s. Seit«. Mr. 364.
Abendblatt der Zrankfnrirr Zeitung.
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Wiener Coursbericht vom 30. Lees Mr.
(Tdegraphischer ssecialdieast der Franks zti.)
75.80:
76.10
149.
Böhm. Nordbahn
; Böhm. Nordbahii ... —.—I : Elisabeth-Hauptb. ! —.—! ■ Eerd.-Nordbahn -- 2380 , i b'ranz-Jusef........ —.-•<
133.—<133.—
162.-
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Ungar. Loose ■
79.55
132.75
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Alföld-l’iume Böhm. Wostbnhn Busehtherader B. Donau-Dran......
Dux-Bodenbach • •
! 81.70 82.70 145'50 14450
70.—
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149. - 149. i2025020L
Fonds.
Oesterr. Ooldrente do. Silberrente do. Papierrento'
Ungar. Goldrente ■ - i do. Eisenb.-Anl?
Ungar. Papierrente 1860er Loose 1854er Loose \ 1864er Loose Kredit-Loose j
29. I 30.
106.75 107 —
78.80 78.80
Wiener Bau-Ges. 71.
Allg. Oest .Banbank' 80.
Doiiau-Dampfschifö 330.
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vermischtes.
I Königsberg i. Zkr., 28. Dec. Auch hier soll eine Cen- tralstelle für ele ktrischc Beleuchtung errichtet werden. Die zu dieseiu Zwecke eingesetzte gemischte Kommission von Magistrat und Stodtverordneten hat dieser Tage der Stadtverordnetenversammlung einen vorläufigen Bericht erstattet. Die Kommission hat sich für die Errichtung einer Centralstation erklärt und hat zunächst Herrn Stadtbaurath Frühling beauftragt, das Projekt einer elektrischen Centralstelle auf dem Grundstück der Malzmühle auszuarbeiten, wobei man das Grundstück selbst nur als beispielsweiscs gewählt habe, da sich ja noch andere städtische Grundstücke zu derartigen Anlagen eigneten. Die Bersendung eines PublikaudumS an Gewerbetreibende, welche elektrisches Licht
einsühren wollen, hat vorerst keinen bedeutenden Erfolg gehabt, da man damals nicht im Stande war, einen mäßigen Kostpreis Per Brennstundc anzugeben. Inzwischen habe man sich aber überzeugt, daß mittels des Ahorn'schen Elektrizitätsmesiers sich jederzeit wie beim Gasmesser ganz genau ermitteln lasse, wieviel der Konsument an elektrischem Licht verbraucht Hütte, sodaß hiernach^ der Preis berechnet werden könnte. Ueber die Frage, ob die Stadt selbst die elektrische Anlage in die Hand nehmen
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wird fingen können, sondern es ist, wenn anders man die Münchener Oper auch in Zukunft an erster Stelle genannt wissen will, ernste Pflicht der Leitung, eine vorzügliche neue Kraft, eine Koloratursängerin ersten Ranges zu eugagiren. Aber Eile thut noth. Will man damit so lange warten, wie mit dem Engagement einer ersten Altistin — und wir haben immer noch keine — dann freilich hat's noch gute Wege. — Sonst wäre über unsere Oper nachtragsweise noch mitzuthrilen, daß vergangene Woche auch hier das 50jähr. Jubiläum von Lortzing's „Czar und Zimmermann" mit einer Aufführung des an- muthigen Werkchens gefeiert wurde. Morgen beschließt die Oper das alte Jahr mit ..Tannhäuser" zum Besten der deutschen Bühnengenosienschoft, und für die erste Novität des neuen Jahres ist B e r d i' s „Othello" ausersehen.
X [3t u s Pari äj, 29. ds., wird uns geschrieben: Wie wir angekündigt haben, ist heute der Direktor des Theaters in Nantes, Para vey, zum Direktor der Komischen Oper ernannt worden. Der Kontrakt lautet auf sieben Jahre, aber eine Klausel befreit den neuen Direktor von seinen Berpflichtungen, wenn am 30. Juni 1888 der Staat kein passendes eigenes Lokal für die Buhne beschafft haben sollte sdas jetzige provisorische gehört der Stadt und wird vom Staate gemiethet). Paravey war früher als Baryton an der Komischen Oper und an sehr vielen Bühnen des Auslands, u. a. längere Zeit in Kairo thätig. Er hat sich in Bordeaux und in Nantes als umsichtiger und regsamer Bühnenleiter erwiesen. Ein Banquier und ein Kunstmäcen find seine beiden einzigen Kommanditäre, so daß er also sowohl von den Ptusilalienhändlern als von den Künstlern, äls von den Billethändlern finanziell unabhängig sein wird. Paravey ist der Ansicht, daß man in Pans das Studium der Novitäten viel zu langsam betreibe und neue Komponisten zu wenig berücksichtige. Er will so bald als möglich dem als Jnstrumentalkomponisten sehr geschützten Eduard La ls Gelegenheit geben, sich auf der Bühne zu produziren und hat es auf seinen schon seit 20 Jahren geschriebenen König von Ds abgesehen. Daneben sollen Rey er's Statue und Bizet's Perlenfischer wieder ausgenommen werden. Das ist ein Programm, das sich sehen laffen kann. — An der G r o ß e u O p e r war gestern große Noth. Don Inan sollte gegeben werden und kein Masetto war vorhanden. Die beiden Bassisten, welche die Rolle kannten, hatten sich beide im Laufe des Nachmittags krank gemeldet und so mußte die Vorstellung unterbleiben, so unbedeutend die Rolle des Masetto auch ist. Die Chronik der Großen Oper verzeichnet seit 1873 blos vier solcher Fälle, einmal war es Faure, der eine Vorstellung unmöglich machte, in den drei übrigen Fällen aber die gleichzeitige Erkrankung der ersten Tenöre die Ursache. — Im Jahre 1887 hat die Große Oper in 192 Vorstellungen 11 Opern und 2 Ballette gegeben. Die meistgespielten Opern waren P a l a d i l h e s. Patrie (41 Mal), Gounods Faust (32 Mal), Aida (23 Mal), Hugenotten (18 Mal). —<
95.60 96.47
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— [Friedrich Spielhage ns, den es bei den Lorbeeren, die er sich durch seine Romane errungen hat, nicht ruhen läßt und immer auf's neue zur Bühne hinzieht, ohne daß es ihm bis jetzt gelungen wäre, aus derselben durch einen nachhaltigen Erfolg auch festen Boden zu gewinnen, hat soeben im Feuilleton der Berliner „Rat.-Ztg." einen Aussatz „Die Premiere" veröffentlicht, "in dem er dieses Thema vom Standpunkt des „nicht erfolgreichen" Autors behandelt. Daß der Aerger und der Pessimismus bei einem solchen Unternehmen die Rolle der Musen übernehmen, ist gewiß sehr begreiflich; aber das Schauspiel, das Spielhagen in dieser Situation dem Publikum dielet, dürfte noch weniger Beifall finden als seinem letzten dramatischen Versuche „Die Philosophin" geworden ist. Spielhagen's Grundirr- thnm ist, das hervorragend dramatische Temperament, das aus seinem Wesen in seine Romane hinüberfluthet, für dramatisches Talent zu halten; ein Irrthum, in dem er seiner Zeit von Paul Lindau in einer Besprechung seiner Novelle „Ultimo" bestärkt worden ist. Thatsüchlich ist Spi-lhagen aber durchaus ein scharf ausgeprägtes Erzühlertalent, und als solches so innig an eine ihm eigenthümlich gewordene Darftellungs- und Empfindungsweise beim Schaffen an eine streng epische Technik gewöhnt, daß ihm die Beherrschung der dramatischen Form und deren Gesetze weit schwerer fällt als irgend einem leichtblütigen Plaudertakent, das ohne viel vergeffen zu müssen und innere Beschwernis den Matadoren des modernen Salon- stücks die Geheimnisse ihrer Bühnenwirkungen ablauscht. Der eine bezeichnete Irrthum des von uns so oft schon nach Verdienst gewürdigten Romandichters ist die Voraussetzung des neuen Fehlgriffs; denn nur das sichere Gefühl,, daß fein Mißgeschick als dramatischer Autor nicht auf Schwächen und Fehlern seiner Dramen beruhe, konnte ihn zu einer Darstellung aller, den Erfolg einer Premiere bedingenden äußeren Momente verleiten, welche jene eine Möglichkeit innerer Begründung völlig ausschließt. Die krankhafte Erregtheit der Schauspieler, die Klatschsucht und Dummheit des Publikums, die Verlogenheit und moralische Ver- sumpftheit bet Theaterkritik, dies alles wird so unbarmherzig durchgehechelt — wie unseres Wissens nie ein Spielhagen'sches Stuck bei irgend einer Premiere seitens des Publikums und der Kritik. Uebrigens hat er dabei den dichterischen Kunstgriff gebraucht, dem Ganzen die Form eines Zwiegesprächs zwischen sich und einem Freunde zu geben, und berjenige, welcher in so heftiger Weise seiner Erbitterung Luft macht, ist nicht Spielhagen, sondern der Freund. Daß übrigens von Seiten des Publikums und der Kritik bei der Slufnahme von Stücken zu viel subjektive Laune und Meinung mitunterläust, ein Fehler, von welchen wir uns selber freizuhalten stets aufrichtig bemüht find, wer wollte es leugnen. Spielhagen's Schwarzmalerei, in der er sich in feiner Philippika gefällt, entstammt aber zum Ptindesten derselben einseitigen Subjektivität, die ihm so weh gethan, wenn sie in der Gestalt tadelnder Kritik seiner Werke ihm entgegen trat. Hier eine Probe: „Das Haus ist „ausverkauft": wir wohnen
164.
1212.
Telegraphische Dampfernachrichten
der Frankfurter ZeiPing.
(Nachdruck nur mtt Quellenangabe gestattet.)
Angekoinmen in Barbados D. „Modelle“ von Southampton; in Newyork D. „France“ von London; in Queenstown der Cunardd. „Catalonia“ von Boston und D. „Arizona“ von Newyork.
Feuilleton
Künstlers hervorhebend. Namen« des Frankfurter Journalisten- und Schriftsteller - Vereins legte Herr F. Rittweger einen Kranz auf die letzte Ruhestätte des langjährigen Mitgliedes und treuen Freundes.
— Der für gestern Nachmittag angesagte Schlitten- Korso erschien als eine nicht gerade ungewöhnliche Schlitten- partie. Ein Reporter schrieb uns heute früh, es hätten sich an demselben kaum 2 0 Schlitten betheiligt; Mittags ersucht et uns, die Zahl 20 in 5 0 umzuändern. Nach dem uns von den Veranstaltern eingesandten Berichte „hatten sich über 2 5 Schlitten auf der neuen Forsthausstraße eingefunden." Der Berichterstatter des „Jnt.-Bl." gibt bestimmt „nur 16 Schlitten" an. Ein Herr, welcher glaubte, der Korso werde am Opernhause zu einer Art Schlußparade erscheinen, konnte in längerer Zeit nur 3 Schlitten abwarten, die einen „prachtvollen" Anblick durchaus nicht gewährten.
t Der hiesige Frauenbildungs-Verein beabsichtigt, in seinen bisherigen Lehrplan auch Gesundheitslehre, sogenannte „Samariterkurse" aufzunehmen, wie sie schon seit längerer Zeit in verschiedenen Städten Deutschlands, sowie in England und in der Schweiz bestehen. Dieser Unterricht für Frauen und Mädchen soll sich hauptsächlich auf allgemeine Gesundheitslehre erstrecken, ferner auf die Lehre von der Anwendung ger geeigneten Mittel bei plötzlichen Erkrankungen oder bei Unfällen, bis ärztliche Hülse zur Hand ist. Gewiß wird Niemand die hohe Bedeutung eines solchen Unterrichtes verkennen, denn für Frauen und Mädchen, deren Berus in der Familie es hauptsächlich erheischt, bei plötzlich eintretenden Unfällen auf richtige Art die geeigneten Mittel bis zur Ankunft des Arztes anznweii- den, ist eine belehrende gründliche Anleitung von größter Wich- ttgkeit. Der Unterricht soll nach Neujahr beginnen; Anmeldungen werden von diesem Tage an Hochsttaße 12 angenommen. Nur eine zahlreiche Betheiligung von Zuhörerinnen kann es dem Vorstand des Vereins ermöglichen, dieses Vorhaben anszuführen.
2. Der S ch w e i n e m a r k t am Mittwoch war in Folge der Verlegung des Hauptmarktes nur mit 145 Stück fetten Thieren betrieben, die zu den seitherigen Preisen umgesetzt wurden.
2. Der gestrige Markt im städtischen Viehhof war befahren mit 26 Ochsen, 41 Kühen, Rindern und Stieren, 603 Kälbern, 14 Hämmeln und 135 Schweinen. Preise von Kalbern waren für erste Qualität 50—54 Pfennig, zweite Qualität 42—46 Pfennig per Pfund; alle anderen Viehsorten blieben wie am Montags-Hauptmarkt.
Vereine.
A Das erste Heft der „Berichte des freien deutschen Hoch st ist s", Jahrgang 1888, ist ausnehmend reichhaltig und interessant. Von den größern Vorträgen find hervorzuheben: „Moritz von Schwind" von Dr. V. Valentin, und in den „Mittheilungen" ein Bericht über die Schwind-Ausstellung; „Goethe und die Romantik" von Prof. Dr. St. Waetzold; „Ueber Relationen zwischen den Dreiecksstücken und den Radien der Jn- nnd Ankreise" von Dr. P. Bode; „Regenerations-Vorgänge im Thierreiche" von Dr. W. Reinhardt; „Ueber Resultate ans der Graphostatik" von Ingenieur I. Olshausen; über zwei Ausdrücke in Kapitel III von Lessings Laokoon, von Dr. V. Valentin; Bericht über den hier abgehaltenen zweiten allgemeinen deutschen Neuphilologentag; das Tragische bei Molikre von Dr. E.Wafler- zieher; die Grundgedanken und einzelne Detailbestimmungen beS Krankenversicherungsgesetzes, von Dr. E. Benkarb. Die „Mit- theilungen" betreffen zuerst ein Goethe-Bilbniß aus bem Jahre 1812, gezeichnet von Xaver Blaria Cäsar v. Schönberg-Rothenschönberg, das Goethe bei seinem Abschiede von Karlsbad der Fürstin Philippine Colloredo-Mansfeld verehrte Leider ist in der beigefügten Reproduktion die Original-Bleistiftzeichnung „nicht in durchaus befriedigender Weise" wiedergegeben. Eine sehr interessante Veröffentlichung ist das „Frankfurter Goethe-Album". Im Jahre 1849 tauchte bei der Jahrhundertfeier des Geburtstages Goethes bet Gebanke auf, ein Goethe-Album in ber Weise zu schaffen, daß die hervorragendsten Männer der Wissenschaft in Deutschland eigenhändig auf ein ihnen zu diesem Zwecke zngesandteS Blatt einen auf Goethe bezüglichen Ausspruch niederschrieben. Diese Aussprüche sollten autographirt und zu einem Album vereinigt werden. Der Plan gelangte nicht zur Ausführung. Nur August Böckh, Christ. Gottfr. Ehrenberg, Jmm. Herm. v. Fichte, Eduard Gerhard, G. G.Gervinus, Jos. Frhr. v. Hammer-Purgstall, Karl Jos. Anton Mittermaier, Friedt. V.Stauntet, Arthur SchopenhauerundKarlZell haben dem Wunsche entsprochen. Diese wenigen Blätter, welche sich jetzt im Besitze des Kammerherrn Hugo v. Donop befinden, sind hier abgedruckt. Besonders interessant sind die seinen Bemerkungen des großen Hellenisten Böckh über „Des Epimenides Erwachen." Schopenhauer hat den „Aussatz", mit welchem er sein Blatt für da» Album auf beiden Seiten vollgeschrieben, in „Panerga und Paralipomena" als Anhang zu bet Abhandlung „Zur Farbenlehre" mit einigen unwesentlichen Abänderungen mitgetheilt.
— Das Winterfest bet Frankfurter Turngemeinbe findet Samstag den 7. Januar in sämmtlichen Räumen des Gesellschaftshauses im Zoologischen Garten statt. Das Fest wird mit einem Balle «schließen.
ja einer Premiere bei! und das neue Stück ist von einem wenig bekannten, sagen wir: imbekannten Autor. Es ist ber bei weitem harmlosere Fall. — „Kennen Sie bas Stück ?" — „Nein, wie sollte ich! Unb Sie ?" — „Ebensowenig, aber ich höre, ber Verfasser soll nicht ohne Talent sein." — „Ter Verfasser? ich beule, es ist eine Dame ?" - - „Um Himmelswillen! Das wird btnn wieder danach sein! Wenn ich das gewußt hätte!" — „Freilich. Nun, wir werden ja sehen. Vielleicht ist es doch nicht ganz so schlecht." „Wie schlecht? Das ist die Frage. Daß es. gut sein könnte, nimmt eigentlich Niemand an: man hat ja an dieser Stelle schon so viele Enttäuschungen erlebt! Und — schrecklich, es zu sagen: da find wenige," die von Herzen wünschen, daß es gut sein möchte. Natürlich will man sich „amü- firen". Aber es gibt ja verschiedene Arten von Amüsement, unter denen die Schadenfreude nicht für die schlechteste gilt. Wie diese Perversität in das menschliche Gemüth kommt, ich weiß es nicht; vermuthlich wird es damit geboren. Wenigstens ist das die Meinung der Fliege, ber das spielende Kind die Beine ans- zupft, und des Gladiators, dessen brechender Blick über die jubelnde Menge auf den Rängen der Arena irrt, unb des Autors, wenn bie Herrschaften im Parquet nach jebem seiner Aktschlüffe sich in eisiges Schweigen hüllen. Ja, wenn man wüßte, ob man klatschen dürfte! Mau wird es morgen Früh missen, wenn man seine Zeitung aufschlügt; heute Abend — unmöglich! Vorsicht' ist die Mutier der Weisheit: wer hüllte sich gern in das Gewand des Thoren ! Und wie leicht kaun mau bei solcher Gelegenheit als ein Thor erfunden werden, wenn man an ber unrechten Stelle lacht ober weint! Wie unverfänglich bagegen unb zugleich wie kleidsam sind kritisch hochgezogene Brauen, abwartendes Lächeln, vieldeutiges Achselzucken!" .... Noch schlimmer ist Spielhagen ans die Theaterkritik zu sprechen. Wir haben nicht nöthig, uns hierüber zu echauffiren, da wir noch in keinem Falle der achtungg. bietenden Talentoffenbarung die schuldige Achtung versagt haben und Überhaupt den Beruf der Kritik nicht in bem traurigen „Merker"-Amte erblicken, bas Richarb Wagner in ben „Meistersingern" mit Recht gegeißelt hat, saubern als ein Vermittleramt auffassen zwischen bem Schönen, das bie Kunst in ihrer Entwickelung in ewiger Fruchtbarkeit erzeugt, zwischen ben Gesetzen, welche allem Kunstschaffen zu Grunde liegen, unb bem Geschmacke des Publikums, der einer verhängnißoollen Beeinflussung von Seiten der Moberichtungen des Tages beständig ausgesetzt ist. Nach Spielhagen müßte ein Kritiker von reinem Streben und unbefangener Gerechtigkeitsliebe so selten sein wie ein weißer Mohr. Wir können auch dies nicht zugeben, wie groß auch die Zahl Derer sein möge, die leider als Unberufene sich des verantwortungsvollen ernsten Amtes bemächtigen. —p.—
— [Personalien.) Der Prinz von Wales feiert am 10. März des nächsten Jahres seine silberne Hochzeit.
Eisenb.- Aktien.; 29. I
Airs Kunst und Leben.
»rniiffurt a. M.. 30. December 1887.
. — [Aus Berlin), 29. b., wird uns geschrieben ■' Ein Keines theatralisches Lokal-Ereigniß spielt sich gegenwärtig im Louisenstäbtifchen Theater ab: Abolph Ernst ist wieder erschienen, einer ber populärsten Berliner Komiker unb einer unserer geschicktesten Bühnenleiter, ber nach einer unfreiwilligen , nicht allzu langen Panse seine Thätigkeit roieber ausnahm. Vor neun Jahren hat ber damals noch fast unbekannte Schauspieler an derselben Stelle zuerst in Alt-Berlin bei den lachfrohen Bürgern der City sein dankbares Publikum gefunden; es ist ihm baun hinübergefolgt ins Central - Theater, unb als er bas Scepter bort an Thomas abgeben mußte, war Trauer in Babylon ; nun aber ist Freude, denn die „schöne Ungarin" ist wieder da, und Ernst ist wieder da, unb eine neue Soubrette ist ba, Frl. Gallus, bereu ftische Lustigkeit gute Erwartungen weckt. Wenige Minuten von einanbet entfernt hat jetzt biejenige Berliner Poste, welche auf ben Namen Mann stöbt hört, zwei konkurrirende Heimstätten erhalten, bie wohl mit einander den Kampf nm's Dasein werden ausfechten müssen; denn Konkurrenz ist das Zeichen, unter das die Berliner Theater immer mehr treten, man vergleicht selbst dasjenige, was seiner Natur nach den Vergleich auszuschließen scheint, und wie die Verehrer ber Tragöbie sich das Erkennungszeichen geben: hie Kainz! hie Matkowsly! so wird es nun auch von ber Berliner Posse heißen: hie Ernst! hie Thomas!
-h- [Aus München), 29. bs., wirb uns geschrieben: Mit bem scheidenben Jahr tritt nach nahezu achtjähriger Thätigkeit bie Koloratursängerin Frau Marie Basta ans bem Verbände ber Münchener Oper. Die Sängerin, welche am Mittwoch, ohne daß ber Adenb indeß das Gepräge einer Abschiedsvorstellung getragen hätte, at8 letzte Rolle bie Susanne in „Figaro's Hochzeit" gesungen hat, veranstaltete gestern im Odeon ein Abschieds-Concert, in welchem es an den Üblichen Blurnen- und Kranzspenden nicht gefehlt hat. Mit bem Scheiben ber Frau Basta entsteht in unserem Opernensemble eine klaffenbe Lücke, die man ehestens wird ausfüllen müssen, was hier um so mehr betont werden soll, als man an leitender Stelle bis jetzt an einen Ersatz der Fran Basta nicht gedacht hat, vielmehr bie Absicht besteht, bie Partien ber scheidenden Künstlerin unter bie Damen X, 8 unb Z zu Vortheilen, bie sie ja „auch werben fingen können." Daß Fräulein X bie Königin ber Nacht wirb fingen können, wirb nun allerbings Siiemanb bezweifeln, aber es kann sich für ein Institut vom Range ber Münchener Oper boch nicht darum handeln, die eine oder bie anbere Rolle ber Frau Basta ber einen ober anderen Sängerin anzuvertrauen, welche fie „auch"
Rudolf bahn Siebenbürger ••••• • Staatsbalm •••**.. ji Lombarden P G raz-Köil.wher • • • Ü 1 te ich: ub.-Pardub. j! Theisbahn
Lng.ir.-Galizische • j; Itaab-tirazer ......
i'j Tramway
Lokalbahn
Wechsel Frankfurt do. London - • - ■ do. Paris......
do. Amsterd. • • i Napoleonsd’or i Marknoten f! Silber
solle, ähnlich wie bie Gasanstalt, ober ob man bie Sache einem Unternehmer für einen kleinen Umfang übergeben solle, sei man in der Kommission noch nicht schlüssig geworben. Man habe inbeß in der letzten Sitzung einen Antrag dahin angenommen, ben Magistrat zu ersuchen, ein öffentliches Ausschreiben bezüglich bes Projekts einer elektrischen Centralstelle zu erfassen. Der Magistrat sei diesem Antrag beigetreten. -Die Stadtverordnetenversammlung erklärte sich mit bem bisherigen Vorgehen ber Kommission ebenfalls einverstanden.
y Mülheim a. Ah», 29. Dec. Seiner Zeit hatte bie Stadtverwaltung bie Mainzer Schiffbrücke gekauft, um dieselbe hier zur Aufstellung zu bringen. Letzteres verzögerte sich aber infolge rnannichfacher Einsprüche unb langwieriger Verhandlungen mit bem Kriegsministerium bis heute. Endlich sind alle Hinderniffe aus bem Wege geräumt, das KriegSministerium zahlt auf zehn Jahre einen jährlichen Beitrag von 7000 für bie freie Passage ber Truppen unb Militärfuhrwerke unb bis Mitte März, wenn bie nöthigen Verankerungen ic. ausgeführt sinb, kann bie Brücke ber Oeffentlichkeit übergeben werden.
y Köln, 29. Dec. Unserer Kriminalpolizei ist ein guter Fang gelungen; man verfolgte eine Diebin, fand dieselbe in ihrer Wohnung zwar nicht mehr vor, entdeckte jedoch dort ein Falschmünzerlager. Acht gefälschte Goldbarren, den ächten durchaus ähnlich, unb eine Menge falscher Geldstücke belgischen und spanischen Gepräges wurden beschlagnahmt. Die Bewohnerin dieses Zimmers, deren man bis jetzt nicht habhaft geworden, war eine Frau H orw a r t h, die Frau eines Verbrechers, welcher, des Mordes angeklagt, wenn ich nicht irre in Frankfurt a. M., zu 2tz Jahren Zuchthaus veriirtheilt wurde, nach sechsmonatiger Hast entfloh unb schließlich wieder einge-- sangen wurde.
8 Saarbrücken, 28. Dec. Gestern Abend kam es in’ber Gersweilerstraße zu einem Rencontre zwischen Burschen aus dem benachbarten Malstatt-Burbach unb einer Patrouille bes 70. Infanterie-Regiments. Bei ben daraus sich entwickelnden Thätlichkeiten erhielt einer ber jungen Leute, ein verheirateter Arbeiter aus Bürbach, einen Stich in das Ange, ber noch in berselben Nacht ben Tob herbeiführte.
a Hießen, 29. Dec. Unsere Stadt wird mit dem morgigen Tage um eine Einrichtung reicher. Ein Herr Gustav Stahl eröffnet ein Privat-Briefbeförberungs-Institut. Die Taxen find wie folgt festgesetzt: Drucksachen und Korrespondenzkarten 2 Pf., geschloffene Briefe 3 Pf.
o Darmstadt, 30. Dec. ©eftern Nachmittag haben unsere Stadtverordneten durch Beitritt zu den Vorschlägen des Kuratoriums für Gründung eines Asyls für verwahrloste Kinder beziehungsweise ber Bürgermeisterei einem längst anerkannten, bringenden Bedürfniß Rechnung getragen. Das erwähnte Kuratorium hat seit einigen Jahren theils aus privaten Ntitteln, theils aus Erträgniffen eines im Vorjahre veranstalteten Bazars incl. der ausgelaufenen Zinsen ein Kapital von ca. <-#. 31,000 zusammengebracht, wovon nach dem gestrigen Beschlusse 17,500 zur Erwerbung des etwa 2% Stunden von hier entfernten Grüfenhäuser Schlößchens für die Stadt Darmstadt verwandt werden sollen. Ein weiterer Betrag von 8000 steht aus Mitteln der städtischen Armenverwaltung für die Gründung der Anstalt zur Verfügung, während.der Betriebsfond aus Mitteln des von dem verstorbenen Rentner Helsmann der Stadt Darmstadt vermachten Legats entnommen werden soll. — Die Anstalt, welche sehr ansdehnungsfühig ist, unb eine selbstständige Leitung unter städtischer Kontrolle erhalten wird, soll 80 Kinder beiderlei Geschlechts aufnehmen. Das erworbene Anwesen wird als sehr günstig für den beabsichtigten Zweck geschildert.
k Mainz, 29. Dec. Seit heute bringt der Rhein das erste Treibeis, dieses ist aber in Folge der strengen Külte (dieselbe steigerte sich in der verflossenen Nacht auf 15 Grad) bereits so stark, daß die gelammte Schifffahrt eingestellt werden mußte; sämmtliche Schiffe sind in den Sicherheitshafen geflüchtet. Der Trajektverkehr mit Kastel bleibt vorerst noch aufrecht erhalten.
[] /ndwigshasen, 29. Dcc. Seit heute Morgen hat der Rhein so starken Eisgang, daß die Schifffahrt völlig eingestellt ist. In unserem Hafen liegt eine ganze Flotte, die da Schutz gesucht hat. Wie ich aus bester Quelle erfahre, mußten im Lauf des heutigen Tages des Eisganges wegen die Eisenbahn-Schiffbrücken bei Ai a j a u unb Speyer abgefahren unb ber Zugverkehr über dieselben eingestellt werden. Der Personen- und Gepäckverkehr wird, so lange dies möglich ist, mittelst Föhren unterhalten, der Güterverkehr zu den normalen Taxen über die nächstgelegeiien festen Rheinbrücken bewerkstelligt.
* Budapest, 28. Dec. In E s o k a ist man anscheinend einem schauerlichen Verbrechen auf merkwürdige Weise ans die Spur gekommen. Stefan Romhangi und dessen Gattin E v a wollten der Sekte ber Nazarener beitreten. Nach dem Ritus ist jedes neu eintretende Mitglied verhalten, beim Eintritt fein bisheriges Leben offen barzulegen unb feine Sünden zu beichten. Hat der Betreffende sich ein Vergehen zu Schulden kommen lassen, welches nach weltlichen Gesetzen eine Bestrafung heischt, dann ist der Sleueintretenbe genöthigt, seine diesfälligen Missethaten dem Gerichte „behufs Ausgleiches" zur Anzeige zu bringen und die sohin über ihn verhängte Strafe abznbüßen. Die Eva Romhangi gestand nun den Nazarenern, ihre a ch t Kinder ermordet zu haben und zwar, indem sie denselben jedesmal kurze Zeit nach der Geburt einen Aufguß von. Mohn- blättern zu trinken gab. Die Nazarener veranlaßten die Frau zum Törck-Kaniszaer Bezirksgerichte zu gehen, wo fie in Gegenwart van Zeugen ihr Verbrechen aufzühlte. Es konnte inzwischen festgestellt werden, daß ihre Angaben betr. Geburt und Tod ber Kinder richtig waren; ob sie die Verbrechen, die sie sich selbst zur Last legt, begangen, dürfte die Untersuchung erweisen. Der Gatte der Eva R., die feit geraumer Zeit schwermüthig sein soll, hatte keine Ahnung davon, daß seine Kinder unnatürlichen Todes ! gestorben sein sollten.
* London, 28. Decbr. Der britische Gefandtschaftssekretär Conyngham ©renne in Stuttgart hat seiner Regierung einen ausführlichen Bericht über die Arbeiterkolonie Dornhof in Württemberg eingesandt, worin er die Gründung solcher An- ' statten warm empfiehlt. Die radikale „Pall Mall Gazette" ] bemerkt zn dem auch von ber „Daily News" befürworteten 1 Plane: „Die „Daily News" erzählt uns, baß bas Problem ber \ Arbeitslosigkeit gelöst ist, weil bie württembergische Regie- ■ rung mit einem Kapital von Lstr. 3250 unb einer Farm von j
Gal. Karl-Ludwig • • "“S". Ajoosv...... 11o.—uia- i Oesterr. Nordwest
Donau-Hegul-Loose 118.25; 118.50 Nordw.-Elbthal ....
Bank-Aktien.
H Wien, 30. Decbr., 1 Uhr 36 Win. fPrivatdepesche 6er frankfurter Zeitung) Die Vorbörse zeigte feste* Tendenz auf beruhigende politische Meldungen und Contre- nßne-Deckungen. Valuten matt. Oesterr. Kreditaktien 267.20, Ungar. Kreditbank 267.50, Staatsbahn 212.50, Gali zier 186.—, Lombarden 83.—, Elbethal 153.—, Oesterr. Notenrente 76.25, 4proc. Ungar. Goldrente 96.40.
An der Mittagsbörse waren Staatsbahn in Baisse (210.50) auf Platzabgaben, die mit den Verkehrsstörungen motivirt werden.
1 Uhr 52 Mia.: Bei Schluß der Börse war die Tendenz ziemlich fest. Oesterr. Kreditaktien 267.—, Ungar. Kreditbank 267.—, Staatsbahn 210.80, Galizier 186.50, Lom barden 83.—, Elbethal 153.—, Oesterr. Notenrente 76.—, 4proc. Ungar. Goldrente 96.50.
; 169.— 169.50 275.—) — ■210.—-211.— 060. - 1159.—
------- --------J.— 330.— Ocsterr.-Un" Lloyd 458.— 450.— Türk Tabak 62.—j 62.— Oesterr. Alpine • • • •! 27.—I 26.70
j 2392 186'70
•>49.50
•153.—
!!6A— •211 —
Anglobank i 94.25 96 — Depositenbank -----165.—! 165.—
Oester. Bodenkredit 219. -1221 — Oester. Kreditbank 265.30 267.— Oesterr.-üug. Bank 846 — 846. — Wiener Bankverein 82.50 83.— Verkehrsbank 146.— 145.— Ungar. Kreditbank 265.50 266.70 Ungar. Eseompt 83.—| 84 70 Wiener Unionbank , 180.20.1 77.- ■ Oester. Landerbajik:204,— 204.50 Industr. Aktien.:
ng Paris, 30. Decbr., 2.25 N. Der Präsident Carnvt empfing gestern das Accreditiv des neuen englischen Gesandten- Lord Lytton. Letzterer betonte, baßer von ber Königin!, ben speziellen Auftrag erhalten habe, bie guten Beziehungen, zwischen Eugland unb Frankreich zu befestigen. — Das „Journ. be Paris", das Organ bes Don Carlos, publizirt heute eine« Bericht über btt Aubienz einer lkgitimistischen Deputation bei Don Carlos, bie bereits am 14. December stattsand. In dieser Audienz begrüßte ihn die Depilation, nämlich General Cathelinean, Joseph du Bourg und Moritz dÄudigny,. als König von Frankreich und Spanien. Don Carlos antwortete, ein Verfrag verbiete, daß die Kronen Spaniens unb Frankreichs auf bemselben Haupte vereinigt würden. Er würde Spanien nie verlaffen; aber er habe die Pflicht, nach dem Tode seines Vaters dies als Erklärung dem Artikel hinzuzufügen. D'Audigr.h sagt zu diesem Bericht, daß Don Carlos, indem er so sprach, nicht auf die Krone Frankreichs verzichtet, sondern dieselbe seinem Sohne Vorbehalten habe. — Ein Mitarbeiter der' „Soleil" hatte eine Unterredung mit Gladstone, in welcher, dieser erklärte, daß ein Krieg im Frühjahr ihm nicht unmöglich scheine. England würde in solchem Falle eine abwartende Stellung einnehmen. Er versicherte auf das Bestimmteste, die Reise Churchills nach Petersburg sei privater Natur.
Molst's telegraphischer Corresponüenj-Kurrau.
Berlin, 30. Dec. Graf Peter Schuwalow, ber auf der Rückreise nach Petersburg hier verweilt, hat sich, wie schon genieldet, beim Kaiser vorgestcllt. Der Graf besuchte hiesige Bekannte. Er ist ohne jede Mission, welchen Nomen dieselbe auch haben möchte.
Petersburg, 30. Dec. Laut heute veröffentlichtem Tagesbefehl des Kriegsministers ist der erforderliche Kredit für' die angeordnete Umwandlung von 201/» Lokalbataillonen in Archangel, Petrosawodsk, Perm, Ufa, Orenburg und Astrachan in N c s c r v e - K a d r e - B a t a i l t o n e zu fünf Kompagnien allerhöchsten Orts genehmigt worden. Die betreffenden Bataillone in Archangel sollen in Kriegszeiten ein Regiment zu zwei Bataillonen bilden.
Sofia, 30. Dec. Die Sobranje wurde gestern geschlossen. Der Fürst dankte in warmen Worten den Depu- tirfen für ihre Hingebung. . |
Newyork, 29. Dec. Die Gesellschaft der Reading-' bahn erließ eine Bekanntmachung an die Angestellten, in welcher sie erklärt, die Angestellten müßten sich entscheiden, ob sie im Dienste der Gesellschaft bleiben, oder den Befehlen der „Ritter der Arbeit" gehorchen wollen; sie müßten ein sehen, daß der Bahnbetrieb nur nach den Anordnungen der Gesellschaft und keines Dritten gehandhabt loerben könne. Heute Abend findet eine neue Konferenz von Delegirten der Angestellten in Reading statt.
160 Acres 80—100 Arbeitern regelmäßige Beschäftigung verschafft hat. Das ist Alles recht schön und gut, obgleich, wenn man diesen Maßstab zu ©runde legt, ein Kapital von 600,000 Lstr. und eine Fläche von 30,000 Acres erforderlich fein würde, um allein für die Unbeschäftigten Londons Arbeit zu finden. Wie kann aber durch Ausführung eines solchen Planes die Schwierigkeit überwunden werden, Arbeit ausfsiidig zu machen, wo die Zahl der Sirbeiter in England täglich um 1000 zu- nimrnt? Dieses ist die Grundfrage, von deren Lösung alles Uebrige abhängt. Nur ein Plan, welcher auch für diese 1000 Arbeiter Arbeit verschafft, welche es allein in Großbritannien täglich mehr gibt, wird das Problem lösen. Alles Andere find Palliativmittel." Welche aber doch noch immer besser find, als gar nichts.
* ^onbea, 29. Dec. Das Grand Theatre in Upperstreet, Islington, (einer nördlichen Vorstadt Londons) ist heute Nacht vollständig niedergebrannt. Die Vorstellung — es wurde die bekannnte Weihnachtspantomime „Whittington and his Cat“ gegeben — hatte bis halb 12 Uhr gedauert und dem Feuerwehrmann war bei seiner gewöhnlichen Ronde nach der Vorstellung nichts aufgefallen. Um 1 Uhr Morgens aber bemerkte er ein kleines Feuer in der Nähe ber Bühne. Er suchte sofort einen Wafferschlauch in Thätigkeit zu setzen, allein ba bie Flammen sich sehr schnell an ben leicht entzündlichen Coulissen verbreiteten, so schlug er Alarm. Im borberen Theile des Ge- bäubes wohnte bie Familie bes Theaterpächters Wilmot unb es gelang derselben, sich vermittelst einer Leiter zu retten, welche sich m ber Nahe ber Casse befanb. Während auf diese Weise Frau Wilmot — Herr Wilmot selbst hatte sich nicht zur Ruhe begeben — eine ältere Dame unb brei Kinder gerettet wurden, haitenbieNammenfbas ganze Gebäude ergriffen, sobaß bie zahlreichen von allen Seiten schnell herbeieilenden Feuerspritzen nichts weiter thun konnten, als eine weitere Verbreitung des Feuers zu hindern. Die Schauspieler haben all ihr Eigenthum, welches sich im Theater befand, verloren unb über 300 Personen sind burch ben Brand beschäftigungslos geworben. An berselben Stelle ist bereits vor 5 Jahren ein Theater abgebrannt.
Telegraphische Depeschen.
Die Wiedergabe der Privattklegramme. der telegrapbilchei, Reichs- u.Land- tagsberichie rh»e Ouelleuaiigadc ist untersagt u. wird als Nachdruck verfolgt.
Privatöepescheu -er Frankfurter Zeitung.
§ Hamburg, 30. Dec., 1.27 N. Die Feier be» fünfzigjährigen Priestersubiläums des Papstes fand gestern in bem großen Saale von Sagebiels Etablissement statt; es waren zu derselben etwa 6000 Personen erschienen. Die Festrede hielt ber von Hannover hergekommeue Abg. W i u b t h o r st. Er pries bie Verdienste, welche Leo XIII. um Deutschland und um den Frieden mit der Kirche sich erworben, und verhieß demselben fernere Fortschritte auf dieser Bahn des Sieges. Dazu gehöre in erster Linie die Wiederherstellung der weltlichen Souveranetät des Papstes , durch Macht der Ueberzeugung und des geistigen Kampfes. Zu ben hamburgischen Verhältnissen übergehend lobte Windthorst die weise Regierung, welche eine kirchliche Spaltung vermieden, unb ben kirchlichen, sowie ben scholastischen Einrichtungen alle Freiheit, welche Konfessionen wünschen könnten gelassen habe. Er forderte die Anwesenden auf, die Ausbreituiig der Kirche kräftigst zu erstreben , damit Hamburg bald ein staatliches Erzbischofthnm werde. Die Versammlung nahm drei Resolutionen in diesem Sinne an, welche dem Papste durch den Kardinal Melchers zugehen sollen. — Wincthorst's Rede fand die lebhafteste Zustimmung der anwesenden Katholiken.
IW München, 30. Dec., 12.50 N. Die Ency- clica des Papstes an die bayerischen Bischöfe ist bereits telegraphisch der hiesigen Nuntiatur angezeigt; ihr Eintreffen tvird stündlich ermattet. Dieselbe wird sofort vervielsältigt und veröffentlicht werden. (Vergl. unsere Privatdepesche aus Rom im zweiten Morgenblalt. Red.) 5S Wien, 30. Dec., 1.10 N. In der bekannten Haupt- zollamts-Affaire erfolgte gestern Abend die Verhaftung des seinerzeit freigelafseiien Kaufmanns Gerngroß, seines Bruders und seines Schwagers Bruckner, nachdem ber Verdacht, daß gravireude Papiere hinweggeschafft worden, durch eine Hausdurchsuchung bestärkt worden.
A Budapest, 30. December, 11.30 V. Ministerpräsident Tisza begibt sich, wie alljährlich, nach Neujahr nach Wien. — Die ungarischen Staatsbahnen haben heute Nacht auch den Güterverkehr in Folge des Schneefalls eingestellt. — Die Journale bringen einige militärische Nachrichten, die wir nur unter Vorbehalt mittheileu. Danach sollen sämmtliche Offiziere Ordre erhalten haben, die russische Sprache für den Feld- gebrauch sich anzueignen und die Topographie Weftrußlands zu ftubiren. Das Elaborat bezüglich einer Fünflheilung bes Landsturms ist beendet; bi.e Truppen sind von derselben verständigt. Generalmajor Varga ist von Temesvar telegraphisch nach Galizien zum dortigen Divisious - Kommando berufen worden. Varga Hai sich bei ben letzten Manövern als Reitergeneral ausgezeichnet.
nz Rom, 30. Decbr., 11 V. Eine Karawane des den Italienern beftenndeten Assa ort inenstammes fand, als sie von Abeffynien Rinder nach Maffanah schaffen wollte, die Straßen von Soldaten Ras Alnla's versperrt. Die Anführer der Karawane wllrden getödtet und ‘200 Rinder weggenommen. — Heute wird der Fürst Löwenstein erwartet. — Die „Voce Della Berita" meldet, Fürstbischof Kopp von Breslau bringe ein Schreiben Bismarck's an den Papst mit.
J Sofia, 30. Decbr., 10 V. Der Gesetzentwurf betreffend die Einführung des S a l z m o n o p o l s , welchen die Regierung noch kurz vor dem soeben stattgehabten Schluffe der Sobranje eingebracht hatte, ist von der Sobranje verworfen worden, dagegen hat dieselbe eine Zollerhöhung für Salz auf fünf Francs pro 100 Kilo- , gramm angenommen._________ '
