Erste» etoretuthtft U* StdttHuttet Zeit«»«.
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Theater-Anzeigen.
Schauspielhaus,
.Puppenfee.* Qr. Pr. „Die Ehre.“ Anfier Ab. Gen-
Freitag den 15. August Freitag den 15. August
>er arme Jonathan.“ Hierauf: „Fall Clonienceau. Gew. rr.
.Puppenfee." Gr. Pr. Außer Samstag den 16. August
Abonnement. -Adrienne Leoonrretr. uew.
io. augua*
iTrwtr." Gew«®*
»Adrienne
Samstag den 16. August „Mignon.“ Gr. Pr.
Sonntag den 11. August „Martha." Gr. Pr.
Anzeigen.“ Gew. Pr.
Mittwoch den 13.
.Tartufi'e." — „Der
sein, bestes Fräulein!" — Mit einem Worte, der Herr Direktor ist blos für die Rops zu sprechen, uns Andere hätte alksammt der Teufel holen können, ohne daß er es nur gemerkt hätte. Ich Hube gerade eine große Partie zu singen und muß schließlich erklären, daß mich das ewige Geihue nervöS macht. Die Rops antwortet etwas, die alle Sutter mischt sich ein, — und die hat Euch ein Mundwerk, Kinder! — kurz, ein Wort gibt das andere, und die Sutter schwört, der dicken aufgeblasenen Kröte einen tüchtigen Schabernack zu spielen! — Schön! — Was thut nun bi: schlaue Alte am anderen Abend? — Läßt sie heimlich den Sohn unserer Garderobiere, der bei einem Juwelier in der Lehre ist — iu's Theater kommen und zeigt ihm die berühmten Ropsischen Diamanten, während diese auf der Bühne mit dem Direktor hcrum- scharmirt. Und waS stellt sich nun heraus? — Daß alle Steine falsch find: das Collier, der Stern, die Armbänder, Alles, Alles ist reine Talmiwaare! — Na, das Halloh könnt Ihr Euch denken, mit dem wir die Rops empfingen! Sie fällt natürlich gleich in Ohnmacht, bekommt ihre Nervenzustünde, Weinkrampf, Zuckungen und wer weiß, was nicht noch alles dazu! — Der Direktor kommt athemlos angelaufen, — der Theaterarzt, — das ganze Personal. Es bricht ein Höllenspektakel los. Tie Rops heult, der Alte schimpft — und wir wälzen uns! Halb schief haben wir uns bei der Geschichte gelacht, Kinder ! Seitdem grüßt mich die heimtückische Person nicht mehr, — und nun denkt Euch, wie angenehm es mir sein muß, die in unserer Garderobe zu sehen!"
„Die wollen wir Dir bald hinausgraulen," dekretirt Frau Rolle entschieden, „dazu habe ich ein unfehlbares Mittel. Wenn ich mich nämlich recht tüchtig mit Opodeldok einreibe, so hält c8 Keine lauge ans! Das habe ich schon ein halb Dutzend Mal ausprobirt; und verbieten darf man es mir nicht, denn ich kann ganz einfach ohne das nicht tanzen! Opodeldok stärkt die Wadrn- muskeln und — *
Ein lautes Klingeln unterbricht die gelehrte Erklärung über die vorzüglichen Eigenschaften des bekannten Hausmittels.
„Herr Gott," ruft die Soubrette erschrocken, „schon das erste Zeichen, nnd ich stehe noch im Hemde da! Rasch, rasch, Monpert- chen! — Meine Schnürleibchen, — meine Röcke, — mein Kleid —'
„Wir haben noch eine Ewigkeit, Fräulein Moico," beruhigt die Aufgeregte die nie au? der Fassung kommende Garderobiere, das schwarze Atlas-Korset zusammenschnürend, „gestern waren wir um die Zeit noch viel weiter zurück — Herein!" ruft sie laut, aus ein lautes Klopfen an der Eingangsthüre antwortend.
Eine große, üppige Brünette, in elegantestem Straßenanzug, tritt freundlich lächelnd in die Garderobe und grüßt überhöflich
Opernhaus.
Samstag den 9. August ,Der fliegende Holländer.“ r
Sonntag den 10. August ,Der Prophet.“ Gr. Pr.
„Der arme . „Puppenfee.' Abonnement.
„Die Fremde.“ Gew. Pr.
Montag den 18. Auge* „Fallissement.“ Gew« Pr.
Gew. Pr.
Donnerstag den 14. Augw « .Die Ehre.“ Außer Ab. Gew. » s
Freitair den 15. AuCTlit -Jp
Vermischtes.
*-erkin, 5. August. Tie fünfte KochknnstLUsstel- Ittng des Deutschen Gastwirthsverbandes findet nächstes Jahr hier statt. Den Kern der Ausstellungsgegenstände bilden selbstverständlich diejenigen der 176 Verbandsvereine, die statutenmäßig zur Beschickung der Ausstellung verpflichtet sind. Die Anmeldungen und Anfragen kommen aber bereits nicht allein aus Deutschland, sondern vielfach aus Oesterreich-Ungarn, zum Theil auch ans Amerika. In Verbindung mit der Ausstellung ist die Veranstaltung eines Feinschmecker-Diners in Aussicht ge- nommen, das die höchste Leistungsfähigkeit der deutschen Küche darlegen soll. Die Ausstellungsräume befinden sich in der Brauerei Friedrichshain. m
• Honsenhei« (bei Mainz,) 7. August. Man schreibt uns unter Bezugnahme auf die Korrespondenz tu Nr. 218 der „Fr. Ztg.": „Es sind bis jetzt durch die Nonne noch keine Waldungen vernichtet worden, da erst die Schmetterlinge aufgetreten find, aus deren Eiern sich erst im nächsten Jahre die Raupen entwickeln werden, welche die sehr gefährlichen Feinde unserer Waldungen sind. Es muß hervorgehoben werden, daß auf spezielle Anordnung unsere» sehr besorgten energischen Herrn Bürgermeisters täglich 90 Schüler von 12—13 Jahren nach den Waldungen geschickt werden und durchschnittlich 20—25,000 Schmetterlinge vernichten. Sehr auffällig erscheint, daß von Seiten der Forstverwaltung in beit angrenzenden Waldungen (Umversitätsfond und Großh. Domänen- wald), sowie der Gemeinden Mombach, Budenheim, HeideSheim und Finthen noch bis zur Stunde keine Schritte zur Vernichtung der Schmetterlinge gethan wurden."
@ Worms. 9. August. In Gegenwart der Behörde und unter der Leitung des Herrn Dr. Winther erfolgte gestern Vormittag die Ausgrabu n g des am 10. August 1870 dahier an seinen Wunden verstorbenen französischen Kapitüen Louis löurct Der Verstorbene wurde bei Wörth durch eines Granatsplitter an der Brust verwundet und verstarb zwei Tage nachdem er hierher gebracht worden war; ein Bruder des Verstorbenen bringt die Leiche nach St. Quentin.
[] Kaden-Kade«, 8. August. In der Lichlenthaler Straße wurde heute Nacht ent Einbruchs-Dieb st ahl verübt. Aus dem spanischen Waarenlager von Eez wurden für etwa 8000 Verkaufs-Gegenstände und aus der Kasse 170 " gestohlen. — Heute Nacht verstarb der allen Besuchern des großh. Friedrichsbades wohlbekannte Verwalter Hildenbraud plötzlich infolge eine» SchlagansatteZ.
* Budapest, 7. August. Ueber die bereits von uns gemeldete Brandkatastrophe, welcher die ungarische Stadt Moor zum Opfer fiel bringt der „Pest. Ll." noch folgende Einzelheiten: Da» Feuer ist am Dienstag um 2 Uhr Nachmittags im Hause des wohlhabenden Landwirthes Johann Pisch in der Kleinen Gasse entstanden. Frau Pisch begann um 1 Uhr Wäsche zu plätten. Während des Plätten» sprang aus dem glühenden Plätteisen ein Funke auf ihr Kleid und steckte dasselbe in Brand. Um Hilfe rufend, lief die Fran in den Hof zu ihrem Kalten, welcher dort Gerste reuterte-sDie bedauernswertheFran kam dabei dem Gerstenvorrathe zu nahe. Kaum hatte ihr ihr Gatte zugerufen: „Julie, gib Acht, sonst verbrennt Alles!" da stand auch schon die Gerste in Flammen. Pisch sowohl, wie die beim Reutern und Dreschen beschäftigten Leute waren vom Schreck wie festgebannt, so daß sie sich nicht an das Löschen des vom Winde angefochten Feuers machten. Sie riesen nur „Feuer!" worauf aus bett Nachbarhäusern einige Frauen herbeigeeilt kamen. Ein heftiger Sturmwind trug die Funken in das vierte, fünfte Haus hinüber, ohne daß die dazwischenliegenden Nach- bargebäude selbst in Brand gerathen wären. So kam es, daß bald die Häuserreihen in verschiedenen Straßen in Flammen standen. Von einer Bewältigung des Feuers konnte unter sollen Umständen keine Rede mehr feilt Ter größte Theil der männlichen Bevölkerung weilte überdies in den Weinbergen und bekam erst durch das Sturmläuten bet Glocken Kenntniß von bem Brande. Als sich die Schatten ber Abendbämmerung aus bie brennende Stadt herab- seukteu, boten bie in Hellen Flammen stehenden Häuserreihen eilt schauerliches Bild. Von Zeit zu Zeit wurden au» einzelnen Häuser» Hilferufe hörbar. Man versuchte die jammernden Menschen zu retten, allen als man nach vielen Mühen eingedrungen war, konnte man mir mehr verkohlte Leichen ans den Flammen ziehen. So kamen zehn Menschen um» Leben. Viele Mütter haben noch heute Mittags händeringend ihre Kinder gesucht, die wahrscheinlich ebenfalls in den Flammen umgekommen sind. Zahlreiche Einwohner ber vom Unglück so hart betroffenen Stadt erlitten Brandwunden. Es war ein großes Unglück, daß die meisten Brannen versiegt und der größte Theil ber Wohnungen versperrt war, so daß bie RettungSarbe'ten ungemein erschwert waren. Bisher würbe amtlich koustatirt, daß 109 Wohnhäuser sammt Neb n- gß bänden abgebrannt und 134 Familien obdachlos geworden sind. Tie letzteren wurden in den leerstehenden Räumen de» Militärspitals unlergebracht.
die drei plötzlich verstummten Damen. Das ist Die vielbesprochene, nicht mehr sehr junge, aber immer noch sehr schöne Fräulein RopS.
Die drei Verschworenen beantworten ihre liebenswürdige Begrüßung mit einem kaum merklichen Kopfnicken. „Aha," flüstert die Tänzerin spöttisch, „der Lcdersack ist auch da!" Alles kichert boshaft und schielt nach der ganz unbefangen drrinschauenden „Neuen". .
„Gestatten mir die Damen, mich vorzustellen. Mein Name ist Rops!"
„Sehr — Hm - hm — chm," antworteten du Angeredeten wie aus Kommando in einem Tone, welcher viel mehr aus „sehr unangenehm," als auf das Gegentheil deuten läßt.
„Ach, liebes Fräulein Moico", fährt Fraulein Rops unerschütterlich liebenswürdig fort, „ich hatte schon früher das Vergnügen, mit Ihnen engagirt zu sein."
„Hm — hm — glaube!" murmelt die Soubrette, ohne sich umzuwendeu und ruft sofort überlaut der Garderobiere zu, welche -den im Begriff steht, der Neuangekommenen die Schminkfchatulle auf den ihr angewiesenen Platz zu stellen —, „aber, Monpert, wenn Du immer nur mit den Andern beschäftigt bist, dann kann ich natürlich niemals fertig werden."
„Gehen Sie nur, liebste Frau", sagt Fräulein Rops mit einem milden Lächeln. „Ich kann meine Sachen selbst auspacken! — Ich störe Sie doch nicht, bestes Fräulein Sairderson?"
„Bitte", lispelt die kleine Liebhaberin kurz, rückt möglichst ostentativ die Riemen der Ledertasche, welche sich in ihre Nähe verirrt haben, zur Seite und kehrt ihrer Nachbarin den Rücken.
Eine liefe Stille herrscht nun in dem engen heißen Raum. Bon Zeit zu Zeit flüstert eine der Damen mit der Garderobiere oder kichert leise vor sich hin, ohne die Gesprächsversuche Fräulein Rops' im Geringsten zu beachten. Diese hat nun ihre wirklich kostbaren Toiletten ausgepackt, schminkt sich mit demselben milden Engelslächeln ruhig weiter und scheint die kriegerische Stimmung ihrer Kolleginnen gar nicht zu bemerken. Nach und nach verbreitet sich ein scharfer, nicht gerade angenehmer Duft in dem kleinen Raum und macht die ohnehin erstickend heiße Luft geradezu unerträglich. Die Tänzerin hat Wort gehalten und eine riesige Flasche Opodeldok auf und neben sich ausgegossen. — Abermals ertönt ein heftiges Klingeln.
„Aha. das dritte Zeichen", sagt Fräulein Sanderson, „nun sind Sie doch fertig geworden, Fräulein Moico!"
„Gottlob, ja! Es war aber auch die höchste Zeit", fügt die Soubrette bedeutungsvoll hinzu, der Tänzerin verstohlen winkend, denn man muß ja hier rem ohnmächtig werden. Nimm mir's «icht übel, Grete, aber Deine Einreibung ist wirklich unerträg-
Franlfnrter Angelegenheiten.
Frankfurt e. }tt., 9. August.
Dom Tage.
--- Nicht 52,000 sondern 21,0 00 sind der „fit. Presse" zufolge 6:8 jetzt zu dem Ehrengeschenk für Herrn Dr. Miquel gezeichnet worden.
S Im Volksbrausebad am Merianplatz wurden im verflossenen Monat Juli 4246 Bäder genommen. Im gleichen Monat 185'9 wurden 3761 Bäder genommen. Die stärkste Frequenz findet Samstags Abends und Sonntags Morg n statt, zu welchen Zeiten die Badenden oft lange auf eine frei werdende Zelle warten müpen.
ß Die Stadt wurde durch die Schorn sie infeg er-Innung in 25 Kehrbezirk emgetheilt. Seitens der Polizei-Reviere wurden nun Feststellungen gemacht über das Kehrgeld in den einzelnen Häusern ber Kehrbezirke. Schornsteinfeger, die einen Beiähiaungs- nachweis nicht erbringen können — es sollen derer nicht wenige sein, da da« Schornsteinreinigeu auch von Dachdeckern ausgeübt wurde — sollen von ber Einweisung in Kehrbezirke ausgeschlossen werben. Solche Anträge liegen ber Aufsichtsbehörde vor und es sind gegenwärtig Schritte in Vorbereitung, um hiergegen bei ber maßgebenden Behörde vorstellig zu werden, da einzelne Gewerbtreibende sonst brodlos werden würden.
ß Der gestrige Markt im städtischen Viehhoswar befahren mit 395 Kälbern, 40 Hämmeln und 214 Schweinen. Preise von Kälbern erster Oual tät 65 bis 70 Pf., zweiter Qualität 55 bis 60 Pf. per Pfund, die andern Viehsorten unverändert.
Montag den 11. August „Lumpaci Vagabundus.“ Gew. Pr. Außer Abonnement.
Dienstag den 12. August „Der Freischütz.“ Gr. Pr.
Mittwoch den 13. August „Lohengrin.“ Gr. Pr. Außer Ab.
Donnerstag den 14. August „Nachtlager in Granada.“ —
- Or Pr
Berlin, 8. August.
Die von mir an dieser Stelle wiederholt vertretene Ansicht, daß die Grundtendenz der Börse eine feste geworden ist, kam in der abgelaufenen Woche zur vollen Geltung. Es wurden zwar viele Versuche gemacht, in ungünstiger Weise auf die Haltung einzuwirken, aber der Erfolg ist stets nur vorübergehend und meist nur gering. Selbst die von gewisser Seite in die Welt gesetzten „ungünstigen“ Ernte-Nachrichten aus Rußland vermochten nicht einen Eindruck hervorzubringen, mit dem die Verbreiter derselben zufrieden sein könnten. Die Börse und das Publikum ist mit russischen „Nachrichten“ zu sehr genarrt worden, daß dieselben jetzt so ohne Weiteres geglaubt werden. Das deutsche Publikum hat zu viele Millionen Rubel auf Grund falscher Nachrichten verloren, als daß neue Warnungen auf Grund russischer Berichte noch einmal die Kapitalisten dupiren könnten. Ich habe bedauerlicherweise konstatiren müssen, daß sich das Publikum überhaupt von öffentlichen Rathschlägen emanzipirt und denselben keine durchgreifende Bedeutung mehr beigelegt hatte. Diesem Umstande war es auch zuzuschreiben, daß sich das Publikum trotz aller Warnungen gegen Schluß des vorigen und Anfang dieses Jahres nicht bestimmen ließ, selbst nur einen Theil der Bestände an Bergwerks- und Industrie-Aktien abzu- stoßen. Es nützten weder die Hinweise auf den Rückgang des deutschen Exports noch die weichenden Preise, um größere Verkäufe zu veranlassen, und erst die rapiden Courstückgänge brachten Material an den Markt, welches nun mittlerweile größtentheils die Besitzer gewechselt hat. Die gegenwärtige Besserung der Course besonders auf dem Montan-Markt vollzieht sich mit Ausschluß der Betheiligung des Publikums, und es wird voraussichtlich noch weiterer anhaltender fester Börsen bedürfen, bevor dasselbe sich wieder an der Bewegung betheiligt. Jedenfalls kann konstatirt werden, daß die Umsätze sowohl auf dem Ultimo- wie Kassamarkt in den erwähnten Werthen einen größeren Umfang angenommen haben. Höchst amüsant ist es, zu beobachten, mit welcher Entrüstung gegenwärtig von verschiedenen Seiten sowohl den Kohlen-Verkaufs- Vereinen wie auch den Courssteigerungen gegenüber Front gemacht weil — solche nicht zeitgemäß sind. Als s. Z. die Course und die Preise auf eine schwindelhafte Höhe getrieben wurden, da beeilten sich Zechen und Bankiers, neue Aktien zu machen und die Course so hoch als möglich zu setzen, da kannte der Optimismus keine Grenzen und das Publikum konnte die Zeche bezahlen. Jetzt findet man in denselben Kreisen plötzlich Konventionen unmoralisch und sind hohe Course und Preise nicht zeitgemäß. Die wiederholt kommenden Abschwächungen der Course der Kohlen - Aktien sind auf diese Epistel, welche der Spekulation wiederholt zu Gemüthe geführt wurden, zurückzuführen. Es ist nur zu natürlich, daß auf dem Bergwerks-Aktienmarkt ein ziemlich bedeutendes Decouvert besteht, und daß es diesem mit zuzuschreiben ist, wenn die Course weiter in die Höbe gehen. Auf dem Kassamarkt der Bergwerks-Aktien genügten kleine Aufträge, um sehr ansehnliche Courssteigerungen hervorzubringen, da mit der länger anhaltenden Festigkeit die Verkaufsordres zurückgezogen sind. Hoffentlich werden die Kohlen-Pro- duz?nten aus den Ereignissen des letzten Jahres so viel Erfahrungen gesammelt haben, daß sie bei Festsetzung der Preise bescheidener vorgehen und sich weniger von den Coursbewegungen als von dem faktischen Bedarf leiten lassen. Die Aussichten für die Köhlen-Industrie sind insofern bessere, als der Herbst und Winter mit seinem Bedarf naht und die Läger der Konsumenten in Folge der bestandenen hohen Preise nicht versorgt sind. Es muß aber abgewartet werden, inwieweit die Konkurrenz der Zechen miteinander und mit denjenigen des Auslandes in Thätigkeit tritt.
Die ruhiger klingenden Nachrichten aus Argen - tinien trugen zur allgemeinen Befestigung bei , obgleich man noch keineswegs an eine durchgreifende Besserung in Argentinien glaubt. Auf dem Bankaktie n- Markt konzentrirte sich das Interesse der Spekulation während des ersten Theils der W oche fast ausschließlich auf Kreditaktien, während der zweiten Börsenhälfte hinge- gegen besonders auf Diskonto-Kommandit-Antheile., P ür Kreditaktien wirkten die Erwartung einer befriedigenden Semestralbilanz und die Ernennung des Herrn Blum zürn Direktor. Ich bin geneigt, der letzteren eine größere Bedeutung beizumessen, weil die internationalen Verbindungen des Herrn Bldrn voraussichtlich der Kreditanstalt ein lange vernachlässigtes Feld der Geschäfts-Thätigkeit wieder eröffnen werden. Für Kommandit- Antheile wirkte die Klärung der politischen Lage in Argentinien, sowie namentlich der sehr erhebliche Rückgang des Goldagios in Buenos Aires anregend. Andere lokale Bankpapiere fanden geringe Beachtung, profitirten indessen gleichfall an der günstigen Tendenz für Kredit und Kommandit. Inländische Eisenbahn- Aktien blieben still; Ostpreußen und Marienburger waren trotz der ferneren unbefriedigenden Einnahmen gut behauptet. Mainzer erhielten eine Anregun aus Süd-
* J. and P. Coats, Limited, HStfaderfabrik H Paisley (Schottland). Wie bereits vor einiger Zeit ge- | meldet, ist die bekannte Fabrik von J. & P. Coats in Paisley 3, in eine Aktien-Gesellschaft umgewandelt worden. Das Ka- H pital derselben beträgt Lst. 5,750,000, eingetheilt in Lst. 2 1 Mill. Preference Shares, Lst. 1,750,000 Ordinary Share» | und Lst. 2 Mill. 41/2proz. Debentures. Zur Begleichung j des Kaufpreises erhalten die Vorbesitzer Lst. 5,750,000 und Ä zwar Lst. 3,833,350 in Baar, Lst. 583,330 in Ordinary ; Shares, Lst. 666,660 in Preference Shares und Lst. 666,660 in Debentures. Restliche Lst. 1,333,340 Preference Shares, j Lst. 1,166,670Ordinary Shares und Lst. 1,333,340 4'/rproz. Debentures werden jetzt in London, Newyork und Montreal zu Pari zur Subskription gebracht. Die Preference Shares haben Anspruch auf eine Vorzugsdividende von 6 pGt., die Debentures sind als ewiger Stock gedacht, doch steht der Gesellschaft frei, die ganze Emission nach dem 1. Januar j 1901 zu 110 pGt. zurückzuzahlen, oder auch theilweise durch Rückzahlungen zu tilgen. Die Fabriken der Vorbei sitzet in Paisley (Schottland) und Powtucket (Ver. Staaten von Amerika) gehen vom 1. Juli 1890 auf die Gesellschaft . über. Der annähernde Ertrag der Werke während der J letzten 7 Jahre wird mit durchschnittlich Lst. 426,048 p. a. j angegeben, für 1889 allein hat der Gewinn Lst. 474,471 betragen. Der Werth der an die Gesellschaft übergehen- | den Rohmaterialien, Halb- und Ganz-Fabrikate, wird ans Lst. 960,000 geschätzt, das haare Betriebskapital beträgt . Lst. 400,000. Einer der Vorbesitzer tritt in die Direktion, -3 ein anderer in den Verwaltungsrath der Gesellschaft ein. | In den von der Gesellschaft übernommenen Fabriken sind J gegenwärtig 6000 Arbeiter beschäftigt.
lich! Menn ich mit der Frau Direktor nur ein bischen bekannter H wäre, würde ich sie gleich bitten, mir eine andere Garderobe an- । zuweisen. Hier riecht man sich schließlich noch die Schwindsucht an den Hals!" ■
Fräulein Moico schielt nach der soeben fertig gewordenen Fei«“ | bin, um dir Wirkung ihrer Insinuation zu beobachten.
Diese steht nun mit kreuzvrrgnügtem Gesicht vor dem Spiegel | und athmet behaglich die schwere Luft ein. ■
„Ich finde den Geruch sehr angenehm", sagt sie mit naiv über» Ä zeugtem Wohlgefallen. „Opodeldok ist mir lieber, als da« feinste H Parfüm. Ich freue mich ordentlich, in Ihre Garderobe gekom» 3 men zu sein, liebe gnädige Frau!'
Sie lächelt äußerst freundlich der Tänzerin zu und raascht ver- ja gnügk trällernd zur Thüre hinaus.
Die drei Damen sehen sich verblüfft an und die GarderobitM d betheuert ernst:
„Au die muß man sich lieber gleich gewöhnen. Die läßt sich | nicht s» leicht hinausgraulen!"
Doch nun ertönen die Klänge deS Orchesters und bie Dame» « eilen auf die Bühne, wo sie Fräulein Rops mit demselben enge»» g milden Lächeln bereits im intimsten Gespräche mit dem Direktok = und der Direktorin antreffen.
mal an einem großen Theater engagirt bin, so werde ich auch eine höhere Gage kriegen; — und zweitens — wie machen's denn die Andern? — Schließlich hat doch nicht Jede gleich einen reichen Verehrer — Sie selbst zum Beispiel..."
„Das ist was ganz Anderes. Kleine," unterbricht sie Frau Rolle wichtig. „Ich bin eine Tänzerin, die was kann, — was eine große Seltenheit ist, und an diesem verdammten Nudclbrett unentbehrlich. Ich habe meine guten 6000 Mark jährlich und die Kostüme geliefert, — damit kann man sich schon eiurichten. Aber sehr klug hab' ich trotzdem nicht gehandelt, als ich meinen Mann hrirathete. Was hab' ich davon? — Nun muß ich Zeitlebens hier versauern, während ich sonst längst am Hostheuler engagirt wäre. Brauchen würde man mich dort gut können. — i das hat mir neulich erst die Dcllmare gesagt, nachdem sie mich dir große Spitzen-Variation tanzen gesehen. Und nun erst Sie, — eine Schauspielerin, — eine Sentimentale, von denen hier Dutzende unbeschäftigt herumlausrn, — wie wollen Sie ohne Protektion rmporkommeu? — Es wird Sie ja kein Mensch bemerken, wenn Sie keinen Aufwand treiben. Da haben Sie gleich . heute ein Beispiel! — Sind Sie nicht die Allernächste gewesen, nm die Direktorin zu ersetzen? Tie Zaire ist doch direkt Ihr Fach, ; — nicht? — Und doch engagirt man dazu die Rops, blos der -Toiletten und Diamanten wegen!"
„Nun, damit ist's auch nicht weit her," kichert Fräulein Moico höhnisch, „die berühmten Diamanten sind längst versilbert, liebe Grci«! — Das muß ich Dir übrigens erzählen, das ist eine zu köstliche Geschichte gewesen. — Tu, — Monpertchen, — pudre mir mal den Hals ein, — bei der Hitze will ich keine nasse Schminke auflegeu, — aber etwas tiefer, weißt Du, — mein grünes Kleid ist rin bischen sehr dekolletirt gerathen! — Ja, — wa» ich sagen wollte! Also denkt Euch, Kinder: Kommt uns die alte, dicke Rops täglich mit einem riesigen, ledernen Sack in die Garderobe gewackelt, in den sie ihre samosen Juwelen h:neinpackt, und macht dabei Geschichten und Grimassen, — schrecklich, sage ich Euch: „Ach Gott, meine Riviere!" — „wo nur mein Stern geblieben ist?" — „geben Sie nur ja recht Acht auf die Armbänder. Garderobiere!" u. s. w. u. s. w., den ganzen Abend gehts so durch. Na, und unser Alter, — Du kennst ihn ja, Monpert, — wenn der mal ein diamantenes Mitglied gesunden hat, ist er gleich außer sich vor Wonne und schwimmt nur so in Liebenswürdigkeit und Entzücken. In den Coulissen weicht er nun natürlich nicht von der Rops ihrer Seite, und thut womöglich noch besorgter, als sie selbst: „Verlieren Sie nur ja nichts, liebstes Fräulein!" — „Geben Sie nur ja recht Acht aus die schönen Eteme, Werthes Fräulein!" — „Mau kann nie vorsichtig genug
_____________________10, «ttgttft 1890’
deutschland und waren am Donnerstag steigend ans Nach" richten, daß der Verkehr eine fernere, sehr günslj ' Wickelung erfahren hat. Oesterreichische portwerthe waren ruhiger als während der vorhergegangenen Berichtsperiode, nur böhmische Bahnen begegnete» auf Wiener Anregung lebhafter Nachfrage. Schwei zer Bahnen lagen nach vorübergehender, durch Realisirunge» herbeigeführter Abschwächung sehr fest. Die Aussicht auf Verstaatlichung, sowie günstige Verkehrsberichte veranlagten besonders bei Central, Nordost und Union umfangreiche Courserhöhungen, während für die genannten drei Bahnen gleichzeitig von derB ildungvon Haussekonsortien gebrochen wurde.Gotthard konnten sich trotz fortgesetzterWiener Abgaben gut behaupten. Die neuesten sehr ungünstigen Einnahme-Ausweise der russischen Südwestbahnen nnd der Moskau-Brester Eisenbahn blieben unbeachtet. Die Course der russischen Bahnen waren etwas schwächer, aber nur im Anschlüße an den Rückgang der russischen Noten. Warschau-Wiener stellten sich auf Grund der durch die am 1. er. stattgehabten Verloosung herbeigeführten Verminderung des Aktien - Kapitals etwas höher. Die ■ Course der italienischen Bahnen wurden Seiten» der lokalen Spekulation wiederholentlich in die Höhe tu setzen versucht; der Erfolg blieb in Folge fortgesetzter Arbitrage-Abgaben indessen eng begrenzt. Das Interesse für fremde Fonds und Renten hat nachgelassen und da» Geschäft in denselben war nur in russischen Anleihen größer. Argentinische Werthe erfuhren mit den au« Argentinien kommenden Nachrichten eine Besserung, ab« die Kaufordres halten sich nach wie vor innerhalb der allerengsten Grenzen. Von einer Coursbesserung der deutschen und preußischen Anleihen ist noch immer nichts zu bemerken, im Gegentheil gingen 3l/»- proz. Reichsanleihe wieder unter Pari zurück. Man fürchtet, daß der Bestand des Konsortiums an 31/äproz. Reichsanleihe noch immer bedeutend ist und daß eine eventuelle Auflösung des Konsortiums viel Material an den Markt bringen und die Coursfestsetzung durch das Einzelvorgehen der Konsortialen sehr schwierig werden könnte. Die heutige, Freitags - Börse eröffnete in fester Haltung und zwar im Anschlüsse an den großen Rückgang des Goldagio - Courses von Buenos Aires. Ferner wirkten die günstigen latenten Nachrichten aus dem Kohlenrevier anregend auf den Gesammt - Markt. Im weiteren Verlauf schwächte sich^die Tendenz, vom Bergwerks-Aktienmarkt« | ausgehend, durchweg ab; es fanden große ostentative Blancoabgaben, besonders in Kohlenaktien, von einer Seite statt, welche schon seit Tagen den Markt zu beeinflussen sucht. Diese Beeinflussung ist um so bemerken»- werther, als man allgemein das Interesse der Finna an Kohlengesellschaften kennt. Bei dem wieder ruhiger ge- wordenen Geschäft bedurfte es geringer Beträge, um die Course um Procente zu werfen. Argentinische Werthe profitirten heute sehr nachdrücklich von den günstig lautenden Nachrichten aus Buenos Aires. Fremde Wechsel in Folge der Geldflüssigkeit fest. Holland wurde durch weitere Abgaben fürPetersburger Rechnung gedrückt, kur» London war auf die Diskonto-Erhöhung der Bank von England steigend, doch liegt noch keine Gefahr für einen Goldausgang vor, da die Begebung von kurz London zu den gestiegenen Coursen nicht so dringend ist. Wien war auf Rimessen für Getreide und Zucker, sowie auf spekulativ« Käufe fest, welche mit der Bewegung der Silberpreise in Verbindung stehen. Petersburg] folgt den Schwankungen | in russischen Noten. Geld ist sehr flüssig. Diskonten < 31/8—8 pGt. Tägliches Geld war mit circa 2*/r pGt. reich- | lich angeboten.
Frankfurter Handelsblatt.
Wiederabdruck der mit * bezeichneten Artikel, sowie der Privatdepeschen ist nur mit Quellenangabe gestattet.
♦ Berliner Börse.
m8t Samstag den 9. August
* Gr.P. Neu eimtudirt: „EinFaBta«^ ja ment.“ Gew. Pr.
Sonntag den 10. August .5 ,Rm Fallissement.“ Gew. Pfc
Montag den 11. August „ver Bibliothekar.“ Gew. Pr.
Dienstag den 12. August „Die Neuvermählten.“ — , «PJJ Platonischen.“ — VenniseeW M
tzolkethingswahlen und der Rücktritt de» Grafe« Holstein- Ledreborg haben ihn bestimmt, eine neue, eifrige Agitation ; anzufangen. Seit seinem entschiedenen Bruche mit der übrigen Linken ist dies seine erste planmäßig betriebene Agitation, und er : hat sich diesmal nicht damit begnügt, in den Gegenden, die ihm ; günstig gestimmt sind, aufzutreten, sondern er ist auch in das I Territorium des Feindes eingedrungen. Ueberall, wo er mit sei- «en Freunden, dem Redakteur KorSgaard und dem -cmds- thingsmanne Madsen, hinkam, standen sich die Anhänger der Protest- und diejenigen der Verhandlimgspartei schroff gegenüber. Von den Bereichen Rednern wurde behauptet, die Mehrzahl der Linken habe ein Einvernehmen mit dem provisorischen Regimente des Herrn Estrup herbeiführen wollen. Diese Versuche seien jedoch kläglich gescheitert. Von der anderen Seite tour« den diese Behauptungen zurückgewiesen. Es ist jedoch klar, daß die Berg'sche Partei die stärkste ist, und das „Linienblatt", das Organ Bcrg's, dürste Recht behalten mit der Behauptung, die Anhänger der übrigen Linkenparteien würden, sobald der Reichstag wieder zusammentreke, „auseinander stieben", und nur die kleine Berg'sche Gruppe werde als ein Stern Zusammenhalten, um welchen sich später die übrigen Mitglieder der Linken gruppiern müssen, um einen Anhalt finden zu können.
Asien.
* Aus Kalkutta wird unterm 7. August telegraphirt, daß sich die Scheichs der Ali Hazaras, eines unruhigen Stammes im Norden und Westen von Ghnzui, Afghanistan, empört haben. Von Kandahar sind Truppen zur Niederiverfung des Ausstandes entsandt worden. Die Masse des Hazarastammes verhaft sich ruhig und die Erhebung dürfte keine großen Verhältniße annchmen.__,
Gerichtsrettung.
— Frankfurt, 8. August. Gestern hat da» Oberlande»- g,richt die Wiederaufnahme eine« Verfahren» beschloßen, da» wohl allgemeine» Interest« erregen wird. Am 13. Februar 1889 wurde von der hiesigen Strafkammer ein Roßwärter Rauch wegen schweren Diebstahl» im wiederholten Rückfall zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren 6 Monate verurtheilt, mit ihm zusammen wurden zwei ebenfalls vorbestraften Menschen, der eine wegen schweren Diebstahl» im Rückfall zu zwei Jahren Zuchthaus, der andere wegen Hehlerei zu 10 Monaten Gefängniß verurtheilt. iSJie Verurtheilung der Roßwärter» gründete sich hauptsächlich auf die Aussagen seiner beiden Mitangeklagten, die dem Berichte voll- i kommen glaubwürdig erschienen. Es handelte sich in dem Fall« um den mittelst Einsteigen» verübten Diebstahl einer Hose, sowie zweier IUhren; die letzteren waren einem im Kettenhofweg wohnenden ! französischen Generale gestohlen worden. DerRoßwärter, der seine >früheren Strafen wegen Diebstahl» ruhig abgebüßt hatte, erklärte ; sich von Anfang an für unschuldig und setzte nach Antritt seiner Strafe alle Hebel in Bewegung, eine “Wiederaufnahme des Verfahren» zu erwirken. Diese Versuche waren jedoch sämmtlich nicht von Erfolg begleitet, da es dem Derurtheilten nicht möglich war, neue Thatsachen zu bezeichnen, die nach dem Gesetze die Wiederaufnahme des Verfahrens begründen könnten. Im Mai dieses Jahre», ; nachdem er bereit» über «in Jahr seine Zuchthausstrafe verbüßt hatte, wurde seitens feines Vertheidigers ein umfangreiches neue» Gesuch eingereicht, worin für eine Reihe von neuen Thatsachen Bewei» angetreten würd?. Dieses Gesuch Hal bie Strafkammer, weil sie die Thatsachen für unerheblich hielt, abgelehnt; da» Ober- landeSgericht aber verordnete die Vernehmung eines hiesigen Uhrmachers, in besten Laden der eine Mitangeklagte mit dem Roßwärter zum Verkauf einer Uhr gewesen zu sein behauptet hatte. Diesem Uhrmacher wurde der Roßwärter, der zu dem Behufe aus Wehlheiden hertransportirt wurde, sowie der Mitangeklagte gegenüber- gestellt. Der Uhrmacher erklärte mit Bestimmtheit, sich noch erinnern zu können, daß der Mitangeklagte bei ihm gewesen sei nnd ihm eine Uhr zum Verkauf angeboten habe; hinsichtlich des Roß- wärters, den der Beklagte als seinen Begleiter erklärt hatte, sagte der Uhrmacher, daß er diesen nicht wiedereikenne. Wenn er auch eine bestimmte Auskunft nicht geben könne, so halte er eS doch für möglich, daß jener es nicht gewesen sei. Auf Grund dieses Ergebnisse» der neuen Beweisaufnahme war da» Oberlandesgericht der Ansicht, eS sei jedenfalls dargethan, daß die Aussagen deSMitangeklagten ans die die Verurtheilung desRoßwär- terS hauptsächlich sich stützte, unglaubwürdig und es demzufolge in jeder Hinsicht geboten sei, die Cache zur erneuten Verhandlung zu bringen. ES wurde demnach, nachdem der Roßwärter 18 Monate feiner Strafe abgesesten hat, die Wiederaufnahme des Verfahrens beschloßen. Don physiologischem Jutereste ist die Thatsache, daß der vielfach vorbestrafte Mensch, als seine wiederholten Versuche, eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen, erfolglos geblieben waren, in Schwerinuth verfiel, so daß er ags der Einzelhaft in gemeinsame Haft gebracht werden mußte. Erst der Beschluß des Ober- landesgerichts, wonach er zur Konfrontation hierhergrbracht werden sollte, hatte die Wirkung, daß er wieder vollkommen gesund wurde.
Ä Ans Thüringen, 8. August. Das Schöffengericht zu Weida hat sich da» Verdienst erworben, dem 8 360,11 des Strafgesetzbuches eine neue Deutung zu geben, indem es in der Verleitung zur Arbeitseinstellung einen groben Unfug im Sinne diese» Paragraphen erblickt. Ein Gerber, der zur Arbeitteinfiellung am 1. Mai ausgesordert hatte, wurde von dem genannten Gerichtshöfe zu 3Wochen und 3 TagenHastver- urtheilt.
-t- Pari», 8. August. Heute begann in Grenoble der Prozeß gegen die wegen der Kundgebung des 1. Mai augeklagten Anarchisten. Denselben wird Aufforderung zu Raub, Mord und Brandstiftung zur Last gelegt. Die Verhandlungen werde» drei Tage dauern. — Juliette Pourpe, die oft genannte Freundin Bonlanger'», hatte sich gestern vor dem Zuchtpolizei- gerichte zu Chartres gegen die Anklage auf Betrug zu vertheidigen. Die Pourpe war mit einer Baarschaft von 70 Franken nach Toury gekommen und hatte nichtsdestoweniger ein Hotel au- gekauft, das sie sofort übernahm. Vier Monate später kniff sie bei Nacht und Nebel au», nachdem sie zehn Kisten mit Wäsche, Schmuck und Kleidern bei einem Nachbar versteckt hatte. Tie Gläubiger waren um 15,000 Franken geschädigt worden. Der Gerichtshof verurtheitte die Schwindlerin zu z w e i Ia h re n G e f ä n g n i ß, wrweaeu sie Berufunq einleqen will.
