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-MMoierrtzßs Mz«,. Donneesksg, SI Juli 1904
Sune AWer imd David Friedrich Strauß
ihm mit seinem pietätvollen Unternehmen gekrönt. Mit tiefer Erschütterung blicken
Dehiinaer Aufenchaltes, und das finale bei Sieberei war i Genuatuuna in die Tafeln der Geschichte der deutsche»
■ Sonntai löunien
ter Dienstpflichten und ohne Lrgerniserregende Störung der ‘ he geschehen sann. Auch auf Grenzstationen .... . . gewisse Sendungen (Lebensrnittel ec.) Ausnahmen zuKLlssen und die Annahme sowie Auslieferung auch in den Luch-mittagsstunden gestattet werden. — Die Handels- *nb Gewerbekammer für Obersten»
doch zu lärmend für denjengen, dem die zarten Töne und Weisen des Adagio noch in Herz und Ohren nachtönten/' Auch bei Fischer leben noch lange nach-diesem Besuch die Erinnerungen an Untermünkheim und „den liebenswürdigsten aller Pfarrherrn" wieder auf. Diese gemeinsame Fahrt war das letzte Zusammensein von größerer Dauer; denn zu Anfang des Winters folgt Kuno Fischer einem Ruse nach Jena. Strauß empfindet seinen Abgang nicht bloß als einen Verlust, sondern als ein Unglück. Einigen Trost gewährt ihm nur die Arbeit am „Hutten". Nun beginnt der Briefwechsel zwischen KunoFifcher undStrauß, der, wenn auch spärlich, so doch mit stets gleich bleibender Wärme von beiden bis zu Strauß' Tode gepflegt wird. Dieser hofft immer noch aus
k «attowi-, 20. Juni. 3m Vorort Karbowa wurde heute die 23iährige PaulineTepler wegenKindesmordesund ihre 55jährige Mutter wegen Beihilfe verhaftet. Das neuegeborene Kipd wurde mit zerschmettertem Schädel in einer Kloakengrube gefunden. ___________________________
11 An Nationalkonvknt der demokratische« Partei I in de« Bereichten Staate« von Amerika. | R New York, 11. Juli.
| In den stürmischen Tagen des Demokratischen Na- || tionalkonventSist nun der dreißigjährige Krieg um 1 g hie Währung endlich zu Ende gegangen. Nachdem die I 2 »Greenback'-Bewegung. welche Mitte der siebziger Jahre ent- W Linden war, ihrem hauptsächlichsten Borkämpfer James B. I h Keaver in der Präsidentenwahl von 1880 307.806 Stimmen | gebracht hatte, flaute sie infolge der günstigerm wirtschaftlichen I t Konjunktur etwas ab und ging schließlich 1885—1886 in der W Bewegung für die freie und unbeschränkte Silberprägung auf. I Trotzdem beide große Parteien den Fiat-Geld-Befürwortern 11 durch ziemlich verschwommene Versprechungen in den Partei» । Programmen von 1892 entgegenzukommen suchten, erlangte I 9. derselbe Jnmes B. Weaver in dem genannten Jahre 1,041,028 I Stimmen. Vier Jahre später erreichte die Woge der Silber- i A hewegung ihre höchste Höhe. Die Silberleute kaperten die demo» ID Mische Partei. Zwei Niederlagen mußte letztere durchmachen, ff bevor sie begann, sich zu regenerieren. Dieser Regeneration^» | Prozeß hat gestern früh sein natürliches Ende erreicht: bei I F Szenen selten gesehener Aufregung und unter stürmischen De- I batten dokummtierte die Partei, daß. sie das Silbergift end» M gültig aus ihrem System ansgeschieden habe. Mit 799 gegen I i 197 Stimmen erklärte der demokratische Nationalkonvent, daß 11? das Silber-Evangelium nicht mehr einen Teil der demokratischen M Sehren bilbe. Aber selbst jene 197. welche noch immer die 11 Währungsfiage unerledigt glaubten, sind reckt zahm geworden. MI Früher drohten sie, sofort aus der Partei herausspringen zu Ä. wollen, sofern man ihrem geliebten weißen Metalle zu nahe trete
IJ — jetzt senden ihre Führer Bryan und Hearst dem Träger des I; Goldwährungsbanners, Richter Parker, Ergebenheits-Tele- M- gramme! Und nicht ein Saut von Rellellion wird hörbar!
| | Richter Alton 8. P a r k e r ist gegenwärtig der Mann I de? Tages. Eigentlich der Löwe des Tages, denn kühn wie ein i s Leu hat er sich gezeigt, als er jene Depesche nach St. Louis I ; sandte, in welcher er erklärte, er werde entweder als Gold- 11 Währungsmann in den Wahlkampf eintreten oder gar nicht. I s Man vergegenwärtige sich, was dieses „gar nicht' bedeutet. 11 Das ist ja in der amerikanischen Politik noch nie dagewesen, daß U ein Monn die Nomination zum Präsidenten ausschlägt, ganz I gleich wie die Platform war, die man für ihn zurechtzimmerte. M Richter Parker hätte es ja machen können, wie ©rotier Eleveland I j im Jahre 1892, der während des Konvents gar nichts davon 11 merken ließ, daß ihm das für ihn hergerichtete Währungs» U Programm nicht passe. Erst aus feinem Annahmeschreiben er- fuhr man, er stimme in diesem Punkte nicht mit dem Willen der I Mehrheit seiner Partei überein. Anders Richter Parker. Am I Vormittag erhielt er die Nachricht, die ursprünglich vom Aus- I I schuß gutgeheißene Währungs-.Planke" der Platform sei aus- I । gemerzt worden und die Partei werde sich in dieser Angelcgen- | D beit, welche die beiden letzten Kampagnen beherrscht hatte, aus- I'j- schweigen. Ein.Richter soll alles gründlich überlegen, und das I & tat der Kandidat auf seinem üblichen Morgen-Spazierritt. Der- t selbe wurde diesmal sehr abgekürzt, denn schon nach einer halben M ir Stunde lag in dem kleinen Lcubstö dicken Eiopus aus dem Tisch | . des Telegraphenbeamten die wichtigste Depesche, die je dort I " aufgegeben wurde. In St. Louis war man verblüfft, als sie M ankam. So etwas war in der amerikanischen Geschichte noch IM nicht dagewesen. Statt daß der Präsidentschafts - Kandidat UM dankbar die Weisheit des Konvents anerkennt, sagt er in bittren I g Worten, entroeber mein Standpunkt wird als der richtige be- I zeichnet ober Ihr sucht Euch einen anberen Kandidaten.
M William F. S h e e h a n , bet frühere Vize-Gouverneur, an ben
I da? Telegramm gerichtet war, konnte nicht glauben, daß es echt I sei. Er ließ burch die Western Union Telegraphen-Gesellschast I Erkundigungen einziehen. Ja, da? Telegramm war von Richter ■fc Parker selbst geschrieben. Und jetzt wurde der Konvent in eine I . vielstündige Debatte gestürzt, an welcher alle Führer der Demo- B* Traten Teilnahmen. Bryan tobte und wetterte. Er sah den M Boden unter, seinen Füßen wanken. John Sharp Wil - I liams von Mississippi, dessen Fähigkeiten in diesen Korre- M spondenzen schon gewürdigt wurden, antwortete ihm. In scharfer M Weise legte er bar, wohin Bryan hie demokratische Partei ge- I bracht habe. Er stellte bem Konvent vor, baß jetzt eine gleichsam M von bet Vorsehung gegebene Gelegenheit gekommen sei, bte I demokratische Partei vor dem Lande zu rehabilitieren. Der
M Augenblick sei da, man solle ihn erfassen. Und so geschah es. M Mit erdrückender Mehrheit wurde der Beschluß gefaßt, der,das J 7 völlige Ende der „Schlechtgeld'-Bewegung bedeutet. Und wie k ein frischet Zug geht es durch die demokratische Presse, gleichsam
und Begeisterung entworfen hat, deren nur dir Freundschaft fähig ist.
Unter den Gaben, die uns Eduard Zellet, der Vorgänger Kuno Fischers auf dem Heidelberger Lehrstuhle, in seinem rüstigen-Greifenalter bessert, Hut, ist keine köstlicher als die „Ausgewählten Briefe von a u. Friede. Strau ß". ’ Seit Jahren bemüht, durch die Herausgabe der Schriften seines großen Freundes wie durch eigene Betrachtungen über dessen Leben und Werke das Gedächtnis an einen unserer hervorragendsten Geister wach zu halten, hat er mit der Veröffentlichung bet Briefe, der unmittelbarsten seiner Äuiibgehungen, Strauß uns auch in seiner menschlichen Größe verstehen gelehrig und^ so erst das Denkmal, das er i' 1 • ..............'
Feuilleton.
ken hat sich gutachtlich für die beabsichtigte Aenderung der Eisenbahn-Verkehrs-Ordnung ausgesprochen, nachdem in dringenden Fällen den Bedürfniffen des Publi- wms bezüglich der Annahme und Auslieferung von Eilgütern auch in den Nachmittagsstunden an Sonn- upd Feiertagen Rechnung getragen wird und weil durch die Einrichtung des Expretzgutdienstes es möglich ist, ganz besonders eilige Sendungen an diesen Nachmittagen aufzugeben oder ausgefolgt zu erhalten. Die Annahme- und W- gabezeiten für Eilgüter an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr vormittags genügen den allgemeinen Bedürf- nisien. — Vom Bezirksgremium für Handel und Gewerbe in Bamberg wurde der besondere Wunsch ausgesprochen, es möchte diese erweiterte Sonntagsruhe im Eisenbahnverkehr nicht auch auf die katholischen Feiertage 2. Ordnung ausgedehnt werden.
p Mm, 18. Juli.. Die Sektion Ulm - Neu-Ulm des Bcreins für Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern hat an das bayerische Ministerium des Innern eine Eingabe gerichtet mit dem Ersuchen, eine versuchsweise Regulierung der Niederwasserrinne der Donau an eiWr geeigneten Strecke zwischen Weltenburg und Neu- Ulm N möglichster Bälde in die Wege zu leiten und zur ErreWnig der hierfür erforderlichen Mittel den Ständen eine ««sprechende Vorlage Zugehen zu lassen. Diese Eingabe wurde' vom Süddeutschen Donau-Verein in Donauwörth, von den an der Donau liegenden Städten und Gemeinden, von den an der Frage interessierten Handels- und Gewerbe- kamErn und von den Bezirksgremien für Handel und Gewerbe warm unterstützt. Der Verein für Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern hat sich ebenfalls zu Gunsten des Gesuchs, das auch an die bayerische Abgeordnetenkammer gerichtet ist, ausgesprochen.
Frankreich.
Der Konflikt mit dem Vatikan.
y Paris, 19. Juli. Nach den Stimmungsbildern, bte aus dem Vatikan vorliegen, wirb man in ber Umgebung beS Papstes gegenüber bem Ultimatum ber französischen Regierung gar nichts tun; man wirb nichts zurücknehmen unb es Herrn C o mbes überlassen, ben formellen Bruch zu vollziehen durch bte Heimsendung des Nuntius Lorenz eilt. unb bie Schließung ber französischen Botschaft beim Vatikan. Die Welt soll, nach ber im Vatikan herrschenden Anschauung, daraus erkennen, daß die Initiative unb bte Verantwortung für ben kaum wicber gut zu machenden Bruch 'des französischen Staats mit bem Papsttum allein Herrn Eomdetz zufällt. Im Vatikan scheint man habet nur zu übersehen, daß Frankreich diesen Ausgang mit größter Seelenruhe abwartet, und daß bie Gleichgültigkeit ber Mßen Mehrheit des französischen Volkes Herrn Cornbes gegen sehen Ausbruch eines Entrüstungssturmes sicher stellt. Arn beut» hichstett zeigt bas ein Artikel be§ heutigen .Temps", ber ben Vatikan beschwört, sich auf fein eigenes Interesse zu besinnen «nb nicht blindlings einen Kampf fortzusetzen, in bem er unter- Mgen müsse. Der Vatikan hat ein Disziplinarverfahren gegen zwei Bischöfe eingeleitet, wogegen bie Regierung protestiert; bie Regierung will ein solches Disziplinarverfahren nur gelten lassen, wenn sie es selbst autorisiert hat, unb sie beruft sich dabei auf bie sogenannten «Organischen Artikel" von 1802, bie bas Konkordat ergänzen unb, wie dieses, gesetzliche Kraft besitzen. Das Kontorbat sichert ber katholischen Kirche in Frankreich freie Religionsübung zu unter ber Voraussetzung, daß sie sich den von ber Regierung im Interesse bet öffentlichen Orbnung erlassenen Reglements anpaßt. Die organischen Artikel definieren eben diese Reglements; sie enthalten also gewiss ermaßen die Ausführungsbestimmungen zum Konkordat unb bte Regierung hält sie für untrennbar von diesem. Der Vatikan bagegett erklärt, baß er bie organischen Artikel nie anerkannt habe unb auch jetzt nicht anerkenne; es hanbelt sich also um einen Konflikt, bet über hunbert Jahre alt ist, ber aber jetzt endgültig ausgetragen wirb, weil ber Vatikan^ jebes Zugeständnis und damit jede Verhandlung ablehnt. Hielt schon Napoleon die organischen Artikel für unerläßlich neben dem Konkordat, so gibt es heute keine einzige Partei mehr, die nicht eher aus bas Konkorbat verzichtete, als baß sie es wagte, bem Willen des Vatikans diese organischen Artikel zu opfern. Der Vatikan hak also dem Konflikt eine Form gegeben, die jede friedliche Lösung ausschließt. Der Vatikan besitzt einen Nuntius in Paris und Frankreich eine Botschaft am Vatikan; das Konkordat hat also ein regelmäßiges Instrument zu friedlichem Ver-
als ob ihr ein Alp von ber Brust genommen wäre. In Scharm strömen sie wieher herbei zu ben demokratischen Fahnen, diejenigen, wetije in den letzten acht Jahren im republikanischen Lager unwillige Hospitanten fein mußten. Bei ber imitier größer werbenben Schar ber unabhängigen AMstk hat Richter PorkerS Telegramm unb bie Antwort des Konvents eine seltsame Bewegung hervorgebracht, bie sicherlich von benen um Roosevelt mit Beunruhigung betrachtet wirb.
Wie schon durch Kabel mitgeteilt, hastet bem bem akratischen Programm nicht bas Verschwommme und Unbestimmte an, bas bie republikanische Plmform so ungenießbar macht. Allerbings muß man sagen, baß biejenigen, welche .draußen" sind, frisch unb fröhlich Forberungen stellen können, denn Erfüllung ihnen selbst Wohl etwa? schwer werben würbe, wenn sie „brinnen" wären. Die Demokraten können Angreifer spielen, bie Republikaner find notgebrungen in ber Defensive.
Für bas Vize-Ptäfibentenamt habm die Demokraten ben früheren Senator Henry G. Davis von West- Virginien anfgestellt. Er hat schon bas patriarchalische Alter von 81 Jahren erreicht, ist aber noch recht rüstig unb wirb sich persönlich an ber Kampagne beteiligen. Bemerkt mag noch werben, baß er ein Vetter des Smators Gorman, des Führers ber Demokraten im Senat, unb daß ber republikanische Senator Ellins sein Schwiegerson ist. Herr Davis hat ein Vermögen^ von vierzig Millionen Dollars unb mag davon leicht ben; zehnten Teil für Kampagnezwecke hergeben. Diese Erwägung^ dürfte bie Führer veranlaßt haben, ihre Wahl auf ihn fallen zu lassen. Herr Davis ist ein .seif made man", heun er hat seiner Laufbahn als Eisenbahnbremser begonnen.
Wenn auch bas Felb in ber gegenwärtigen Kampagne ben Demokraten verhältnismäßig günstig ließt (b. h. es liegt jetzt günstiger, als wenn Richter Parker nicht sein Telegramm abge- sanbt hätte), werben einsichtige Demokraten nicht zu optimistisch sein. Aus ben 476 Stimmen im Kollegium her El e k t o r e_n hat Richter Parker ben ganzen Süben nebst Marylanb sicher für sich, also 159. Um erwählt zu werben, muß er noch 80 Stimmen aus ben nörblichen Staaten erhalten. Delaware unb West- Virginim fallen ihm voraussichtlich auch zu, sobaß er noch 70 Stimmen gebrauchte. Im Jahre 1900 waren bie einzige« Staaten im Norden uub Westen, bie sich für Bryan erklärten, bie Bergwerksstaaten Colorado, Idaho. Montana und Nevada, die zusammen 14 Stimmen haben. Sollte nun Richter Parker die 39 Stimmen von New Park unb bie zwölf von New Jersey — zwei stets als sehr .zweifelhaft" bekannte Staaten — erhalten, würbe er immerhin noch fünf Stimmen gebrauchen. Als einzige ferner noch zweifelhafte Staaten sinh Connecticut, Jnhiana und Wisconsin zu befrachten, indessen mag bemerkt werben, daß diese Staaten fast immer ihr Elektoral-Votum den Republikanern gegeben haben. Augenscheinlich stehen bie Demokraten vor einer harten Aufgabe, einer Tatsache, welche das Sport-Element genau erkennt, denn bei Wetten auf Roosevelt muß gegenwärtig noch doppeltes Gelb gegeben werben.
Schließlich mag noch ein letztes Wort ber Kampagne des Zettungsherausgebers William R. Hearst gewidmet werben. Der .World" zufolge hat er nicht weniger als Doll. 1,400,000 ausgegeben, um etwa 200 Delegaten zu erlangen, bie ihm übrigens nur beim ersten Wahlgang verpflichtet waren. Viele der Delegatei: wärm ihm übrigens auch zugefallen, selbst weckn er keinen Cent besessen hätte, denn seine Agitation gegen 8k Trusts hat ihm viele Freunde gemacht. Das Geld und seine Bemühungen mögen übrigens nicht als ganz verloren betrachtet Werden, denn es gibt ja noch mehr Wahlen unb Herr Hearst ist noch ein junger Mann, der leine Zett abwarten kann.
Zu Kuno Fischers 80. Geburtstage: 23. Juli 1904.
Von Dr. Ernst Tranmann (Heidelberg).
Am 23. Juli vollendet Kuno Fisch er, sein achl- |: zfastes Lebensjahr. Die Universität Heidelberg, oer I er seit 32 Jahren als eine ihrer größten Zierden angehört,
| die Stadt, deren Ehrenbürger er ist, seine Fachgenossen unb
feine Schüler von Nah unb Fern, werben es sich nicht nehmen lassen, dem hochverehrten Manne festlich zu huldigen f und seine Verdienste in Rede und Schrift, in Adressen und anderen Kundgebungen zu. preisen. Mik verdoppelter Wehmut aber gedenken feiner die, welche die schweren Schicksalsschläge mitempfanden, die ihn am Abend feines Lebens t trafen, schmerzlich bewegt, daß er diesen Tag nicht an der Seite her edlen Gefährtin begehen darf, bie ihm das letzte I Jahr entriß, und daß er, niedergebeugt von diesem grau- l famen Schlage und von hartnäckiger Krankheit ans Zim-
- mer gefesselt, diesen Ehrentag nicht in altgewohnter Rüstig
keit unb in Ausübung seines geliebten Lehramtes begehen t bars. Ist es schon in der menschlichen Natur begründet, daß sich die Gedanken eines Mannes, ber eine so hohe Alters- l stufe erklommen hat, der Vergangenheit zuwenden, so muß
l eine unfreiwillige Muße, die ihn der tätigen Gegenwart
| entzieht, diese Neigung bestärken. Kuno Fischers Freunde missen es auch, daß sein rastloser Geist in den Monat-n schwerer Heimsuchung in längst entschwundene Zeilen flüchtete und in der Betrachtung des eigenen Lebens die Beruhigung suchte, die ihm sonst nur die strenge Arbeit des Denkens und Forschens gewährte. So mag es ihm, wenn diese Blätter ihn erreichen, wohl nicht befremdlich erscheinen, I wenn hier versucht wirb, eine Erinnerung an ferne Itage, I an einen ber freundlichsten und glücklichsten, aber auch der bewegtesten Abschnitte seines reichen Lebens herauszu'-c- schwören und wenn sich in bie lauten Festlichkeiten des ^rag-.s I' ein leiser Klang aus vergangenen Zeiten mischt, ^es öfteren | schon — zuletzt bei ber Feier seines 70. Geburtstages — hat man Kuno Fischers Wirken und Schaffen, bie \ vollendete Kunst ferner Darstellung gewürdigt; von feinem Leben sind nur die äußersten Umnste mitgeleut I worden. So fei hier ein Bild seiner San n es fahre l miedergeqeben, das uns ben Strebenden ur.b Kämpfenden ictirf und den Eindruck seiner ersten Werke schildert, das den | Menschen beleuchtet und das ein Künstlermit der Li e h e
seinen weiteren * , , Indessen freut er sich ber günstigen Wendung, die das fal des Freundes genommen hat unb er schreibt: Steine, die man Ihnen in ben Weg warf, haben Sie zu Staffeln Ihres Ernporsteigens zu machen gewußt. Sie sind von dem Zeuge gemacht, das weder biegt noch bricht, und an dein sich das Schicksal bie alten, wackiichten Zähne aus- beißt." Mit hoher Befriedigung lieft er Fischers Bacon, an dem er die Verbindung philosophischer Präzision. Mit volkstümlichster Deutlichkeit einzig findet. Ein vorübergehender Besuch Fischers und Zellers bringt auM Neue die Idee des „Taschenbuches" zur Sprache. Im August 1857 schickt Strauß ben „Hutten" nach Jena und begleitet ihn mit ben Versen, worin er sich so wehmutsvoll mit dem irrenden Ritter vergleicht.
Wie sehr Sttauß oerftaub, bie Angelegenheiten her Freunde zu seinen eigenen zu machen, beweist ber Brief Boin 8. Dczbr. 1857, in dem er ebenso energisch wie klug und fein bie Einleitung einer Rückberufung Fischers nach Heidelberg erwägt.. Hä usser wollte, dem Minister Vorschlägen, Kuno Fischer-1200 Taler zu bieten, dieser schrieb, m Jena würbe man wohl, auch soweit gehen. „Wenn dies geschieht," meint Strauß „so wären Sie, falls bie Sache auf dem jetzigen Boden bleibt, gefangen. Ihn jeden Preis daher müßte gesucht werben. Sie auf eine« Boden zu bringen, wo nicht bie ökonomische Frage, sondern die moralische "Ihrer Rückkehr in das Feld, aus bem Sir vertrieben worden, den Ausschlag gibt. Was Ihnen die Entscheidung der Sache in diesem Sinne an den sächsischen . Höfen etwa schaben möchte, das gewinnen Sie vor dem Publikum. Dieses wird den vermeintlichen Undank gegen jene Höfe schonender richten, als ben Schein, ber im andern Fall entstünde, als hätten Sie sich durch das Nichtgenua des Angebots von hier aus abhaltcn lassen, demselben zr folgen. Und bedenken Sie nur auch dies. Wenn Si kommen, so gräbt sich die Geschichte der Ihnen gewordene.
aufgerichtet hat, gekrönt. Mit tiefer Erschütterung blicken wir in das Leben, das sich hier vor uns entroUt, in ein Dasein von zwiefacher T ra g i k. Er, der kein höheres Gesetz erkennt, als seiner- Natur treu zu fein, scheitert zuerst in seinem Berufe, dann in seiner Ehe. Sein „Leben Jesu", eine her befreiendsten Taten, die das vorige Jahrhundert gesehen hat, kostet ihn den akademischen Lehrstuhl, für ben er geschaffen war, seine Mißheirat macht ihn familicn- unb heimatlos. Auf eine rmftäte Beschäftigung Ijingeroieieii, von der Welt geächtet und gehaßt, klammert sich seine Seele mit ihrem leidenschaftlichen Liebe- und Berehrungsbedürf- nis an die wenigen Getreuen, die ihm geblieben sind. Wenn wir diese Briefe lesen, mit ihrem feinen Verständnis für bie geistigen Interessen, für das Wohl unb Wehe ihrer Empfänger, in ber Klarheit und Tiefe ihrer Gebanken, bie mit Goethescher Kultur unb Homzischer Weisheit durchtränkt • sind, in her Schönheit ihrer Sprache, bie biefer Stilmensch wie ein Klassiker handhabt, bann glauben wir in einem Tempel der Freundschaft zu wandeln. Welche Zeiten und welche Menschen! Noch leben unb schaffen, fast sämtlich Sttauß nahe stehend, Nh land, Kerner, Mörike. Christian Baur, deren große Gestalten im Hintergründe auftauchen. Unb nun die Charakterköpfe der schwäbischen Freunde, die in ber Beleuchtung ber Straußschen Darstellungskunst wie gemeißelt erscheinen. Jeher von ihnen eine" Persönlichkeit: der edle Mär kl in, der in sich vollendete Rapp, der kernige Bischer. K ä s e r l e s so- kratische und Z e il e r s angelische Natur.
Im Jahre 1854' tritt Strauß in Kuno Fischers Sphäre. Nachdem er seine Haushaltung zu Köln aufgelöst hatte, übergab er seinen Sohn einer württembergischen Lehranstalt, seine Tochter auf ben Rat eines alten Bekannten einem Institut in Heidelberg. Hier verbrachte er, zu seiner Junggesellenwirtschaft zmückkehrenb, sechs Jahre, bie er zu ben „MMcklichsten seines Lebens" zählt. In ben „Literarischen Denkwürdigkeiten" schreibt er: „Einer her ersten Besuche, die ich machte, war bei Dr. Kuno Fisch er.
der damals als Privatdozent, dem aber das Lesen untersagt worden war, am Orte lebte. Ich hatte vor Jahren einen Aufsatz von ihm über L. Feuerbach gelesen, der mir als das Beste erscheinen wollte, was bis dahin zu dessen Beurteilung gesagt war; und jetzt war er ja vermöge des Interdikts, das infolge theologischer Denunziation auf ihm ruhte, gewissermaßen ein Kollege von mir. Ich fand einen noch sehr jungen Mann, mit hellblondem Haar und Schnurrbart, schnell und scharf in feiner Rede, und norddeutsch-stramm in seinem Auftreten. So grell der Gegensatz war, den dies zu meiner Natur und Art bildete, .so kam er mir doch gleich von Anfang mit so viel Hochschätzung und Zuneigung entgegen, daß ich mich vertraulich zu ihm hingezogen fühlte. Es mir in feinem Kreise behaglich zu machen, trug nach näherem Bekanntwerden auch seine Frau bei, von französischer Herkunft, aber in Deutschland erzogen, und so zart und gemütvoll, baß sie dem Deutschen durchaus als Landsmännin erschien." Auch sonst findet er bald einen Kreis „guter unb freundlicher Menschen". Er besucht G e r - vinus, neben Fischer sein kameradschaftlichster Umgang, H ü u s s e r, Moleschott und Schloss e r- Zu den Kneipabenden bei Brauer Hofmann oder beim Weinwirt unb Bäcker, wo sich Locher, der Maler Fries, Fürst R a b a I i, Bunsen u a. einfinden, weiß Strauß „nicht ohne Schwierigkeit", wie er schreibt, auch Kuno Fischer herbeizuziehen Täglich gehen bie beiden Männer miteinander spazieren. Bei seinen Frischlin-Studien findet Sttauß durch Fischer Anregung unb Ermunterung. „Er ist ein ausgezeichneter Kop f", so rühmt ihn Strauß gegenüber Zeller. An Pfingsten 1855 kommt dieser nebst Frau, desgleichen Baur und Sohn, M o h l, G e r - vinus unb Fischer nach Auerbach an der Bergstraße, wo bie Freunde fünf reizende Tage verleben. Hier wird auch ber Plan zur Gründung einer Zeitschrift entworfen, bie Zeller, Bischer, Schweglec 0er- vinus und Strauß zu Mitarbeitern, Kuno Fischer zmn Redakteur haben soll. Der Beckehr wirb immer vertrauter. Straußens Tochter, in ben Ferien auch fein Sohn, finden in Fischers Familie freundlichste Aufnahme; hier musizieren, von Strauß ohne weiteres eingeführt, auf her Durchreise die Sohne seines verstorbenen Freundes Kaufs- m a n n. Im Oktober 1856 unternimmt er mit Fischer eine Reise ins Württembergische zum Besuche seines Sohnes und seines Freundes Rapp. Er, der große Musikenchusiast. vergleicht sie einer Symphonie : „davon bildet unser erster Oehringer Aufenthalt das muntere Allegro, die Tage in Münkheim das seelenvolle Adagio, und nun ging's, wie es mir bei wirklichen Symphonien zu gehen pflegt. . Wenn mich das Adagio recht ergriffen hat, so fallen die zwei letzten Sätze dagegen ab. Das wäre das Scherzo des zweite"
if Fischers Rückberufung; davon will er Aufenthalt in Heidelberg abhängig macht n. .... .... . Wg„drmg, die das Schick-
: „Die
kehr unb zu versöhnlichen Verhandlungen geschaffen unb ber Vatikan hat, wie ber. „Ternps" mit Recht betont, ben schlimmsten Fehler begangen, indem er die Bischöfe direkt maßregelte und damit ben diplomatischen Verkehr von vornherein ausschloß. Der Konflikt wird sich also vollziehm; ber Papst wirb ben Bannstrahl gegen bie Bischöfe von Dijon unb Laval schleudern, denen die Regierung jedoch ihre administrativen Befugniffe und ihren Gehalt belassen wirb. Sechs Bischofssitze sind bereits feit Jahren vakant, weil Regierung unb Vatikan sich gegenseitig bas Ernennungsrecht bestreiten, unb zu ihnen gesellen sich zwei neue Halbvakanzen, beim in Dijon unb Laval werben nur die geistlichen Funktionen ber Bischöfe suspendiert. Im Lande wirb biese Neuheit ebensowenig Eindruck machen, wie der alle Konflikt um die Formel Nobis nominavit; je länger bie Vakanzen jedoch bauern, besto klarer wirb es, daß bas Volk von Frankreich ohne {eben Nachteil unb ohne jebe Beunruhigung auf bie Tätigkeit der Bischöfe überhaupt verzichten kann. Die Regierung kann bas Konkorbat und die organischen Artikel nur durch Gesetz abschaffen; nach dem offenen Bruch mit bem Vatikan ist sie aber einer Mehrheit sicher, benn ber Katholizismus besitzt in Frankreich keine streitbare Kraft mehr. »Der Glaube ist selbst auf bem Lanbe nicht mehr genügenb heiß und wirksam, um von heute auf morgen bie fünfzig Millionen beS Kultusbubgets zu ersetzen;' so jammert ber „Ternps" unb nur in Rom scheint man mit Blindheit geschlagen zu sein.
Rumänien.
Die Handelsvertragsverhanvlungen.
© Bukarest, 15. Juli. Langsamer, als man es hier allgemein erwartet hatte, schreiten die Verhandlungen über den deuts ch - rumänischen Handelsvertrag fort. Die Delegierten hatten sich vor ber Hitze nach Sinaia geflüchtet unb beraten dort weiter. Man sagt, baß rumäniscyerseits absichtlich die Verhanblungen in bis Länge gesogen werden, damit vorerst ber beutsch - ins- fische Vertrag zustanbe kommt, worauf bte Rumänen bann in der Sage sein würden, mehr zu fordern, als den Russen gewährt worden sei. Diese Ansicht ist aber durchaus/ falsch, denn sicherlich wirb Deutschland, nach Abschluß des Ver^ träges mit einem so großen Agrarstaate wie Rußland, an dem Vertrag mit Rumänien weit weniger Interessen haben. Uebrigens stellt Rumänien auch gewisse Forderungen, die für Rußland nicht in Bettacht kommen, und auf diese wirb her rumänische Staat nicht ohne weiteres verzichten wollen. Die Verschleppung ber Verhandlungen ist in ben Verhältnissen selbst begründet. Die rumänische Regierung steht auf dem Standpunkte, daß bie Meistbegünstigung keine eigentliche Konzession darftellt, ba sie selbstverständlich bie Basis eines jeden Handelsvertrages bilden muß. Ueber diese hinaus, im Konventionaltarif, sollen die Konzessionen und Kompensationen gesucht werden. Der deutsche Standpunkt scheint aber ber zu sein, daß man grabe die Meistbegünstigung als das Wesentliche des Verttages betrachtet unb sie nur gegen ganz bedeutende Kompensationen gewähren will. Dabei wird hervorgehoben, daß die Ausfuhr Rumäniens nach Deutschland fast 40 Prozent der Gesamtausfuhr ausmacht, wogegen die Ausfuhr Deutschlands nach Runm- nien nur 4 Prozent seiner Gesamtausfuhr bettägt. Solange beide Teile an ben Sätzen ihrer Zolltarife fefthalten, ist der Abschluß eines Vertrages unmöglich. Wie verlautet, haben sich, um nur ein Beispiel hertiorzuheben, fast unüberwindliche Schw^rigkeiien beim Attikel Wolle ergeben. Der neue Tarif welegt diesen Artikel unb alle aus bemfejhtiL , erzeugten Waren direkt mit Prohibitivzöllen. Hiergegen fcW"* nun deutscherseits geltend gemacht worden fein, daß man biefen Zoll keinesfalls annehmen könne, da die Ausfuhr Deutschlands an Wollwaren ein Viertel feiner gesamten Ausfuhr nach Rumänien ausmache und somit der ganze Vertrag belanglos würde, wenn nicht bei diesem Arttkel eine sehr bedeutende Konzession gemacht würbe. Andererseits hat Rumänien eine bereits bestehende Wollwarenindustrie zu schützen und überdies auch vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus ein Interesse an den Wollzöllen. Trotz aller dieser Schwierigkeiten hat man hier die Hoffnung auf eine Verständigung noch nicht aufgegeben.
(Frankfurter Handelszeitung.) hUP (Neue Frankfurter Zeitung.)
, _ iBrta Societäts Drucke, otf
Wegrürröet t>ott §on»temann. Xfimilwhittm h HA
- Deutsches Reich»
Bayreuth, 18. Juli. Die erweiterte Sonntagsruhe im Handels- und Gewerbebetrieb legt der Generaldirektion der bayerischen Staatseisenbahnen die Erwägung nahe, die Annahme- und Abgabezeiten für Eilgüter den veränderten Geschäftsverhältnisseu tunlichst anzupassen. Es ist demzufolge beabsichtigt, der bayerischen Zusatzbesttmmung 2 zu § 56 der Eisenbahnverkehrs-Ordnung folgende Fassung zu geben: „Zoll- unb steuerfreies Eilgut wird an Sonn- unb Festtagen von 10—12 Uhr Vormittags angenommen und ausgeliefert." Es fielen demnach die bisher üblichen Nachmittagsdienststunden von 2—4 Uhr weg. Im Falle eines Bedürfnisses würde die Generaldirektion durch besondere Dienstvorschrift artoebnen, daß auf Stationen ohne besondere Mteilung für ben Güterdienst von dem dienstanwesenden Personal in dringenden Fallen den Wünschen des Publikums auf Annahme oder Aushän- biguug Von Eilgut an Sonn- ober Festtagen nachmittags entgegenzukommen ist, f»ferne dies ohne Versäumung onbe-
