgenden Dis­kussion Herr Pml Gutmann, der Direktor des Baraken- lazarelhs in Moabit, die Ueberzeugung des Vortragenden, daß es sich hierbei um den organisirten Krebserreger handle.Wir haben nunmehr den seit Langem vermutheten Krebsbacillns endlich vor uns. Ich wage es auszusprechen, wir haben ihn." Habemus pap am einbacillum carcinogenen! Dasür jcugen die einfachen, strengen llntersuchungsmethoden, dafür zeugen die Befunde. Indessen Herr Professor A. Fränkel, ein ungemein vorsichtiger Forscher und scharfsinniger Kritiker, erhob seine zur Vorsicht in den Schlußfolgerungen mahnende Sümme. Er bemängelte zuvörderst die unbedingte wissen,'chaft- liche Zuverlässigkeit der Methode, die wohl dem Tuberkelbacillus gegenüber vollkommen einwandfrei sei; nicht aber in dem vor­liegenden Falle. Schon der Umstand, daß es sich hier um Culturentwickelungen handle, die mit ungeheuerer Geschwindig­keit vor sich gehen, sei geeignet, erheblichste Bedenken hervor­zurufen. Bei den Tuberkel - Zuchtkulturen zeigen sich in den ersten zehn bis vierzehn Tagen gar keine nachweisbaren Veränderungen an der Nährgelatine. Erst von da ab entwickel­ten sich die Tuberkelkolonien. Ein Beweis also, daß kein anderweitiger entwickelungsfähiger Organismus übertragen wor-, den sei, denn sonst hätte er sich ja zeigen müssen. Wer aber, vermag in dem vorliegenden Falle mit Sicherheit zu behauptens daß nicht am Ende, wie dergleichen ja vielfach beobachtet wor-' den, durch die ungemein rasche Entwickelung der einen Form eine andere vernichtet worden sei, die gerade die Krebscrregcrin abgegeben haben würde. Contagiöser Natur sei, seiner eigenen Meinung zufolge, die Krebsgeschwulst allerdings, aber cs sei! ihm im Hinblick auf die eigenthümliche Struktur derselben sehv fraglich, ob das Contagium, der Ansteckungsstoff, ein organi-s sirter, ob er ein Pilz, ein Spaltpilz sei.

Eine weitere Erörterung dieser so ungemein wichtigen Ver-, suche und deren Befunde konnte naturgemäß nicht statthabeiss Dazu sind die Dinge noch lange nicht weit genug gediehest und spruchreif ist die schwerwiegende Frage noch viel weniger.

räthschaften und Instrumente wurden ausgeglüht und sterilisirt und in allen Punkten genau so verfahren, wie Alle gelehrt hat unser Obermeister Robert Koch. Und siehe da, an allen Züchlungspräparaten zeigten sich prachtvolle Oberflächcn- Wachsthümer, die das Herz des jungen Forschers in keine geringe Erregung versetzt haben mochten. Als Nährboden (e- diente sich zunächst Herr S ch e u e r l e n seröser pleuritischer Entzündungsausschwitzungen, später gewöhnlichen Blutserums. Aber auch die bekannte Nährgelatiuc Agar-Agar Kartoffeln thaten, wenn auch etwas verlangsamt, ihre vollste Schuldigkeit. Die Zahl der aus diese Weise misgeführten Einimpfungs- und Kulturzüchtungsversuche belief sich etwa auf 400. Es zeigten sich ganz eigenthümlich geartete Gebilde von hellglänzender Farbe, rhomboidcr, aber etwas abgestumpfter Form; diese Gebilde zeigten eine von mehreren Punkten ausgehende, innere Bewegung, die nach außen hin jedoch wenig Effekt hatte. Es bleibt vorläufig unentschieden, ob diese Bewegung eine mole- kuläre genannt werden muß, oder eine den Gebilden als solchen zukommendc ist. Die Gebilde selbst können durch die näm­lichen Farben und Entfärbungsmethoden wie die Tuberkel- Bacillen im mikroskopischen Bilde verdeutlicht werden. Be­trachtet man diese aus die verschiedenen Nährgelatinen gebrachten Stofstheilchen, so findet man schon nach 10 bis 12 Stunden überraschend üppige Culturen. Jedes der bacillären, der stäbchensörmigen Gebilde hat eine Spore aus sich her­ausentwickelt und diese Sporen sind von so ausgeprägter Be­schaffenheit, daß sie mit keinem anderem der bisher bekannt gewordenen krankheiterrcgenden Mikroorganismen verwechselt werden können. Die Sporen sind außerordentlich winzig, sic schwanken in ihrer Größe zwischen etwa 8/io und l a Mi­kron, das heißt so viel als ein millionster Theil eines Meters! Somit glaubte Herr Scheuerlen die organisirte Eigenart des Krebsgeschwulst-Erregers in Form eines gut charakterisirtcn Spaltpilzes ergründet zu haben. Es fehlten nur noch die Controlversuche am Thiere. Vermag man mit den aus diese Weise erlangten Krebsbacillen, sagen wir einmal, an einem gesunden Thiere diese, mikroskopisch als lkrebs nachweisbare Gcschwulstform auch wirklich hervorzurufen und werden sich endlich in diesen künstlich erzeugten, ausgeimpsten wiederum jene gut charafterifirteu bacillären Gebilde vorfinden? Das waren die Fragen, die zur Lösung gestellt werden muß­ten. Nun: Scheuerlen hat vorläufig sechs Hündinnen mit seinen Kcebskulturen geimpft und an ihnen aus diese Weise Geschwülste hcrvorgcrufen, die nach etwa 45 Wochen bereits Nußgröße hasten. Licht deMch abgcgMzt zu sein schienen, sich

Frankfurt, 30, November.

Das enge Verhältniß , in welchem Oesterreich- Ungarn zu Deutschland steht, ist nicht nach dem Geschmacke der Ruffenschwärmer in Oesterreich. I e That­sache, daß Oesterreich, Deutschland und Italien ein festes Bündniß geschloffen haben, welches bezweckt, ekwaigen Versuchen, den Weltfrieden zu stören, mit gemeinsamen Kräften entgegenzutreten, wird nicht nur von ftanzösischen Revanchemännern und russischen Deutschenhassern mit In­grimm verzeichnet; auch in den intransigenten czechischen, stovenischen und kroatischen Kreisen ist man wüthend, weil Oesterreich angeblich von Deutschland in einen unnatür­lichen Gegensatz zu Rußland gebracht werde.

Line wissenschaftliche «Premiere.-

Berlin, 29. Nov.

Angesichts einer so bedeutsamen und gerade in diesem Au­genblick so ernsthaften Angelegenheit, wie die Frage der Ueber- iragbarkeit oder der Ansteckungsfähigkeit der Krebsgeschwülste durch ein Kleinlebewesen ist, hätten wir nur um so weniger zu einer etwas spöttischen Vergleichung mit einer ersten Vor­stellung eines neuen Theaterstückes Veranlassung. Allein die Vergleichung drängte sich uns unwillkürlich auf. Schon einige Tage zuvor durchflog die Mittheilung von dem soeben ent­deckten Krebsbacillus die hauptstädtischen Tagesblättcr, unmittel­bar darauf folgte die andere, daß der bencidenswerthc Entdecker selber, nämlich Herr Dr. ScheuerIen in der nächsten Sitzung desV ereins für inn c r e M ed i z i n" über seine Forschungsergebnisse berichten würde. Es war daher kein Wunder, daß sich das ganze mcdicinische Berlin dort in dem nicht gerade sehr geräumigen Versammluugssaale ein Stelldich­ein gab. Ein aufgeregtes Schwirren und Flüstern ging durch die Reihen, in denen die ernsten Jünger Acskulaps in fürchter­licher Enge ein gefeilt dasaßen, gespannt der - Dinge harrend, die sie hier erwarteten. Eine unbeschreibliche Erregung der Gemüther offenbarte sich aus den Mimen aller Amoesendcn und nachdem der Vortragende, übrigens ein grundbiederer Schwabe und in seinem ganzen Auftreten äußerst sympathisch, geredet hatte, klatschten sehr viele lebhaft in die Hände, daß mau wirklich schon einen Augenblick an eine Theatervorstellung teufen konnte. Wir erwähnen diese Aeußcrlichkeitcn, weil sie ür die Beurtheilung mancher dcrmaligen Verhältnisse in un- ercr nervösen Reichshauptstadt nicht unerheblich sind. Der ernsten Wissenschaft frommt ein solches Gebühren wahrhaftig nicht; aber es ist gegenwärtig förmlich bei uns Brauch ge­worden, jedweden Vorgang aus einem Laboratorium und na­mentlich aus den Kliniken womöglich noch in dampfender Frische in die Zeitungsspalten zu bringen. Unter so bcwandtcn Umstünden nehmen selbst die ernsthaftesten wissenschaftlichen Be­strebungen ganz unwillkürlich eine gewisse theatermäßige Er­scheinungsform an. Alles nimmt sofort Partei, und in die un­erbittliche Ruhe und Würde eines echt wissenschaftlichen Mei­nungsaustausches mischt sich eine nicht gerade empschlenswerthe nervöse Hast und Unruhe. Wir sind west dgvon entfernt, etwa

didat, dessen Erfolg wir von ganzem Herzem wünschen, iss Jules Ferry." Dieser Kandidat scheint stark auf die Unter­stützung der Rechten zn zählen; man will dies wenigstens aus einer zwischen ihm und den drei Monarchisten Bischof Freppel, de M a ck a u und dc L a n j u i n a i § gestern in einem Vorsaale der K immer stattgchabten, vertrautichen^Unterredung schließen, die sofort ein Ende nahm, als ein Gegner Ferry's mit lautens

j klärend in dieser Beziehung zu wirken. Leider aber hat es den Anschein, als sei Herrn Rieger das ruffenfreund­liche Gebühren der Jungczcchen gar nicht so unangenehm, als benütze er daffelbe vielmehr, nm von der Regierung allerlei große und kleine Vortheile herauszuschlagen.

In Deutschland wird man die österreichisch-slavischen Versuche, den bestehenden Freundschaftsbund zu untergra­ben, nicht sehr ernsthaft nehmen. Denn noch steht kein Gregr oder Vasaty an der Spitze Oesterreich-Ungarns und die Czechen haben noch nicht das entscheidende Wort zu reden. Aber es ist zuweilen aut, auch dieser unsererVer­bündeten" zu denken; freilich wird dann der Wunsch in uns rege werden, daß wir nie in die Lage kommen mögen, ihrer Hilfe zu bedürfen.

schcn Gedanken, der sich in einigen unklaren Köpfen malt, zu vertreten ; es verfolgt einzig russische Zwecke und würde eventuell die Czechen, Slovaken und Kroaten ebenso niedertreten, wie es die Polen niedergetreten hat und wie cs heute noch die Bulgaren niederzutretcn versucht. Eine Ahnung davon scheint auch der mehrfach erwähnte Herr Pazdirek zu haben; zur Herstellung der von ihm ersehn­ten slavischen Solidarität empfiehlt er darum in erster Reihe Versöhnung zwischen Polen ukid Russen : er wünscht i die Wiederherstellung der polnischen Sprache in Schule, Gericht und Verwaltung Polens, dadurch den Wegfall i der Feindschaft der Polen gegen Rußland und bett An- | schluß der österreichischen Polen an die Richtung der Czechen und Slovcnen. Der gute Mann scheint allen Ernstes zu glauben, daß Rußland seine Gewaltpolitik einigen pansiavistischen Schwätzern zu Liebe ändern werde.

Ob nicht die österreichischen Slaven zur Einsicht

reichs zu preisen. Mehr als einmal war in den letzten zwölf Jahren die Gefahr eines österreichisch-ruffischen Zu­sammenstoßes nahe gerückt; von einer ernsten Verstimm­ung zwischen Deutschland und Oesterreich ist nicht die Rede ' gewesen. Oesterreich kann nicht dulden, daß Rußland auf dem Balkan nach Willkür schalte und die dort entstandenen Staaten zu zarischen Satrapien herabdrücke. Die Leute wie Pazdirek machen es sich freilich leicht: sie sagen, Oesterreich habe die Balkanhalbinsel kurzerhand Rußland zu überlassen, es habe kein Recht, die Balkanstaaten zu hindern, Hand in Hand mit Rußland zu gehen. Das wäre allerdings sehr einfach; allein es geht aus verschie- denen Gründen nicht, die Jedem cinleuchten, nur nicht dm

von Unruhe - Bomst. Dr. EnnecceruS. (II.) Petitions- Kommission: Frhr. v. Buol-Berenberg, Bors., Hultzsch, Stellvertreter desselben. Kulemann und Temper, Schriftführer. Goldschmidt. Lüders. Nickel. Scipio. Göfer. Haberland. Lim- bourg. Hitze, v. Kehler. Dejanicz v. Gliszczhnski. Trimborn. Bergmann. Bock (Minden), v. Oertzen-Parchim. Hegel. Dietz, v. Bayer. Parey. Graf von Arnim, von Goldfus. Ampach. Banrschmidt. Brand. Hoffmann (Königsberg). Kruse. (III.) Budget-Kommission: Frhr. v. Maltzahn-Gültz, Vor- fitzcnder. Frhr. v. Hnene, Stellvertreter. Henning und Frhr. v. Plessen, Schriftführer. Dr. Baumbach (Berlin). Schrader. Dr. Sattler. Dr. Trondlin. Frhr. v. u. zu Franckenstein. Hesse. Dr. Lingen. Roß. Gras v-Schönborn. v. Strombeck. v. We- dell-Malchow. Dr. v. Frege. v. d. Osten. Dr. Hartmann. Weyrauch. Dr. Hammacher. Kalle. Bormann. Dr. Delbrück. Graf von Behr. Dr. von Bennigsen. Dr. Bürklin. Büsing. Diffenö. (IV.) Rechnungs-Kommission: v. Wris- berg, Vorsitzender. Horn, Stellvertreter desselben. Letocha und Hanvt Schriftführer. Dr. Meyer (Halle). Baumbach (Alten­burg). Fehling. (V.) Wahlprüfungs-Kommission: Dr. Marquardsen, Vorsitzender. Kochann, Stellvertreter desselben. Gröben und v. Reinbaben, Schriftführer. Dr. Hermes. Fritzen. Veiel. Spahn. Frhr. v. Friesen, v. Puttkamer-Plauth. Hegel. Peters. Müller (Marienwerder). Baurschmidt.

8 Dortmund, 29. Nov. In der heute abgehaltenen Sitzung der Dortmunder Handelskammer, an welcher auch der naitonalliberale Reichsiagsabgcordnete Kleine sich betheiligte, wurde eine Resolution gegen die Erhöhung der Ge­treidezölle, insbesondere gegen die Erhebung derselben vom 26. d. M. ab beschlossen.

Frankreich.

P Paris, 29. Novbr. Auch heute werden die Präsi- dentfchaftskandidaturcn lebhaft in der Presse und den Partei­gruppen erörtert. Die Bewerbung Ferry's stößt auf immer heftigeren Widerspruch. DieJustice" sagt, seiner Wahl wurdeder allgemeine Umsturz" folgen. DerNational" führt ans, daß mindestens die Hälfte der republikanischen Partei Ferry als Feind bewachte. DieLanterne" be­zeichnet die Gefahr als groß und unmittelbar bevorstehend, denn in drei Tagen könne der Bürgerkrieg ausbrechen. dem erklärt heute dieRepublique fran;aise":Ja, der Kan-

* 29. Nov. Das von den Pariser Jntraiisigentcn

gegebene Beispiel der Vorbereitung bewaffneten Widerstand gegen die Wahl Ferry's ist von den Marseillerrevolutionären Sozialisten" nachgcahnil worden, die ebenfalls die Errichtung Don' W achjamkeitsausschüssen zur Abwehr jedes monar­chischen oder cäsaristischen Putsches" beschlossen haben. ®er Generalrath d e r Seine nahm gestern trotz Einspruch des Präfekten mit großer Mehrheit einen Beschluß an, der den Kongreß auffordert:Die Verfassung in demokratisch-repu-' blikanisch-sozialistischem Sinne durchzusehen und namentlich beit Senat und die Präsidentschaft der Republik abzuschaffen." Die Redner erklärten bei Begründung des Antrags, sie würden im; Fall der Wahl Ferry's mit ihren Wählern auf die Straße hinab­steigen. Auch Dero ule de kündigte übrigens gestern im Vor­saale der Kammer bei seiner, schon gestern von uns berichteten Warnung von Ferry's Wahl ganz offen an, daß er sich an einem Aufstande gegen Ferry betheiligen werde, und reichte dem ebenfalls anwesenden Eudes, der unter der Kommune General und einen Augenblick Kriegsminister gewesen war, zum Zeichen der etwaigen Waffenbrüderschaft die Hand. De- roulede ist bekanntlich Offizier gewesen und steht noch im Landwehrverhältniß. Der Abgeordnete A r e n e, Redakteur derRtpublique fran(aisc" und Freund Ferry's, antwortete:Wohlan, wenn Sie einen Aufstand machen, so werden wir eben auf Sie schießen." DiePatrie" fragt h(ute ironisch, ob etwa der heißblütige Abgeordnete für Kor­sika sich an die spitze der Truppen stellen werde? Letzteres Blatt berichtet ferner, daß gestern Nacht ein Aufruf, unterzeichnet Tie Männer der Gleichheit von Montmartre" in den nördlichen Vorstädten des 17. und 18. Stadtbezirks (La Chapelle, Mont­martre, Clignancourt, Bakiguolles) angeschlagen worden sei. Heute erschien Rochefort im Bonrboupalast und sprach tm gleichen Sinne, wie gestern Deroulede. Der Temps " erhebt im Namen der Achtung vor den Gesetzen und der repu-. blikanischen Würde energischen Einspruch gegen die Umtriebe und Drohungen, durch die man das Parlament einzuschüchtern und die Freiheit seiner Entschließungen zu gefährden drohe. Freilich mache die tiefe Ruhe des ganzen Landes alle diese revolutionären Kundgebungen vollkommen harmlos, indem sie dieselben als die oberflächliche, vereinzelte Wühlerei einiger Wirrköpfe darstelle, die sich wichtig machen wollten, indem sie im Namen der öffentlichem Memung sprächen, die sie geringschätze. Die Androhung von Aufständen seitens gewiffer Zeitungen für den Fall der "Wahl dieses oder jenes Kandidaten als Präsident der Republik sei ebenso ernst zu nehmen, als jene Vorhersagiutg eines allgemeinen Aufstands seitens derselben Blätter für den Fall, daß Bonlanger anfhöre, Kriegsminister zu fein. Rochefort habe auf die Pariser Bevölkerung nicht mehr den Einfluß, dessen er sich rühme. Be­sonders scharf rügt derTemps" das Eingreifen Derouledes und bemerkt, die Patriotenliga, bereit einziger Zweck gewesen sei, Frankreich nach außen zu stärken, schwäche und ruinire es int Innern. Diese Einmischung sei außerdem sehr ungeschickt. Sie errege keine Furcht, sondern erwecke eine gerechtfertigte Em- pörung der Parlamentarischen Würde. Wenn man dieiemTreiben

In Kuttenberg ist neulich ein Schristchen jungczechi- schen Ursprungs erschienen, welches das österreichisch-deutsche ; , p

Bündniß in heftigster Weise angriff und die Nothwendig- i thums. Rußland denkt auch n^cht"^aran?^en^roßflavi- kcit eines Bundes zwischen Oesterreich und Rußland dar- ; tx Ä-*--* *- - - -

legte. Herr Vasaty, der bekannte juligczechische Politiker, hat kürzlich eine Rede gehalten, in welcher der gleiche Ge- danke ausgeführt wurde und ein czechischer Schriftsteller, Namens Pazdirek, beiläufig bemerkt, ein Freund des Herrn , Rieger, hat eine Schrift erscheinen lassen (Grundzüge der : rationellen Solidarität aller Slaven"), die ebenfalls be­müht ist, derfteiwilligen deutschen Landknechtspolitik", die Oesterreichs Staatslenker angeblich im Auftrage Bis-

marck'4 treiben, den Garaus zu machen. Augenscheinlich hat man es nicht mit vereinzeltm Kundgebungen zu thun; es liegt ein System in diesen schroffen Angriffen auf einen Bund, der seine Kräfte der Hiiitanhaltung eines großen Weltkrieges widmet. Die Vasaty, Pazdirek und Genossen können den Tag nicht erwarten, wo der österreichisch- deutsche Bund auseinanderfällt, Deutschland von Franzosen, Russen u. s. w. gedemüthigt oder gar vernichtet wird und _. ... ,,......_______ ______

Oesterreich in ein Verhältniß politischer Hörigkeit zum kommm? Die Polen' wollen'natürlich von ber russischen Zaren versetzt wird. Das ist der Kern ihrer Wünsche "'* "" '

und wenn diese Leute dabei von österreichischem Patriotis­mus zu reden wagen, so ist das eitel Heuchelei.

Gegegeuüber all den Beschuldigungen, welche derart gegen Deutschland insbesondere von czechischer Seite er­hoben werden, muß man immer wieder fragen; was hat denn eigentlich Deutschland den Czechen und den übrigen österreichischen Slaven gethan? Hat es sich jemals in die innerösterreichischen Verhältnisse einzumischen versucht? Das wird Niemand zu beweisen vermögen. Fürst Bismarck hat ja mehrfach sich sehr absprechend über dieHerbst- zeitlosen", d. h. über die deutsche Opposition in Oester­reich ausgesprochen. Und es ist weder anzunehmen, noch

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chMW rmd Handelsblatt. (Nene Frankfurter Zeitung.) ^Frlnfifarter Societät-1"

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Umarmung nichts hören, aber auch die Czechen sollten wissen, daß dieslavische Solidarität" nur auf Kosten ihrer eigenen Selbstständigkeit gedeihen könnte. Freilich finden die antideutschen Schreiereien der jungczechischen i Blätter heute Beifall bei einem großen Theile des böh- ' mischcn Volkes; aber sollte nicht die Möglichkeit vorhanden i fein, daß auch die Czechen erkennen, daß sie von Rußland j fi t ihre nationaleEigenart" mehr zu fürchten haben, als von Deutschland? Soweit sie noch aufrichtige An­hänger des österreichischen Staatsgedankens sind, müssen sie ftüher oder später dem Liebäugeln mit dem Zarenreiche entsagen. Thatsächlich hat denn auch kein czechischer oder .... slovenischer Vertreter in der Delegation an dem öster- zu wünschen, daß unsere Diplomatie jemals sich in diese reichisch-deutschen Bündnisse zu rütteln versucht; wenn sie Dinge menge; aus eigener Kraft müssen die Deutschen geglaubt hätten, ernsthafte Einwände gegen dessen Zweck- des Donaustaates den theilweise verlorenen Einfluß wieder Mäßigkeit Vorbringen zu können, würden sie damit sicher

zu gewinnen suchen. Der Haß, welcher einen Theil der nicht hinter dem Berge gehalten haben. Besser wäre cs

österreichischen Slaven beseelt, ist also durch die deutsche freilich noch, die slavischen Parteiführer beschränkten sich Politik keineswegs gerechtfertigt. Wohl aber ist er erüär- : nicht auf die parlamentarische Zustimmung zur Politik

kich, wenn man bedenkt, daß ein großes und mächtiges - des Reiches, sondern sie suchten auch auf das Volk auf-

Deutschland auch dem Deutschthum in Oesterreich einen klärend in dieser Beziehung zu wirken. Leider aber hat

Deutsches Hkeich.

N Berlin, 28. Nove» bcr. Dem Reichstage ist die Uebersicht bet vom Biindesrach gefaßten Entschließungen auf Beschlüsse des Reichstags aus der vorigen Session zugegangen. Da in der vorigen Session aus ber Mitte des Reichstags verhältnißmäßig wenig Initiativanträge gestellt find, so ist dieser Uebersicht auch nur Weniges, was von besonderem Herrn Scheu er len auch nur dcn leisesten Vorwurf machen zu wollen: nur ganz stillschweigend konnten wir unmöglich über diese sonderbaren Aeußcrlichkeiten hinweggehen.

Was nun die Frage nach dem ursächlichen Momente der Krebsgeschwülste anlangt, so hat es feit undenklichen Zeiten stets vereinzelte Forscher gegeben, welche dieContagiosität", die Uebertragnngsmöglichkeit durch ein bestimmtes, dem Krebse eigenthümlich zukommendes,specifisches" Gift, ein virus, be­hauptet haben. Allein erst mit der neuesten bakteriologischen Forschungsmethode haben alle diese dunklen, unfaßbaren Vor­stellungen bestimmt umrissene Begriffsgcstaltungeit angenommen. Und cs ist ja allgemein besannt, welch glückliche Erfolge auf dem Gebiete der Erforschung von Krankheitsursachen seit jer.er Zeit erzielt worden find. Fast jedwede der unter typischen Er­scheinungen verlaufenden Erkrankungen konnte nunmehr mit einem rechtschaffenen bakteriologisch beglaubigten Etikett ver­sehen werden. Nur die Geschwulstbildungen, obwohl bei man­chen unter ihnen die Möglichkeit einerAnsteckung" feit Langem geahnt wurde, blieben bisher von diesen neuen Unterfuchungs- methoden unberührt. Da ist es denn vor allem ein ganz außer­ordentlich vcrdienswoller Schritt des noch sehr jugenc lichen For­schers Scheuerten, daß er die durch Koch zu einer so großen Vollkommenheit enltvickeltc bakteriologische Untersuchungs- methodc auf ein neues und räthselvollcs Gebiet übertragen hat. Denn bei allen echt naturwissenschaftlichen Arbeiten entscheidet für ihre Werthschätzung nicht sowohl der erzielte Erfolg, als vielmehr die auf die Erreichung dieses Zieles verwendete Me­thode. Ist also, wie manche wohlbegründete Vermuthung dafür spricht, die Krebsgeschwulst eine kontagiöse, eine übertragbare Erkrankung, welche von einem bestimmten Erreger hervorge- rufen wird, dann muß, falls eine weitere Vermuthung richtig ist, daß nämlich die Krankhettserregung von einem organi­sirten Wesen ausgeht, dieses organisirte Wesen durch die Koch- schen Züchtungsmethoden^in sogenannten Reinkulturen darstell­bar fein. Dies war die L ch e u e r l c n'fche Voraussetzung, und nun begann er mit Unterstützung des Stuttgarter Krankenhaus- leiters Burkhardt, der dem jungen Forscher das erforderliche Material zur Verfügung stellte, seine Untersuchungen zu machen. Die von den Chirurgen, nattirlich unter Einhaltung strengster Antisepsis operirten Krebsgeschwülste verschiedenster Herkunft, es warm etwa insgesammt zwanzig wurden sofort, unter weiterer Beobachtung aller Gebote der Antisepsis, dem Patho­logen übergeben. Herr Schmerlen ging dabei mit der vollen­detsten Gewissenhaftigkeit zu Werke, wie eine solche eben bei derlei Untersuchungen unbedingt nothwendig i(t Also alle Ge-

Jntereffe wäre, zu entnehmen. Die wichtigsten Anträge, die in der vorigen Session von Abgeordneten gestellt wurden, waren die auf Abänderung der Gewerbeordnung, und zwar hauptsäch­lich b.e vom Reichstage mit großer Majorität angenommenen sogenannten Arbeiterschutzanträge, welche sehr bescheidene Be­schränkungen der Frauen- und Kinderarbeit enthielten. Die Antwort des Bniidesraths lautet kurz und nicht sehr hoffnungs­voll:Die vom Bnndesrath eingeleiteten Erörterungen sind . ......., .... o.. ,, . ....

"vch nicht abgeschlossen." Wörtlich gleichlautend ist die Antwort, | AusrufeOh!" vorüberging. Möglich, daß sich dieser Abqe- welche der Bundeörath auf die vom Reichstag beschloffene Ab- i ordnete schmeichelt, mit seinem beredtenOh" Frankreich vor anberung der Gewerbeordnung zum Zwecke der Erweiterung der i den Gräueln eines Büraerkrieaes bemabrt in fiafien Recht- der Innungen (ß 100«) ertheilt hat. Auch hier sind die versichc d GaulT" küe Rechte w^e enüvedm ftU N Erörterungen deS BundeSrathS noch nicht abgeschloffen. Aus ! Ä 'UL

di- vom Reichstage beschlossene Resolution, den Reichskanzler zu ! L, J . na$ fim 24. Mat 1873 an Grcvy's

ersuchen, künftig im Etat die Einnahmen, die sich in den Schutz- i e Kammervorsitz übernahm) oder für den Admiral gebieten ergeben, ersichtlich zu machen, hat der Reichskanzler in- j Dampterre d'Hornoy ober für den General Appert sofern Rücksicht genommen, als dem Etat des auswärtigen Amtes i (den früheren Botschafter in Petersburg, der wider den ans- iilc<ne-nl^re(I)cnbc Denkschrift beigefügt ist. In Bezug auf die drücklichen Wunsch des Zaren von diesem Posten abberusen cm Reichstag^ ausführlich besprochenen Petitionen betreffend das : wurde) stimmen. Der Name Appert's solle als Geaen-

d-r Schlachithlere hatte der Reichstag folgenden Beschluß : funbgebung gegen die Kandidatur Floqnet's dienen Die Ga-

gefaßlcDce genannten Petctcvnen, das Tödten der Schlacht- ift» b, aXJmmL u u E. ,

tycere betreffend, dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, - < - DcJ)ronce , bestätigt, vag die Rechte einen Beschluß in

ob und auf welche Weise, insbesondere durch Abänderung des Reichsstrafgesetzbuchs, den in den Petitionen geltend gemachten Mißständen entgegenzutreten ist; insofern aber die Petitionen sich auf das jüdische Schächten beziehen, über dieselben zur Tagesordnung Überzugehen." Hieraus wird erwidert: Die vom BundeSrath eingeleiteten Erörterungen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Ferner hat der BundeSrath dem Reichskanzler folgende Resolutionen überwiesen: 1. den Reichskanzler zu ersuchen, im BundeSrath auf die Vorbereitung reichsgesetzlicher Bestimmungen hinzuwirken, welche geeignet sind, den noch vielfach üblichen Handelsverkehr in Branntwein nach dem räumlichen Inhalt der Fäffer und Gebinde rc. (Liter) durch obligatorische Einführung beS Branntweinhandels nach Gewicht (Kilo) zu ersetzen; 2. die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob und inwieweit den Preßhefefabriken bei der Ausfuhr ihrer Fabrikate eine Rückvergütung deS von ihnen verauslagten Zolles auf ausländisches Getreide gewährt oder in anderer Weise für bie Aufrechterhaltung ihres Exports gesorgt werden könne; 3. die Verbündeten Regierungen zn ersuchen, dem Reichstag alsbald eine Vorlage zu machen, durch welche die Straf- und Haftbarkeits- beftimmungen des Gesetzes vom 8. Juli 1868, betreffend die Besteuerung beS Branntweins, den Bestimmungen dieses Gesetzes entsprechend abgeändert werden.

kl Bcrli«, 29. Nov. Vom Reichstage sind die sogenannten Fachk om Missionen nunmehr gewählt. Die(I.)GeschäftS- o r d n u ii g s - K o m m i s s i o n besteht aus: v. Bernuth, Vor­sitzender, Ackermann, Stellvertreter deS Vorsitzenden, Dr. Porsch und Frhr. v. Eckardstein, Schriftführer. Klotz. Günther (Naum­burg). v. Kehler. Frhr. v. Landsberg (Steinfurt). Graf von Praschma. v. Helldorff. Dr. v. Seydewitz. Francke. Frhr.