Erstes Morgenvlatt der Fraatsurtcr Zeitung.
S. Seite. Nr. 349.
bedürftig Portcigrnossen behandclten, beim doch dem Sojj den Boden ausgeschlagen zu halxn. Diese Stipendiaten der deutsche» und konservativen Partei, die sich längst daran gewöhnt ha.tr«, di« ein uxil in Besitz genommenen Rathsseffel bis ins höchste Greijenatter besetzt zu hatten, sind, soweit sie in diesem Iah» vnsjcheiden mußten, beseitigt. Die einzigen Wiedergewähtten gehören der Volkspartei an und haben sich durch rege Thätigkeit unter schwierigen Verhältnißen den Anspruch auf Dankbarkit erworiei-, den die Bürgerschaft durch ihre Erwählung mit der höchsten Stimnienzahl honorirt hat. Das Rathhaus der Haupl- unt> Residenzstadt Stuttgart aber hat mit dieser Wahl aufgehört, '.«ine unbestrittene Domäne der Kartellparteien zu jein.
Rus Lachsen, 13. Dee. In verfchiedenen sächsischen Städten haben bei de» diesjährigen Stadlverordneten-Wahlen die Sozialdemokraten den Sieg davongetrageu. In Stoll- berg sind unlängst 4 und in Lichtenstein bei ElauchauöSozialdemokraten ins Stadtverordneten-Kollegium gewählt worden. Auch in Reichenbach i. B. ist ein Sozialdemokrat zum Siege gelangt.
Belgien.
ff. Brüssel, 12. Dec. Die Debatte über den Etat für Steuer und Einkommen (voies et rnoyens) dehnt sich in die Länge. Bereits hat die Kammer demselben vier Sitzungen gc- tvidmet, die aber Nichts zu Tage brachten, als die alten gegenseitigen Vorwürfe. Bemerkenswerth ist nur die Versicherung des Finanzministers Beernaert, es sei keine Staatsanleihe geplant, es sei sogar ein Mehrertrag von 5 Millionen vorhanden. Graux lvar also in seiner kürzlich erwähnten Rede zu weit gegangen, wie ich übrigens bereits angedeutet hatte. Das Hauptinteresse richtet sich übrigens augenblicklich auf die Handelsverträge, deren Text gestern dem Hause unterbreitet wurde. Wie bereits gemeldet, ist der erste Eindruck über die Abmachungen mit Deutschland ein : jefcr günstiger. Besonders ist der Antwerpener Handel äußerst zufrieden mit den Bestimmungen des Schlußprotokolls, die jede Erweiterung der bestehenden Zölle und jeden neuen Zoll auf ge- wisie Waaren, die in Deutschland bei der Einfuhr auf dem Land- toege höheren Zollsätzen unterliegen, für die Zukunft ausschließen. Der Wegfall der Differentialzölle für die Einfuhr auf dem Seewege hat das freihändlerische Antlverpen nicht minder in Jubel versetzt. Im Allgemeinen erwartet der belgische Handel große Bortheile ans den deutscherseits bewilligten Begünstigungen in Bezug auf den Transitverkehr. Nach England geht bekanntlich durch Belgien eine ungemein starke Ausfuhr von allerhand Nakur- und Jndustrieprodukten der mitteleuropäischen Länder. In der Hoffnung, einen Theil dieser Ausfuhr nach den Häfen von Dim- firdjen, Calais und Boulogne zu lenken, hat in den letzten Jahren die französische Regierung die Verbindung ihres Eisenbahnnetzes der Nordprovinzen mit dem der östlichen vervollständigt und zwar so, daß seit vorigem Jahre die oben erwähnten Häfen direkt mit dem Elsaß und der Schweiz verbunden find. Wie wird sich nun der Transit durch Nordfrankreich gestalten, wenn einmal alle Handelsverträge Frankreichs durch das neue Tarif- system ersetzt sein werden? Daran scheinen die französischen Schutzzöllner nicht gedacht zu haben. Es war daher ein sehr glücklicher Griff der deutschen und belgischen Bevollmächtigten, das Schwergewicht des neuen Vertrags auf die Verkehrserleichterungen zwischen beiden Produktionsgebieten zu legen. Jedoch muß hinzugefügt werden, daß in gewissen industriellen Kreisen, besonders aber bei den Agrariern (solche haben wir auch!) eine ganz andere Stimmung herrscht. Die französischen Tarife bedrohen uns sehr und Deutschland gegenüber fühlen sich die Herren nicht genügend geschützt. Sicherlich wird es der Regierung viel Mühe kosten, bei ihrer hauptsächlich von Agrariern bestehenden Majorität die neuen Verträge durchzusetzen. Herr Beernaert wird manchen schweren Kampf zu bestehen haben. Darauf bezieht sich wahrscheinlich die von ihm in der Kammer gemachte Erklärung, die Verhandlungen mit Frankreich gäben feine günstige Aussicht und eine bedeutende Einschränkung des Handels mit dem südlichen Nachbar sei vorauszusehen. Es handelte sich zunächst darum, unsere Schutzzöllner darauf aufmerksam zu machen, daß wir auf Deutschland hingewiesen sind, wenn wir nicht alle Ausfuhr nach dem Auslande einbüßen wollen. Daher auch die Begünstigungen, die von belgischer Seite Deutschland gemacht wurden. Es fragt sich nun, ob und in wie weit durch diese Erwägung die Gemüther unserer Landwirthe, Gruben- und Hütten- besttzer zu beruhigen sein werden. Jedenfalls macht sich eine sehr heftige schutzzölluerische Bewegung in jenen Jndustriekreisen bemerkbar, die sich durch dm französischen Tarif und selbst durch dm Minimaltarif sehr bedroht und durch diedeutsch-österreichischm Verträge nicht genügenb geschützt fühlen. Vorläufig ist noch fein Beschluß gefaßt worden über die Zeit, wo die Verträge zur Erörterung kommen. Höchstwahrscheinlich wird man hier dm sAnsgang der Debatte darüber im Deutschm Reichstage abwartm.
Großbritannien.
* Loudon, 12. December. Den Mitgliedern der Con» frrenz zur Einführung ländlicher Reformen, welche vorgestern in der Memorial Hall tagte, wurde gestern von der Nationalliberalen Förderation im Holbom Restaurant ein Frühstück gegeben, an welchem etwa 400 Personen theilnahmeu. Wie bereits erwähnt, hielt Gladstone eine Rede, in welcher er u. A. die kühne Behauptung auffteöte, daß Home Rule im Grunde «ich nur ein Theil der Arbeierfrage fei, denn die Leute, welchen durch Home Rule eine Wohlthat erwiesen werden solle, seien kleine Farmer, deren Loos nicht viel besser fei, als das der englischen lcmdwirthschastlichen Arbeiter. In dm Städten hätte sich die Arbeiterschaft organisirt, auf dem Lande aber habe der Einzelne dm Kampf gegen eine gewaltige geschichtliche Entwickelung allein aufzunehmen. Daher die Entvölkerung des stachen Landes, die
man als nationale Kalamität betrachten müsse. Seine Mühe dürfe gescheut werden, dieser Wanderung in die großen Städte Einhalt zu thun. Biele Jnieresien hätte der ländliche und der städtische Arbeifer gemeinsam. Der Arbeiterstand habe «in Recht, Vertreter seiner Klasse in’S Parlament zu senden. Dies sei aber nicht möglich, wenn der Arbeiterkandidat die Wahlansgaben selbst zu tragen habe. Die gesetzlichen Bestimmungen über Verschwörung müßten abgeändert werden, damit der Arbeiterstand nicht gehindeet wäre, durch Organisation seinen Einfluß gelenb zu machen. Das Wahlrecht sei der Schlüssel zu einer erfreulicheren Zukunft. Es müssen D o r s ä m t e r eingerichtet werden, denn gewiße Angelegenheiten, wie Wege, Fußsteige, Gemeindeland, Schulen u. s. w. gehörten nicht vor beit Grafschaftsrath. Wenn auch bie Tories meinen, daß die Dorfbewohner einen Zirkus diesen Dorfämtern vorziehen würden, so werde doch der Erfolg dm Plan rechtfertigen. Es sei traurig, daß die Mehrzahl der landwirthschaftlichen Arbeiter ihr Leben im Arbeitshause beschlössen ; sie müßten ein eigenes Stück Land zur Bebauung bekommen. Gladstone versprach für solche Reformen einzutreten. Die Tories suchen dieselbe lächerlich zu machen, da sie nicht mehr zu versprechen wagen.
Cerichtszeitnng.
0 Dresden, 12. Dcc. Um sich die hohe Versicherungs- summezu verschaffen, setzte der Galanteriewaarenhändler E. R. Müller aus Grvßenhein sein dortiges Geschäft in Brand. Bei dem Fetter kamen durch die Flammen ein Mann und eine Frau zu Tode, ein Feuerwehrmann erlitt so schwere Verletzungen, daß er ein Krüppel bleiben wird. Der Brandstifter wurde vom Schwurgericht zu14JahrenZnchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt.
R Schwüb. Hall, 12. Dec. Vor dem Schwurgericht dahier wurde in 6en letzten drei Tagen jener Exceß control- pflichtiger Reservisten in Kupferzell vom April d. IS. verhandelt, von dem auch die „Frkf. Zig." berichtet hatte. Bei einem Raufhandel zwischen Angehörigen verschiedener Ortschaften wurde eine Wirthschaft gestürmt und eine Menge Mobiliar zerstört. Auch zu verschiedenen, übrigens nicht bedeutenden Verletzungen war c8 gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte hiewegen gegen 11 Exce- denten Klage wegen Landsriedcnsbruches erhoben, das Schwurgericht sprach jedoch die sämmtlichen Angeklagten frei.
Vermischter.
* Werkin, 13. Dec. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht nun ausführliche Mittheilungen seines Mitarbeiters, des Herrn EugenWolf Über dessen Ausweisung aus Deutsch-Ostafrika. Darnach ist Herr Wolf über diese Maßregel erst von dritter Seite in Kenntniß gesetzt worden. Der Gouverneur Frhr. v. Soden habe sich einer Unterredung mit dem Ausgewiesenen entzogen und der Konsul auf eine Anfrage wegen der Ausweisung Folgendes geantwortet: „Wie es heißt, sollen Sie durch Ihre agitatorische Thätigkeit die Entwicklung der Kolonie geschädigt haben, auch sollen Sie das Verttauen des Gouverneurs gemißbraucht haben; ich werde Ihnen wahrscheinlich den Beglaubigungsbrief des Auswärtigen Amtes abzufordern haben." Herr Wolf erklärte dem Konsul, daß dieser Empfehlungsbrief nicht nur für Ostafrika, sondern auch für die Westküste und für die deutschen Kolonien in der Südsee ausgestellt fei, und daß er dessenRilckgabe in Sansibar verweigern würde. In Sansibar besteht ein deutscher Club, welchem 25 Herren angehören. Der Vorstand habe eben eine gelegentliche Aeußerung des Herrn Wolf über die mangelhaften Räumlichkeiten des Clubs dazu benutzt, um einen Ausschluß des Herrn Wolf zu beantragen und durchzusetzen, obgleich letzterer schon vorher ausgetreten war. Dieses sonderbare Verfahren habe 9 andere Herren veranlaßt, ebenfalls au8 dem Club auszutreten. Selbst der deutsche Consul in Aden sei von Herrn Wolf gewarnt worden. Das Vorgehen der Clubs gegen Herrn Wolf ist um so unerklärlicher, als im auswärtigen Amte einem Redakteur des „Berl. Tagbl." mitgetheilt worden fein soll, daß Herr v. Caprivi sich übet die Berichte des Herrn Wolf mit außerordentlicher Anerkennung ausgesprochen habe. Wenn der Gouverneur die Berichte desselben für falsch hielt, so hätte er sie berichtigen können — eine Ausweisung ist nicht das richtige Mittel zur Ergründung der Wahrheit. Herr Wolf befindet sich augenblicklich in Rom und ist dort vom Papste Leo XIII. in einstündiger Privataudienz empfangen worden.
«.Kietzen, 13. Dec. An den, an der hiesigen Universität im taufenben Semester zu haltenden Vorlesungen nehmen insgesammt 585 Hörer theil. Die Zahl der immatriculirtm Hörer beträgt 543, gegen das Sommer-Semester 26 weniger. Nach Fakultäten geordnet, weist die theologische Fakultät 83, die juristische 108, die medicinische 159, die philosophische 195 Studirende auf.
G. Darmstadt, 13. Dec. Das Amtsgericht hat über den Nachlaß des kürzlich verstorbenen Bankiers Moses Hoffmann (in Firma W. Reichenbach Nachfolger) das Konkursverfahren eingeleitet. Es stellt sich heraus, daß viele Depots unterschlagen find, theilweise find die Kunden auch dadurch geschädigt, daß die von ihnen zwecks Beschaffung neuer Couponsbogen hingegebenen Stücke italienischer Rente nicht mehr aufzufinden beziehungsweise anderweit verpfändet find.
X Münch««, 12. Dec. Zuber Klage, welche der StaatS- ministera. D. vonLeipziger (Sachfen-Altenburg) gegen die „Münchener Post" angestrengt hat, weil sie von Gerüchten über ein angebliches Sittlichkeitsvergehen Leipzigers berichtet und dessen plötzliche Entlaflung mit demselben in Verbindung brachte, schreibt das genannte Blatt: „Aus einer Abschrift der Entschließung des herzoglich oldenburgischenStaatsanwalts vom 28. Juli 1891 ersehen wir, daß thatsächlich gegen Herrn v. Leipziger eine Beschuldigung wegen Verbrechens wider § 176 R.-St.-G.-B. erhoben worden war, daß jedoch das Verfahren eingestellt wurde, weil fich kein genügender Anlaß zur Erhebung der öffentlichen Klage gegen den Beschuldigten biete. Dem vernommenen Mädchen habe kein bestimmter und entscheidender Glaube geschenkt werden können, auch seinen andere erhebliche Unterstützungsmomente für obengedachte Beschuldigung nicht zu ermitteln gewesen."
Frankfurter Handelsblatt.
Wiederabdruck der mit • bezeichneten Artikel, aowiede Privatdepeeehen ist nur mit Quellen an gal>« gestattet.
♦ Per fgyptische Staats v >ransch!atr für 1892. Wie bereits leiegrapmscn gemeldet, schließt das Budget für 1892 mit einem Ueberchuß von L. eg. 550,000 ab, während derselbe für 1891 mit L. eg. 500.000 und für 1890 mit L. eg. 150000 in Aussicht genommen worden war. Hierzu erhalten wir aus Kairo ergänzende Informationen, wonach die Einnahmen mit L. eg. 9.95 Mill. (1891 L. eg. 9.f2 Mill.) und die Ausgaben mit L. eg. 9.4» Mill. (1891 9.22 Mill.) veranschlagt werden. Die Hauptposten, der Einnahmen bildet in gewohnter Weise die Grundsteuer deren muthmafilichen. Ertrag diesmal mit L. eg. 5 Mill., angesetzt ist gegen L. eg. 5 MilL in 1891 in Folge gewisser Steuer - Erleichterungen, welche das Finanzkomitee in Vorschlag bringt Die Zölle waren für 1801 mit nur L. eg. 620.000 veranschlagt. Da sie aber schon in 1890 effectiv L. 651,288 erbracht und sich in 1891 zweifellos weiter gesteigert haben, so werden dieselben für 1892 mit L. eg. 700,000 angesetzt. Dagegen wird der Ertrag des Tabakzolles auf nur L. eg. 700,000 geschätzt gegen L eg. 760,000 im Vorjahr, da angesichts der schwer zu taxiren- den Verrathe im Lande ungewiß sei, ob die Einfuhr normale Ausdehnung haben werde. Die Eisenbahn-Einnahmen werden mit L. eg. 1,480,000 (1891 L. 1.350,000) erwartet, Post und Telegraph mit L. eg. 141,000 (1891 L. 121,000). Von Interesse ist, daß als Ersparniß aus der Konversion der Daira-Anleihe L. eg. 50,000 unter die Einnahmen eingestellt worden sind. Unter den Ausgaben figurirt der Tribut unverändert mit L. eg. 665,041, das Zins-Erforderniß der gesummten Staatsschuld L. eg. 4,015,017 gegen L. eg. 4,061,035 im Vorjahr. Für Unterdrückung des Frohndienstes sind L. eg. 250,000 eingestellt (wie 1891), während für die Sanirung von Kairo zum ersten Mal eine Quote von L. eg. 50,000 unter den Ausgaben steht. Der erwartete Ueberschuß von L. eg. 550,000 ist um so stattlicher, als in den drei Jahren 1890, 1891 und 1892 zusammen L. eg. 595,000 Steuerermäßigungen stattgefunden haben, bezw. vorgesehen sind. Der Ueberschuß entfällt wiederum vollständig auf die Gaisse de la Dette publique. Die den Anleihen überwiesenen Einkünfte sollen, auch nachdem davon schon 7 pCt. für den Staatsschatz gekürzt sind, noch L. eg. 4,454,273 (1891 L. eg. 4,345,681) bringen, während der Zinsendienst nur L. eg. 3,312,767 erfordert. Der Gaisse stehen also L. eg. 1,141,506 Ueberschuß in Aussicht, von denen sie L. eg. 402,637 hergeben muß, um das Defizit des Staatsschatzes gegen die durch die Londoner Konferenz normirten Ausgaben zu decken. Weiter würde die Gaisse L. eg. 314,818 als Gewinn der Konversionen bei Seite zu setzen haben, sofern die Mächte nicht inzwischen sich über die Art der Verwendung einigen. Auch dann noch blieben der Gaisse L. E. 424,051 Ueberschuß, von denen je die Hälfte der Reserve bezw. dem Staatsschätze auszuliefern sein werden. Von den der Regierung hierdurch zu fließenden L. eg. 212,025 sind L. eg. 188,869 zur Begleichung des Budgets des Finanzministers erforderlich, so daß letzterer schließlich noch über einen Ueberschuß von L. eg. 23,156 werde verfügen können. Um zu vermeiden, daß der Finanz- minister Bankkredite in Anspruch nehmen muß, während die Gaisse de la Dette publique in Geld 'schwimmt, wurde mit letzterer ein Abkommen getroffen, wonach sie auf diejenigen Summen, welche der Staatskasse gesetzmäßig erst nach Jahresschluß zufließen, derselben schon im Laufe des Jahres Vorschüsse gewährt.
* Griechische Monopole. Aus Athen, 7. d. M., wird uns geschrieben: „Der Vertrieb der Monopolartikel seit Jahresanfang bis Ende October er»ab 6,415,003 Dr., d. i. 377,776 Dr. mehr, als in ctem gleichen Zeitraum des Vorjahrs. An dieser Vermehrung partizipirt der October mit 60,441 Dr. Seit 20. Mai d. J. (Beginn des Rechnungsjahres der Monopolgesellschaft) wurden für Rechnung der Monopolanleihe 3,427,293 Dr. vereinnahmt, welche nach Abzug der Anschaffungskosten von 1,220,158 zusammen 2,207,134 rein ergeben. — Bekanntlich bildet der Schmirgel von Naxos auch einen der sechs Monopolsartikel, deren Erträgniß die Garantie der Monopolanleihe bildet. Seit geraumer Zeit jedoch ergab der Schmirgel gar kein Erträgniß und selbst die von der Monopolgesellschaft durchgeführte Errichtung eigener Niederlagen dieses Artikels in europäischen Hauptstädten blieb erfolglos. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, daß die Preise des Naxos-Schmirgels nicht konkurrenzfähig waren, indem der, allerdings minderwerthigere kleinasiatische Schmirgel um 50 pCt. billiger in den Handel kommt. Da nun in Folge dessen der Naxosschmirgel Gefahr läuft, ganz verdrängt zu werden, hat die Regierung beschlossen, einen Gesetzentwurf der Kammer vorzulegen, welcher den Vertrieb des Naxos-Schmirgels erleichtern soll. Danach soll auf die Dauer von zehn Jahren mit Unternehmern ein Vertrag geschlossen werden, demzufolge letztere den Schmirgel zum Preise von sechs Drachmen per Statere (55 kg) loco Ufer in Naxos übernehmen, wobei für das erste Jahr mindestens 50,000 Statoren und dann steigend bis 150,000 Stateren jährlich zu übernehmen sind. Für Ausgrabung und Transport des Materials zum Ufer hat der Unternehmer dem Staate 2 Drachmen per Statere zu vergüten. Schon im ersten Jahre würde daher der Schmirgel eine, der Monopolanleihe zu gute kommende Reineinnahme von 300,000 ergeben. Es ist selbstverständlich, daß die Erträgnisse des Schmirgelverkaufs der Monopolgesellschaft ausgefolgt werden würden."
* Königl. Portugiesische Eisenbahngesell schäft. Unsere Erwartung, daß das im Morgenblatte berichtete Sanirungsprojekt schwerlich ohne Widerspruch seitens der Obligationäre bleiben wird, erweist sich sich schon
e ginnen den Prinzen auf seinem Gute Ebenthal und nahmen rt das Mittagmahl ein.*) In spätern Jahren führte der Prinz «Ute recht sonderbar« Lebensweise. Er verbrachte 18 Stunden täglich im Bette, stand um 2 Nachmittags auf und ging um acht schlafen. Zum An- und Auskleiden brauchte er nur je drei Minuten. Wenn er aus dem Salon in fein Schlafzimmer ging, waren Leute ausgestellt, welche ihm seine Perrücke und die Kleider abzogen, so daß er, wenn er fein Schlafzimmer betrat, schon ganz ausgekleidet und zum Schlafengehen bereit war. Er wird als leicht aufbrausend und trotz seines Alters und feines Gewichts von 3 Rentnern voll Feuer geschildert, selbst die vornehmsten (Beamten mit Er anredend, hie und da mit feinem Spazierrohre Hiebe austheilend und dann bei bald wiederkehrender guter Laune den Verletzten reichlich entschädigend. Einst litt er an Schlaflosigkeit und der Diener, der im Vorzimmer wachte, wurde in der Nacht wohl sechs ober sieben Mal an fein Bett gerufen. Als er das achte Mal nicht schnell genug hereinkam, fand er den Prinzen hochroth und wüthend vor Zorn. „Ihn soll ja das Donnerwetter," schrie er den verschlafenen Diener an, „schon dreimal habe ich geschellt und Er fauler Racker schläft statt zu wachen und kommt nicht; Er ist nicht mehr werth, als ich schieß ihn nieder." Zugleich ergriff er eine geladene Pistole imb legte auf ihn an. Der Diener, ein alter Soldat, ergriff rasch eine andere Pistole, denn der Prinz hatte deren gewöhnlich mehrere bei seinem Bette liegen, legte auf ihn an und sagte: „Jetzt treffen aber Ihre Durchlaucht, denn ich werde nachher nicht fehlen."
Das imponirte dem Prinzen, er legte die Pistole aus der Hand, worauf auch der Diener dasselbe that und das Zimmer verließ. Den anderen Tag bat er um feinen Abschied, „beim", sagte er, „Ihre Durchlaucht sind hitzig, ich bin es auch und da mochte es einmal ein Unheil absetzen, denn ich hab' Ehre im Leib und die Furcht tierlernt beim großen Preußenkönig." Ter Prinz behielt den resoluten Diener noch ein Jahr in seinen Diensten und verlieh ihm dann bei seiner Entlassung eine Postmeisterstelle?*)
Alle feine Wiener Gewohnheiten und Neigungen behielt bet alte Prinz auch in Hildburghausen, wohin er int Jahre 1780 zurück- Skehrt war. Goethe, der ihn dort besuchte, berichtete am 13.
!ai 1782 an Frau von Stein : „Heute habe ich bei dem Alten Segessen. Er war sehr munter und freundlich, gab mir Audienz im Bett und war nachher gleich angetleibet zur Tafel."
Eine ins Klcinstaatliche übertragene Nachahmung der barocken Jagdfestlichkeilen von Schloßhos war es, wenn der Prinz eine Qagb veranstaltete, bei der die Wildschweine ausgestopfte Figuren
*) »Wiener Diarium" vom 26. August 1761.
**) Ademolloa. a. O. Dr. Ed. Vehfe, „Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen 11. 174: C. Barth „Federzeichnungen nach dem Leben", dtirt von Dr. Rudolf Armin Human in dessen „Chronik der kkadt Hildburghausen", Hildburghausen 1886 S. 198,
auf sich reiten hatten. Sie wurden durch einen großen Teich gehetzt und während des Darüberschwimmens mit ihren Reitern nie- dergeschossen. Ein anderes Mal vereinigte er Jagd und Jahrmarkt mit einem ländlichen Ball, wobei an 6000 Personen zugegen waren. Und der Prinz war doch nach Hildburghausen berufen toorben, um die zerrütteten Finanzen des Herzogs zu ordnen! —
Nachdem wir unsern Prinzen als tapferen aber wenig glücklichen Krieger, als kriegerischen Gatten, als freigebigen Musik- und Jagdfreund fennen gelernt haben, erscheint er nun am Abend seines Leben? als ordnungmachender Regent eines Miniattirstaates.*)
Der im Jahre 1745 zur Regierung gelangte Herzog Ernst Friedrich III. Karl von Sachsen-Hildburghausen hatte durch sein« Gutmüthigkeit und Prachtliebe den vollständigen finanziellen Ruin seines Landes und eines großen Theils der Residenzbewohner herbeigeführt. Die Schulden hatten die Hohe von vier Millionen mit einem Zinsenersorderniß von 200,000 Gulden jährlich erreicht, während die Revenuen nur bei 72,000 betrugen. Kaiser Joseph 11. ernannte daher im Januar 1769 eine Debtt- commission zur Untersuchung derForderungen der Gläubiger und Regulirung der Einnahmen und Ausgaben. An der Spitz« dieser Commission, welche beinahe bis zur Auflösung des deutschen Reichs wirfie, standen in den ersten Jahren die venvittwete Herzogin Charlotte Amalie von Meiningen, unser Prinz Joseph Friedrich und Prinz Friedrich Wilhelm Eugen, der 1730 geborene, 1795 verstorbene jüngere Bruder des regierenden Fürsten. Als dieser am 23. September 1780 starb, übernahm Prinz Friedrich Joseph die vormundschaftliche Regierung für dessen 1763 geborenen Nachfolger Friedrich, dessen Urgroßoheim er war,
Prinz Joseph Friedrich loste seine Wiener Hauskapelle auf, deren Mitglieder größtenteils vom Hostheater übernommen wurden und scheint wohl schon 1769 auf kurze Zeit nach Hildburghausen gegangen zu sein. Doch ist hierüber nichts Näheres bekannt und hatte er noch mehr als ein Jahrzehnt seinen ständigen Wohnsitz in Wien. Erst nach dem Tode des Herzogs Ernst Friedrich übersiedelte er nach Hildburghausen, wo er am 6. November 1780 feinen Einzug hielt und bis zu seinem Tode verblieb.
Der Wochenanzeiger von Hildburghausen gab damals eine ausführliche Beschreibung der Zierlichkeiten bei diesem Einzug«, welche damit schlossen, daß „von denen Damen Cour angenommen, auch an verschiedenen Spieltischen (im Schlöffe) gespielt und auf solche Art dieser für uns so wichtige Tag beendigt wurde."
f) Für diese Periode im Leben des Prinzen habe ich keine andere Quelle als das oben citirte Werk Humaus, der aber Manches aus Vehse entnahm. Die Allg. deutsche Biographie (Bd. XII 395) berichtet nur kurz die Thaten des Prinzen bis zum Jahre 1758 und fügt hinzu, daß er 1787 starb; so daß der Leser vermuthen muß, er hab« die letzten dreißig Jahr« feines Lebens im Winterschlaf« verbracht.
Der Prinz-Vormund scheint recht gut regiert zu haben, wenn er auch von feiner Prachtliebe und großartigen Lebensführung nicht lassen konnte. Er erließ eine Rangordnung für das in nicht weniger als 13 Klaffen eingetheilte Hofpersonal, reduzirte aber auch den Schuldenstaud und brachte «inen großen Theil der Land- veräußerungm wieder ein. Auch erwies er Stadt und Land manche Wohlthat, wie z. B. durch eine Stiftung von 5000 fl. zum Besten invalider Krieger und Soldatenwittwen. Damit und durch sein zwar barsches und jähzorniges, aber im Grunde doch gütiges Vorgehen erwarb er sich die Siebe und das Vertrauen der Bürger, bei denen er sich aber auch in Respekt zu fetzen wußte.
Auch mit feinem Mündel, dem jungen Fürsten und dessen Gattin, scheint er sich recht gut vertragen zu haben. Bei Hofe wurde am 17. Januar 1782 sein 50jähriges Jubiläum als Inhaber eines österreichischen Regiments und am 5. October 178-5 fein 83. Geburtstag glänzend gefeiert. Bet Letzterem wurde ein Gelegenheitsfestspiel „Das Geschenk der Gotter" von F. Chr. Wagner ausgeführt. Herzog Friedrich stellte den Schutzgeist des guten Fürsten dar, seine Gattin Charlotte, Schwester der Königin Luise von Preußen, die „himmlische Herzogin", wie sie Jean Paul nannte, übernahm die Rolle der Göttin Ceres. Im Prolog wurden die Kriegs- und Regententhaten des alten Prinzen verherrlicht und der Genius des Landes bekränzte sein Brustbild.
So lebte der Alte recht angenehm bis zu seinem am 14. Januar 1787 halb elf Uhr Nachts an Altersschwäche erfolgten Tode. Er wurde schon am nächstfolgenden Abende in der fürstlichen Gruft zu Hildburghausen stille beigesetzt. Das Kirchenbuch bemerkt über die Bestattung des „kaiserlichen Generalfeldzeugineisters, ehedem Obervormund und Landesregent, dann Biitregent, katholischer Konfession",.... daß „sämmtliche Klostergeistliche in poutificalibus bett Ruheplatz in der Gruft zu weihen und Messe zu lesen sich beikommen ließen, welches im Testament Serenissimus bestimmt und von hiesigem Hof selbst als nicht versagt angegeben worden aber vom herzoglichen Konsistorio gückkich ab» gewendet worden, daß also katholische Geistlichkeit nur Leichenbegleiter gewesen."
In Wien scheint man von seinem Tode kaum Notiz genommen zu haben, nur gelegentlich berichtete die Wiener Zeitung, der Kaiser habe „das durch den jüngst erfolgten Hintritt des Prinzen Joseph Friedrich von Hildburghausen erledigte Regiment dem Generalmajor von Pallavicini gnädigst zu verleihen geruht." Für den ehemaligen Günstling Karls VI. und Maria Theresias hatte man in Oesterreich kein Interesse mehr. Auch die Nachwelt kümmerte sich wenig um ihn und das, was ich hier biete, ist wohl die erste vollständige Darstellung seines intere))anten langen Lebenslaufs.
- .3
15, D:cemberK8Sl
X 1,187,400
Diverse Kreditoren rund . .
und Effektenbank abzüglich der dagegen erhaltenen, vertragsgemäß zuruckzuliefernden Effekten..... ......
Mobilien ..............
Ausstehendes Aktienkapital . .
Diverse Debitoren
Gewinn und Verlust .
«. 1.147,604
, 1,820,000_
2.976,000
........ 90,000
90,000
........ 430.000
........ 353.000
3,939,000
Nicht inbegriffen sind 200,000, die als Kautionshypo- I thek für noch zu machende Lieferungen (Parkettböden ) in Aktivum und Passivum sich ausgleichen. Weiter bemerkt *. die Mittheilung, daß die neueste feldgerichtliche Taxe des 1 Immobils an der Frankfurter Viktoria und Augustestraße 1 allein <X 2,300,000 erreichte, so daß der obige Bilanz- \ werth keinesfalls ein zu hoher sei. In den Debitoren von - «*. 430,000 ist theilweise die Beschaffung der inneren Ein- ■ richlungen mit enthalten (anscheinend also die Forde- j rung an den Berliner Kaiserbazar). Was die Forderung 1 der Schweizer Wechsel- und Effektenbank betrifft, so sei „die Rückabwicklung des Vorschußgeschäfts ; mit gleichzeitiger Löschung des darauf bezüglichen Hypo- | thekareintrags im Hange und zum Theil bereits vollzogen.“ Die Tragweite dieser letzten Bemerkung vermögen wir nicht festzustellen. Wenn der „Fin.-Herold“ die Passiven j mit 5,018,000 bei nur JC 3,094,000 Aktiven angab, so liegt die Abweichung gegen den obigen Status hauptsächlich da- | rin, daß das Blatt die Liegenschaften ohne den Neubau mit nur 880,000 (belastet mit <JL 85,000 Hypothek) aufgeführt | hatte, also etwa JC 350,00) niedriger als oben geschah, und daß das Blatt ferner die Forderung des Basler Instituts mit vollen X 1,120,000 aufführte, während die D Direktion hieran <>4! 963,000 als der Bank zurückzuliefende Effekten kürzt. Bekannt ist, daß die Gesellschaft von der Schweiz. Wechsel- und Effektenbank ein Darlehen nicht ’ in Baar, sondern zu großem Theile oder ausschließlich in i Aktien der Bank empfangen hatte, anscheinend sogar mit ”, Berechnung eines Aufgeldes, während diese Aktien am letzten Samstag in Basel nur noch Frs. 110 für Frs. 500 Nominal notirten. Wenn die Wiesbadener Gesellschaft diese Aktien weiterverpfändet hat. so müßte sie jetzt ... Nachschüsse leisten; wenn das Basler Institut die Aktien zum ursprünglichen Betrage zurückzunehmen verpflichtet ist, so würde das Verlangen, diese Verpflichtung jetzt zu erfüllen der genannten Bank eine Kraftprobe auflegen, welche nicht in Einklang steht mit der, in dem Aktienkurse zum Ausdruck kommenden Beurtheilung dieses Instituts (vcrgl. übrigens die Basler Privatdepesche). Angesichts dessen können die obigen Ziffern als voll- \ werthige nicht angesehen werden, und doch weisen schon sie eine Unterbilanz von 353,000 auf. Die Gesellschaft war von vornherein auf unsolide Basis begründet, wir mußten sie dann bei den Versuchen, ihre Akten unter der Hand mit Aufgeld unterzubringen, scharf kritisiren. Die nachher nothwendig gewordene „Sanirung* erfolgte durch das Basler Institut in einer Weise, die ebenfalls den schärfsten Tadel herausforderte. Alles das bringt jetzt seine naturgemäße Konseguenzen.*. Die Mittheilung des Vorstandes schließt mit dem Hinweis darauf, die Neubauten seien der Vollendung nahe, die Gesellschaft verfüge nach obigem Status „noch über genügenden Realkredit zur Erfüllung ihres Programms.“ Man kann aber nicht in Abrede stellen, daß die Gesellschaft sich | jetzt wiederum in schwieriger Lage befindet; es bleibt | nur zu wünschen, daß hierunter schließlich nicht das Unternehmen selbst leide, welchem vielmehr im Interesse der Stadt Wiesbaden aller Erfolg zu wünschen ist . |
Ungarische Konversionen. In den letzten Tagen kamen m Wien und Pest wiederholt Gerüchte in Umlauf, wonach die Durchführung der schon seit langer Zeit in Vorbereitung begriffenen ungarischen Konversionsgeschäfte demnächst in Angriff genommen werden solle. Es handelt sich dabei um die Konversion der ungarischen Nordosthahn-Prioritäten im Betrage von fl. 41 Mill., sowie um den Umtausch der Aktien der Alföld-, Donau-Drau- und Siebenbürger-Bahn im Gesammtbetrage von fl. 32.2 MilL Ob indeß bei der gegenwärtigen Marktlage ernstlich an die -Durchführung gedacht wird, muß sehr zweifelhaft erscheinen. —-v i
* Neues Salzlager. Man schreibt uns: „Seit dem Sommer d. J. sind bei Sondershausen auf dem linken Wim>er- ufer bei Jecha Bohrungen auf Salz unternommen worden.3|ie- selben haben jetzt das Vorkommen von Steinsalz ergeben. Die ersten erbdhrten Salzsäulenstücke wurden dieser Tag der fürstlichen Regierung vorgelegt."
jetzt als berechtigt, da uns heute bereits von Interessen- ten der 4% proz. Anleihe von 1886 Auslassungen zuge- hen, in welchen diese sich nachdrücklichst gegen jede 1 Absicht aussprechen, die 1836er Anleihe auf gleichem Fuße mit den anderen Obligationen zu behandeln. Die : Rezierungsgarantie für Baira-Baixa sei ausdrücklich dec - 1883er Anleihe als SpeziaUicherheit über wiesen, so daß 1 die volle Verzinsung erfolgen müsse, so lange die Regierung ihre Verpflichtungen voll erfüllen kann. Demgemäß sei der Anspruch berechtigt, daß auch bei einem Arran- 4 gement mit der schuldnerischen Gesellschaft die Anleihe von 1886 vorzugsweise berücksichtigt werde, andernfalls die Inhaber derselben das Projekt energisch bekämpfen müssen. Es scheint übrigens, daß auch dieses Projekt ! noch nicht zur Vorlage an die Interessenten reif ist, da, i wie wir hören, immer wieder neue Vorschläge auftauchen, j ohne daß bis jezt die Verhandlungen darüber ein greif- 1 bares Resultat ergeben hätten. Ä
* Finanzielles aus Belgien. Aus Brüssel, 13. d. M. J schreibt unser x-Korrespondent: Wie bereits in Aussicht gestellt, hat die Generalversammlung der Central-Sud- Americain-Eisenbahn den Vorschlag der Verwaltung genehmigt, wonach der Januar-Coupon der privilegirten - Aktien, entgegen den formellen Stipulationen der Statuten, A wonach solcher aus dem Baufonds zu bestreiten ist, nicht ' zur Aussahlung gelangt, sondern auf später vertagt wird, s Der Betrag der zurückgehaltenen Coupons soll genügen, -H um die 100 Kilometer der Eisenbahn zu vollenden, welche ■ nöthig sind, um die Garantie der argentinischen Regierung perfekt werden zu lassen. — Die Obligationäre der Society internationale de Gonstruction & d 'Entreprise de Travaux publies in Baine-le-Gomte sind für den 8. Januar zu einer Generalversammlung ein berufen, um über das Arrangement, zu welchem gesetzlich eine Mehrheit von drei Viertel der Gläubiger nöthig ist, abzustimmen. — Die Kurse der belgischen Spiegel - glashütten sowie der Zink-Gesellschafte nsind in Aufwärtsbewegung begriffen. Erstere in Folge des guten Fortgangs der Unterhandlungen betreffs der Rekonstitution des Syndikates und letztere auf ein günstiges Votum des französischen Senates mit Hinblick i auf die freie Einfuhr von Zink in Frankreich. So *, stiegen beispielsweise Glace de Courcelles von 660 auf 685, Glace du Hainaut von 710 auf 755, Glace d’orgnies von 410 auf 440 etc. ; von Zinkaktien progressiven Austro-’ i Beige von 1385 auf 1425, Guerrouma von 1220 auf 1250, : Vieille Montagne von 520 auf 530 und Asturienne des Mines von 4420 auf 4450. — Die Dividende der Lü t- ticher Tramways-Gesellschaft iss auf Fr. 27 für die Actions de Dividende und auf Fr. 9 für die Ac- .i tions de Jouissance (beides wie im Vorjahre) festgesetzt ' worden. — Die Dividende der Compagnie Auxiliaire | Internationale des des Chemins de fer wird, ; voraussichtlich auf Fr. 8.50 per gewöhnliche (1890 Fr. 6,50) und auf Fr. 12 'Ä per previligirte Aktie fixirt wer- . den. Letztere gaben 1890 Fr. IOK.
* Wiesbadener Bade-Etablissement. Die Direktion dieses Unternehmens sendet uns eine Zuschrift, • welche die von dem hiesigen „Finanzherold“ jüngst ver- , öffentlichten Mittheilungen als „größtentheils unrichtig" I bezeichnet und zu deren Widerlegung die nachstehende Bilanz hinzufügt, selbstverständlich nur als eine provisori- *: sehe, da definitive Feststellungen erst nach Abschluß der j Baurechnung möglich sein werden. Hiernach verzeichnet die Direktion Passiva und Aktiva gegenwärtig als an« ■' nähernd die folgenden:
Passiva.
Aktienkapital ..... 2,200,000
Hypothekenschuld (einschließlich ,1t. 1,000,000
Forderung der Preufi. Bodenkredit Akt.-Bank). 1,060,000 "
Forderung der Schweizer Wechsel-
Ak t i v a.
Immobilien einschließlich Villen und Thermalquellen, jedoch abzüglich der Hypothek auf Villa Adelon..................
Neubauten.................
963,200
224,000
. . . 455,000
3,939,000
