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gUmtöbUtt »er ^rnttkfttrtrr Jett««-.

18. M1899

anstatt der Sache definittv cm Ende zu machen. Die Freisinnigen haben aach eine Zeit lang geschwankt. DieNat. - Ztg." bemerkt zu Miquel'S gestriger Rede:

Es mag fein, daß der Vizepräsident des Staatsministeriums, wie et bemerkte, gestern außer Stande war, zu erklären, welche Maßregeln ergriffen würden, sofern die Vorlage ganz oder theil- weise abgelehnt wird. Das konnte der Minister wohl schon deshalb nicht mittheilen, well nach einer vollständigen Niederlage das Mnisterium in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung nicht im Amte bleiben tonnte. Es wäre in dieser Zusammensetzung nicht im Stande, diejenigen Aenderungen der politischen Haltung Bor» zunehmen, ohne welche nach bet Verwerfung der Vorlage die preu­ßische Staatsgewalt Bor dem Agrar -Konservatismus die Flagge streichen würde. Was nach endgiltiger Verwerfung des Kanal- banes geschehen würde, darüber dürfte dann Wohl erst die Krone "mit einem beränberten Staatsministerium entscheiden. Trotzdem hätte man gewünscht, daß der gegenwärtige leitende preußische Minister rund herausgesagt hätte, wie er und feine jetzigen Kollegen politisch die Opposition gegen die Vorlage beurtheilen. Er hat nun zum wenigsten erklärt, daß die Lage ernst sei, was sie zweifellos ist. Ob es auf die Rechte jetzt noch Eindruck machen wird, erscheint uns zweifelhaft."

Die.Kreuzzeituug" in ihrer Siegesfreude wird höhnisch und dabei ungerecht gegen Herrn Bon Miquel. Sie schreibt:

»Wir müffen gestehen, daß es der Vieepräfident des Staats­ministeriums selbstBerständlich mit seinen Ausführungen gut ge- . meint hat, daß, wenn man aber hie eine und die andere seiner Aeußerungen gegenseitig abwägt, man auf dem Zweifelspunkt stehen bleibt: hat von Miquel eigentlich für oder gegen den Kanal gesprochen?"

(Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.)

Berlin, 18. Aug. Die MorgenblSUer melden: In par­lamentarischen Kreisen wird angenommen, daß das Abge­ordnetenhaus bis Mitte nächster Woche das vorliegende Material erledigt. Alsdann soll eine Pause eintreten, bis tbie vom Herrenhause abgeänderten Vorlagen eingegangen sind. r5DaS Herrenhaus nimmt seine Arbeiten am 29. August aus.

Der Dreyfus-Prozeß.

G Rennes, 16. August.

Dieser Prozeß ist einzig in seiner Art. Es ist kein Prozeß wehr, sondern eine fortwährende Anklage. Das Zeugenverhör ist ein Defile von lauter Staatsanwälten. Kein Zeuge hat den An­geklagten seine That verüben sehen oder hat eine direkte Kenntniß von Thatsachen, welche die Schuld beweisen. Ueber Thatsachen wird überhaupt nicht ausgesagt. Jeder Zeuge vielmehr bringt einen wohl vorbereiteten Anklageakt mit an die Barre und be­müht sich in einer oft Stunden langen Rede durch Gruppirung und Commentirung längst bekannter Dinge den Angeklagten zu belasten. Es macht einen traurigen Eindruck, wenn man sieht, .tote alle diese großen Herren, ehemalige Minister und Generäle in glänzender Uniform, ihre ganze Macht aufbicten, um diesen Unglücklichen gänzlich niederzuschmettern. Je weniger Entscheiden­des sie gegen ihn wissen, um so mehr spannen sie alle ihre Kräfte an, ihn zu verderben. Diese Minister und Generäle sind mit heißem Eifer bemüht, einen armen Menschen, der eben dem Bagno entronnen ist, weil zwingende Gründe für seine Unschuld sich gezeigt haben, wieder in den Bagno zurückzuwerfen. Ein miderwärttges Schauspiel! Die Vertheidigung müßte dieses un­erhörte Prozeßverfahren unterbrechen, mit Güte oder mit Ge- toalt. Die Vertheidigung aber bringt höchstens hier und da einen matten Protest vor und rührt sich im Uebrigen nicht. Herr Demange zeigt eine geradezu beängstigende Unfähigkeit. Allen seinen Anklägern gegenüber ist der Angeklagte also ohne jeden Schuß, und die Wehrlosigkeit des Opfers erhöht die Ab­scheulichkett des Schauspiels. Während all dieser Anklagen sißt D r e y f u s starr und scheinbar theilnahmlos da, in einer Un­beweglichkeit, die vielleicht militärisch sein soll, die aber ganz und gar nicht mehr am Platze ist. Statt auf Schritt und Tritt sein Leben zu vertheidigen, hat er die Haltung des gehorsamen Sol­daten angenommen und läßt sich geduldig schlagen und treten. Heute endlich, endlich bäumte er sich auf. Der General Raget hatte wieder ein dreistündiges Requisitoriuni vorgebracht. Am Ende fprang Dreyfus auf und schrie gegen die Tortur, die man ihm bereitet, indem man ihn zwingt, tagelang alle biet» Au­flagen anzuhören, ohne daß man ihm erlaubt, tutauf Jtt antworten. Dieser Aufschrei klang so erschütternd, als er aus ern gepreßten Herzen kam! Jeder hatte längst gefühlt, was Dreyfus da sagte. Zum ersten Mal empfand man mit tiefem Mitleid die Qualen, welche der Angeklagte in dem Prozeß erduldet, dieser Angeklagte, besten mumienhafte Starrheit sonst kaum eine menschliche Regung spüren läßt. Was die Ver­theidigung hätte sagen müsten, hatte nun endlich der Angeklagte gesagt; und man erkannte, daß Dreyfus in diesem Prozeß nur einen Vertheidiger hat: sich selbst. Barsch wies der Präsident dm Angeklagten zurecht: Er könne solche Aeußerungen nicht dul­den; Dreyfus habe kein Recht, sich zu beschweren, denn nach jeder Zeugenaussage habe er ihm das Wort gegeben :c. Der Präsi- dmt des Kriegsgerichts würde Recht haben, wenn es sich um Zeugenaussagen handelte. Wenn ein Zeuge auftritt und be­kundet, der Angeklagte habe Das oder Jmes gethan, so genügt «s, wenn am Schluß der Angeklagte zum Wort kommt, um zu bestreiken ober sonst etwas zu bemerken. Hier aber werben An­klagereden vorgebracht. Die Ankläger sprechen Stnndm lang, der Angeklagte muß lautlos zuhören und bars am Schluß bann eine Bemerkung dazu machen. Eine Bemerkung gegen einen ganzen Anklageakt! Die Rollen sind mit einer Ungleichheit ver- Iheilt, welche empört. Und wie soll beispielsweise dieser be- dauemswürdige Dreyfus, der eben von der Teufelsinsel kommt und kaum Zeit gehabt hat, seine eigene Affaire zu ftubiren, ein Requisitorium, wie das des Generals Roget enffräften, das lange und sorgfältig mit denKünsten jesnittscher Dialektik ausgearbeitet ist?! Das wird allem Anschein nach so weiter gehen. Die Vertheidigung hatte offenbar den Plan, die Entlastung dadmch herbeizuführm, daß sie im Kreuzverhör die belastenden Aussagm

vernichtete. Satori, der Mann, der im Kreuzverhör zu ver­nichten vermag, ist beseitigt; und so bleiben nur die An­klagereden übrig, welche von der Vertheidigung wenig oder gar nicht abgeschwächt werden. Auf diese Weise hat der Prozeß durch das Attentat gegen Labori eine für den An­geklagten sehr ungünstige Wendung genommen. Wir sind zwar noch nicht am Ende, und namentlich besteht die Hoff­nung, daß Lobori doch noch auf die Brriheidigerbank zurück- kehren wird. Einstweilen aber scheinen die schlimmstm Befürcht­ungen gercchtserttgt, wenn man sieht, wie das Kriegsgericht durch Ablehnung deS Vertagungs-Antrags den Anfordernngm der Vertheidigung keine Rechnung trägt und anderseits der Anklage vollen Spielraum iur Entfaltung läßt. Sollte allerdings das Unglaubliche geschehen und eine neue Verurtheilunz erfolgen, so bttdet die heutige Ablehnung des Vertagungs-Antrages der Ver­theidigung wohl ohne Zweifel bereits einen hinreichmdm Kastattons-Grund.

Von allen den Anklägern des Dreyfus, die wir bisher gehört, ist der ©eneral Roget jedenfalls der geschickteste und gefähr­lichste. Eine vornehme Erscheinung, deren Wirkung durch die imposante Generals-Uniform verstärft wird. Aristokratisches Wesen, elegante Manieren. Ein Weißkopf mit feinen, lebhaften Zügen. Dazu eine bemerkenswerthe Rednergabe, eine energische und doch einschmeichelnde Art zu sprechen, halb militärisch, halb parlamentarisch. Bedeutungsvolle Gesten unterstützen die Worte. Der General Roget spricht fließend und mit größter Bestimmt­heit. Wenn man sich näher ansieht, was er gesprochen hat, so sind es lauter unbewiesene Behauptungen. Aber es hört sich an, als fei es die unerschütterliche Wahrheit. Der General Roget stellt die Welt auf den Kopf; er weist nach, daß Weiß schwarz und daß Schwarz iveiß ist, daß Esterhazy kein Verräther, daß Picquart ein Fälscher, daß Henry ein Ehrenmann und daß der Untersuchungsrichter Bertuluß ein Lügner ist. Alles das ist falsch bis zum Wahnsinn. Wer der General Roget bringt es so sicher vor, als sei das Alles das Natürlichste von der Welt und als gebe es feine Möglichkeit, es zu bestreiten. Der General Roget hat eine vollmdete Kunst, die Thatsachen zu verdrehen und aus der Schuld die Unschuld, aus der Unschuld die Schuld zu machen. Dreyfus selbst, der ihn hört, muß erstaunt sein, mit welcher diabolischen Geschicklichkeit ihm da ein Verbrechen nachgewiesen wird, von dem er doch genau weiß, delß er es nicht begangen hat. Man kann sich unter diesen Um­ständen denken, welche Wirkung der General Roget auf die Richter hervorbringt. Es ist ersichtlich, daß sie seinen Anttagen ein geneigtes Ohr leihen; und dann imponirt ihnen wohl auch dieser vornehme General, der sich so viel Mühe gibt, alle die Herren Obersten, Majore und Hauptleute dazu zu bringen, daß sie seine Ueberzeugung theilen. Der General Roget bestätigt durch den Eindruck, den er persönlich macht, das, was man bereits aus der Enquete des Kasiattonshoses ersehen konnte: daß er das geistige Haupt, die stärkste Intelligenz der ganzen Militärpartei ist, die gegen Dreyfus Stellung genommen hat. Räthselhaft bleibt nur, welches Motiv ihn bestimmt hat, sich dieser Partei anzuschließen und sich mit all' seiner Kraft in den Kamps zu werfen, da er doch anscheinend mit der Einleitung des Dreyfus-Prozesies nichts zu thun gehabt hat und in keiner Weise für die in der Affaire begangenen Fehler und Vergehen verantwortlich gemacht werden konnte. Allerdings kann man in der Aussage des Generals Roget einen unbezwinglichen Haß bemerken, den er gegen Picquart hegt und der durch die vornehmen und anscheinend maßvollen oratorischen Formen des Redners deutlich durchdringt. Vielleicht liegt hier das Motiv zur Handlungsweise des General Roget, wenngleich die Gründe dieses Hasses wieder ein neues Räthsel sind.

(Privattelegramme der .Franks. Zeitung'.)

G Reimes, 18. Aug., 7.8 V.

Picqu art setzt heute seine Aussage fort uns) widerlegt eine Insinuation des Generals Roget, welcher behauptet hat, in einer bestimmten Spionage-Affaire habe Picquart selbst ge­heime Dokumente dem Kriegsgerichte mittheilen lassen. Picquart sagt, er höbe niemals eine solche Mittheilung veranlaßt; wenn sie geschehen sei, so geschah sie ohne sein Wissen. Picquart konsta- tirt feiner, daßdie Anklagen, die Roget neuerdings gegen ihn vor­gebracht hat, bereits vor einiger Zeit im .Ganlois" pudlizirt worden sind. General Roget verlangt das Wort »ach »er Aussage Picquarts. Picquart bespricht weiter das Bdr- bercau und erörtert das Gutachten der Schreib-Experten des Prozesses von 1894, namentlich dasjenige Bertillon's, das voll­kommen unverständlich gewesen sei; dieselbe Meinung habe ihm gegenüber Casimir Perier geäußert, welcher das Gutachten Bertillons gelesen hat. Picquart geht bann zur Besprechung des geheim enDofsiers über.

« Rennes, 18. Aug , 7.15 V.

Picquart bittet, um die Dokumente des geheimen Dossiers diskutiren zu können, ihm diese Dokumente in die Hand zu geben, da sein Gedächtniß ihn vielleicht bei einigen Punkten im Stiche laste. Der Präsident verweigert diese Mittheilung. Picquart erwidert, er müsse also ver­suchen, die Diskussion aus dem Gedächtniß zu machen. Picquart sagt, er müsse zuerst das unter dem Namendoute preuve* bekannte Dokument besprechen; da dieses Dokument in deutscher Sprache geschrieben ist, so bittet Picquart um die Erlaubniß, daraus Citate in deutscher Sprache zu machen, mit der er wohl vertraut ist. Der Präsident verweigert ihm dies (Bewegung). Diese Weigerung ist um so unerhörter, als sowohl Eavaignac wie Roget in ihren Aussagen Citate in deutscher Sprache gemacht haben. Der Vertheidiger Demange, der hier zum Schutze des Zeugen eingreifen müßte, rührt sich nicht. Picquart versucht also jetzt, die Dokumente zu diskutiren, ohne sie vor Augen zu haben, während die Richter sie nachlesen, und er versucht die Uebersetzung des Dokuments .doute preuve zu diskutiren, ohne daß er sich der deutschen Sprache bedienen darf. Dadurch wird die Demonstration na» türlich vollkommen wirkungslos.

G 9UtttW#,18. August, 7.59 V.

Die Diskussion der geheimen Dokumente durch Picquart ist im Wesentlichen ans den früheren Aussagen und schriftlichen Ausführungen Picquart s bekannt. Picquart hebt als besonders wichttg hervor, daß das Dokument ,Ce Ca­naille de D.', das man im Prozeß 1894 Panizzardi zuge­schrieben hatte, jetzt als von Schwartzkoppen herrühremd bezeichnet werde. Im Prozeß 1894 beruhte die ganze Anklage darauf, daß das betreffende Dokument als Brief Panizzardi's bezeichnet wurde. In dem Kommentar, mit welchem Du Paly die dem Kriegsgericht übersandten geheimen Dokumente begleitete, erklärte Du Paly, Dreyfus habe nicht bireft, sondern durch bie Vermitt­lung Panizzardi's mit Schwartzkoppen verhandelt; darum habe Panizzardi an Schwartzkoppen den Brief geschrieben, worin er sich über die zu hohen Ansprüche Dreyfus' beklagte. Dadurch, daß Dreyfus keine biretten Beziehungen zu Schwartzkoppen unterhielt, suchte Du Paty in seinem Kommentar zu erklären, baß das Borbereau mitbm Worten anfängt:Ohne Nachricht von Ihnen". Vielleicht würbe auch bie Vermittler­rolle Panizzarbi's deshalb behauptet, weil Deutschland in diesem Augenblick hatte erklären lassen, die deutsche Regierung habe keine Beziehungen zu Dreyfus gehabt. Diese ganze Anklage verliert also heute ihre Basis, wenn man den BriefCe canaille de D." Schwartzkoppen zuschreibt. Picquart äußert sein leb­haftes Bedauern darüber, daß Du Paty nicht vor dem Kriegs­gericht erscheine; es sei dringend nöthig, daß Du Paty über seinen Kommentar hier Auskunft gebe. Wenn Du Paty's Er­innerungen nicht ausreichen, werde er, Picquart, ihm helfen. (Heiterkeit.) Picquart spricht ferner von dem geringen Werth der Dokumente, welche nach der Vermtheilmig des Drey­fus als Beweise für dessen Verrath gesammelt wurden. Er erzählt, wie im Kriegsministerium zahlreiche Be­trüger sich einfanden, welche versprachen, neue Beweise des Verrathes von Dreyfus zu liefern, um dadurch einZwanzigfrankstück ober gar einen Monatsgehalt herauszupressen. Man wollte Dreyfus überall auf verrätherischen Reisen gesehen haben, in Berlin, in Rom, sogar in Konstantinopel. Picquart spricht ferner von ben militärischen Geheimnissen, bie nach ber Ver- uriheilung des Dreyfus verrarhen wurden. Eines Tages schickte Jemand an das Kriegsministerium ein sehr wichtiges Tableau der Präsenzstärke, das ans dem Kriegsministerium stammte. Der Korrespondent drohte, wenn man ihm nicht eine bestimmte Summe zahle, dieses Tableau einer Macht der Tripelallianz mitzutheileii. Picquart verlangte, daß im Kriegsministerium sofort eine Untersuchung vorgenommen werde. Picquart erhielt bie Antwort, das Dokument sei durch so zahlreiche Hände ge­gangen, daß es unmöglich sei, festzustellen, wer bie Jnbiskretion begangen habe.

G Rennes, 18. August, 8.30 V.

Picquart schildert bann feine Rolle in ber Affaire Esterhazy, er versichert entschieden, daß er zum ersten Mal von Esterhazy's Existenz erfahren habe durch ben bekannten Kartenbrief, ber in 32 Stücke zerrissen aus bem Papierkorb ber beutschen Botschaft durch einen Agenten bem Kriegsministerium überbracht würbe. Er habe zuerst geglaubt, Schwartzkoppen habe bem Kriegsministerium eine Falle stellen wollen; es konnte enttoeber nur Absicht ober unverzeihliche Nachlässigkeit sein, welche man bei Schwartzkoppen nicht vermuthen konnte, baß ein solches Dokument in ben Papierkorb geworfen würbe. Picquart ging also mit ber größten Vorsicht vor, umsomehr, als er burchbrungen war von ber Ueberzeugung, daß zwingende Beweise vorliegen müßten, ehe man den furchtbaren Spionage-Verdacht gegen einen Osfizier aussprcchen dürfe. Picquart erzählt also jetzt in der be­kannten Weise seine Nachforschungen über Esterhazy und erwähnt, daß ein verläßlicher Agent in derselben Zeit ihm berichtete, nicht Dreysus habe in Verraths-Beziehungen zu Deutschland gestanden, soudem der Verräther sei ein Infanterie-Major, dessen Signale- Wnt auf Esterhazy paßte. Picquart theilt mit, wie er Henry und Lauth nach Basel geschickt hat, wo sie von einem Agenten ben Namen dieses Infanterie-Majors erfahren sollten. Henry und Lauth kamen ohne Resultat zurück. Picquart hält es für wahr­scheinlich, daß sie selbst diesen Agenten verhindert haben, bie Mittheilung zu machen, bie er angefünbigt hatte.

G Rennes, 18. August, 9.44 V.

Picquart berichtet hierauf über feine Unterrebuug mit General Gonse. Er brang in Gonfe, bie Revision ber Affäre Dreyfus einzuleiten, da es immer klarer werde, daß Dreyfus unschuldig fei. Gonfe weigerte sich dessen und sagte: »Wenn Sie Niemandem etwas sagen, wird Niemand davon missen !' (Bewegung.) Picquart versichert mit erhobener Stimme: General Gouse hat diese Worte bestritten; ich halte sie formell aufrecht! (Bewegung.) Nach dieser Scene wollten seine Vor­gesetzten ihn wohl ermächtigen, gegen Esterhazy vorzugehen, sie weigerten sich aber, ihm einen bestimmten Befehl zu geben. Picquart sagt, dies sei jo Sitte in gewissen Bureaux. Die Vorgesetzten, um sich nicht zu kornpromittireii, lassen nur durch gewisse Andeutungen merken, was sie wünschen. Man sage immer, ein Osfizier müsse intelligent genug jein, dies zu ver­stehen. So habe vielleicht Du Paty sicy schwer vergangen, als er Offiziere mit blauen Brillen und falschen Bärten ausschickte und mit Fälschungen operirte, aber es wäre nöthig, zu wissen, ob nicht die Vorgesetzten Du Paty's dessen Manöver gekannt und ob sie nicht davon profitirt hätten.

G Rennes, 18. August, 9.15 V.

Picquart erzählt sodann, wie die Verbachtsgründe gegen Esterhazy allmählich schwerer wurden, wie Esterhazy in dieser Zeit versuchte, einen Platz im Kriegsministerium zu be­kommen, wie dies durch den Kriegsminister Billot verhindert wurde, wie er (Picquart) sich schließlich Schriftproben von Ester­hazy verschaffte und wie er sofort durch bie Aehnlichkeit biejer Schrift mit der Handschrift des Bordereaus ftappirt wurde. Da Picqnart's Argwohn, Dreysus sei vielleicht nnschulbjg verur- theilt, immer stärker wurde, nahn« er schließlich den geheimen

Dossier zur Hand und war verblüfft, darin statt Beweise nur belanglose Dokumente zu finden. Picquart machte nur seinen Vorgesetzten Mittheilung von seinem Argwohn. Er sprach zuerst mit Boisdeffre, der ihn an Gonse verwies. Gonse sprach die Ansicht aus, man müsse die Affaire Dreyfus und die Affaire Esterhazy auseinander hallen. Picquart hielt dies nicht für mög­lich, da beide Affairen untrennbar durch Bordereau zusammen» hingen. Picquart legt nun alle Manöver dar, die in der Preffe und anderswo begannen, sobald er entdeckt hatte, daß die Affaire Esterhazy ihn zur Affaire Dreysus sichre. Er spricht von bem unter bem Namen .Fälschung Weyler" bekannten Briese an das Kolonialministerium und von bem berüchtigten Artikel des .Eclair', ber die Anllagen gegen Dreyfus gefälscht in bie Oeffenttichkeit brachte.

G Rennes, 18. August, 10.20 V.

Picquart theilt weiter mit, wie er in jener vorsichtigen Form, bie von seinen Vorgesetzten gewünscht wurde, die ersten Schritte gegen Esterhazy unternahm, und weist nach, daß alle Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden, daß er nämlich bei dieses Untersuchungen sich gehässig gezeigt habe, vollkommen unwahr sind. Während Picquart seine Untersuchung führte, beging Henry seine Fälschung. Picquart weist darauf hin, daß in ben Tagen, wo Henry bie Fälschung beging, plötzlich ber Majar Lauth, ber auf Urlaub war, ohne Motiv ins Bureau zurückgekommen sei und daß Picquart ihn bet einet geheimen Unterredung mit Henry überraschte, wodurch beide sehr in Verlegenheit gerieten. Zugleich verfaßte der Polizeispitzel Guenee einen Bericht, worin er behauptete, Picquart habe den geheimen Dossier nicht ben zum Ministerium gehörigen Personen mit'gefljeilt. Dieser Bericht wurde an Henry gesandt und von diesem an General Gonse übermtttelt, ohne daß Picquart, der damals noch Chef des Jnsormattonsbnreaus war, davon Kenntniß erhielt. Picquart hat diesen Bericht erst einige Jahre später gesehen. Der Bericht diente als Vorwand, um vom Kriegs­minister ben Befehl zu erwirken, ber Picquart entfernte. Picquart versichert, er habe von bem geheimen Dossier niemals einer Person außerhalb des Ministeriums Kennt­niß gegeben; er habe nicht einmal davon gesprochen. Picquart sagt ferner, man habe ihn angeschuldigt, das Facsimile des Bordereaus, das damals im .Wattn' erschien, diesem Blatte, mitgecheilt zu haben. Nunmehr sei erwiesen, daß ber Schreib­experte Teysonieres bas Borbereau bemMatin" mitgetheilt hatte. Picquart sagt, er sei wegen Verdachts ber Mittheilung des Bordereaus verfolgt worben. Teysonieres werbe nicht verfolgt. Er könne sich biese Verschiebcnheit ber Behand­lung nicht erklären. Man habe ihn ferner angeklagt, ben berüchtigten Artikel desEclair" verfaßt zu habe». Jetzt toifje' man, daß Lissajoux, der Redakteur desPetit Journal", diesen Artikel demEclair" überbracht hat. Dies sei äußerst wichtig, denn Henry habe in engen Beziehungen zumPetit Journal' gestanden. Es wäre also sehr interessant, zu wiffen, wer dem Lissajoux den Stoff zu diesem Artikel geliefert hat. So könnte man vielleicht die Quelle aller begangenen Jndiskrettonen ent» decken. Picquart will noch Weiter auf diese Frage eingehen, wird aber vom Präsidenten unterbrochen, oer ihn auf- fordert, auf die Affaire Dreysus zurückzukommen. Picquart spricht bann von feiner Entsendung nach Tunis. Dort bekam er durch Zuschriften Henry's Gewißheit, daß gefälschte Dokumente gegen ihn fabrizirt würben und daß man beab­sichtige, mittels biefer Fälschungen ihn zu vernichten, wie man bies mit Dreyfus gethan. Um sich dagegen zu schützen, theilte Picquart seinem Freude Leblois die Briefe mit, die General Gonse an ihn gerichtet hat, und das Dokument, worin er erklärte, er habe die Gewißheit, daß Dreyfus unschuldig und daß ein anderer Offizier schuldig sei. Bald darauf traf in Tonis die Ordre ein, Picquart nach der ttipolitanischen Grenze zu entsenden, welche Mission mit Lebensgefahr verbunden war. General Seciere verlangte von Picquart Aufklärungen, und nachdem Picquart ihm anvertraut hatte, welche Rolle er in der Dreyfus-Affaire gespielt, entschloß sich der General Seciere, Picquart nicht nach Tripolis zu entsenden.

y Paris, 18. Aug, 9.25 V. ,

Dem gestrigen Dementi bes Obersten Schneider folgt heult ein Dementi des Obersten Panizzardi. Bor dem Kriegs­gericht meinte vorgestern General R o g e t, die vielerörterte Pani^ zardi-Depesche vom 2. November 1894 Werde zu Unrecht für die Unschuld Dreyfus' ausgelegt; sie fei nichts als offizieller Demen- tiruugs-Austrag an einen Macht. Dagegen existire im geheimen Dosfier ein aus der gleichen Zeit herrührender Bericht Panizzardi's an seinen Botschafter, der fcststelle, daß Dreyfus nicht auf eigene Rechnung, sondern für Schwartzkoppen verrieth. Sobald Oberst Panizzardi die Nummer desFigaro" mit dem stenographi­schen Bericht der Verhandlung erhielt, telegraphirte er, heute Nacht, a» denFigaro":Ich bitte Sie, um der Wahrheit die Ehre zu geben, in Ihrer Zeitung folgende Erklärung veröffentlichen zu Wollen: Nach dem Bericht über die Sitzung des Kriegsgerichts soll Herr General Roget erklärt haben, daß ich zur Zeit der Verhaftung Dreysus' einen Bericht an Herrn Reßmaun richtete, Worin ich er­klärt hätte, Oberst von Schwartzkoppen fei in Beziehungen mit Dreyfus. Ich versichere, daß dieser Bericht niemals existirt hat; ich versichere, daß diese Erklärung niemals existirt hat. Ich habe ben Namen des französischen Hauptmanns erst zur Zeit seiner Ser« Haftung erfahren. Wie ich das übrigens schriftlich und auf offi. ziellem Weg unter meinem Ehrenwort als Offizier und Edelmann erklärt habe. Oberst Panizzardi."

y Paris, 18. August, 10.15 V.

Mit den Dementis der beiden Attaches Schneider und Panizzardi sind die beseitigten offiziellen Personen des Aus­landes aus ihrer bisherigen schweigsamen Zurückhaltung heraus­getreten. Ohne Zweifel find diese Dementis nur ein erster Schritt, der seine Weiteren Konsequenzen von selbst nachziehen Wird. Die

Der Fall Wird übrigens demnächst in Form einer Interpellation im holländischen Parlament zur Sprache kommen.

= [Ci« Goethe « Veteran.) Ter Dichter und Goethe- Forscher Dr. Hermann Sollest in Baden bei Wien, der, wie Wir bereits gemeldet, am 20. August den 80. Geburtstag feiert, schreibt im Wiener Fremdenblatt: Auch ein Goethe - Veteran ist ber 1817 gebotne Ignaz Ritter v. Grüner, Statthalterei. Vizepräsident L R. zu Wien, der Sohu de» 1864 verstorbene« Rathes Joses Sebastian Grüner in Eger, der feit 1820 mit Goethe in fortgesetztem mineralogisch - wissenschaftlichen und freundschaftlich - intimen Verkehr stand. (VergleicheGoethe's Briese", herausgegeben von Fr. Strehlke. Berlin 1882, pag. 229 bis 232.) Das Rathes Grüner Sohn, Ignaz, mit dem ich per­sönlich bekannt zu sein die Freude habe, richtete an mich eine Zu­schrift, in Welcher er sagt, daß er,als Knabe das Glück hatte, Goethe in dem Hause seines Vaters öfter zu sehen und auch zu sprechen, und er erinnert sich dessen lebhaft und in pietät­vollster Weise. Das Hauptinteresse dieses Umstandes beruht aber zugleich aus der nachfolgenden, vom liebenswürdigen Greis Grüner mir mitgetheilten Thatsache, durch Welche kleine lustige Geschichte ein noch nicht allgemein bekanntes Wort Goethe's zur Kenntniß kommt-Bei einem seiner Besuche bei Grüner in Eger, um 1823, Jagte Goethe bei Tisch einmal zu mir, ich solle doch auch etwas erzählen. Ganz ohne Zögern erfand ich nun verschiedene abentenei einer Katze, und als ich nichts mehr Weitet Wußte, schloßrch mit der Wendung: die Katze fei erschossen Worden." weinte Goethe,so machen Wir es manchmal 6 u ch! Die Zuschrift Grüner's schließt mit den nachfolgenden Mittheilungen, die er sonst noch nicht befanntgegtben hat. Er be­wahrt als Goethe-Reliquien:

1- ®ie B r je ft Goethe's an feinen Vater.") (Nach Strehlke S Berzeichmß 40 Stück von 1820 bis 1832.)

2. Einen goldenen Siegelring mit demin Rubin ge- fchntttenen Goethe-Kopf. (Vergleiche mein WerkDie Goethe- Bildnisse". Wien 1883, S. 209: Stahlschnitt [und Glaspasten) von Joh. Karl Fischer nt Berlin.)

3. Eine Kaffeeschale mit bem Bildnisse deS Dichter- fürsten (von Sebber's vergleicheDie Goethe-Bildniffe", S. 225), welche Goethe der Mutter Grünersaus Karlsbad" mitge­bracht hat.

(Zum Siegelring bemerkt Grüner, daß derselbe ein Geschenk Goethe's an seinen Bruder ist,den späteren Ministerialrath und Generalkonsul Joses Mtter v. Grüner, mit Welchem er be­glückt Wurde,als er sich inWeimar m Begleitung des Vaters befand, der von Goethe anläßlich des fünfzigjährig« Regierungsjubiläums

*) Der Briefwechsel Goethe's mit Grüner ist im Auftrage bet Goethe'schen Erben zuerst durch Profeffor Bratranek ver­öffentlicht worden in Goethe'sNaturwissenschaftlicher flotte-

des Großherzogs Karl August [1825] cingelaben war und Während der Festtage bei Goethe auch wohnte.)

[Der Balke« im eigenen Ange.] Aus Marburg Wird uns geschrieben: Das geographische Durcheinander in der Notiz der argentinischen Zeitung biaeion: ..Professor Gießen und Universität Darmstadt" (vgl.Franks. Ztg." v. 16. ds.) ist nicht so schlimm, Wie es bei uns in Deutschland aussieht. Wir lachen allerdings über geographische Schnitzer, die da drüben gemacht werden, bedenken aber nicht, daß es uns oft ebenso geht, Wenn von drüben bie Rede ist. Fragen Sie z. B. doch einmal in Ihrem Kreise nach ber Namen ber zwölf Hauptstädte Südamerikas. Ich glaube, ich gehe nicht fehl in der An­nahme, baß in ganz Frankfurt keine hundert sind (abgesehen von Geographielehrern), bie sie Ihnen glatt herzählen. Man sann also auch von einem S amerikaner nicht verlangen, baß er die 16 Hauptstäbte des kleinen Europa kennt, und noch viel Weniger die Hauptstädte aller deutschen Staaten. N. R.

b [Die .Witzmeister" der technische« Hochschule«.] Man schreibt uns: Die S p r a ch v e r e i n l e r scheinen stch bet großen Gefahr noch nicht beWußt zu fein, Bor ber bie deutsche Sprache wieder einmal steht, sonst müßten sie sich doch kräjtig auf­lehnen gegen das Verlangen der techuifchenHochschuleu, die jetzt aus ihre Zuhörer auch Doktortitel ausschütien möchten. Das gäbe doch Wieder schauderhafte lateinische Neu­bildungen zum Schmucke deutscher Männer, denn es möchten sogar gutvölkisch" gesinnte Leute sich nicht entblöden, einDr. rer. techn." oder dergleichen auf ihre Karte drucken zu lassen. Und haben denn unsere sprachrechtlichen Freunde ganz vergeffen, daß auch das WortDoktor" undeutsch bis ins Mark ist ? Es möge ihr GeWiffen rühren, Wenn sie vernehmen, daß selbst im verruchten Jahre Achtundvierzig ihre Vorläufer in diesem Punkte feinfühliger und opferwilliger Waren. Auch damals bildeten sich in manchen StädtenVereine für deutsche reine Sprache"; in Heidelberg stand derPfartet der deutsch-katholischen Gemeinde, Dr. B r u g g et an der Spitze von mehr als 500 Mitgliedern. Im Sommer 1849 Wurde eine allgemeine Versammlung aller Sprachvereine nach Frankfurt geplant, und Dr. Brügger mußte die Einladung mit unterzeichnen. Da schämte er sich seines fremdländischen Titels und nannte sich statt dessen gut deutschWißmeister". So möge jetzt der Deutsche Sprachverein in demDoktorstreit' zwischen Universitäten und den anderen Hochschulen das salomonische Ur­theil fällen: die Universität behalte ihren alten lateinischen Doktor für sich, die technische Hochschule bekomme den neuen deutschen Rang des W i ß m e i st e r! (Bei diesem Anlaß fei bemerkt, daß sich dem Vorgehen der Universität Berlin gegen den Plan der Einführung bes Titels eines Doetor rerum technicarum und die Gewährung des Privilegiums an die technischen Hochschulen, diesen Titel zu verleihen, auch die Univerfitäten Breslau, Göttingen, Greifswald und Königsberg angefdjloffen haben. Die Königsberger Hartung'fche Zeitung glaubt annehmen zu können, datz auch d« übrige» preußischen Universitäten dem Beispiel folge»

werden. Es liegt, wie man dem genannten Blatte aus akademischen Kreisen schreibt, diesen Schritten keineswegs irgend ein M i tz- wollen gegen die technischen Hochschulen oder eine Verkennung ber großen Bedeutung zu Grunde, die ihnen im geistigen Leben bet Station zukommt, sondern die Erwägung des völlig verschiedenen Charakters und ber durchaus verschiedenen Aufgaben der beiden Arten von Hochschulen.)

b [Ansichtskarten»Ausstellung i« Venedig.) Aus Venedig, 18. August, wird uns geschrieben: Auf der internatio­nalen Ansichtskarten-Ausstellung, die im Börsen­gebäude, der altvenezianischen Zecca zur Zeit stattfindet, giebt es einiges Interessantes zu sehen. Wir müßten ben Original-Post­karten, die noch nicht mittelst mechanischen Verfahrens verviel­fältigt wurden, ben Vortritt lassen. Allein Wir machen mit ben hn Verlag von Philipp und Kramer in Wien erschienenen Karten den Anfang, Weit sie wie keine anderen in der Ausstellung das Genre so eigentlich vertreten und im Farbendruck durchaus ge­lungen find. Ein Theil ber modernen Karten entspricht den künstlerischen Forderungen des Plakats: ihre Contour ist flott hin- gewotzsen und die zum Ausdruck gebrachte Idee wird deutlich ver­sinnlicht, ohne an Skizze oder Bild zu erinnern. Diejenigen des Wiener Verlags entsprechen diesen Forderungen. Meistens dem regen Straßenleben bet Donaustadt entnommen, zeigen sie Stil und Schwung der Linien, die auch aus ber Entfernung betrachtet sich trotz bes kleinen Maßstabes klar unb wirksam ausnehmen. Mit ben übrigen Erzeugnissen ist es in bet Ausstellung strenggenommen nicht Weit her: T af uri's Arbeiten sind zuckersüß, mit der Pinsel- spitze mühsam herausgearbeitet und zart in der Farbe, echtes Genre für Damen. Bice Castelnuovo hat einige Blumenstücke, die zuweilen Transparenz aufweifen. Gasparini's schwarz und roth gehaltene Zeichnungen haben Wenig Individuelles es find Nachahmungen fremder Stilarten. Der Maler Fragiacomo ist nut mit Reproduktionen von einigen seiner Bildet vertreten. Zanetti's Radirungen, Veduten von Venedig, find nicht beson­ders gelungen. Der Deutsche Lindenberg hat dekorativ ge­haltene Stücke eingesandt; Georg B t o s ch hat zahlreiche originelle Arbeiten beigesteuert. Anna R a utz zeichnet auf Holz Szenen aus dem österreichischen Banetnleben. Bon deutschen Verlags- artifetn sind bie schönen Chromolithographien Ottmar Z i e h e r's aus München zu erwähnen; einiges Gute hat auch Paul Kohl (Chemnitz) geliefert. Bon farbigen Postkarten italienischen Ur­sprungs sehen Wir hübsche Muster der Mailänder Firma R i - cordi; gelungen, aber etwas verzerrt in der Komposition sind die von L o u g o (Treviso). Dagegen zeigen dje heliotypischen Etzeug- niffe eine ziemliche Vollendung; es haben z. B. M o d i a n o aus Mailand, Fiechi aus Venäig unb mehrere anbete sehr klare Bilder hergestellt. Zahlreiche Sammler haben ihre Albums ans- licgeu.

---- [Akademische Nachrichten.] Gestern, den 17. August, Waren es hundert Iahte, datz ber Staatsrechtslehrer an ber Universität Heidelberg Robert v. M o h l (gestorben 5. November

1875 in Berlin), bet Bruder Hugo, Julius und Moritz v. Mohl's- geboren Wurde. - Der Privatdozent der Chemie an bet Universität Rostock Dr. Richard Stoermer Wurde zum a. o. Profeffor in ber philosophischen Fakultät ber dortigen Universität ernannt. Das Sekretariat der Universität Lausanne schreibt uns: An bet hiesigen Universität Wird den deutschen ©tubienotbuungen gemäß schon feit bem vorigen Jahr in jedem SemesterGeschichte und System des römischen Rechts" in Wöchentlich 10 Stunden ge­lesen. Bon October d. I. .an Wird auch den Bedürfniffen der deutschen Rechts Hörer des z W e i t e n Semesters Rechnung getragen Werben durch eine vierstündige deutsche Vorlesung über den allge­meinen Theil des bürgerlichen Gesetzbuchs, ergänzt durch zwei­stündige Uebungen über römisches und deutsches bürgerliches Recht, gleichfalls in deutscher Sprache.

[Kleine Mittheilung««.] Die Festschrift des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt zu Goethe's 150. Geburtstag (Verlag von Gebrüder Knauer in Frankfurt) ist heut zur Ausgabe gelangt. Der schön ausgestattete Band von 300 Seiten enthält interefiante Illustrationen. Von den Aufsätzen sind zu erwähnen Friedrich Georg Goethe, des Dichters Großvater" Bon Dr. R. Jung,Goethe's Beziehungen zu Wilhelm v. Diebe, mit sechs ungedruckten Briefen Goethe's" von Pros. Dr. V. V a I e n» t i n,Die Familie Goethe und Bethmann" von Dr. H. Pall» mann-München,Der junge Goethe unb das Frankfurter Theater" von Elisabeth Mentzel,Zwei Silber aus Goethe's Jugenbzeit" von A. Freiherrn B. Bernus (Stift Neuburg) u. s. W. Wir werden auf die Publikation noch zurückkommen.; Der Reichsanzeiger theilt die Ernennung Hubert Herkomer's in Bushey bei London zum ausländischen Ritter des Orbens pour le meiste für Wissenschaften unb Künste mit Wie die Zeit­schriftDie Flamme" mittheilt, hat Gerhart Hauptmann am 23. Juli in Hamburg der Feuerbestattung feines Bruders, des in Reinbeck bei Hamburg verstorbenen Kaufmanns Georg Haupt­mann, beigewohnt. Man schreibt uns aus Köln vom 17. ds.: Das hiesige städtische 6onferbatorium für Musik, das unter Prof. Wüllner's Leitung steht, War in dem eben abge­laufenen Schuljahr von 216 Schülern und 263 Schülerinnen be­sucht, insgesammt also Bon 479 Studirenden. Diese stammen aus aller Herren Ländern; die Mehrzahl natürlich aus Deutschland. Reifezeugniffe auf Betriebenen Gebieten erhielten neun Schüler und Schülerinnen, den Befähigungsnachweis zum Unterricht 34. Der Unterricht Wurde im Ganzen Bon 40 Lehrern ertheilt. In ber letzten Sitzung der Akademie der Künste zu Paris machte, wie man uuS mittheilt, der Notar Eottin aus den letzt- willigen Verfügungen der Berstorbeuen Frau Baronin Nathaniel v. Rothschild die Mittheilung, daß der Akademie eine jähr­liche Rente von 5000 Francs vermacht fei. Daraus sollen tüchtige Künstler, die durch Erblindung, Erlahmung ober sonstige körper­liche Gebrechen im BroderWerb behindert jmd, eine Unterstützung erhalten.